DRR101 – Usedom-Trilogie (1) Wohlfühlen und Genuss

Mit Deutschlands östlichster Insel kommen wir Ihnen gleich dreifach. Den Anfang macht der Teil, der für Urlaubsziele entscheidend ist.

Anreisen und Ankommen

Aus vielen Ecken Deutschlands zieht es sich, bis man auf der östlichsten deutschen Insel angekommen ist. Da ist es ziemlich gleich ob man mit der Bahn, dem Auto oder dem Bus anreist. Lediglich die Anreise durch die Luft zum Flughafen von Heringsdorf geht schnell. Immer am Wochenende und das aus Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart, Linz in Österreich, sowie Bern und Basel in der Schweiz. Aber, wer nach Usedom reist wird, von Berlinern mal abgesehen, ohnehin etwas länger bleiben, als nur übers Wochenende. Der weite Weg lohnt sich. Denn Usedom hat eine besondere Ausstrahlung: Von mondän bis einfach, von familien- bis hundefreundlich, von sportlich bis genüsslich, von gesund bis natürlich, von kulturell bis historisch.

Idylle am Morgen: Die Bansiner Seebrücke ist noch leer

Ja, es ist eine Insel. Ja, es gibt einen 42 Kilometer langen Sandstrand und ja, im Sommer ist es dort auch nicht leerer als anderswo an der Ostsee. Aber gerade außerhalb der Hochsaison im Juli und August, bietet Usedom all das Aufgezählte in besonderer Weise.

Was für die Gesundheit tun

Die längste Strandpromenade Europas liegt mit über 12 Kilometern in den Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Laufen aber kann man unendlich lange, der Sandstrand misst eine Länge von 42 Kilometern. Radfahren geht problemlos auf einem gut ausgebauten Wegenetz an der Küste, genauso wie im Achterland. Wer müde wird, sucht sich den nächsten Bahnhof und fährt mit der Bäderbahn zurück. Wer gestresst ist, atmet frische Seeluft und kombiniert sie am besten mit der Luft des ersten Europäischen Heilwalds oberhalb von Heringsdorf. Usedoms Landschaft und Natur zeichnet sich durch große Vielfältigkeit aus. Wir waren unterwegs mit Dr. Karin Lehmann, der stellvertretenden Kurdirektorin der Kaiserbäder. Sie hat uns den Kur- und Heilwald und seine therapeutischen Möglichkeiten näher gebracht.  Normalerweise nimmt man nicht an, dass die Kombination von Wald und ozonreicher Seeluft gesundheitsfördernde Wirkung hat für Gestresste, Herz- und Kreislaufbelastete und Menschen mit Problemen im Bewegungsapparat. Passt für Alle und Alle sollten ihr Smartphone ausmachen, wenn sie den Wald betreten. Im Wald, der zum größten Teil aus Buchen und Kiefern besteht, warten zudem Fitness-Stationen, die einem Dinge abverlangen, die man meint zu beherrschen. Meistens sieht man sich getäuscht, denn Bewegung und richtig Atmen, ist schon lange nicht mehr selbstverständlich. – Gemacht, geatmet, geübt und für gut befunden.

Atemübung mit Karin Lehmann im Heilwald

Gesunde Jodsole

Nun war ich schon ein paar Mal auf der Insel, aber die Jodsole, die zu Kurzwecken in unmittelbarer Nähe der Heringsdorfer Seebrücke aus 400 Metern Tiefe gepumpt wird, war mir bisher entgangen. Den Brunnendeckel zu suchen, lohnt nur bedingt. Viel wichtiger wäre es, das Solewasser mal auszutesten. Das geht in der Ostseetherme zwischen Heringsdorf und Ahlbeck. Dort gibt esdie unterschiedlichsten Behandlungsvariationen und auch die Möglichkeit, den Stoff aus der Tiefe, alsverdünnte Trinksole zu sich zu nehmen. Diverse Hotels benutzen sie auch für Wellnessbehandlungen in ihren Spas.

Jodsole aus 400 Metern Tiefe

Neue Pommersche Küche

Zum Genuss auf der Insel gehört unzweifelhaft auch das kuulinarische Angebot. Fisch gibt es überall frisch. Der Wettstreit um den Kunden bringt aber auch eigene Innovationen hervor. Das Restaurant „1900“ im Heringsdorfer „Aurelia-Hotel St. Hubertus“ pflegt die „Neue Pommersche Küche“. Da gibt es viel Traditionelles neu zu entdecken. Natürlich haben wir uns im Podcast erklären lasen, was es damit auf sich hat. Der große Renner auf der Karte ist übrigens gedünsteter Zander auf Haferstroh.

Zander auf Haferstroh

Beim Zander nimmt man die „Light-Variante“ zu sich. Bei Königsberger Klopsen, mit Backpflaumen gefülltem Braten vom pommerschen Sattelschwein und anderen Köstlichkeiten geht die Kalorienzahl schnell nach oben. Wie auch immer man dazu steht. Leckere regionale Küche ist auch hier etwas ganz Feines und es lohnt sich sie zu testen.

Inselkäserei

Die Konstruktion ist  einmalig. Steffen Schultze hat einen Usedomer Vater, eine schwäbische Mutter, wurde in Achern geboren und absolvierte seine Senn- und Käserausbildung in der Schweiz. Danach hatte er nix „Besseres“ zu tun, als nach Usedom zu gehen und eine Inselkäserei zu eröffnen. Seit 2003 gibt es sein Geschäft. Bio-Rohkäse entsteht aus „demeter-zertifizierter“ Milch. – Steffen präsentiert sich humorig, aber das, was er macht, ist harte Arbeit unter teilweise schwierigen Voraussetzungen. Da ist das Problem mit der genügenden Menge an Biomilch, aber auch Steffens Kampf um ein Hinweisschild an der benachbarten Bundesstraße. – Der Betrieb wirkt bescheiden und optisch auch ein wenig alternativ. Das alte Gebäude verlangt in regelmäßigen Abständen Instandsetzung. Trotzdem will er nicht mehr weg, der badische Käser von Usedom

Interview mit einem Käser: Steffen Schultze betreibt die Inselkäserei. Foto: FOTAC / Wolf-Georg Kirst

In dieser Saison wird er zum ersten Mal mit Schafsmilch experimentieren und natürlich hofft er auf einen Ausbau des Verkaufs an die Gastronomie auf der Insel. Immerhin eine Supermarktkette hat auf Usedom, seine Produkte ins Sortiment aufgenommen, denn die Käserei liegt zu abseits, um mit den vorbeikommenden Touristen allein ein lohnendes Geschäft zu betreiben. Wünschen wir ihm Glück und ein Hinweisschild an der B 110.

Steffen mit jungem und sehr altem Käse. Genuss ist garantiert.

Pommern-Tapas

Tapas und Pommern, passt das? Unser Test ergab, dass das hervorragend funktioniert und sensationell schmeckt. Lars Lindemann päsentiert die spezielle Variante seit 2013 in seinem Restaurant „Remise“ in Stolpe. Es liegt direkt am Schloss und vom Turm kann man bildlich direkt auf die Terrasse springen.

Die „Remise“, vom Schlossturm aus gesehen

Aber was darf man sich unter  pommerschen Tapas vorstellen? Der Blick auf die Auswahlkarte klärt auf. Da finden sich: Heringsröllchen, Geräuchertes Forellenfilet auf Pumpernickel, Königsberger Klöpschen, Wildbratwurst mit Preiselbeersenf oder auch Räucherlachs mit gebackener Kartoffel. Kartoffeln heißen in Pommern Tüfte und finden sich noch einmal als Backtüfte mit Kräuterquark und Leinöl. Und dann wäre da noch das Senfei von der Wachtel, die Wildsalami mit Gürkchen und und und…

Pommerntapas gibt es jeweils 3, 6 oder 9 Stück

Natürlich kann man in der „Remise“ auch ausführlicher essen und sich die Tapas als Vorspeise servieren lassen, wahlweise 3, 6 oder 9 verschiedene. – Was ich damit sagen möchte: Lars Lindemann freut sich auch, wenn Sie mit großem Hunger bei ihm einkehren. Im Sommer kann man draußen sitzen. Für unfreundliches Wetter ist zudem eine kleine Bar mit Lounge-Ecke vorhanden. Sprich: Wohlfühlen ist garantiert, auch etwas abseits vom ganz großen Touristenstrom.

Genuss fürs Auge

Mann und frau kann nicht immer nur essen. Das hätte auf Usedom auch fatale Folgen. Deshalb bewegt man sich am besten zwischendurch immer Mal. Beliebte Spaziergehstrecke ist die Strandpromenade zwischen der Heringsdorfer Brücke und Ahlbeck. Im bewaldeten Teil stößt man auf sagenhafte Villen, die fast alle eine Geschichte erzählen könnten. Adel und Geldadel wussten um die Wende zum 20. Jahrhundert schon recht gut, wie man stilvoll wohnt. Prachtvolle Villen des Geldadels wechseln sich ab mit kleineren verwinkelten aus Holz gebauten Häusern. Von der Architektur der Kaiserbäder hatte ich schon gehört, was aber hat es mit den kleineren Exemplaren auf sich? Fachmann auf diesem Gebiet ist Hans-Ulrich Bauer. Er kennt jeden Prachtbau und hat uns im Podcast fast Alles über Bäderarchitektur und seine besondere Vorliebe erzählt. Angetan haben es ihm die Holzhäuser, für die eine damals große Firma im benachbarten Wolgast verantwortlich war. Dort erstellte man ab 1880 die vermutlich ältesten Fertighäuser der Welt, die „Wolgast-Häuser“. Die Idee war revolutionär, das finanzielle Risiko hoch und dementsprechend blieb der Erfolg langfristig aus. Die Häuser, alle aus Holz haben Zähigkeit bewiesen. Auf Usedom, Rügen und in Berlin findet man auch heute noch einige besonders schöne Exemplare.

Wolgasthaus als Zeichnung und im Original: Die Heringsdorfer Jugendherberge

Besonders schön finde ich das Frontgebäude der Heringsdorfer Jugendherberge. Stilvoller gehts kaum und das für DJH. Große Klasse dieses Haus, das zudem direkt an der Promenade und damit nur 50 Meter vom Strand entfernt liegt.

Genussvolle Mitbringsel

Den Meisten fällt natürlich der Sanddorn ein, wahlweise als Nektar, Saft, im Honig, als Schnapps oder auch als Lutschbonbon. Wer das im Kinderparadies „Karls Erlebnishof“ im Bernsteinbad Koserow einkauft, mag etwas mehr zahlen, hat aber in der großen Scheune alles in Griffweite. Die Kids schickt man nach Draußen zum Abenteuer, vom Traktorparcour über die riesige Kartoffelsackrutsche bis zur Sandkistenhüpfburg. Das Angebot ist überwältigend und natürlich darf man nicht vergessen, den Ursprung von „Karls“ als Erdbeerparadies in Form von sagenhaft wohlschmeckender Marmelade mitzunehmen. Essen kann man dort auch. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es auf der Sonneninsel Usedom mal länger regnet, lässt sich so ein kinderfreundlicher Erlebnistag stricken, der auch Mama und Papa glücklich macht.

Karls Erlebnishof in Koserow

Eine besondere Genussadresse sollte man aber auch bei einem Besuch am Tor zur Insel in der Hansestadt Wolgast unbedingt ansteuern. Die Stadt lohnt auch kulturell, aber das kommt im zweiten Teil. Den genüsslichen Part steuert Torsten Riel mit seiner Schokoladenmanufaktur bei. Der Konditormeister aus Halle betreibt auch das Cafè Biedenweg in der Lange Straße. Zum Einkehren ideal für leckeren Kuchen, die sagenhaft köstliche Biedenweg-Torte, Kaffeespezialitäten und zum Einkaufen, um die Ecke, die Schokoladenmanufaktur. Dort warten nicht nur ausgewählte Pralinen und Schokotafeln. Hier kann man dem Meister auch bei der Arbeit zusehen und kriegt einen Einblick in die Kunstfertigkeit des Chocolatiers. Qualität spricht fürsich. Deshalb ist Torsten inzwischen offizieller „süßer Botschafter“ des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Wir lernen: Was Manuela Schwesig schmeckt, ist bestimmt auch etwas für uns.

Köstliche Pralinen und Schokoladen: Wolgaster Schokoladenmanufaktur

Vor Kurzem hat Torsten Riel auch das Café Biedenweg übernommen und sofort eine Haustorte kreiert. Beim Einkehren sollte man also unbedingt nach der „Biedenweg-Torte“ fragen. Sie ist köstlich, hat vermutlich „9000 Kalorien“, aber jeder ist selber schuld, der sie nicht probiert.

Es geht weiter

Die Usedom-Story geht weiter, zeitnah in unserer nächsten Ausgabe. Dann widmen wir uns Kunst, Kultur und Kuriositäten. Ein dritter Teil beschäftigt sich dann dem „Usedom-Gefühl“. Mehr wird noch nicht verraten!

Meer am Morgen: Die Ostsee vor Usedom

Information

Usedom:  www.usedom.de

Heilwald & Sole: www.kaiserbaeder-auf-usedom.de /

www.kur-und-heilwald.de

Neue Pommersche Küche: www.aurelia.net

Inselkäserei: www.inselkaese.de

Pommerntapas: www.restaurant-remise-schloss-stolpe.de

Wolgasthäuser: www.igel-usedom.de

Karls Erlebnishof: www.karls.de

Wolgaster Schokoladenmanufaktur: www.schokoladenmanufaktur-biedenweg.de

Hinweis

Die Recherche zu dieser Reiseradiogeschichte wurde unterstützt von „Usedom-Tourismus“. Dies hat keinen Einfluss auf eine objektive Berichterstattung!

 

 

 

 

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