DRR29 25 Jahre Deutsche Einheit – Eine Reise in die Geschichte von Point Alpha

Wanderer zwischen Welten, dieses Attribut trifft auf David Altheide in vielfacher Hinsicht zu. Er ist ein Mann der aus sehr subjektiver Erfahrung über die Zeit der deutschen Teilung berichten kann. Das tut er mit großem Engagement am Point Alpha, zwischen dem thüringischen Geisa und Rasdorf in Hessen.  Dort lebt er heute, geboren ist er in Weida im Vogtland. 1989 kam er als 10 Jähriger mit Mutter, Schwester und Stiefvater über die bundesdeutsche Botschaft in Prag in den Westen. – Wir haben ihn auf einer Führung begleitet und ein historisches Hörbild gebaut.

Akustische History-Tour an der deutsch-deutschen Grenze – ein Hörbild:

David Altheide bei einer Führung
David Altheide bei einer Führung

David Altheide macht Führungen am Point Alpha. Dort haben wir ihn kennengelernt. David gibt von Anfang an nicht den Unbeteiligten, an dem was er erzählt. Er steigt ein mit seinem eigenen Schicksal, berichtet über die schwierige Lage seiner Familie, da seine Mutter schon als 16jährige wegen versuchter Republikflucht verurteilt worden war. Er berichtet von seiner beinahen Zwangsadoption und von seiner Kindheit in der DDR. „Im Kommunismus erzogen, war ich begeistert von unserem Staat“, erzählt er. 1988 habe er per Zufall einen noch nicht abgeschickten Ausreiseantrag seiner Eltern gefunden. Die fehlende Linientreue der Eltern kostete in die Aufnahme in die Thälmann-Pioniere. Mit viel Glück konnte die Familie, zum Besuch einer angeblichen Tante, nach Prag ausreisen. Der Weg führte aber in die Botschaft und dann nach bangen Stunden in den Westen. Die erste westliche Errungenschaft sei Fruchtjoghurt in der Botschaft gewesen, er habe gefühlte 4 Kilo davon gegessen. Er erinnert sich auch an den Grenzübertritt in Hof. Als der Zug über die Grenze fuhr, sei das das erste Mal gewesen, dass er Wachtürme und Stacheldraht gesehen habe. Von Hof aus ging die Reise weiter nach Hessen. Die Führungen am Point Alpha seien ihm ein tiefes Bedürfnis, sagt er. In seiner kindlichen Unkenntnis der Dinge habe er sich später tief in die deutsch-deutsche Geschichte gegraben und wolle dies weitergeben, insbesondere an junge Menschen. Damit nicht vergessen geht, was nicht vergessen werden darf.

Ausstellung im "Haus der Begegnung
Ausstellung im „Haus der Begegnung

Dichter standen sich DDR-Grenztruppen und US-Armee an der gesamten deutsch-deutschen Grenze nirgendwo gegenüber. Der Abstand zwischen den beiden Beobachtungstürmen beträgt gerade mal geschätzte 500 Meter. – Die Planspiele hatten dafür gesorgt, dass man im Westen genau an dieser Stelle zwischen dem hessischen Rasdorf und Geisa in Thüringen einen militärischen Durchbruch befürchtete, mit entsprechenden Konsequenzen bis zum Einsatz von Nuklearrakteten. Gemeinhin ist dieses grausame Planspiel bekannt als „Fulda Gap“. Die genaue Strategie lässt sich heute sogar nachlesen. Das sogar in deutscher Übersetzung, da es der DDR-Staatssicherheit gelungen war, sich des Papiers zu bemächtigen. Entlang dieser Zone hatte die US Army sogenannte Observation Points eingerichtet. Der Erste trug folgerichtig den Namen „OP Alpha“. Daraus wurde umgangssprachlich der Begriff „Point Alpha“.

Ausstellung: Grenzanlagen von oben
Ausstellung: Grenzanlagen von oben

Dank des Engagements hessischer und thüringischer Bürger ist Point Alpha heute eine Gedenk- und Begegnungsstätte. Im „Haus an der Grenze“ finden Seminare insbesondere für junge Menschen statt, die diese Grenze und die Teilung Deutschlands nicht mehr erlebt haben. Eine Ausstellung berichtet über die mörderischen Grenzanlagen, aber auch über Randerscheinungen, wie die Deportation von Menschen aus der DDR-Sperrzone. Man erfährt hier eindrücklich, was es bedeutet, wenn eine unmenschliche Grenze über das Leben von Menschen bestimmt, ein ganzes Volk einsperrt. Der bedrückend reale Teil einer Führung beginnt, wenn man diese Grenze abläuft. Beginnend am „Haus an der Grenze“ sieht man die zeitliche Entwicklung der Grenzanlagen von den frühen 1950er Jahren bis zur Wende 1989. Die Sperren werden mit jedem Meter und Jahr perfekter und brutaler. Am eigentlichen US-Beobachtungspunkt angelangt, kann man die Grenze in ihrer endgültigen Form, mit Selbstschussanlagen, Zäunen, patrollierenden Hunden, Kfz-Sperrgräben, Grenzmeldenetz und Beobachtungstürmen nachvollziehen. Eine Flucht durch diese Sperranlagen scheint aussichtslos.

Zum Erhalt des markanten Orts wurde 2008 die „Point Alpha Stiftung“ gegründet. Sie setzt sich für den Erhalt und politische Bildung ein, u.a. am Sitz Schloss Geisa. Das Kuratorium verleiht den Point Alpha Preis seit 2005. Zu den Preisträgern gehören u.a. Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Michail Gorbatschow, George Bush sen., Vaclav Havel und Lech Walesa.

Weitere Information: POINTALPHALOGO

 

 

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