DRR49 Der Präsident in der Personalkantine – Geschichten aus Washington DC

Im Moment schaut die Welt – zumindest gelegentlich – in Richtung USA und den Kampf ums Weiße Haus. Donald Trump liefert die Schlagzeilen. Immer mehr Republikaner meinen, er sei der richtige Kandidat für den Präsidentenposten. Und von außen schaut man auf die Staaten

US Capitol
US Capitol

und fragt sich mitunter fassungslos, wie das in einem aufgeklärten Land geschehen kann. Dagegen war ja selbst der ahnungslose Ronald Reagen ein Waisenknabe. Bevor der amtierende Präsident Barack Obama sein Bündel schnürt und auszieht aus „1600 Pennsylvania Avenue“, gibt es hier im Deutschen Reiseradio noch eine Rückerinnerung an Zeiten, in denen der Präsident regelrecht geliebt wurde und Viele darauf setzten, dass jetzt Bewegung ins Land kommt. – Die gab es ja auch, aber der Prophet, gilt im eigenen Land ja meist nichts. Erinnerung an eine Reise vor rund 5 Jahren – Selbstverständlich mit aktuellen Updates versehen. Hauptthema: Deutsche und Deutsches in den USA und in Washington DC.

Hier ist die komplette DC-Show zum Hören:

Obama liebt „Ribs“ oder der Präsident in der Betriebskantine

"Hay Adams" - Hotel
„Hay Adams“ – Hotel

13 Jahre nicht in Washington gewesen und Vieles hatte sich verändert. Da waren die Wachtposten und die Absperrungen vor dem „Weißen Haus“. Ende der 1990er Jahre konnte man hier noch ungehindert am „Gartenzaun“ vorbeilaufen. Ein neuer Präsident hatte 2008 das Ruder übernommen. „Yes, we Can“, hieß seine Devise und viele Amerikaner waren zu diesem Zeitpunkt davon überzeugt. Man hatte nicht nur einen schwarzen Präsidenten, sondern man hatte endlich jemanden, der den Bedürfnissen des Volkes wieder näher kam. Nach 8 Jahren Bush-Präsidentschaft gab es wieder einen Mann aus dem Volk. So wie Bill Clinton sein Wachpersonal schockte, weil er auf dem Rückweg vom Joggen immer in einem nahegelegenen „McDonalds“ einen Kaffee kaufte, so ging Barack Obama vor seinem Einzug ins Weiße Haus auch schon mal in die Betriebskantine des benachbarten „Hay Adams“-Hotels und ließ sich eine doppelte Portion „Ribs“ servieren. Der deutsche Küchenchef Peter Schaffrath erzählte uns diese Geschichte mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Er hat in all den Jahren dem Hay-Adams die Treue gehalten. Er fühlt sich wohl in der amerikanischen Hauptstadt.

Die Story von der Präsidentenfamilie im Hotel:

Wohlfühlfaktor DC

White House - 1600 Pennsylvania Avenue
White House – 1600 Pennsylvania Avenue

Wohlfühlen kann man sich in DC, dem District of Columbia, wie die Region der Hauptstadt heißt. Washington kommt angenehm unamerikanisch daher, das beginnt schon mit der streng geregelten Bebauungsgrenze. Innerhalb von DC, darf kein Gebäude höher sein, als die Spitze des Capitols. Wer hier unterwegs ist, merkt damit ganz schnell, wenn er den Hauptstadtbezirk verlässt und auf den Boden von Maryland oder Virginia kommt, denn sofort schießen die Stockwerkzahlen in die Höhe. Besucher haben ein ordentliches Pflichtprogramm. Vieles findet rund um die „National Mall“ statt. Der breite Streifen von sattem Grün erstreckt sich vom „Lincoln Memorial“ am Potomac-Fluß bis zum Capitol. An der „Mall“ liegen nicht nur das „Weiße Haus, sondern auch das „Washington Monument“, ein riesiger Obelisk, das Capitol, mit Senat und Kongress und unendlich viele Museen. Technikfreaks möchte ich das „Air und Space Museum“ nahelegen. Und natürlich kann man rund um den Streifen zwischen Capitol auf der einen und dem Lincoln Memorial auf der anderen Seite, tagelang von einem Museum ins Andere wechseln. Nicht vergessen sollte man einen Gang durch den grünen Teil der Mall und auf der Seite Richtung Potomac, muss man unbedingt Station am Vietnam Memorial machen. Hier sind unendlich viele Namen von Kriegsopfern eingraviert. Es beginnt optisch fast harmlos mit einer Mauer, die nur ein paar Zentimeter hoch ist, aber der Weg geht nach unten und die Mauer wird immer höher, die Namen immer mehr und irgendwann wird man regelrecht erschlagen von der Zahl der Menschen, denen hier gedacht wird und die im Vietnamkrieg ihr Leben verloren. Ein Mahnmal für den Frieden.

https://youtu.be/Y7knC8U3188

Zentrum von politischer Macht und ständigen Nachrichten

Newseum-2

Washington D.C. die Machtzentrale der USA und irgendwie auch ein wenig die Nachrichtenzentrale des Landes. Seit einigen Jahren hat man auch dem permanenten „News-Output“ ein Denkmal gesetzt. Das „Newseum“ an der Pennsylvania Avenue in Richtung Capitol ist Pflichtprogramm für alle Medienleute, bietet aber auch jedem anderen Interessierten einen Einblick in die Geschichte der amerikanischen und weltweiten Medienentwicklung. Das ist spannend, weil wunderbar interaktiv aufgebaut. Und es ist international orientiert. Hier findet Newseum-3man den „Nachrichtenhubschrauber“ an der Decke, genauso wie einen lebensecht-großen DDR-Kontrollturm inklusive eines echten Stücks Berliner Mauer. Natürlich spielt die Berichterstattung über den schlimmsten Tag der USA, mit den Abschlägen vom 11. September 2001 eine wichtige Rolle. Es gibt aber auch spielerische Elemente wie das hauseigene Fernsehstudio, in dem sich Besucher als Reporter vor der Kamera ausprobieren dürfen.

Zentrum der Spionage

Unterwegs im Zentrum der Macht. Und was macht Macht so spannend? – Richtig, dass immer Jemand damit beschäftigt ist, dieselbe zu unterhöhlen. Dafür gibt’s Geheimdienste, Spione und andere seltsame Gestalten. – Auch die kann man in Washington ganz öffentlich treffen. Zumindest die von „Gestern“.  Dafür gibt es ein gesondertes Museum. Interessanterweise spielt dabei gerade die amerikanisch – deutsche Geschichte eine große Rolle, wenngleich auch mit einem silbernen MG, dem Spione der Spione gehuldigt wird.

Das „International Spy Museum“ macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Und auch hier könnte man Stunden verbringen. Spielerische Elemente sind dabei sehr wichtig. Man wird gewissermaßen selber zum Spion ernannt und kann Aufgaben erledigen, aber man muss es natürlich nicht. Es gibt auch so genug zu sehen und zu erfahren.

Deutsch – Amerikanisches

Wer deutsche Forschung betreiben will, der muss unbedingt in ein Museum, das den deutschen Einwanderern – oder müsste man sagen Flüchtlingen – gewidmet ist. Deutsche Einwanderer haben ziemlich viel zur Entdeckung, Erschließung und Weiterentwicklung der Vereinigten Staaten beigetragen. Die deutschen Wurzeln sind auch überall noch vorhanden, man muss sie nur sehr gut suchen.

Interview mit Rüdiger Lentz
Interview mit Rüdiger Lentz

Das „German – American Heritage Museum“ hat sich der Dokumentation dieser deutschen Wurzeln in den Vereinigten Staaten verschrieben hat. Direktor war bis 2013 Rüdiger Lentz. Der Journalist und ehemalige Korrespondent der Deutschen Welle in Washington hatte sich schon während seiner Reporterzeit intensiv mit dem Thema beschäftigt. Da lag es nahe zu forschen und zu dokumentieren. Und die Gründe für die Auswanderung aus Deutschland sind so vielfältig wie die Zeiten so unterschiedlich, sagt Lentz, den wir zum Gespräch treffen konnten. Heute ist er Leiter des „Aspen Institutes“ in Berlin.

Einwanderung, ein Thema, das im Moment aktueller denn je ist. Umso unverständlicher die Äußerungen des Möchtegern-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump. Ohne die unzähligen multikulturellen Einflüsse wären die USA heute nicht das, was sie sind. Das aber erscheint fast vergessen, wenn man den großen Zuspruch zu diesem Kandidaten sieht. – Bleibt aus meiner Sicht zu hoffen, dass er es nicht schafft und dass ich auch im Jahr 2017 gerne in die Vereinigten Staaten reisen werde.

Reiseinfos:

Hin kommt man nonstop von Frankfurt aus mit Lufthansa und mit United Airlines. Per Umsteigeverbindung geht das natürlich auch mit anderen Fluggesellschaften. Der Internationale Flughafen Dulles liegt etwa eine dreiviertel Stunde vor der Stadt, wenn man mit dem Auto fährt. Hotels gibt es reichlich in vielen Preisklassen. Berücksichtigen sollte man dabei auch die Unterkünfte am Stadtrand, insbesondere in Arlington, das schon im Nachbarstaat Virginia liegt.Wichtig für alle USA-Touristen ist, nach wie vor, die Registrierung über das Einreisesystem ESTA und natürlich der gültige Reisepass.

CRUSA

Washington – Infos:

 

 

Fotos: Rüdiger Edelmann, ttb-media TON-TEXT-BILD

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