D-RR News 27.02.25 – Entschädigungen, Streiks & Hoffnung

Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

ITB is calling

Rüdiger Edelmann – Foto: Holger Leue

Das sind die letzten News vom Redaktionsschreibtisch. Ab Montag bin ich in Berlin und recherchiere neue Themen, produziere neue Podcasts und treffe hoffentlich viele interessante Menschen. Es ist nämlich ITB-Zeit.

Wer in Erinnerungen schwelgen möchte ist im aktuellsten Reiseradio-Podcast gut aufgehoben. Da warten Erinnerungen wir Perspektiven aus vielen, miterlebten. ITB-Jahren.

Da das Reiseradio ja als „One Man Show“ daherkommt, werde ich vermutlich nicht in der Lage sein, in der nächsten Woche auch noch die Dienstags- und Donnerstags-News zu liefern. Ich bitte um Verständnis dafür. Ein Team von Menschen könnte das leisten, aber alles was hier publiziert wird, ist ja aus einer Autorenhand.

Die Touristiker werden ohnehin keine Zeit auf diese News verschwenden, denn sie sind ja vor Ort und für wissbegierige Urlauber und Verbraucher, sind die Neuigkeiten auch kurz nach der Messe noch brennend interessant.

Happy ITB! Wir sehen uns bzw. entspannt und freut Euch auf neuen Content von der weltgrößten Reisemesse.


Aufgeweichte Entschädigungsleistungen?

Die europäische Union hat seit Jahren extrem kundenfreundliche Entschädigungsregeln für Passagiere von verspäteten Flügen. Dies könnte sich in naher Zukunft ändern, oder sagen wir eher, verschlechtern.

Die Airline-Lobby kämpft schon lange und hat offensichtlich Gehör gefunden. Was aufgrund von wachsenden Verspätungen am Himmel immer teurer für die Fluggesellschaften wird, könnte – je nach Interpretation – aufgeweicht oder entspannt – werden.

Bisher gab es die Entschädigungen, wenn ein Flug mehr als drei Stunden später am Reiseziel ankam. Jetzt könnten aus den drei Stunden fünf werden. Damit gäbe es zum Beispiel für 70 Prozent aller angefallen Verspätungen im letzten Jahr keine Entschädigung mehr.

Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

Geld bleibt – Zeit soll sich ändern

Die Entschädigungsleistungen von 250 Euro für Strecken bis 1.500 Kilometer, über 400 Euro für die Mittelstrecke (max. 3.500 Kilometer) bis zu 600 Euro auf der Langstrecke (über 3.500 Kilometer) blieben bestehen. Geld gäbe es allerdings erst Verspätungen von über 5 Stunden.

Die Verbraucherseite, insbesondere die vielen Entschädigungsportale, die das Geld für Kunden eintreiben, sprechen von einem geschickten Schachzug zur weiteren Gewinnmaximierung der Airlines. Die Fluggesellschaften verweisen u.a. darauf, dass Passagiere teilweise mit Summen entschädigt werden mussten, die über dem Preis des Flugtickets lagen.

Wenn’s mal wieder länger dauert (Symbolbild) – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

Politische Wege dauern

Beschlossen ist noch nix. Der Entwurf kursiert. Bis er Realität wird und EU-Kommission, -rat und -parlament passiert hat, dürfte es noch geraume Zeit dauern.

Streiks an Flughäfen

Wir berichteten über die Warnstreiks (öffentlicher Dienst) an deutschen Flughäfen. Bereits zu Beginn der Woche mussten deshalb reichlich Flüge in Düsseldorf und Köln/Bonn abgesagt werden. Heute und Morgen wird am Münchner Airport gestreikt. Dort haben die Airlines bereits vor Beginn etwa 80 Prozent der Verbindungen gestrichen. Auch Hamburg sollte heute betroffen sein. Der Flughafen dort spricht aber bisher von einem weitgehend normalen Betrieb, lediglich die Verbindungen nach München wurden, wegen des Streiks dort, bisher gecancelt. Gestreikt wird an Flughäfen nur bei Bodendienstleistern, da es sich ja um einen Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst handelt.

Foto: Michael Fritz / Flughafen München

Die Streiks finden hauptsächlich bei Entsorgungsbetrieben, Müllabfuhr, Stadtreinigung, städtischen Verkehrsbetrieben und Behörden statt. Die Streiks an den Airports in München und Hamburg sollen bis Morgen 24 Uhr andauern.

Generalstreik in Griechenland

Wer am morgigen Freitag nach Griechenland will, dürfte Probleme bekommen. Dem Land droht ein Generalstreik, von dem u.a. Flugverkehr, Bahn und Fähren betroffen sein dürften. Zwischen 10 und 13 Uhr dürften zudem keine Taxis im Land unterwegs sein.

Der Grund ist ein humanitär-politischer. Vor zwei Jahren gab es ein schweres Zugunglück im Griechenland. Für die 57 Opfer, bzw. ihre Angehörigen hat es bisher keinerlei Entschädigungen gegeben. Die Gewerkschaften fordern Gerechtigkeit vom Staat ein.

 

Streik in Italien

Auch „am Stiefel“ drohen in der nächsten Woche Streiks, die zu Behinderungen im Luft-, Bahn und öffentlichen Straßenverkehr führen dürften.

Der Streik ist in Wellen organisiert worden. Der „Generalstreik“ soll am 8. März stattfinden. Danach folgt am 16. März ein Streik der Gepäckabfertiger. Der Bahnstreik schließlich soll am 18. Und 19. März die Protestwelle komplettieren.

An allen Tagen ist von zum Teil größeren Einschränkungen im Verkehrsbereich auszugehen.

Nachhaltigkeit trotz Trump & Klima-Ignoranz

Wir hatten uns schon fast daran gewöhnt, dass die Klimakrise in den USA als nicht existent bezeichnet wird.

Offensichtlich gibt es aber trotzdem noch Wirtschaftsunternehmen, die sich nicht um Regierungsversionen eines Problems kümmern. United Airlines gehört wohl dazu.

Der „United Airlines Ventures Sustainable Flight Fundinvestiert in das US-amerikanische Unternehmen Heirloom, einen Spezialisten auf dem Gebiet von Direct Air Capture (DAC). Zusätzlich hat sich der Fonds das Recht gesichert, bis zu 500.000 Tonnen CO2-Abscheidungen zu erwerben, die für die Herstellung von nachhaltigem Flugkraftoff genutzt oder dauerhaft im Boden gelagert werden sollen. Das hat die Fluggesellschaft gestern bekanntgegeben.

Eco Skies Plane – Foto: United Airlines

Heirloom hat sich als einer der weltweit führenden Anbieter für DAC-Verfahren etabliert. Die Technik beruht darauf, mit der Hilfe von Kalkstein CO2 direkt aus der Luft abzuscheiden. Dies gilt potenziell als eine der kostengünstigsten Möglichkeiten, der Luft schädliches Kohlendioxid zu entziehen.

Heirloom DAC Anlage in Tracy, California – Foto: United Airlines

Mit Heirloom investiert der „United Airlines Ventures Sustainable Flight Fund“ zum dritten Mal in eine Firma, die sich mit der Abscheidung von CO2 beschäftigt. An dem Fonds sind neben United zahlreiche weitere namhafte Unternehmen beteiligt, unter anderem Air Canada, American Express Global Business Travel, Boeing, die Boston Consulting Group, GE Aerospace und Google. Mit einem Investitionskapital von mehr als 200 Millionen US-Dollar unterstützt der Fonds branchenübergreifend Unternehmen und Startups, die zur Dekarbonisierung der Luftfahrt beitragen.

Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung?

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