DRR News 14.10.20 – Coronastreit / Statistikplus / NL „Lockdown“ / LH A350

Foto: Best Western Hotels

Corona-Maßnahmen und der Streit ums Beherbergungsverbot

Heute ist vielleicht der Tag der Tage, oder auch nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum ersten Mal seit Beginn des Krisenmanagements die Ministerpräsident*innen der Bundesländer persönlich einbestellt. Neben vielen anderen Maßnahmen schaut insbesondere die Reisebranche auf Einreise- und Beherbergungsverbote für Reisende aus Risikogebieten. Nach nur vermeintlicher und von der Branche kritisierten Einigkeit von letzter Woche ist inzwischen ein Flickenteppich von Regelungen entstanden, die letztlich zur absoluten Reisemüdigkeit in den Herbstferien geführt hat.

Einbestellt: Heute Treffen im Kanzleramt

In Berlin soll nun etwas unternommen werden gegen die „Schwarze Peter – Taktik“, die zwischen den unterschiedlichen Bundesländern hin und her geschoben wird.

Im Vorfeld haben unterschiedliche Institutionen Stellung bezogen. Selbst der Tourismusbeauftragte im Wirtschaftsministerium, Thomas Bareiß, fordert die Rücknahme der Beherbergungsverbote. Frank Montgomery, der Präsident des Weltärzteverbands murmelt inzwischen etwas von Ausreisekontrollen aus den Risikogebieten.

Der Dachverband DRV schreibt in seinem wöchentlichen Newsletter zur leider gängigen Praxis:

„Die Regelungen der Bundesregierung gleichen einem föderalen Flickenteppich und sorgen für größte Verunsicherung bei den Menschen, die gerne in den Herbstferien verreisen würden. Die Auflage, ein negatives Testergebnis vorzuweisen, um innerdeutsch übernachten zu dürfen, ist für viele nicht zu erfüllen: Entweder sie bekommen erst gar keinen Termin oder es dauert zu lange bis ein Testergebnis vorliegt. Das ist schlicht kontraproduktiv.“

Man darf also auf die politischen Entscheidungen aus Berlin gespannt sein. Immerhin droht mit strengen Reisebeschränkungen jetzt auch noch der wirtschaftliche Zusammenbruch des innerdeutschen Tourismus. Die hundertprozentig richtige Entscheidung zu treffen, kann in solchen Zeiten allerdings niemand für sich in Anspruch nehmen.

Das Robert-Koch-Institut meldet heute Morgen 5.132 Neuinfektionen und 43 Todesfälle. Erstmals seit April werde damit die Schwelle von 5000 Infizierten in 24 Stunden wieder überschritten. Die Zahl der ausgewiesenen Risikogebiete ist auf 47 gestiegen.

Zum Thema gibt es im Reiseradio, heute noch, eine neue Podcast-Ausgabe zum Thema, konzentriert auf Ferienhäuser und Ferienwohnungen. Ein Mann aus der Praxis wird zu Wort kommen.

Region mit erfreulichen Zahlen

Waginger See im Chiemgau

Auch das gibt es. Der Tourismusverband Chiemgau teilte gestern mit, die aktuelle Tourismus-Statistik des Bayerischen Landesamts weise die Region als einen Favoriten der Urlauber in Bayern aus. Mit 119.000 Gästen liege der Chiemgau 0,7 Prozent über dem August des Vorjahres (Durchschnitt Bayern: – 25,8 %). Bei den Übernachtungen seien es sogar 10,9 Prozent mehr (Bayern: – 14,7 Prozent). Die Gäste blieben so lange wie schon seit Jahren nicht mehr. Während der durchschnittliche Urlauber im Vorjahr 3,9 Nächte im Chiemgau verbracht habe, seien es im August dieses Jahres 4,5 Nächte (Bayern: 2,9 Nächte) gewesen.

Usedom freut sich – auch für die Gäste

Usedom: Bansin

Deutschlands östlichste Insel ist zusammen mit der Stadt Wolgast als Modellregion bei einem Projektwettbewerb des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgewählt worden. Ziel dieses Wettbewerbs ist die gebietsübergreifende Erprobung und Evaluierung ausgewählter Schlüsselmaßnahmen aus der Landestourismuskonzeption. Kernstück des Projekts ist die Anerkennung der Insel Usedom als einheitliches Erholungs- und Erhebungsgebiet.

Was sehr theoretisch klingt wird für Einheimische wie Gäste künftig eine Reihe von Vorteilen bieten. So soll die Kurkarte künftig in der gesamten Modellregion Gültigkeit haben. Insulaner und deren nahe Verwandte sollen von der Kurabgabe befreit werden und Gäste wie Einheimische Bus und Bahn in ÖPNV-Netz kostenfrei nutzen können.

Niederlande fast im Lockdown-Modus

Dunkle Wolken über den Niederlanden

Aufgrund explodierender Infektionszahlen greift die niederländische Regierung zu drastischen Maßnahmen. Die Maskenpflicht gilt in der kompletten Öffentlichkeit und dort auch in geschlossenen Räumen. Bars und Restaurants müssen ab heute geschlossen bleiben. Lediglich Auslieferung von Essen ist noch zugelassen. Die Menschen sollen möglichst zuhause bleiben. Selbst öffentliche Verkehrsmittel dürfen nur noch für absolut notwendige Fahrten genutzt werden. Kontakte sollen reduziert werden. Maximal drei Besucher darf man, auch in privaten Haushalten, empfangen. Teamsport und Versammlungen von mehr als 30 Personen sind verboten. Die niederländische Corona-Statistik weist für die vergangenen sieben Tagen 252 Infektionen pro 100.000 Einwohner aus. In Großstädten wie Amsterdam und Rotterdam liegt sie bei einem Wert von 410.

„We Love Travel“ nur digital

We love Travel! – nur virtuell und digital

Eigentlich war das ganz anders geplant und letztlich waren die Vorbereitung für eine Mischung aus Face-to-Face-Veranstaltung und digitalen Angeboten gestellt. Eine Veranstaltungshalle im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gemietet. Es klang alles so vielversprechend-hoffnungsvoll. Doch dann kamen die Risikogebiete über die Hauptstadt und das war’s dann wieder mal in Sachen „richtige“ Veranstaltung. Nichtsdestotrotz soll „We Love Travel!“ inhaltlich über die Bühne gehen. Das digitale Angebot steht, teilte gestern die Messe Berlin mit. Wir reden über ein dreitägiges Online-Event für Fach- und Privatbesucher – 90 Aussteller und über 50 Speaker – Für 25 Euro können Fachbesucher am Freitag die digitalen Angebote und Networking-Formate nutzen. Am Wochenende richtet sich das vielfältige Programm an Privatbesucher. Der Livestream steht am Wochenende kostenlos und ohne vorherige Registrierung auf zur Verfügung. Hier ist der Link!

Luftfahrtverbände kritisieren EU-Reiseampel

Luftfahrtverbände kritisieren EU

Der Beschluss der Europaminister zu einer Corona-Ampel für wird von Luftfahrtverbänden heftig kritisiert und als Fehlschlag bezeichnet. IATA und ACI Europe kritisieren, dass es den EU-Staaten weiterhin möglich sei, Passagieren die Einreise aus anderen Ländern der EU zu untersagen oder sie zu Quarantänemaßnahmen zu zwingen. Stattdessen fordern die Verbände eine Ausweitung der Tests. In der Stellungnahme heißt es:

„Die mangelhafte Abstimmung zwischen den Mitgliedsstaaten hat die anfängliche Erholung in der Luftfahrt- und Tourismusbranche abgewürgt“

Die wirtschaftliche Stabilität der Reisebranche sei mehr als gefährdet, vielen Unternehmen drohe die Pleite.

Lufthansa: „Sparwaffe“ A350

Hoffnung der Zukunft? – A 350 Foto: Lufthansa

Bis Ende März 2021 setzt Lufthansa vier bislang in München geparkte Airbus A350-900 an ihrem Drehkreuz Frankfurt ein. Die Maschinen sollen, mit Crews aus München, die Boeing 747-8 auf den Strecken nach Chicago und Los Angeles ersetzen. Ab Dezember wird der nach Tokio-Haneda eingesetzte Airbus 340-300 ebenfalls durch eine A350-900 ersetzt werden.

Von Frankfurt aus fliegen die A350-900 in den kommenden Monaten Chicago und Los Angeles an und ersetzen für diesen Zeitraum die Boeing 747-8. Ab Dezember soll die A350-900, statt des Airbus A340-300, auch auf der Strecke nach Tokio/Haneda eingesetzt werden. Der Maschinentausch hat nicht nur mit Platzüberkapazitäten zu tun. Ein A350 verbraucht im Vergleich zu einer Boeing 747-8 rund zwölf Prozent weniger Kerosin und emittiert entsprechend weniger CO2.

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