Tourismus braucht Weltoffenheit und Gastfreundschaft”
Aus Gründen veröffentliche ich heute und hier den Gastbeitrag von Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbands (DTV) in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland und hoffe man dreht mir daraus keinen urheberrechtlichen Strick. Geht es doch um sehr viel.
Deutschland ist als Reiseland erfolgreicher denn je. Speziell Ostdeutschland behauptete sich 2025 mit 85,5 Millionen Übernachtungen und 466,5 Millionen Tagesreisen auf hohem Niveau. Allein der Tagestourismus erwirtschaftete einen Bruttoumsatz von rund 13,9 Milliarden Euro.
Das kommt nicht von ungefähr, verfügt doch gerade Ostdeutschland mit dem Bauhaus in Dessau, den Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben, der Klassik in Weimar oder den zahlreichen UNESCO-Welterbestätten über Kulturorte, die weit über Deutschland hinaus bekannt sind. Ihre internationale Ausstrahlung ist über Jahrzehnte gewachsen. Sie lässt sich nicht verordnen und nicht kurzfristig ersetzen.
Sachsen – Anhalt
Vor diesem Hintergrund beobachte ich mit Sorge eine Entwicklung, die in Sachsen-Anhalt seit ein paar Jahren zu verfolgen ist. Die Kritik der AfD am Bauhaus zieht sich durch parlamentarische Initiativen und findet sich nun im Wahlprogramm der Partei für Sachsen-Anhalt wieder. Dort wird das Bauhaus als „umstrittene Architekturschule“ bezeichnet. An die Stelle der bisherigen Vermarktung soll eine Kampagne unter dem Motto „#deutschdenken“ mit „patriotischen Tourismuskonzepten“ treten.
Aus Sicht des Tourismus überzeugt dieser Gegensatz nicht. Im Gegenteil: Er ist Gift für das Bild Deutschlands in der Welt. Deutschlands touristische Stärke beruht gerade darauf, dass nationale Identität und internationale Ausstrahlung kein Widerspruch sind. Das Bauhaus ist ein deutsches Kulturerbe – und zugleich eine weltweit anerkannte Marke. Sein Erfolg liegt nicht darin, dass es sich nach innen richtet, sondern dass es Menschen aus aller Welt anspricht.
Um es klar zu sagen: Es ist ein Fehler, international etablierte Kulturmarken wie das Bauhaus zum Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen zu machen. Was über Jahrzehnte als touristische Stärke aufgebaut wurde, sollte nicht aus kurzfristigen politischen Erwägungen infrage gestellt werden. Von den irritierenden Parallelen zu Zeiten des Nationalsozialismus und dem damaligen Umgang mit dem Bauhaus ganz zu schweigen.
Tourismus lebt davon, dass Kultur Menschen verbindet und Neugier weckt. Wer Kultur vor allem als Mittel nationaler Selbstvergewisserung versteht, verkennt ihre internationale Anziehungskraft – und damit einen wichtigen wirtschaftlichen Erfolgsfaktor. Deshalb gilt beim Bauhaus: Wehret den Anfängen!
Der Deutsche Tourismusverband bewertet keine Parteien. Er vertritt die Interessen einer Branche, deren wirtschaftlicher Erfolg davon abhängt, wie Deutschland im In- und Ausland wahrgenommen wird. Weltoffenheit und Gastfreundschaft sind Grundlage dafür, ausländische Gäste für Deutschland zu gewinnen.
Wer den Tourismus fördern will, sollte diese Stärken bewahren und weiterentwickeln.
Gebaut 1925/26: Das Dessauer Bauhausgebäude – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Sturzflut in Tibet und Nepal
Im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet kam es gestern zu einer Sturzflut und mehreren Erdrutschen, die mindestens 165 Todesopfer und noch mehr Verletzte gefordert haben. Über 1.300 Menschen sind vermisst gemeldet, darunter hunderte von Touristen. Die Zahl der Toten wird noch erheblich steigen, sagen die verantwortlichen Rettungskräfte.
Es seien ganze Dörfer weggerissen worden, heißt es in Berichten. Die Sachschäden sind sehr groß. Das betroffene Gebiet liegt in einem der Himalaya-Täler und in den Bergregionen entlang des Flusses Bhotekoshi. Straßen- und Stromverbindungen sind zu einem großen Teil zerstört, auch Kommunikationseinrichtungen funktionierten erst einmal nicht.
Die Region ist anfällig für Erdrutsche und Überschwemmungen. Man vermutet, dass die Flutwelle von einem durch Erdrutsche aufgestauten Wasserdamm stammt, der plötzlich durch den Wasserdruck wieder frei wurde.
Herbst ist schnell: MV lädt schon mal ein
Mit herbstlichen Naturerlebnissen in Nationalparks und Kulturangeboten in Schlössern und Städten wirbt die MV Tourismus GmbH für einen Herbsturlaub in Mecklenburg-Vorpommern. „Herbstlich Willkommen“ heißt der Werbeclaim, der über einen Zeitraum von zwei Monaten in Form von Online-Werbung deutschlandweit und mittels Plakaten und City-Light-Postern in sieben Städten im Bundesgebiet präsent sein wird.
Der Gästezustrom war bisher immer erfreulich. Allein im Herbstferienzeitraum wurden 2025 laut amtlicher Statistik mehr als 700.000 Gästeankünfte und rund 2,8 Millionen Übernachtungen verzeichnet. In den letzten zehn Jahren sind die Ankünfte um rund elf Prozent und die Übernachtungen im Oktober um rund zehn Prozent gewachsen. Ein eindeutiger Beleg dafür, dass die Tourismuswirtschaft offensichtlich funktioniert.
Grafik: MV-T
Farbige Angebote
Der Herbst in Mecklenburg-Vorpommern bietet Naturhighlights wie die Kranichrast, weite Strände und farbige Wälder sowie reichlich Kultur, etwa beim Usedomer Musikfestival oder beim Schlösserherbst.
Schweriner Schloss – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Das Themenspektrum reicht von Stranderlebnissen bei jedem Wetter bis hin zu Schloss- und Genuss-Erlebnistouren in der Region Mecklenburg-Schwerin. Außerdem gibt es Empfehlungen von Botschafterinnen und Botschaftern aus Mecklenburg-Vorpommern für konkrete Ausflugsziele. So stellt Dr. Birte Frenssen, Kuratorin und stellvertretende Direktorin des Pommerschen Landesmuseum in Greifswald, ihre Arbeit in der neuen Galerie der Romantik vor.
Der Naturfotograf Mario Müller verweist auf Naturerlebnisse wie die Kranichrast auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.
Kraniche im Morgengrauen – Foto: TMV / Growe-Lodzig
Bahn – Kurzurlaub: Vier Schweizer Jugendherbergen verbinden die Westschweiz ohne Auto
Es ist eine nachhaltige Rundreise von Genf über Lausanne und Montreux bis nach Martigny entstanden.
Ein verlängertes Wochenende, vier Städte, der Genfersee, UNESCO-Weinberge und die Walliser Alpen – alles bequem mit der Bahn erreichbar. Mit der Eröffnung der neuen Herberge in Genf bieten die Schweizer Jugendherbergen erstmals eine durchgängige Route durch die Westschweiz, die sich vollständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereisen lässt. Die vier Standorte in Genf, Lausanne, Montreux und Martigny machen nachhaltige Kurzurlaube und sogenannte Mikro-Abenteuer besonders einfach. Dies geht – ganz bewusst – ohne Auto.
Vier Städte – vier Erlebnisse
Kaum eine Region Europas verbindet auf so kurzer Distanz eine vergleichbare Vielfalt. Zwischen den vier Städten liegen jeweils nur kurze Bahnfahrten. Statt stundenlanger Autofahrten wechseln sich Seeufer, Weinberge, historische Altstädte und alpine Landschaften fast nahtlos ab. Das macht die Route ideal für einen Kurzurlaub, ein verlängertes Wochenende oder eine entschleunigte Rundreise.
Genf
verbindet internationales Flair, Museen und den Genfersee mit urbanem Lebensgefühl. Gerade für preisbewusste Reisende eröffnet sich mit der neuen Herberge eine Möglichkeit, die internationale Metropole Genf zu entdecken – von der historischen Altstadt über den Jet d’Eau bis zu den Uferpromenaden des Genfersees. Mit der am 16. Juli 2026 eröffneten Jugendherberge Genf wächst das Netzwerk der Schweizer Jugendherbergen um einen weiteren attraktiven Standort in der Westschweiz.
begeistert mit seiner historischen Altstadt, dem Olympischen Museum und den zum UNESCO-Welterbe gehörenden Weinbergterrassen Lavaux. Das ruhig gelegene Hostel liegt nur 500 Meter vom Genfersee entfernt.
Jugendherberge Lausanne: Lobby – Foto: Schweizer Jugendherbergen / Thomas Andenmatten
Montreux
versprüht Riviera-Flair mit Palmen, Promenade und mildem Klima. Das weltberühmte Jazz Festival, Freddie Mercury und das Wasserschloss Chillon machen die Stadt zu einem der bekanntesten Reiseziele der Schweiz. Die 2023 renovierte Jugendherberge liegt direkt am See.
Jugendherberge Montreux: Terrasse – Foto: Schweizer ugendherbergen / Leonidas Portmann
Martigny
bildet das Tor zu den Walliser Alpen. Die historische Stadt verbindet römische Geschichte, renommierte Kunst in der Fondation Pierre Gianadda und eindrucksvolle Wanderlandschaften. Die Jugendherbergebefindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1645 – nur wenige Schritte von Weinbergen und Wanderwegen entfernt.
Jugendherberge Martigny – Foto: Schweizer Jugendherbergen / Leonidas Portmann
DB: Das Dilemma mit den Fernzügen
Am Dienstagabend gab es wieder einmal neue Zahlen zur Lage der Deutschen Bahn. Leider sind sie nicht gut. So setzen sich die Probleme auf der Schiene fort.
Die Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen hatte sie beim Verkehrsministerium abgefragt. Danach gab es nicht nur reichlich Verspätungen im Fernverkehr, nur 58,7 Prozent erreichten ihr Ziel On-Time.
Insbesondere Zugausfälle gefährdeten Betrieb und in der Folge auch das Image. Jeder zwölfte Fernzug fiel statistisch im ersten Halbjahr 2026, zumindest teilweise, aus. In Prozenten heißt das, dass 8 Prozent der Züge, die im Fahrplan standen und stehen, nicht oder nur teilweise gefahren sind.
SAF: Rekorde, die keine sind
Die Luftfahrtindustrie hatte versprochen, bis 2050 klimaneutral zu fliegen. Dies funktioniert derzeit nur mit dem aus nicht fossilen Rohstoffen nachhaltig produzierten Kerosin SAF (Sustainable Aviation Fuel).
Flugzeug betanken – Foto: LH Group
Der Anteil der Verwendung liegt meist im unteren einstelligen Prozentbereich. Die Deutsche Lufthansa erreicht 1,5%, Air France/KLM schafft immerhin 2,9%. Spitzenreiter in Europa ist die Luftfahrtgruppe IAG, mit Gesellschaften wie British Airways, Iberia, Vueling oder der irischen Aer Lingus. Sie erreicht einen Anteil von 3,3%.
Damit sind die Europäischen Gesellschaften sogar noch führend. In den USA zum Beispiel dümpeln die Zahlen bei den großen Airlines wie American, Delta oder United irgendwo zwischen 0,3 und 0,7%. Spitzreiter in Nordamerika ist mit 1% Alaska Arlines.
SAF (Symbolbild) – Foto: United Airlines
Quoten für Europa
Dass die Quoten in Europa höher sind, liegt auch an einem EU-Gesetz, das inzwischen eine SAF-Beimischung von 2% verlangt. Dieser Wert soll bis 2050 auf 70% steigen. Das ist gut. Trotzdem steht jetzt schon fest, dass das mit der Klimaneutralität in der Luftfahrt bis 2050 nichts wird.
Die Airlines und auch der Luftfahrtverband IATA beklagen zudem derzeit eine geringe Verfügbarkeit und hohe Kosten. So sei das Ziel nicht zu schaffen. Eigene Investitionen der Fluggesellschaften in den Ausbau der SAF-Produktion gibt es derzeit nur wenige und geringe.
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