DRR Corona-News 27.05.20 – Streit / Niederlagen / Infektionssicherheit

Lidl streicht Reisegeschäft

Das ist die Meldung des Vormittags. Wie das Fachmagazin FVW meldet will der Lidl-Konzern seine Reisesparte schließen. Davon betroffen sind gleich zwei Veranstalter: Lidl Holidays und die, nach der Insolvenz, übernommene JT Touristik.

T-Day in Berlin

Die von finanziellen Problemen gebeutelte Reisebranche setzt heute ihre Proteste gegen die ausbleibende Finanzhilfe in der Bundeshauptstadt fort. Um die Aufmerksamkeit zu verstärken und gleichzeitig die Abstandsregeln einzuhalten werden an vielen Stellen in Berlin gleichzeitig Demonstrationen und Kundgebungen stattfinden. Insbesondere Reisebüros und kleinere Veranstalter fordern jetzt endlich Unterstützung des Mittelstands der Tourismuswirtschaft.

T-Day in Berlin: Proteste der Reisewirtschaft flächendeckend in der Hauptstadt

Aufhebung der Reisewarnung noch nicht offiziell

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) exklusiv berichtet gibt es Streit um das offizielle Ende der Reisewarnung. Aufgrund von Einsprüchen, insbesondere aus Kreisen der CSU, soll das Thema und der daraus folgende offizielle Beschluss jetzt erst am 3. Juni verhandelt werden. Man sei sich zwar einig über die Absicht zu den Sommerferien wieder Reisen innerhalb Europas zuzulassen. Die Details müssten aber noch diskutiert und inhaltlich abgestimmt werden. RND bezieht sich auf Informationen aus Regierungskreisen.

Streit um Infektionssicherheit beim Fliegen

Nach der Sendung eines Berichts im ARD Fernsehmagazin „Report Mainz“ ist der Streit um die Abstands- und Sicherheitsvorkehrungen beim Fliegen neu entbrannt. Die Vorgaben der EU lauten: Tragen von Gesichtsmasken und körperlicher Abstand der Passagiere. Darunter versteht die EU (wir berichteten über die Vorschläge der EASA) entweder den freien Mittelsitz oder die Sperrung jeder zweiten Flugzeugreihe.

Es braucht mehr als Mundschutz: LH A321 Neo Kabine – Foto: Lufthansa

Das, was „Report Mainz“ berichtet sorgt schon länger für Diskussionen. Im Filmbericht sieht man übervolle Maschinen. Von freien Reihen und Mittelsitzen ist nicht mehr die Rede. Der Mindestabstand komme bei einer solchen Reise nicht über 50 Zentimeter hinaus. Das sei entschieden zu wenig. Die zu Wort kommenden Spezialisten reden u.a. von „schwebenden Tröpfchen“, die bis zu vier Minuten im Raum seien, bevor sie von der Klimaanlage aufgesaugt würden. Die EASA hatte schon zu Beginn der Woche den Einsatz von FFP2-Atemschutzmasken beim Fliegen eingefordert.

EASA fordert medizinischen Mundschutz und verbindliche Abstandsregelungen

Dass unter finanziellem Druck stehende Airlines an solchen Forderungen nicht interessiert sind liegt auf der Hand. Die Diskussion geht weiter. Letztlich muss aber jeder Passagier bei beengten Verhältnissen im Flugzeug mit einem höheren Infektionsrisiko rechnen. Letztlich muss hier eine klare und verbindliche Regelung her, bevor die Urlauberjets im Juni und Juli wieder zahlreicher starten.

Öffnung in Zielgebieten

Die Bestrebungen zur Tourismusöffnung sieht man inzwischen weit verbreitet. Allerdings sollte man genauer hinschauen, denn viele Destinationen verbinden die Öffnung mit unterschiedlichsten Vorgaben und Vorschriften.

Zypern will seine Flughäfen am 9. Juni öffnen. Bis zum 19. Juni benötigt man zur Einreise aber die Vorlage eines negativen Covid-19- Tests, der nicht älter als 72 Stunden sein darf.

Dieselbe Regelung soll auch für die Einreise auf Madeira gelten. Die portugiesische Insel, mit nur ganz wenigen Infizierten, will das Reisegeschäft zum 1. Juli starten. Eventuell sollen am Flughafen von Funchal kostenfreie Corona-Tests durchgeführt werden.

Sicherheit für Gäste: Madeira plant Maßnahmen – Hier: Estalagem Ponta do Sol / Madeira

Auch die Kanarischen Inseln beginnen die Geschäftsöffnung zum 1. Juli mit unterschiedlichen Überlegungen zu einer „Corona-Tracing-App“. Gleichzeitig möchte man auch sicher sein, dass einreisende Passagiere nicht mit Covid-19 infiziert seien.

Malta plant eine Tourismusöffnung zum 15. Juni. Dies ist aber noch nicht offiziell bestätigt. Im Vorfeld müssten zudem die unterschiedlichsten Schutz- und Hygienemaßnahmen diskutiert und einheitlich, verbindlich verabschiedet werden.

Malta will wieder mitmischen im Tourismus

Die Schweiz versucht ihr Marketingglück jetzt mit einem „Corona-Siegel“. Die Initiative „Clean & Safe“ listet jetzt alle vorhandenen Schutzmaßnahmen und alle beteiligten Betriebe auf, die diesem Standard entsprechen. Für die Betriebe gibt es zudem ein Siegel, das für Werbe- und Marketingzwecke verwendet werden darf.

Südtirol und Österreich liegen im Clinch. Die Regionalregierung von Südtirol hatte in Rom eine vorzeitige Öffnung touristischer Dienstleistungen durchgesetzt. Jetzt hofft man auch auf deutsche Urlauber. Diese können aber bei eigener Anreise ihr Ziel derzeit nicht erreichen, da Österreich seine Grenzen zu Südtirol bisher noch geschlossen hält. Der Vorwurf aus Bozen: Hier werde von Österreich, zugunsten der eigenen Reisewirtschaft, blockiert.

Streit um den Bergurlauber zwischen Österreich und Südtirol?

Luftfahrt

Ryanair will seiner Konzerntochter Lauda wohl eine letzte Chance einräumen. Wenn die Gewerkschaften den Tarifvertrag doch noch unterschreiben würden, könne die Basis Wien erhalten bleiben. Allerdings gehen mit dieser Chance weitere Drohgebärde einher. Falls eine Einigung scheitere, wolle man die Wiener Lauda-Maschinen auf Flughäfen in Großbritannien und Spanien verteilen.

Ryanair will zudem gegen die Finanzhilfe der Bundesregierung für Lufthansa gerichtlich vorgehen. Ob ein lobbyistischer Zusammenhang zwischen dieser Drohgebärde und der Forderung der EU-Kommission zur Einschränkung von LH-Start- und Landerechten in Deutschland besteht ist reine Spekulation.

Ryanair setzt Lauda unter Druck und will gegen LH-Finanzhilfe klagen. Foto: Ryanair

Südamerika trifft die nächste Airline Insolvenz. Nach Avianca hat jetzt LATAM in Chile, Peru, Ecuador und Kolumbien Insolvenz angemeldet. Die Konzerntöchter in Brasilien, Argentinien und Paraguay sind davon zunächst nicht betroffen.

 

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