DRR151 – Grimmheimat Nordhessen: Märchen, Berge und viel Platz

Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

Die ersten Reaktionen und das Fazit des Pfingst-Reisewochenendes stehen fest. Fast alle Regionen an der Küste und einige Alpenberge und –regionen melden Überfüllung. Fest steht, wenn alle ihre Ferien an Nord- und Ostsee, sowie in den Bergen verbringen, dann wird es dort eng. Enge aber ist kontraproduktiv, wenn es um Abstandhalten geht. Genau das aber ist das Gebot der Stunde. Es gilt also Alternativen anzubieten und vor allem bekanntzumachen.

Unser heutiges Ziel wirbt selbst damit, dass Abstandhalten leichtfällt und trotzdem Urlaubsvergnügen möglich ist. Auf der Website der Grimmheimat Nordhessen liest man:

“Entdecke unser schönes Nordhessen und finde hier mit ABSTAND Deinen Lieblingsplatz.”

Märchenhaftes Urlaubsvergnügen

Zentraler Punkt der Grimmheimat istdie Stadt Kassel

Wir machen diesmal einen Ausflug in die Natur und die märchenhafte Umgebung von Nordhessen. Ich wohne mittendrin, deshalb ist es auch leichtgefallen, diesem Thema nachzugehen.

Geographie und Anreise

Nordhessen ist gut erreichbar und liegt im geographischen Mittelpunkt Deutschlands. Egal aus welcher Himmelsrichtung man kommt. Es ist nicht sehr weit. Zentraler Ort ist Kassel. Als Ferienparadies kommt aber eher die Umgebung in Frage. Ich zitiere nochmal die Website:

„…eine sanfte Mittelgebirgslandschaft mit ausgedehnten Wäldern, weiten Wiesen, glitzernden Flüssen und Seen, durchzogen von idyllischen Burgen und Schlössern und märchenhaften Fachwerkstädten. Hier gibt es viel Platz, um die Schönheit der Natur und die abwechslungsreiche Kultur zu genießen.“

Wie im Märchen: Finsterer, romantisch-“gefährlicher” Wald

Diese Werbebotschaft gilt es jetzt mit reichlich Fakten zu untermauern. Beginnen wir mal mit der UNESCO.

Die Region besitzt insgesamt drei Welterbe Titel.

  • Die Grimm’schen Märchen als Weltdokumentenerbe
  • Der Kasseler Bergpark als Weltkulturerbe
  • Der Nationalpark Kellerwald-Edersee als Weltnaturerbe.

Überall gibt’s etwas zu entdecken und insbesondere die Märchenwelt der Brüder Grimm verteilt sich auf ganz viele Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Drei Vorschläge haben wir herausgestellt.

Tipp 1: Märchenwald, Dornröschen & Rapunzel

Beginnen wir märchenhaft ganz im Norden Nordhessens, im Reinhardswald. Dort steht mitten in einer unberührten Waldlandschaft die Sababurg. Als Startpunkt hierfür bietet sich das Städtchen Hofgeismar an, idyllisch am Rande des Reinhardswalds gelegen. Dort trafen wir wie selbstverständlich auch Dornröschen.

Auf dem Weg zur Sababurg muss man durch einen echten Urwald, denn der Reinhardswald war eines der ersten Naturschutzgebiete in Hessen. Besonders beeindruckend sind nicht nur die uralten Bäume, sondern auch meterhohe Farne. Kurz vor dem Erreichen der Burg liegt auf der rechten Seite der Tierpark Sababurg. Seine Geschichte geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Heute sind auf einer Fläche von 130 Hektar über 80 Tierarten zuhause. Es sind heimische Tiere oder Tiere, die früher mal hier zuhause waren. Der Tierpark hat sich auf die Rückzüchtung alter Arten spezialisiert und so trifft man Wisente, Auerochsen und alter Wildpferdrassen. Natürlich gibt es hier das inoffizielle Kasseler Wappentier, den Waschbären. Hirsche, Luchse und auch Wölfe sind im Park zuhause. Auf Kids wartet ein Streichelzoo und eine riesige Voliere mit Wellensittichen. Im Tierpark-Museum präsentieren sich die Tiere aus den Grimm’schen Märchen.

Dornröschens Audienz auf der Sababurg und in Hofgeismar

Der Besuch der Sababurg, in dessen Turm Dornröschen 100 Jahre lang geschlafen haben soll, ist im Moment eingeschränkt. Das Land Hessen renoviert und deshalb sind weder Hotel noch Restaurant geöffnet. Zum gemütlichen Kaffeetrinken muss man also ein paar Kilometer weiterfahren.  Auf der Trendelburg gibt es nicht nur Gastronomie und Übernachtung, sondern auch Rapunzels Turm. Sonntags lässt die „schöne Maid“ mit dem langen Haar sogar ihren Zopf vom Burgturm und steht anschließend für Fotos und Autogramme zur Verfügung.

Tipp 2: Kurschatten & Schneewittchen

Die Kombi aus Wohlfühlen, Lustwandeln und Märchen funktioniert auch südlich von Kassel. Bad Wildungen bietet nicht nur einen phantastischen Kurpark, eine wundervolle Altstadt, eine Promenadenallee inklusive Kurschattenbrunnen. In einem Stadtteil, hinter den Bergen, wartet auch eine Märchengestalt, samt ihrer siebenköpfigen Schutztruppe. Wer tiefer eintaucht, erfährt auch die Hintergrundgeschichte und das Wesen von der Entstehung des Märchens vom Schneewittchen.

Schneewittchenhaus in Bad Wildungen – Bergfreiheit

Tipp 3: Märchen & Museen

Unsterblich gemacht wurden diese Märchen von Jakob und Wilhelm Grimm. In Hanau geboren, verbrachten sie lange Jahre der Schulausbildung und ihres Berufslebens in Kassel. Dort sammelten sie aus den unterschiedlichen Quellen auch das Material für die Kinder- und Hausmärchen. Kassel selbst hat den Grimms ein doppeltes Denkmal gesetzt. Da ist das kleine, fast niedliche, Standbild am Brüder Grimm Platz direkt neben der Torwache (hier wohnten die Grimms) am unteren Ende der Wilhelmshöher Allee. Das zweite, weitaus größere und inhaltsschwangere Vermächtnis steht in unmittelbarer Nachbarschaft am Weinberg. Es ist die Grimmwelt, die 2015 das ursprüngliche Brüder Grimm Museum abgelöst hat.

Die Namengeber derTourismusregion: Wilhelm und Jakob Grimm

Letztlich gibt es kaum einen Ort in Nordhessen, der nicht in der Lage ist, den Bezug zu den Grimms und ihren Märchen herzustellen.

Tipp-4: Was zum Schmökern

Zur Einstimmung ist es bestimmt eine gute Idee, vor Antritt mal das alte Buch mit den Kinder- und Hausmärchen rauszuholen und zu lesen. Das bietet sich auch für den Urlaub mit Kindern an. Am Abend vorm nächsten Ausflug das Märchen lesen und am nächsten Tag, den „Tatort“ zu besuchen.

Bei der Gelegenheit verweise ich mal aufs eigene Schaffen mit dem Büchlein „Märchenhaftes Kassel und Nordhessen“, erschienen im Gmeiner Verlag für 14 Euro 99.

Märchenhaftes Kassel und Nordhessen, Gmeiner-Verlag, Meßkirch, € 14,99

Die völlig überarbeitete Neuauflage sollte jetzt, im Juni, erscheinen. Dank der Corona Krise wurde die Veröffentlichung auf März 2021 verschoben. Mit dem derzeitigen findet man sich aber auch noch prima zurecht und kann den Urlaub inklusive der Märchenausflüge planen. Gerade auch für den Besuch des Weltkulturerbes „Bergpark Kassel-Wilhelmshöhe“ ist es gut verwendbar, auch wenn die gutbesuchten Wasserspiele in diesem Jahr „Corona“ zum Opfer fallen.

Tipp 5: Frau Holle, Hoher Meißner, Mohn & Weckewerk

Wir bleiben beim Märchen und machen gleichzeitig einen Ausflug in die Natur. Nordwestlich von Kassel, im Werra-Meißner-Kreis, liegt das „Frau Holle Land“. Das ist kein Freizeitpark, sondern ganz viel Natur in märchenhafter Umgebung. Wir starten beim Eingangstor ins Frau Holle Land in Hessisch Lichtenau und treffen zuerst die Holle höchstpersönlich.

Die richtige Lecker-Länge: Frau Holle-Stange aus Hessisch Lichtenau

Zur Stärkung für eine Meißner-Wanderung hat uns Frau Holle dann noch ihre „Holle-Stangen“ mitgegeben. Leckeres Gebäck mit goldenem Sesam und schwarzem Mohn. Das steht für Gold- und Pech-Marie und ist nur in Hessisch-Lichtenau zu erwerben. Der Mohn stammt eventuell von den großen Mohnfeldern, die seit Jahren, zur Blüte, ein farbenfroher Anziehungspunkt in Germerode, unterhalb des Hohen Meißners, sind. Wegen des hohen Besucherandrangs fällt das jährliche Mohnspektakel von Germerode und Grandenborn dieses Jahr aus. Schade, aber unter gesundheitlichem Aspekt unumgänglich. Die Wanderwege rund um den Hohen Meißner, den Frau Holle Teich und den Barfußpfad bei Vockerode sind geöffnet und zugänglich. Wer an Wochentagen unterwegs ist, muss sich schon arg anstrengen, um mehr als einem Dutzend Menschen zu begegnen.

Tipp 6: Rasten und Schlemmen

Wer Spezialitäten aus der Region von der „Ahlen Wurscht“ bis zum nordhessischen Nationalheiligtum „Weckewerk“ probieren möchte, muss in der „Jausenstation“ in Weißenbach, einem Ortsteil von Groß-Almerode Station machen. Nach einem Wandertag einfach köstlich.

Allerfeinstes “Weckewerk” in der Jausenstation Weißenbach

Vor der Jausenstation wartet mit Frau Holles Blumenwiese zudem noch ein Augenschmaus. Die Jausenstation hat zudem einen genialen Hofladen mit selbstgemachten Produkten.

Tipp 7: Weltnaturerbe Kellerwald-Edersee

Der Nationalpark Kellerwald-Edersee ist seit fast 10 Jahren Weltnaturerbe. Hier hat man beim Wandern schon mal das Gefühl, gleich kommt Rotkäppchen um die Ecke. Der Kellerwald bietet 5.700 Hektar pure Natur, ohne dazwischenliegende Dörfer oder Straßen. Die Buche ist hier Hauptakteur. Wir lassen uns das von Nationalpark-Ranger Tom Kull erklären

Der Buche auf der Spur: Ranger Tom Kull

Das Nationalpark-Zentrum in Vöhl an der Bundesstraße zwischen Frankenberg und Korbach ist geöffnet: Täglich zwischen 10 und 18 Uhr. Auch in Corona-Zeiten werden geführte Wanderungen angeboten. Man muss sich vorher anmelden, denn mehr als 10 Personen dürfen aktuell nicht mit.

Nationalparkzentrum in Vöhl

Tipp 8: Kulinarische und Freizeittechnische Sterne

Frankenberg an der Eder

Das historische Rathaus: frankenberg an der Eder

Nach dem Naturerlebnis hat man mehrere Möglichkeiten. Frankenberg im Südwesten mit einem großartigen Altstadthügel, einem historischen Rathaus aus dem frühen 16. Jahrhundert und direkt unterhalb des Baudenkmals mit der „Sonne-Frankenberg“ das einzige „Viereinhalb Sterne Hotel“ der Region – Sternerestaurant inklusive. Wer’s gern etwas zünftiger hat, macht Station in der Walkesmühle im Tal – direkt an der Eder. Designfreaks wird es aber ins Museum oder den Werksverkauf der Firma Thonet treiben.

Der Edersee

Tor zum Freizeitparadies: Die Edersee-Staumauer

Natürlich drängt sich das auf, was Ranger Tom die blaue Perle der Region nannte: Der Edersee. Es warten unzählige Attraktionen: Der Ederseeradweg, der Urwaldsteig, der Baumkronenpfad, die Staumauer, Schloss Waldeck, die Seilbahn zum Schloss, Segwaytouren, Schiffstouren, Bootsvermietung, Strandbad.

Fische gibt’s auch. Im See und wenn man will sogar frisch gefangen und gebraten auf dem Teller. In der Fischerhütte in Edertal-Rehbach zum Beispiel.

Fazit & Info

Wer hier kein Urlaubsvergnügen verspürt, ist selber schuld. Ein zusätzlicher Anreiz ist die Aktion der Gastgeber der Grimmheimat. Meine Card+ gibt’s bei teilnehmenden Übernachtungsbetrieben als Geschenk. Diese Karte ist die Gratis Eintrittskarte zu ganz vielen Attraktionen der Region und die Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr ist ebenfalls eingeschlossen.

Welche unzähligen Attraktionen die Region sonst noch zu bieten hat, erschließt sich am besten auf der Website der

Grimmheimat Nordhessen

Die Helfensteine am Hohen Dörnberg

 

 

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