DRR-Gastkommentar: Karl Born „Flug-Bullshit-Bingo“

Ach, wie war es doch vor dem mit dem Fliegen so bequem. Ein Werbespruch von Hapag-Lloyd-Flug, die damals für Qualität standen, lautete (meiner Erinnerung nach) „Ihr Urlaub beginnt mit unserem Flug“.

Wer diesen Satz heute laut am Flughafen sagen würde, liefe Gefahr, lustvoll gemeuchelt zu werden. Der Berliner Tagesspiegel sammelt seit langem alle Ausreden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) über die alltäglichen Unregelmäßigkeiten bei U-Bahn, S-Bahn und Bus in Berlin, ergänzt diese täglich und nennt das ganze „BVG Bullshit-Bingo“.

Ich greife mal den Gedanken auf und mache daraus ein „Flug Bullshit-Bingo“, warum der Urlaub nicht mit dem gebuchten Flug beginnt:

* Flugzeitenänderung im Vorfeld des Fluges

* Flugzeitenänderung der bereits erfolgten Flugzeitenänderung

* Verspätete Anzeige der Flugverspätung

* Geänderte Flugverspätungsanzeige

* Keine Info über Flugverspätung

* Übernachtung am Flughafen wegen Verspätung

* Übernachtung sitzend/liegend in Sitzmöbeln

* Übernachtung auf Feldbetten

* Übernachtung für wenige im Hotel

* Fahrt im Bus zum geänderten Abflughafen

* Einstieg in ein Flugzeug einer selbst für Fluginteressierten vollkommen unbekannten Fluggesellschaft

* Stundelanges Sitzen im Flugzeug ohne Info

* Kurzfristiger Wechsel des Flugzeuges (inklusive folgend jedes der obengenannten Bullshit-Bingo Punkte).

* Flug ohne aufgegebenes Gepäck

* Doppelte Sitzplatzvergabe (inkl. Herausholen bereits im Flugzeug sitzender Fluggäste).

Das ist nur der Anfang, die Liste lässt sich noch um einiges fortsetzen. Vor allem müssten noch die Unregelmäßigkeiten bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen hinzugefügt werden.

Jetzt könnte der geneigte Leser sagen, jeder der genannten Unregelmäßigkeiten gab es schon immer. Aber das ist der springende Punkt in 2018:

„Ja, in Teilen gab es das schon immer,

ABER NICHT TÄGLICH ÜBER EINEN SO LANGEN ZEITRAUM UND VOR ALLEM NICHT KUMULATIV VIELER PUNKTE BEI EINEM FLUG WIE IN 2018.“

Wenn Sie demnächst einen Fluggast (oder viele) am Flughafen „BINGO“ rufen hören, dann wissen Sie Bescheid, wieder so ein armer Tropf, den es getroffen hat und der Flug mit C-H-A-O-S buchstabiert.

Vor allem die Schwierigkeiten der Eurowings bei Übernahme von Air Berlin überraschen schon, denn Lufthansa Chef Carsten Spohr hatte ja mehrfach betont, dass sich eine Hundertschaft bei Lufthansa schon seit Monaten (Jahre) Gedanken über die „optimale“ Übernahme von Air Berlin gemacht hatte. Warum macht dann die Eingliederung bei Eurowings solche Probleme?

Ganz einfach: „LUFTHANSA HAT NUR ANS FRESSEN GEDACHT, NICHT AN DIE VERDAUUNG“:

Man hat sich nur Gedanken gemacht, wie „fresse“ ich ziemlich viel Kapazität der Air Berlin (Kapazität = Flugzeuge und Slots, aber ohne Personal). Aber man hat offensichtlich nicht parallel über ein Projektmanagement „Verdauung“, sprich Integration der zu übernehmenden Flugzeuge, nachgedacht. Ein exzellentes Projektmanagement, wie es die Betriebswirtschaft schon seit Jahrzehnten kennt, berücksichtigt nämlich schon im Vorfeld alle denkbaren Abweichungen (Murphy: „Alles was schiefgehen kann, geht auch schief“). Der Gegensatz sind Manager, die erst nachdem es schiefging, darüber nachdenken, warum es schiefgegangen ist und wie man sich am besten „zu Lasten der Kunden und der Reisebüros“ möglichst wenig darum kümmert.

Mit freundlicher Genehmigung von Karl Born, der mir mit diesem Kommentar aus dem Herzen spricht. – Mehr „Borns Bissige Bemerkungen“ gibt es hier

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