DRR74 – Skylinecruise und Heimatgefühl

Die Mainflotte der Primus-Linie - Foto: Primus-Linie

„Sunset- oder Skylinecruise. Das hat etwas von karibischem Flair und springenden Delfinen in der Bugwelle oder vom optischen Reiz der Fährüberfahrt zwischen Staten Island und dem  New Yorker „Battery-Park“ an der Südspitze von Manhattan.“

Die Fantasie setzt Bilder frei, die nicht unbedingt in den Rahmen einer Rundfahrt auf einem Fluss passen. Zumal wenn er durch eine deutsche Stadt fließt. Und trotzdem: Genau dort ist es passiert. Es geht um eine Fahrt über den Main in „Bankfurt“, „Krankfurt“, „Mainhattan“ oder welchem vorurteilsbelasteten Beinamen sich die deutsche Finanzmetropole Frankfurt am Main sonst noch so erfreut.

Die Idee von der schwimmenden Tagung

Anlegestelle am Frankfurter Mainkai

Am Anfang war die Idee einer Kurztagung auf dem Fluss: Mal was Anderes. Aber halt doch in Frankfurt. Die Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Metropolen angereist waren, ergingen sich im Vorfeld in Sätzen: „Na ja, Frankfurt. War schon lange nicht mehr dort.“ oder „Wie will wohl eine derart negativ belastete Stadt vom Fluss aus schöner sein, als ihre bekannte Negativausstrahlung.“ Diese Menschen trafen auf Frankfurter, Wahl-Frankfurter und ehemalige Frankfurter, die selbstredend von ihrer Stadt überzeugt sind. –Die Sonne schien. Es war noch Zeit für einen Kaffee oder ein Eis auf der schwimmenden Plattform neben dem Einstieg. Die Stadt zeigte ihr bestes Bild. Auf dem Schiff der heimischen Primus-Linie dann der Versuch geordnetes Tagen in Arbeitsgruppen hinzubekommen. Wer darf aufs Sonnendeck der gerade abgelegten „Wikinger“? – Am besten beide Gruppen, was sich als Verhängnis herausstellte. Gearbeitet wurde nur am Rande und die meiste Zeit war man mit der Erstellung der Gruppenfotos, dem besten Einfall des Sonnenlichts und dem Holen von Kaffeenachschub beschäftigt. Eine konzentrierte Diskussion wollte sich nicht einstellen, beim Vorbeigleiten an malerischem Ufer, dem Blick auf Skyline und entspannten Menschen, die am Ufer saßen oder spazieren gingen. Die geplante Diskussion für Alle fand dann auch folgerichtig nach der Rückkehr statt. Festgemacht am Mainkai sollte dann doch ein fruchtbares Gespräch aufkommen.

Frankfurt „Skylights“

So veränderte ein vermeintlich simples Ausflugsboot die Stimmung einer Arbeitsatmosphäre. Und das bei versammelten Reisejournalisten, die es gewohnt sein sollten, mit besonderen Bildern und Perspektiven umzugehen. Zu verdanken war das sicher dem schönen Wetter, einem Frühlingstag und -abend, der lang herbeigesehnt wurde, aber auch einer ganz besonderen Atmosphäre. Warum ich das erzähle? Weil die Erfahrung zeigt, dass sich das Bild eines Ortes mit der Perspektive verschieben kann. Und weil sie zeigt, dass damit eine besondere Stimmung erzeugt wird.

Primus-Linie als Erfolgsgeschichte

Frankfurter Abend am Main

Was also ist dran am Flusserlebnis, das seit fünf Generationen von einer Frankfurter Familie angeboten wird? Die Main-Personenschifffahrt hat eine lange Geschichte, die bis ins vorletzte Jahrhundert zurückgeht. Seit 1880 ist Familie Nauheimer auf dem Main unterwegs. Was mit dem Transport von „Marktweibern“ aus dem weit draußen liegenden Dorf Schwanheim (heute ein Frankfurter Stadtteil) zum Markt in die Stadt begann, hat sich zur größten Personenschiffs-Reederei Hessens entwickelt. Heute hat die Primus-Linie 5 Ausflugs- und Eventschiffe und mit Dr. Marie Nauheimer eine Mitgeschäftsführerin. Zusammen mit ihrem Vater leitet sie das Unternehmen. Sie ist quasi die 5. Generation an Bord der Firma. In unserer Reiseradioausgabe kommt sie ausführlich zu Wort und berichtet über die Anfänge, die Familie, den Zusammenhalt und natürlich auch über die Veränderungen seit dem Beginn im Jahr 1880. Heute sieht sie die Schiffe nicht mehr nur als Ausflugsboote, sondern vielmehr auch als Eventlocations. – Herzblut gehörte da wohl immer dazu, sage ich noch zu Marie Nauheimer nach dem Wegpacken des Mikrofons. Sie lächelt das weg, merkt aber doch an, dass Herzblut zum Beispiel meinen Schulausflug in der dritten Klasse gerettet habe. Ihr Großvater, versenkte nämlich, kurz vor dem Ende des zweiten Weltkriegs, genau jene „Vaterland“ an einer seichten Mainstelle, um sie nach jenem unseligen Krieg wieder heben und restaurieren zu lassen. Wow, wenn das kein Herzblut ist. Ganz nebenbei legte er damit die Grundlage für die Wiedergeburt des Familienbetriebs, dessen Erfolg bis heute andauert.

La Paloma aufm Main

Bei Nacht aufm Sonnendeck?

Aus der erwähnten Kombüse erreichen uns Frankfurter Köstlichkeiten. Paradeessen für die Auswärtigen: „Grie Soss“, wie es hier heißt. Von der sehr grünen und berühmten Kräutersoße, schwärmte schon der „olle“ Goethe. – Zum Dessert legte die Wikinger, das kleinste Schiff der Flotte wieder ab und gut gelaunte Menschen starteten zur kombinierten Sunset- und Skyline-Cruise. Und als die Sonne hinter den Hochhaustürmen verschwand und die Beleuchtung von Skyline und Frankfurter Brücken ein zauberhaftes Licht zauberte, waren auch die vorurteilsbelasteten Auswärtigen versöhnt mit Frankfurt. Eine Stadt, die solch einen Zauber entfaltet, kann so schlecht nicht sein.

Frankfurt – fast schon „Summer in the City“

La Paloma aufm Main. Auch wenn es keine wirklichen „Seebären“ gibt. Das mit der Tour auf dem Main ist ein ganz ernst gemeinter Reisetipp in Kombination mit sehr viel Heimatgefühl.

Information: www.primus-linie.de

 

Musikinfo:

 

 

 

 

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