Reiseradio D-News 29.01.26 – Strategie: Inhalte & Kommentar

Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

Diese Reiseradio News – Ausgabe ist gewissermaßen ein Special. Es hat viel mit Tourismuspolitik und Volkswirtschaft zu tun und mit einer Branche, die sich bisher immer ignoriert fühlte. Teilweise zu Recht. Wird es ein Papier der Bundesregierung mit dem schönen Titel „Nationale Tourismusstrategie“ künftig richten?


Kommentar: Strategie, Freude & tiefere Bedeutung

Rüdiger Edelmann – Foto: Holger Leue

Die ersten Ausrufe machen Eindruck: „Jetzt wird es endlich aufwärts gehen“ –  „Jetzt hat die Politik verstanden“. Lange gefordert und endlich vom Bundeskabinett verabschiedet. Berlin proudly presents: Die Nationale Tourismusstrategie. Alle Beteiligten zeigen sich begeistert. Die Touristiker fühlen sich endlich mal ernst genommen und hoffen auf (finanzielle) Unterstützung des Staats. 

Das Papier ist umfangreich und liest sich gut. Die Frage ist, was auf markige Schlagzeilen, wie Anerkennung des Wirtschaftszweigs und daraus resultierenden Handlungssträngen (Wirtschaftsfaktor, steuerliche Entlastungen, Mobilitätsstärkung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Arbeitsplatzsicherung) in der Realität wird.

Viele strategische Planungen unterscheiden sich nicht so wirklich von anderen Branchen. Manche schließen sich in Teilen gegenseitig aus; zumindest, wenn man ehrlich ist. Immerhin ein Arbeitskreis ist eingerichtet worden. Ich erspare allen Lesern, den Kalauerspruch. Ich wünsche der Branche trotzdem, dass das „Tourismuspolitische Forum“ ein Erfolg wird.

Strategie ist, was man aus Ideen macht und „Machen“ muss die Wirtschaft eigentlich ja selber. Hilfsmittelchen sind gut und schön, aber noch lange nicht Alles.

Mitunter ist Strategie aber auch der bequeme Weg zur verdrängenden Entschuldigung: „Wir haben’s ja gut gemeint, aber…“ – Dies gerade auch weil es der Reiseindustrie, trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten, ja gar nicht so schlecht geht.   


Das Strategiepapier und die Politik

Sieben Hauptpunkte enthält die “Nationale Tourismusstrategie” der Bundesregierung, die gestern verabschiedet wurde. Credo: Fit für die Zukunft.

Neu ist tatsächlich die „amtliche“ Anerkennung der Reiseindustrie als „wichtiger Bestandteil der deutschen Wirtschaft“. Das ist erfreulich, konnten doch die Touristiker bisher immer davon ausgehen, dass sie zwar akzeptiert waren, aber gleichzeitig auch nie so richtig ernst genommen wurden.

Steuerliche Entlastungen

Diese sind in Sachen Gastronomie schon realisiert und für die Luftfahrt versprochen.

Mobilität

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Da ist man sich scheinbar einig. Banal gesagt: Ohne Anreise in der Regel kein Urlaub. Angestrebt wird da eine „verlässliche, bezahlbare und umweltfreundliche Mobilität“.

Mit verlässlich sind Schiene und Bahn gemeint. Bezahlbar bezieht sich auf die (siehe oben) Luftfahrtsteuer. Warum hier nicht auch die Bahn genannt wird, ist das Rätsel des Tages. Der wichtige, aber nicht neue, Fakt ist die Summe von 500 Milliarden Euro für die Bahninfrastruktur.

Genannt wird auch die Unterstützung beim Ausbau des ÖPNV (vermutlich in die 500 Milliarden eingepreist), sowie der Ausbau von touristischer Infrastruktur für den Tourismus zu Fuß oder mit dem Fahrrad; Beides möglichst barrierefrei. Summen dafür gibt es nicht.

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Digitalisierung

Was dort verabschiedet wurde, gleicht den vielen Konzepten für die Gesamtwirtschaft. Glasfaser, Mobilfunk und eine „Kultur der effizienten Datennutzung und Datenteilung”.

Konkreter wird es beim Projekt European Digital Identity Wallet (EUDI). Gemeint ist „sichere, einheitliche und nutzerfreundliche digitale Identifizierung“ beim Hotel Check-In (siehe Diskussion um den immer noch existierenden Meldeschein), VISA-Ausstellung und Besucherlenkung. Letzteres bleibt erstaunlich unkonkret.

Arbeitskräfte

Man braucht sie und hat sie nicht. Deshalb soll es steuerliche Anreize und bessere Arbeitszeitregelungen geben. Konkrete Angaben fehlen. Da auch die Bundesregierung weiß, dass dies nicht ohne ausländische Fachkräfte gehen wird, soll es vereinfachte Zuwanderungsverfahren geben. Das erscheint, angesichts der abstrusen Migrationsdiskussion eher utopisch. Immerhin: Es soll dafür eine digitale „Work und Stay-Agentur“ geben. Wenn diese funktioniert, könnte das gut sein.

Fachkräftemangel und mehr im Hotel- und Gastrobereich (Symbolbild) – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

Nachhaltigkeit

Tourismus, so die Regierung, wird nur „klima-, umwelt-, natur- und sozialverträglich“ erfolgreich sein. Hier verweist man auf bestehende Förderprogramme, aber nicht auf neue Überlegungen.

Reisen soll für Alle möglich sein, steht da noch. Ist das der berühmte „Eintrag ins Gebetbuch“ der immer öfter luxusorientierten Reiseindustrie sein?

Nachhaltig und Vielfältig (Symbolbild) – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

EU – Engagement

Auf europäischer Ebene will man sich für eine bürokratiearme Gesetzgebung einsetzen, die Belange der Reiseindustrie ressortübergreifend berücksichtigen.

Tourismuspolitisches Forum 

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Dieses neue Gremium soll beim Tourismuskoordinator der Bundesregierung angedockt werden. Hier soll die Planung von neuen Gesetzen fachlich begleitet werden.

Reaktionen aus der Reiseindustrie

Die Strategie ist in der Branche wohlwollen aufgenommen worden. Fast jeder Beteiligte hat aber Anmerkungen, Anregungen und Vorschläge.

Verbände

Der Deutsche Reiseverband (DRV) bewertet die nationale Tourismusstrategie positiv. Es sei die Anerkennung der Bedeutung von organisierten Reisen (Pauschalreisen) als tragende Säule der Volkswirtschaft.

Für den Deutschen Tourismusverband (DTV) legt Präsident Reinhard Meyer den Finger in die potentielle Wunde der Finanzierbarkeit:

Nun müssen die Ziele im neuen Tourismuspolitischen Forum in konkrete Maßnahmen überführt und vom Bund finanziell abgesichert werden. Wir wollen dabei auch über eine sichere finanzielle Basis des öffentlich geförderten Tourismus in Deutschland sprechen, die insbesondere bei den Kommunen zunehmend unter Druck gerät.

Meyer kennt seine politischen Pappenheimer. Als u.a. ehemaliger Wirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern, kennt er sich aus zwischen Strategie und Realität.

Alternativen

Das Forum „Anders Reisen“ weist erfreut, neben grundsätzlicher Anerkennung, insbesondere auf die Anerkennung von Nachhaltigkeit als Bestandteil wirtschaftlicher Stärke hin.

Reisekonzerne

TUI-Reisebüro in Berlin (Symbolbild) – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

Von Veranstalterseite lässt sich die Reaktion am besten mit den Worten von Thomas Ellerbeck, Mitglied des Group Executive Committee der TUI Group, zusammenfassen:

Ein guter Aufschlag – jetzt kommt es darauf an, die richtigen Impulse konsequent und mutig umzusetzen

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