D-RR News 17.01.24 – DZT, Katzensprung, Klima & Steuer

Passat - Lübeck-Travemünde - Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

Deutschlandtourismus legt zu

Wir Deutschen sind ja, ohnehin unsere besten Kunden in Sachen Urlaub, aber auch die Beliebtheit als Reiseziele im Ausland steigt wieder. Auch der sogenannte „Incoming-Tourismus“ erholt sich kontinuierlich nach dem Einbruch in den Pandemiejahren und leistet einen steigenden Beitrag am touristischen Erfolg.  Dies besagt die Auswertung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) auf der Basis der vorläufigen Übernachtungszahlen des Statistischen Bundesamtes.

Die Zahl der Ausländerübernachtungen dürfte damit zwischen Januar und November 2023 bei 74,9 Millionen liegen. Dieses Ergebnis besagt, dass wieder knapp 90 Prozent der Ergebnisse im Vergleich  zum bisherigen Rekordjahr 2019 erreicht werden konnten.

Petra Hedorfer im Reiseradio-Gespräch mit Rüdiger Edelmann (Archivbild)

Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der DZT, erläutert die Zahlen:

Deutschland behauptet im Herbst 2023 seine Position unter den Top 5 der präferierten Reiseziele von Europäern und partizipiert am europaweiten Trend zu internationalen Reisen. (…) Zusätzliche Impulse erwarten wir im Sommer von den Besuchern der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland.

Darüber hinaus böten Kulturhighlights, wie zum Beispiel der 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich, 35 Jahre Mauerfall oder Chemnitz, als Europäische Kulturhauptstadt 2025, zusätzliche Anreize für internationale Gäste.

Mehr Nachhaltigkeit

Bleiben soll auch in diesem Jahr das Bestreben nach mehr Nachhaltigkeit im touristischen Angebot. Die DZT, die im Ausland für uns als Reiseziel wirbt, will das Reiseland Deutschland im internationalen Wettbewerb als Reiseziel mit nachhaltigen und inklusiven Angeboten positionieren.  

Naturnah im eigenen Land

Junior-Ranger naturnah – Foto: Ammergauer Alpen / Anja Lieberherr

Bei Katzensprung stehen klimaschonender Deutschlandurlaub und Erlebnisse in der Natur im Vordergrund. Hierfür findet man auf der Inspirationsseite des Vermittlungsportals zahlreiche gute Beispiele.

Neu in diesem Jahr: Einige dieser sogenannten „Leuchttürme“ gehen aber noch einen Schritt weiter: Diese Angebote kombinieren ein klimaschonendes Urlaubsangebot mit vielfältigen Informationen zu Umwelt- und Naturschutz. Es besteht dabei die Möglichkeit, praktische Erfahrungen in und mit der Natur zu sammeln und dadurch das eigene Verständnis für ökologische Zusammenhänge zu vertiefen. Die Angebote von „Katzensprung“ sind so organisiert, dass dies selbstverständlich geschieht, ohne dabei der Erholungsfaktor im Urlaub zu kurz kommen zu lassen.

Das Projekt „Katzensprung 2.0 – Aktiv für den Klimaschutz im Deutschlandtourismus” wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert.

Weniger Strand

Die Herbst- und Winterstürme der letzten Wochen und Monate haben die Strände, insbesondere auf den ostfriesischen Nordseeinseln, stark reduziert.

Foto: Bildarchiv Nordseebad Spiekeroog GmbH

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) teilte mit, dass massive Verluste an Sandstrand festgestellt werden musste. Besonders stark betroffen sei Wangerooge. Hier seien etwa 5 Meter vom Meer „verschluckt“ worden.

Auch Juist und Borkum haben Strand verloren. Etwas weniger Schaden nahmen die Strände auf Spiekeroog und Baltrum.

Durch die Strandabbrüche sind insbesondere Dünengebiete und Deiche gefährdet.  In der Konsequenz müssen auf Wangerooge und Langeoog der Dünengürtel umgehend verstärkt werden. Eine Gefahr für Bewohner wie Besucher bestehe allerdings nicht.    

„Flugscham“ kehrt zurück

Foto: Fraport AG

Unabhängig von der Tatsache, dass sich viele Urlaubsziele nicht ohne Flugzeug erreichen lassen, kehrt offensichtlich ein Begriff verstärkt ins Bewusstsein zurück, das aufgrund von Pandemie und Wirtschaftskrise in den letzten drei Jahren eher in den Hintergrund getreten war.

Die auf der Reisemesse CMT in Stuttgart jährlich vorgestellte FUR-Reiseanalyse weist eine wieder wachsende Zahl von Urlaubern aus, die ein schlechtes Gewissen in Sachen Klimabelastung wegen einer Flugreise bekommen. Waren es 2019 noch 41 Prozent der Befragten, die dieses Gefühl hatten, so sei diese Zahl im vergangenen Jahr auf rund 50 Prozent gestiegen.

Auswirkungen auf die Flugintensität habe die Gefühlslage aber nicht gehabt. Mann und frau fliegt genauso häufig, nur mit schlechterem Gefühl. Auch die Buchung von Nachhaltigkeitstarifen hat noch nicht stark zugenommen. Der Preisfaktor gewinnt offensichtlich nach wie vor gegenüber dem wachsendem Bewusstsein.

Luftverkehrssteuer: Verbände protestieren

Foto: Michael Fritz / Flughafen München

Die Kerosinbesteuerung hat man schlagkräftig abgewehrt. Jetzt steht die stattdessen bevorstehende Luftverkehrssteuer bei der Flugbranche in der Kritik.

Der Verband der in Deutschland tätigen Fluggesellschaften (BARIG) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) befürchten weniger Flugaufkommen. Besonders betroffen sein könnten die Airports in Berlin Düsseldorf und Stuttgart.

Michael Hoppe, Chairman und Executive Director des BARIG, kritisiert:

Eine Erhöhung der Luftverkehrssteuer wäre ein fatales Signal für den Luftverkehr, die deutsche Wirtschaft und die Konnektivität Deutschlands an sich. Bereits heute ist die Gebührenlast am Luftverkehrsstandort Deutschland im internationalen Vergleich enorm. Die Folgen: Innerhalb Europas ist Deutschland ein Schlusslicht bei der Erholung des Luftverkehrs nach der Corona-Pandemie. In anderen Ländern ist das Niveau von 2019 bereits erreicht und zum Teil sogar überschritten, Deutschland aber hinkt weiter hinterher. Neue Kostensteigerungen wie zum Beispiel eine erhöhte Luftverkehrssteuer würden die Lage zusätzlich verschärfen und dazu führen, dass das Angebot der Luftverkehrsgesellschaften in Deutschland sich nur sehr zögerlich weiter entwickeln wird. (…)

Angesichts dieser erheblichen Belastungen für Wirtschaft und Gesellschaft sollte die Politik alles dafür tun, den Luftverkehr nicht durch Steuern, Gebühren etc. weiter zu belasten.

Airport – Zahlen

Foto: Fraport

Die Schlagzeile zu den eingehenden Passagierzahlen von 2023 lautet zumindest an den großen Flughäfen: Die Passagiere sind zurück.

Frankfurt – Airport, zum Beispiel, meldet 59,4 Millionen Fluggäste und damit ein Plus von 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In der Tat läge man im Vergleich zum Vorpandemiejahr 2019 immer noch bei einem Minus von 16 Prozent.

Im Gesamtüberblick hat die Anzahl der Passagiere, die an deutschen Flughäfen abgefertigt wurden im Vergleich zum Vorjahr kräftig zugenommen. (München +6%, Berlin +7,5%, Dortmund + 13,5%, Köln/Bonn +10%, Stuttgart +20,7%, Memmingen + 42%). Im Vergleich zu 2019 konnten aber nur wenige Flughäfen die Rekordzahlen wieder aufholen. Das Vor-Corona Niveau erreichten allerdings nur die eher kleineren Airports in Dortmund und Münster-Osnabrück.

Angesichts von Personalsorgen an den Flughäfen wäre eine noch stärkere Erholung der Passagierzahlen eventuell zu Lasten von Passagieren gegangen, was Kofferverluste, lange Wartezeiten auf Gepäck und Schlangen bei der Security betrifft.

Perspektiven: Reisebranche reagiert

Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

In der Touristikbranche gibt es nach wir vor Kritik an nicht optimalen Flugangeboten, sowie ständigen Änderungen und Streichung von Verbindungen. Mit Blick auf die künftigen Herausforderungen betont Ralph Hieke, Geschäftsführer des Veranstalters „Fair weg“ im Gespräch mit dem Fachmagazin fvw/Travel Talk aber auch:

Mit Blick auf die Klimakrise wird die Zeit immer knapper, die wir haben, um unsere Produkte und Angebote nachhaltiger und fairer zu gestalten. Wir benötigen noch schneller klimafreundliche Antriebe und Treibstoffe. Bis dahin müssen wir uns bei den Angeboten mehr auf Qualität statt auf Quantität konzentrieren.

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