D-RR News 23.11.20 – Quarantäne / Tests / Konkurrenz / Staatshilfe / Hotel-Office

Ach, wenn es doch immer so einfach wäre mit Schwarz und Weiß. Aber da ist ja Grau, Hellgrau, Dunkelgrau, Pastellweiß, Anthrazit…

Natürlich kann man sich fragen, ob eine Quarantänepflicht sinnhaft ist, bei der Einreise aus einem Land, dessen Infektionszahlen weit unter unseren liegen. Natürlich kann man Staatshilfe beantragen. Wenn man sie bekommt, ist es gut gelaufen. Aber man kann sich auch darüber aufregen, dass es unfair ist, wenn einige Hilfe bekommen und andere nicht: Ryanair vs. KLM/Air France und Lufthansa, DER-Reisen vs. TUI und FTI.

Mir fehlt bei der Quarantänepflicht, die Frage nach dem gesunden Menschenverstand. Solange wir feststellen, dass sich soziale Kontakte nicht reduzieren, wenn es nicht streng verboten wird, so lange ist die Diskussion müßig. Auch ich finde es traurig, dass es Verbote und Lockdowns geben muss. Solange aber das sogenannte „vernünftige Augenmaß“ in der Spanne zwischen „PartyOn“ und „BegibDichIndasGefängnis“ interpretiert wird, werden wir um Regulierungen nicht herumkommen. Das ist schlimm, aber wahr. Mit Verlaub: Blödköppe sorgen für Schaden: gesundheitlichen wie wirtschaftlichen.

Quarantäneregeln für NRW gekippt

Flugzeug am Airport Düsseldorf – NRW

Das Oberverwaltungsgericht Münster hat am Freitag die Einreiseverordnung des bevölkerungsreichsten Bundeslands gekippt. Das Gericht sagt: Bei Rückkehr aus einem ausländischen Gebiet dessen Infektionszahlen weit unter den aktuellen Zahlen in Deutschland liegen, sei das Gesundheitsrisiko im eigenen Land höher. Deshalb mache eine verpflichtende Quarantäne keinen Sinn. Das Gericht schreibt in der Urteilsbegründung:

„Das von den Rückkehrern ausgehende Infektionsrisiko stelle sich jedenfalls bei vergleichbaren Inzidenzwerten nicht anders dar, als wenn sie daheim geblieben wären“

Rewe Chef beklagt ungerechte Behandlung von DER-Touristik

Benachteiligung die zum Vorteil werden kann

Der Chef des Rewe-Gesamtkonzerns Lionel Souque beklagt die staatliche Finanzunterstützung für seine Konkurrenten TUI und FTI. Begründung: Die beiden Konzerne gehörten mehrheitlich ausländischen Investoren aus Russland und Ägypten. Der eigene Reiseanbieter sei Teil eines deutschen Lebensmittelkonzerns und stütze sich finanziell auf rund 1.800 mittelständische Unternehmen in Deutschland.

DER-Touristik steht deshalb besser da und hat keine Hilfskredite beantragt. Dies bedeutet aber auch, dass der Reiseanbieter ohne staatliche Kreditlast in eine Zeit nach der Pandemie starten kann. Auch DER fährt Verluste ein. Diese werden gegenwärtig durch das gute Geschäft der Lebensmittelbranche aufgefangen. Dies sei, so „Reisevor9“-Kommentator Christian Schmicke in der Zukunft, sicher ein bedeutender Wettbewerbsvorteil, da die Bilanzen nicht durch die Rückzahlungspflicht der Kredite belastet würden.

Veränderungen bei den Reisewarnungen

Veränderungen ergeben sich fast täglich. Die aktuellste Aufstellung von Risikogebieten mit Reisewarnung (AA) nennt jetzt Lettland, Litauen und Botswana als Risikogebiet für das gesamte Land. Neu auf der Liste sind auch Mittelgriechenland, die finnische Hauptstadt und die Region Uusimaa, in der Helsinki liegt.

Island wurde von der Liste der Risikogebiete mit Reisewarnung gestrichen. In Sachen Kuba-Einreise für Touristen ist die Quarantäneverpflichtung offensichtlich vom Tisch.

Schnelltests erst mal außen vor

Trotz des Kampfs von Hotellerie und Regionalregierung bleibt es bei der offiziellen staatlichen Einreiseregelung für Spanien inklusive der Kanarischen Inseln. Seit heute ist damit die Vorlage eines negativen PCR-Tests bei der Einreise in Spanien (inklusive Kanaren!) vorgeschrieben. Die spanische Regierung argumentiert, dass die Zulassung von Antigen-Tests erst erfolge, wenn Verwendung und Akzeptanz EU-weit geregelt sei.

Daran wiederum will man in Brüssel vorrangig arbeiten. Das Handicap dabei sei, dass unterschiedlichste Tests mit unterschiedlichsten Wirkungsgraden auf dem Markt seien. Man wolle jetzt erst einmal die Tests testen. Das wiederum wird dauern. Damit rückt die Hoffnung der Reiseindustrie und der Airlines, mit Antigentests das Reisen wieder möglich zu machen, erst einmal wieder in die Ferne. 

Öffentliche-dienstliche Sitzplatzregeln

Wir hatten berichtet über die Genehmigung des Bundes, dass ihre Mitarbeiter*innen bei Dienstreisen per Bahn und Flugzeug einen zusätzlichen freien Sitzplatz dazu buchen dürfen, um einen größeren Abstand zu Mitreisenden zu haben. Dies kam in der öffentlichen Diskussion nicht gut an und wurde deshalb vom Innenministerium erst einmal ausgesetzt. Immerhin hat der Eklat dazu geführt, dass eine erneute, jetzt aber offizielle Diskussion mit Bahn und Airlines über Sitzabstände für Alle geführt werden soll.

Staatshilfen für Luftfahrt

Foto: Fraport AG

Das Bundesverkehrsministerium hat gestern noch einmal Unterstützung für Airports und deutsche Fluggesellschaften angekündigt. Eine halbe Milliarde Euro soll dabei vom Bund kommen, wenn die Bundesländer dieselbe Summe aufbrächten. Inkludiert sind hier die bereits geflossenen Gelder für den Hauptstadtairport BER. Die Deutsche Flugsicherung soll ebenfalls vom Bund finanzielle Unterstützung erhalten. Begründet wird die Splittung der Gelder mit den Zuständigkeiten von Bund und Ländern im Luftverkehr.

Hotel-Office statt Home-Office

Die Einladung zum Homeoffice in Robinson-Clubs hatte vor einigen Wochen für große PR-Aufmerksamkeit gesorgt. Wesentlich näher am Leben sind die Angebote unterschiedlicher Hotels und Hotelgruppen, die Zimmer zum Arbeiten anbieten. Dazu gehört das Angebot, Hotelzimmer tages- oder wochenweise als Home-Office zu vermieten. Nicht jeder verfügt in den eigenen vier Wänden über optimale Gegebenheiten für das Arbeiten von Zuhause aus. Mangelnder Platz, eine schlechte Internetverbindung oder heimische Störfaktoren können Konzentration, Effizienz und Kreativität negativ beeinflussen.

Hotel-Office statt Home-Office – Foto: BWH-Hotels

Deshalb halten zum Beispiel viele Hotels der BWH Hotel Group ihre Betriebe geöffnet und bieten mit dem Home Office im Hotelzimmer eine Lösung für Berufstätige an, denen es zu Hause zu eng wird. Die meisten Zimmer verfügten über großzügige Schreibtische, komfortable Sitzmöglichkeiten sowie eine schnelle, stabile Internetverbindung, schreibt Best Western heute in einer Pressemitteilung. Einige Hotels böten ihren Tagesgästen außerdem Kaffee, Tee und kalte Getränke sowie Obst, ein „Frühstück To Go“ oder ein Lunchpaket an.

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