D-RR News 26.10.20 – „Crisis? What Crisis?“

Pandemiezahlen steigen

Die Details lassen sich problemlos in den täglichen Statistiken nachlesen. Die Lage in Europa wird immer kritischer. Frankreich meldet über 50.000 Neuinfektionen pro Tag, Spanien ruft den Nationalen Notstand aus (lediglich die Kanaren sind davon nicht betroffen), Belgiens medizinische Versorgung steht an der Belastungsgrenze, die Niederlande transferieren Covid-19-Kranke nach Deutschland, Slowenien schließt alle Hotels und Restaurants. Die täglichen Infektionszahlen in Deutschland bleiben fünfstellig. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer (wiederholten) Podcast-Ansprache die Bundesbürger aufgefordert, jede unnötige Mobilität zu unterlassen und zuhause zu bleiben, wann und wie immer es geht. Ihr Kollege Sebastian Kurz spricht heute Morgen bereits vom zweiten Lockdown in Österreich, sollte sich die Situation nicht schnellstens verändern und der Infektionsanstieg wieder nachlassen. Als Kriterium für eine solche Maßnahme nannte er die Sicherstellung der medizinischen Situation im Land.

Dunkle Wolken, starker Gegenwind

Auswirkungen auf die Reisebranche

Die Mobilität dürfte absehbar wieder nachlassen. Das hat Folgen. Lufthansa hat eine weitere Reduzierung der Flugangebote angekündigt. Die Airline plant für die nächsten Monate nur noch mit einer Kapazität von 25%.

Die Deutsche Bahn spürt ebenfalls einen Passagierrückgang im Fernverkehr. Waren die Zahlen im Sommer durchaus zufriedenstellend, so hat sich der Fahrgastzuspruch inzwischen wieder auf die Hälfte der normalen Kapazität reduziert. Die Bahn weist darauf hin, dass die durchschnittliche Kapazität der Fernzüge bei etwa 35 Prozent liege. Damit wachse vollautomatische auch die Chance auf einen freien Nebensitz.

Foto: Barteld Redaktion / Deutsche Bahn

Die Kreuzfahrtbranche schlägt Alarm und warnt vorm Zusammenbruch eines ganzen Tourismuszweigs. Betroffen seien nicht nur die Reedereien, sondern auch alle Geschäftsbereiche, die mit dem Verkauf und der Abwicklung von Kreuzfahrten zu tun hätten; vom Reisebüro bis zu Veranstaltern. Besonders betroffen seien dabei auch kleine und mittlere Spezialveranstalter, die sich auf die Schiffsreisen spezialisiert hätten.

Foto: MSC-Cruises

Die gesamte Reiselobby bläst zum Sturm auf die bevorstehenden Einschränkungen. Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der Tourismuswirtschaft (BTW) sucht und findet die Schuldigen in der Politik. Seine geäußerte Kritik beim Europäischen Tourismusforum ist eindeutig. Er sieht die Reisebranche quasi als Opferlamm der Politik.

„Die gesamte ausgeh- und reisewillige Bevölkerung und eine ganze Branche mit drei Millionen Beschäftigten in Sippenhaft zu nehmen, weil einige Unvernünftige sich nicht an die Spielregeln halten, ist absolut unverhältnismäßig.“  

In der Realität wird diese Vorwurfshaltung die Gesundheitssituation nicht beeinflussen.

Der Tourismusbeauftrage der Bundesregierung, Thomas Bareiß, stellte, ebenfalls beim Tourismusforum, eine Verlängerung der Hilfsmaßnahmen für die Reisebranche in Aussicht. Eine solche Unterstützung müsse mindestens bis Mitte des nächsten Jahres geleistet werden.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) ruft gemeinsam mit dem Aktionsbündnis #AlarmstufeRot und gemeinsam mit DEHOGA, BTW, RDA, gbk, asr und VIR zur Großdemonstration in Berlin. Veranstaltungs-, Gastronomie- und Tourismuswirtschaft wollen übermorgen, am 28. Oktober, auf ihre überlebensbedrohende wirtschaftliche Situation aufmerksam machen.

Kanaren – Hoffnung

Foto: Turismo de Tenerife

Es war wie die Geschichte vom Kaninchen und der Schlange. Die Reisewarnung für die Kanarischen Inseln fiel und wenige Stunden später ergoss sich eine Angebots-Füllhorn der großen Veranstalter. Eurowings und Ryanair stockten sofort ihr Flugangebot wieder auf. Die Maßnahmen wirken wie ein verzweifelter Aktionismus und konterkariert die Aufforderungen aus der Politik.

Beherbergungsverbot in Schleswig-Holstein

Die letzte noch vorhandene Einschränkung in Sachen Unterkunft wurde am Freitag vom dortigen Oberverwaltungsgericht gestoppt. Das Gericht stufte das Verbot als rechtswidrig ein.

TUI bietet flexible Stornierung

Deutschlands größter Reiseveranstalter will künftig bei Hotelbuchungen für rund 6.000 Hotels in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz eine kurzfristige Stornierung zulassen. Die Regelung galt bisher nur für einige Stadthotels in den Regionen. Dafür gibt es einen neuen Flex-Tarif. Dieser dürfte preislich sicher über den bisherigen Buchungstarifen liegen, bietet aber die Möglichkeit bis zum Anreisetag von der Buchung zurückzutreten.

Neu bei TUI: Nicht nur Stadthotels mit Flex-Tarif

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