D-RR News 28.01.21 – Reisestopp/Airport-Hilfe/Hotel-Not

Die Reisestopp: Reaktionen

Das, was gestern und vorgestern ziemlich viel Staub aufgewirbelt hat, führt zu weiteren Reaktionen in der Reisebranche und der Politik. Die Regierung selber hat noch nichts entschieden, denn die Nachrichten aus dem Kabinett waren ja entsprechender Indiskretion und BILD zu verdanken. Aus dem Innenministerium verlautete zumindest, dass Horst Seehofer Vorschläge zur Einschränkung des Reisens erarbeite. Vermutlich wartet man auch auf die Ergebnisse zu dieser Diskussion bei der EU in Brüssel.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, angesiedelt im Wirtschaftsministerium, warnt vor weiteren wirtschaftlichen Einschränkungen für die Reisebranche. Die Betroffenen dieses Wirtschaftsbereichs benötigten, nach den Reisewarnungen und den Quarantänevorgaben jetzt eine positive Perspektive.

Der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) kritisierte die Äußerungen der Bundeskanzlerin. Reisevermittler hätten bisher immer grundsätzlich positiv zur notwendigen Gesundheitsvorsorge gestanden. Die Vorsitzende des Verbands, Marija Linnhoff äußerte gestern auf der VUSR-Facebook Seite:

Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein! 

Im Einzelnen sagte sie:

Ich kann und will nicht verstehen, wie Menschen, die ich sonst sehr schätze, sich so unmöglich ungeschickt ausdrücken können und damit die Existenz von mehr als 100.000 Reisebüromitarbeiterinnen und Reisebüromitarbeitern aufs Spiel setzen! Diese Spielchen müssen endlich aufhören. Hier muss im doppelten Sinne Abhilfe geschaffen werden. Die Bundesregierung muss nun auch nachlegen! – Zumal so auch überhaupt nicht über die Pannen bei der Impfstoffbesorgung und -verteilung hinweggetäuscht werden kann!

Reisestopp und Reiserecht

Der Reiserechtler Ernst Führich hat sich für ein Reiseverbot in Hochrisikogebiete ausgesprochen. Auf Anfrage des Reiseportals „Reise vor9“ sagte er, es sei…:

…nicht einzusehen, dass Beherbergungsverbote den Inlandstourismus praktisch lahmlegen, die Bevölkerung aber durch touristische Reisen aus Hochrisikogebieten nicht ausreichend geschützt“ werde. Im Gegensatz zum behördlichen inländischen Beherbergungsverbot würden Verstöße gegen amtliche Reisewarnungen bei Auslandsreisen vom Staat bisher geduldet und „nur mit einer schwer zu überwachenden, laschen Quarantäne nach der Rückreise belegt.

Details dazu stehen hier bei „Reise vor9

Einreiseeinschränkungen auch in Finnland und Israel

Nicht nur die deutsche Politik denkt über einschneidende Maßnahmen nach. Andere Länder handeln bereits. Finnland hat seine Grenzen mit Wirkung von Gestern 0:00 Uhr für Reisende aus dem Ausland wieder geschlossen. Nur finnische Staatsbürger dürfen weiterhin einreisen. Die Verfassung des Landes garantiert das. – Ausnahmen gibt es bei Ausländern nur bei existierenden Arbeitsverträge oder nachweisbar familiären Gründen. Diese Einreiseregeln gelten zunächst bis zum 25. Februar.

Auch der israelische Ben-Gurion-Flughafen ist seit gestern für Auslandsflüge gesperrt. Wir berichteten am Dienstag.

Flughafen – Staatshilfe

Airport Düsseldorf

Im November waren sich die Wirtschafts- und Verkehrsminister der Bundesländer fast einig. Nun sollen Entscheidungen folgen, die Geld kosten. Deshalb tagen heute die Finanzminister der Bundesländer, um das Hilfskonzept für die in Finanznot geratenen deutschen Airports festzuklopfen. Es geht um eine Milliarde Euro, an denen sich die Bundesländer zur Hälfte beteiligen sollen, da sie meist Miteigentümer der Airports sind. Hilfsmittel des Bundes fließen derzeit nur für die Flughäfen, an denen der Bund beteiligt ist. Das sind Berlin, Köln und München. Die Betreibergesellschaften der deutschen Flughäfen haben die voraussichtlichen Verluste für die Jahre 2020 und 2021 mit drei Milliarden Euro hochgerechnet. Die Bundesländer, die große Flughäfen betreiben (u.a. Hessen, Bayern, NRW) werden dem Vorschlag vermutlich zustimmen.

Boeing „737max“ zurück in Europa

737 MAX: Darf in Europa wieder in die Luft – Foto: Boeing

Wie zu erwarten hat jetzt die Europäische Luftfahrtbehörde EASA grünes Licht für den Start der 737MAX gegeben. Der Maschinentyp ist damit, nach fast zwei Jahren am Boden, wieder zugelassen worden. Die Entscheidung war bereits in der letzten Woche angekündigt worden. Die Behörde gab bekannt, trotz der jetzt erfolgten Freigabe, den Betrieb der Maschinen zunächst noch intensiv zu überwachen.

Die Untersuchungen der amerikanischen Luftfahrtbehörden brachten zahlreiche Fehler bei der Entwicklung sowie Vorwürfe von Betrug zutage. Boeing hat alleine in den USA umgerechnet rund 2 Milliarden Euro aufbringen müssen, um drohende strafrechtliche Verfahren zu verhindern. Technische Fehler in der Software der Maschine hatten zu zwei Abstürzen des Flugzeugtyps und 346 Todesopfern geführt.

Damit erfolgt auch die Freigabe der bei Boeing bestellten und noch nicht gelieferten Maschinen des Flugzeugtyps. Größte Besteller in Europa sind der Billigflieger Ryanair, sowie die Ferienflieger Sun Express und TUIfly.

Corona – Kurzmeldungen

Schweiz

Bei Fluganreise in der Schweiz muss künftig bereits vor dem Boarding ein negativer Corona-Test vorgelegt werden. Die von der Schweizer Regierung beschlossene Regelung gilt ab 1. Februar und auch für Flüge aus Deutschland. Außerdem sollen von allen Anreisenden (Flug, Bahn, Bus) Kontaktdaten aufgenommen werden. Die Regelung hat jedoch eine entscheidende Lücke: Der PKW-Verkehr. Angesichts von täglich rund 60.000 Pendlern in die Schweiz aus Deutschland und Frankreich sieht man sich offensichtlich dazu nicht in der Lage. Die Vorlage des negativen Tests hat einen kleinen Vorteil für Anreisende. Die vorgeschriebene Quarantäne verkürzt sich damit von 10 auf 7 Tage.

Großbritannien

Ähnlich wie in manchen asiatischen Ländern (z.B. Singapur) will auch Großbritannien eine zehntägige Pflicht-Quarantäne in Hotels vorschreiben. Dies gilt für heimkehrende britische Staatsbürger, die aus Ländern und Gebieten kommen, die auf der britischen „Roten Liste“ stehen. Die Kosten für die Unterbringung in vorgegebenen Hotels müssen die Einreisenden selbst bezahlen. Für die Bürger von Ländern (aktuell 22), die auf der Roten Liste stehen, soll es ein generelles Einreiseverbot geben.

Belgien

Belgien hat ein Ein- und Ausreiseverbot erlassen. Das Auswärtige Amt teilt in seinen Reiseinformationen mit:

Mit Verordnung vom 26. Januar 2021 hat das belgische Innenministerium vom 27. Januar bis 1. März 2021 nicht-essentielle Reisen nach Belgien und von Belgien ins Ausland verboten. Nur notwendige Reisen sind zugelassen. Hierunter fallen für Personen aus der EU berufliche Reisen, Reisen zum Besuch des/der nicht im gleichen Haushalt lebenden Partners/Partnerin und gemeinsamer Kinder oder aus anderen wichtigen familiären Gründen, Reisen aus medizinischen Gründen, Fahrten im Rahmen des kleinen Grenzverkehrs und Transitfahrten durch Belgien.

Norwegen

Norwegen wird heute 24 Uhr seine Grenzen komplett schließen. Dies gilt für alle Menschen, die keinen festen Wohnsitz im Land haben. Warentransport und Gesundheitsvorsorge bilden hier Ausnahmen, insbesondere für die Nachbarländer Finnland und Schweden. Im Gegenzug hat Schweden seine Grenze zu Norwegen bereits geschlossen. Der Transit von und nach Norwegen ist damit nicht mehr möglich.

Neuseeland

Neuseeland wird wohl für einen Großteil des Jahres 2021 seine Grenzen für Touristen geschlossen halten. Erst wenn klar sei, dass geimpfte Personen das Virus nicht weitergeben können, werde über eine Freigabe des touristischen Verkehrs für Geimpfte nachgedacht. Voraussetzung sei zudem, dass im Land selbst genügend Personen eine Corona-Impfung erhalten hätten.

Pleitegefahr für Hotels wächst weiter

Die gestern in den News schon erwähnte Insolvenzgefahr von über 30 Prozent im Reise- und Übernachtungsgewerbeverschärft sich, nach neuesten Zahlen des Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) weiter. Inzwischen melden auch Hotelgruppen zunehmend Existenznot. Dirk Lohe, Aufsichtsrat der Hotelgruppe Dorint erklärte gegenüber der ARD-Tagesschau:

Jeden Monat verbrennen wir 1,5 Millionen Euro.

Statt normalerweise 70 Prozent kämen die Hotels seiner Gruppe derzeit auf deine Auslastung von nur noch 5 bis 6 Prozent. 60.000 Euro, quasi Entschädigung, stünden derzeit einem verbuchten Schaden von 32 Millionen Euro gegenüber.

Nach DEHOGA-Berechnungen ist der Umsatz der deutschen Hotels im Jahr 2020 um rund 40 Prozent eingebrochen. Die Novemberzahlen 2020 liegen um 90 Prozent niedriger als die Umsatzzahlen des Vorjahrs 2019.

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