DRR Corona-News 09.06.20 – TUI / Inlandsreisen / AUA-Deal / Reisebüroumsatz

TUI im „Fadenkreuz“

Marek Andryszak – Foto: TUI Group

Viele Touristiker haben inzwischen die Faust in der Tasche, was das Verhalten, die Geschäftsabwicklung und die Planungen von Europas größtem Reisekonzern betrifft. Auch Kunden haben sich massenhaft beschwert, dass die gesetzlich vorgeschriebene Rückzahlung von bis Mai bezahlten aber stornierten Reisen nicht stattgefunden hat. Marek Andryszak, TUI-Deutschland-Chef hat sich dafür gestern entschuldigt und angekündigt, dass die Rückzahlungen im Verlauf dieser Woche Realität werden sollen.

Gestern wurde auch bekannt, dass TUI mit dem Hotelbuchungsportal „booking.com“ eine Kooperation über den Verkauf von TUI – Ausflugspaketen und Events geschlossen hat. Reisebüros sehen diese Kooperation mehr als kritisch, würden hier doch zusätzliche Angebote in den direkten Vertrieb verlagert. Kleinere und mittlere Veranstalter bangen ohnehin um die Vielfalt des touristischen Angebots, die sich durch die Kooperation zweier Reisegiganten verschärfe.

Foto: TUI Group

Parallel zu diesen Entwicklungen gibt es Gerüchte, dass TUI eine weitere staatliche Finanzspritze in Höhe von 1,2 Milliarden Euro beantragen wolle. Dies erzürnt kleinere Veranstalter, die bisher in Sachen Tourismus-Rettungsfond nicht berücksichtigt wurden.

Deutschland weiter vorn

Was viele Umfragen schon zeigten wurde in einer weiteren Befragung noch einmal untermauert. Rund ein Drittel setzt auf Ferien im eigenen Land. Ein weiteres Drittel hofft auf Auslandsurlaub. Kapazitätsprobleme in den Reise-Hotspots von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Bayern werden damit immer wahrscheinlicher. Angesichts von andauernden Abstandsregelungen dürfte ein Urlaub in den Mittelgebirgen wesentlich entspannter ablaufen. Immerhin melden Vermittler von „Urlaub auf dem Bauernhof“ eine verstärkte Nachfrage, die allerdings ebenfalls die Top-Destinationen bevorzugt.

Abstand in der Natur, statt Gedränge am Strand

Coronafreie Ziele

Es gibt sie. Gut erreichbar, aber auch sehr schlecht zugänglich. Wenn die Fidschi-Inseln bekanntgeben, coronafrei zu sein, dürfte das keine großen Auswirkungen auf den touristischen Markt haben. Auch Neuseeland ist nach neuesten Zahlen inzwischen infektionsfrei. Die Einschränkungen im öffentlichen Leben wurden gestern aufgehoben. Für touristische Einreisen nach Neuseeland bleiben die Grenzen aber weiterhin geschlossen.

Auch europäische Ziele verkünden „gesunden“ Urlaub. Die portugiesische Inselgruppe Madeira und Porto Santo will das Reisegeschäft am 1. Juli coronafrei eröffnen. Als Schutzmaßnahmen sind bei der Einreise allerdings Corona-Tests für alle Besucher vorgesehen, die kein „Negativ“-Attest vorlegen können.

Blick vom Cabo Girao auf die Südküste Madeiras

Bahntickets günstiger

Die Deutsche Bahn hatte versprochen, die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kundschaft weiterzugeben. Dementsprechend werden Bahnreisen ab 1. Juli günstiger.

Airlines

Reykjavik-Connection

Icelandair nimmt den Flugverkehr nach Deutschland zum 15. Juni wieder auf. Die ersten Ziele sind Frankfurt, München und Berlin.

AUA-Deal

Das Ringen um den Flugmarkt in Österreich ist um eine „tricky“ Entscheidung reicher, die Austrian Airlines stützt und gleichzeitig das Leben der „Billig-Verbindungen“ (insbesondere Lauda/Ryanair) schwerer macht. Austrian erhält insgesamt 600 Millionen Euro (300 Millionen als Kredit, 150 Millionen als Staatshilfe und 150 Millionen von Lufthansa). Beim Deal wurde auch eine Standortgarantie für AUA von LH abgegeben. Sie umfasst den Zeitraum von 10 Jahren.

Foto: Austrian Airlines

Beim Ringen ums Geld konnten sich die österreichischen Grünen in der Koalition mit der ÖVP mit einer Umweltauflage durchsetzen. Durch eine Untergrenze von 40 Euro pro Ticket sollen Preisdumping und die Attraktivität von absoluten Kurzstrecken uninteressant werden. Diese Entscheidung dürfte bei Lauda und Ryanair auf wenig Begeisterung stoßen. Dank des Einlenkens der Gewerkschaften konnte die Lauda-Basis in Wien in letzter Minute gerettet werden. Eventuell startet diese Diskussion jetzt von vorn.

Britische Airlines protestieren

Die seit dieser Woche gültige verpflichtende zweiwöchige Quarantäne für alle Einreisenden nach Großbritannien stößt auf wenig Begeisterung der Airline-Industrie. Im Protest sind sich Netzcarrier und Billigairlines einig. Der Protest kommt sowohl von British Airways, als auch von den Low-Cost-Gesellschaften Easyjet und Ryanair. Rund 500 Reiseanbieter unterstützen den Protest ebenfalls.

Reisebüros

Auch wenn aktuell der Eindruck entstehen könnte, dass man sich im Tourismus wieder normalen Zeiten nähert, ist dem offensichtlich nicht so. Wie das Fachmagazin „Touristik aktuell“ schreibt, kommt der geschürte „Boom“ in den Reisebüros offensichtlich nicht an. TA schrieb gestern:

„Es dürfte kaum überraschen: Immer noch gibt es im Schnitt weniger als eine Buchung pro Tag in einem deutschen Reisebüro. In der vergangenen Woche wurden magere zwei Verkaufsvorgänge pro Büro verzeichnet – und das ist immerhin schon ein Plus von 30 Prozent gegenüber der Vorwoche. Positiv sind die aktuellen Buchungszahlen beileibe nicht, denn in der Vergleichswoche aus dem Vorjahr lag der Wert um 90 Prozent höher.“

Mehr Infos stehen im Artikel, den wir oben verlinkt haben!

 

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