DRR Corona-News 19.05.20 – Sommerziele / Sommerrisiken

Algarve wartet auf deutsche Kundschaft

Buchungsflexibilität vs. Stornounsicherheit

Viele deutsche Reiseveranstalter versprechen im Moment die kostenfreie Stornierung einer gebuchten Urlaubsreise bis zwei Wochen vor Reiseantritt. Dies gilt allerdings für Neubuchungen. Urlauber, die bereits im Januar oder Februar gebucht hatten, waren bisher durch die allgemeine Reisewarnung geschützt. Dies würde ab 15. Juni nicht mehr zutreffen, wenn die AA-Reisewarnung nicht mehr gilt. Dann gilt das Stornierungsrecht, laut BGB, nur noch, wenn „unvermeidbare außergewöhnliche Umstände zu einer erheblichen Beeinträchtigung“ des Urlaubs führen. Die Anerkennung könne dann „nur im jeweiligen Einzelfall geschehen“, heißt es aus dem Justizministerium. Im Zweifelsfall muss dies von Gerichten geklärt werden.

Inlandsurlaub? – Inlandsurlaub

Seit gestern sind wieder Urlaubsaufenthalte auf den nordfriesischen und ostfriesischen Inseln möglich. Die Anreise nach Sylt sorgte gestern für chaotische Zustände, Staus und mehrstündige Wartezeiten bei der Bahnverladung auf die Insel. – Tagestouristen sind auf Sylt zunächst noch nicht zugelassen. Dasselbe gilt auch für Föhr, Amrum und die Halligen.

In Bayern haben gestern die ersten Biergärten wieder geöffnet. Der Besuch unterliegt den bekannten Abstands- und Hygieneregeln. Was gestern noch diszipliniert ablief, könnte, insbesondere am Himmelfahrtstag (Donnerstag) bei angesagtem guten Wetter, allerdings eskalieren. Viele Wirte sehen dem Feiertag mit Bangen entgegen. Biergärten dürfen darüber hinaus nur bis 20 Uhr öffnen.

Almenlandschaft in Bayern

Im Erzgebirge geht man sehr viel forscher an die Wiedereröffnung. Eine Presseinfo von heute schreibt:

Eine der schönsten deutschen Mittelgebirgslandschaften ist aus der Corona-Starre erwacht und hält fantastische Freizeit- und Urlaubsangebote inmitten der Naturidylle bereit. Egal ob Tagesausflug, Kurztrip oder ein Urlaub voller Sommerfrische, hier hat der Alltag Pause.

Aber auch in dieser beliebten Tourismusregion bleiben natürlich die Abstands- und Hygieneregeln aufrecht. Einige Attraktionen werden deshalb nur beschränkt oder nicht zur Verfügung stehen. Man setzt deshalb hauptsächlich auch aufs Wandern und die Bewegung in freier Natur. Die Fahrt mit den beliebten Dampf-Schmalspurbahnen ist aber möglich.

Dampf geht wieder: Fichtelbergbahn

Thüringen meldet erfreuliche Entwicklungen. Seit 15. Mai seien Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen, sowie Restaurants, Cafés und Gaststätten wieder geöffnet. Bereits seit Ende April sind ausgewählte Museen und touristische Einrichtungen wieder zugänglich. Natürlich weist auch Thüringen-Tourismus auf die allgemeinen Grundbedingungen hin:

„1,5 m Abstand halten und das Tragen des Mund- und Nasenschutz beim Betreten von Einrichtungen, Geschäften usw. Bei Übernachtungen, Ausflügen, Museums- und Restaurantbesuchen ist es ratsam, sich vorab bei den jeweiligen Einrichtungen zu informieren und auch wenn möglich vorab zu buchen.“

 

Erste deutsche Stadt mit Mundschutzpflicht: Jena ist wieder offen für Tourismus

Auslandsurlaub? – Auslandsurlaub

Die allgemeine Reisewarnung der Bundesregierung soll zum 14. Juni erst einmal auslaufen. Ersetzt werden soll sie durch gezielte Reisehinweise, um Urlaubern zu ermöglichen selbst zu entscheiden, ob das Reiseziel für sie infrage kommt.

Die Verhandlungen von Bundesaußenminister Heiko Maas mit zehn seiner EU-Kollegen, gestern, zeigt ein unterschiedliches Bild. Einige Reiseziele (Türkei, Griechenland) setzen auf schnelle Öffnung des Tourismusbetriebs Ende Juni/Anfang Juli.

Der Optimismus in Griechenland ist einer teilweisen Ratlosigkeit der Hotels gewichen, die sich neuen Hygienevorschriften gegenübersehen. Genaue Abstandsregeln und maximale Kapazitäten für Restaurants liegen noch nicht verbindlich vor. Regeln für die Poolbenutzung seien zum Teil abstrus. Sie sähen zum Beispiel getrennte Poolzeiten für Risikogruppen, wie Senioren vor. Die Kapazität von Poolliegen sei nicht geklärt. Der Katalog der Gesundheitsbehörden sieht zum Beispiel auch die Einrichtung von Krankenstationen in Hotels vor. Die Vorschrift zur Zusammenarbeit mit Corona-Fachärzten stoßen insbesondere den Anbietern in ländlichen Gebieten und auf Inseln auf. Insbesondere die kleinen Ägäis-Inseln verfügten nicht über solches medizinisches Personal. Die Gesundheitsregeln liegen zurzeit zur Stellungnahme bei den Verbänden der Tourismusindustrie. Dort hofft man auf eine Einigung im „vernünftigen“ Rahmen.

Start am 1. Juli in Griechenland: Hier Kato Zakros, Kreta

Spanien als Top-Destination hat erst einmal den Ausnahmezustand im Land und die vorgeschriebene 14 tägige Pflichtquarantäne bei Einreise bis Ende Juni verlängert. Über eine mögliche Fortsetzung dieser Regelungen soll Morgen entschieden werden. Die Balearen und Kanaren kämpfen jetzt um eine Sonderlösung. Ob dies erfolgreich sein kann, steht in den Sternen. Mit einem Testbetrieb wollen die Balearen den touristischen Betrieb Ende Juni starten. Wie die Tagesschau gestern berichtete, will die Balearen-Präsidentin Francina Armengol

„die Inseln zu einer Art Versuchslabor machen: Sie möchte Touristen holen, die aus den deutschen Regionen kommen, in denen es nur wenige Covid-19-Fälle gibt. Sie stehe in enger Abstimmung mit den Bundesländern und mit einem großen deutschen Reiseveranstalter.“

Bei dem „großen deutschen Reiseveranstalter“, der die „Versuchskaninchen-Reisen“ organisieren will, handelt es sich um TUI. Es wäre quasi eine „Quarantäne-Reise“, die über Reisekorridore in bestimmte Hotels der RIU-Gruppe führen könnten. Über Bewegungsfreiheit vor Ort, Strandaufenthalte etc. gibt es noch keine verlässlichen Informationen. Auch die Presseinfoseite der TUI bietet aktuell dazu keine Information.

Spanien dauert noch. Insbesondere das Festland. Hier: Rota, Andalusien

Portugal, das sehr viel besser durch die Corona Krise gekommen ist, als Nachbar Spanien gibt bekannt, dass bereits ein Drittel aller Hotels an der Algarve wieder geöffnet sei. Der Rest solle bis spätestens 1. Juli folgen. Regeln für den Strandaufenthalt würden derzeit erarbeitet.

In Skandinavien gibt es unterschiedliche Entscheidungen. Norwegen bleibt bis mindestens 20. Juli „geschlossen“. Schweden hat zwar keine Grenzschließung. Die Behörden weisen aber auf die gesundheitlichen Risiken hin. Das Auswärtige Amt rät, per Reisehinweis, von Schwedenreisen derzeit ab. Finnland hingegen möchte die Einreise und damit touristische Aktivitäten zum 15. Juni starten.

Schweden & Norwegen auf Warteliste

Die Niederlande verweisen derzeit noch auf die geschlossene Grenze für den touristischen Verkehr. Lediglich Ferienparks und Campingplätze werden ab 1. Juli wieder öffnen. Restaurants dürfen ab 1. Juni wieder öffnen. Museen, Theater und Sehenswürdigkeiten bleiben bis 1. Juni geschlossen. Danach werden Besuche nur nach Reservierung möglich sein. Dabei gilt die Abstandsregel von 1 Meter 50 und die Zulassung für maximal 30 Personen zur selben Zeit.  Alle Veranstaltungen über 100 Personen sind bis 1. September gesetzlich verboten.

Luftfahrt

Der Billigflieger Ryanair hat eine sehr schlechte Quartalsbilanz vorgelegt. Daraus könnten eine Reihe von weitreichenden Folgen erwachsen. Ryanair werde unprofitable Basen schließen, sagte Ryanair-Oberboss Michael O’Leary. Nach diversen tariflichen Konflikten könnte die Heimatbasis Wien, der Ryanairtochter Lauda als erste von solchen Maßnahmen betroffen sein. Falls es keine Einigung mit den Gewerkschaften über Vertragsänderungen und Gehaltskürzungen in der Lauda-Zentrale gäbe, werde man die Basis Ende Mai schließen.

Macht O’Leary die Lauda-Basis in Wien bald dicht? – Foto: Laudamotion

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