DRR Corona-News 28.05.20 – LH / T-Day & Politik / Fort- und Rückschritte

Entscheidungen aus der Hauptstadt

LH Showdown geht weiter

Nach der Forderung der EU-Kommission die Lufthansa Finanzhilfe mit einer Überprüfung von Start- und Landerechten an Flughäfen, hat der LH-Aufsichtsrat die Zustimmung über die Annahme des Stabilisierungspakets verschoben. In einer Pressemitteilung der Airline heißt es:

„Sie würden eine Schwächung der Drehkreuzfunktion an den Heimatflughäfen der Lufthansa in Frankfurt und München zur Folge haben. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Unternehmen und die vorgesehene Rückführung der Stabilisierungsmaßnahmen sowie mögliche Alternativszenarien müssen intensiv geprüft werden.

Vor diesem Hintergrund hat der Aufsichtsrat dem Stabilisierungspaket in Zusammenhang mit den EU Auflagen nicht zustimmen können. Zur Aufrechterhaltung der Solvenz stuft der Aufsichtsrat Stabilisierungsmaßnahmen des WSF aber weiter als die einzig gangbare Alternative ein.“

Die Einladung zu der notwendigen außerordentlichen Hauptversammlung der LH Group liegt damit erst einmal auf Eis.

Entscheidung über Aufhebung der Reisewarnung verschoben

Wie gestern schon berichtet, hat die Bundesregierung den offiziellen Beschluss zur Aufhebung der generellen Reisewarnung ab 15. Juni verschoben. Insbesondere von Bundesinnenminister Seehofer und dem Bayerischen Ministerpräsidenten Söder werden gesundheitliche Bedenken geäußert. Sie befürchten, dass damit eine zweite Infizierungswelle losgetreten werden könne. Damit gibt es zunächst keine Garantie für die in der letzten Woche, von Bundesaußenminister Heiko Maas, bekanntgegebenen Öffnungen stattfinden.

Die Kritik aus der Airline Branche und dem Verband der Flughäfen ist dementsprechend groß. Für die europäische Reisewirtschaft sei dies ein fatales Signal, sagte Mathias von Randow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL).

Die allgemeine Reisewarnung sollte zum 15. Juni durch Reisehinweise ersetzt werden, die für jedes Ziel individuell formuliert werden sollten.

Berliner Entscheidungen sind eiligst gefragt

T-Day / DRV-Forderung / Tourismusausschuss entscheidungslos

Die Reisebranche „feiert“ den gestrigen, bundesweiten Protesttag der Reiseindustrie aufgrund des hohen Zuspruchs und der erzielten Aufmerksamkeit, insbesondere in der Politik. Gleichzeitig fanden notwendige Entscheidungen in den politischen Gremien weiterhin nicht statt.

Dirk Inger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbands (DRV) sprach bei einer Anhörung im Tourismusausschuss des Bundestags, von „politisch unterlassener Hilfeleistung“. Der DRV forderte an dieser Stelle Überbrückungszuschüsse von etwa 260 Millionen Euro pro Monat für Reisebüros und die mittelständischen Veranstalter. Ein zusätzlicher Anlaufkredit für Reisebüros in Höhe von 500 Millionen Euro sei darüber hinaus nötig.

Ausschuss-intern waren diese Forderung und Anträge der Grünen-Fraktion nicht von Erfolg gekrönt. Der Antrag auf Abstimmung des „Grünen“-Papiers zur Unterstützung der Tourismuswirtschaft wurde im Tourismusausschuss von den Mitgliedern der Regierungsfraktionen abgelehnt. Entsprechend bitter und deutlich äußerte sich der tourismuspolitische Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen, Markus Tressel in einer Erklärung:

Nach Wochen der Debatte und des Hinhaltens der Branche muss die Begründung, man wolle die Anhörung der Touristikerinnen und Touristiker im Ausschuss abwarten, für die Betroffenen wie Hohn klingen.

Seit Wochen arbeitet die Bundesregierung angeblich an einer Lösung. Viele touristische Unternehmen haben dieses Abwarten und Verschieben bereits mit der Existenz bezahlt. Die Optionen liegen unabhängig von der Anhörung auf dem Tisch. Die Beratung der Anträge wäre auch ein Signal an die Branche gewesen, dass man sich jetzt mit Nachdruck auf den Weg macht. Wir brauchen endlich einen Rettungsfonds für die Tourismuswirtschaft und einen Liquiditätsfonds.“

Weitere Informationen dazu gibt es auch in einem Reiseradio-Gespräch mit Markus Tressel, das wir Ende der letzten Woche geführt haben.

Markus Tressel, MdB & tourismuspolitischer Sprecher Bündnis 90 / Die Grünen

Tressel zeigte sich auch in den sozialen Medien enttäuscht. In einem Facebook-Post von gestern schreibt er:

Jeder Arbeitsplatz in der Reisebranche ist genauso wertvoll wie jeder Arbeitsplatz etwa in der Automobilwirtschaft! Man darf hier seitens der #Bundesregierung nicht mit zweierlei Maß messen.

Aktuelle Krisenauswirkungen

Die von der Karstadt/Kaufhof-Gruppe übernommenen Thomas Cook-Reisebüros, die als „Galeria-Reisen“ fungierten haben Insolvenz angemeldet. Betroffen sind bundesweit 106 Reisebüros.

100 Mitarbeiter wurden gekündigt durch die Betriebseinstellung von Lidl-Reisen und JT Touristik.

Fortschritte & Rückschritte

Viele Freizeitparks im Südwesten Deutschlands werden zu Pfingsten den Betrieb aufnehmen. Morgen öffnen folgende Parks unter entsprechenden strengen Hygiene- und Abstandsvorgaben sowie der Beschränkung der Besucherzahl: Europa-Park Rust, Erlebnispark Tripsdrill, Schwabenpark in Kaisersbach, Ravensburger Spieleland in Meckenbeuren  Am Samstag öffnet das Legoland in Günzburg. Das Tragen von Schutzmasken wird in allen Parks Pflicht sein. – Der Holiday-Park in Hassloch wird vermutlich erst Mitte Juni seine Tore öffnen.

Burgen und Schlösser in der „GrimmHeimat NordHessen“ starten zu Pfingsten in die Sommersaison. 27 der insgesamt 32 historische Anlagen sind wieder für Besucher geöffnet. Alle Betreiber haben die notwendigen Hygiene- und Abstandskonzepte umgesetzt, um den Gästen einen erlebnisreichen Besuch zu ermöglichen. Der in den letzten Jahren verfügbare Stempelpass sei wieder erhältlich, teilt die Grimmheimat mit. Er ist mit einem attraktiven Gewinnspiel verbunden.

GrimmHeimat NordHessen: Schloss Berlepsch bei Witzenhausen

St. Anton am Arlberg (Österreich) will die Sommersaison am 3. Juli beginnen. Als Besucheranreiz wird es die „Sommer-Karte“ geben, die zahlreiche kostenfreie Angebote von Yoga-Stunden bis zum Schwimmbadeintritt enthält. Auch die kostenfreie Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist inkludiert.

Aida Cruises hat alle Kreuzfahrten bis Ende Juli abgesagt. Gäste, die ihren Urlaub auf eine Kreuzfahrt bis Ende 2021 umbuchen, soll der bereits gezahlte Reisepreis als Guthaben (plus 10% Bonus) zurückgelegt werden. Auf Wunsch soll aber der gesamte Reisepreis auch zurückgezahlt werden.

Keine Kreuzfahrten bis 31. Juli – Foto: Aida-Cruises

Kroatien will ab Mitte Juni den touristischen Betrieb aufnehmen. Für die Einreise wird die Vorlage einer Unterkunftsreservierung vorgeschrieben.

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