DRR News 09.09.20 – EU-Petition: Pauschalreiserecht / LH & Easyjet / Brand im Flüchtlingslager Moria

Offene EU-Petition zum Pauschalreiserecht

Wir berichteten schon mehrfach über die längst fällige und immer wieder herausgeschobene Reform des Europäischen Pauschalreiserechts. Seit Jahren wird mal mehr (nach der Thomas Cook Pleite) oder auch weniger (in guten Zeiten) darüber diskutiert. Allenthalben ist von Kundengeldsicherung die Rede und vom Verbraucherschutz. Die Probleme gehen aber tiefer und sorgen gerade in der gegenwärtigen Krise bei kleinen und mittleren Veranstaltern für unverschuldete Finanz- und Existenznot. Drei Frauen aus der Branche gehen das Problem jetzt mit einer offenen Petition an und wünschen sich Unterstützung.

Mitinitiatorin Daniela Köster, Inhaberin und Geschäftsführerin des Veranstalters „Genuss Touren“ schreibt im Aufruf:

Nicht nur das Reiseverbot zerstört die Reisebranche – sondern auch die EU-Pauschalreiserechtlinie. Aus diesem Grund haben Jasmin Hornung und Stefanie Köpf und ich eine EU-Petition gestartet mit der Aufforderung, diese zu reformieren.

Daniela Köster, Inhaberin von „Genuss-Touren“ in München

In der Petition heißt es im Detail:

Die Tourismusindustrie befindet sich weltweit durch Covid-19 und die damit verbundenen Reiseeinschränkungen in einer existenzbedrohenden Lage. Diese wird durch die EU-Pauschalreiserichtlinie 2015/2302 (2011/83/EU) verstärkt.

Wir fordern, dass die Kunden im Fall eines Stornos auf Grund von höherer Gewalt einen Anteil der Stornogebühren übernehmen.

Begründung

Laut der EU-Pauschalreiserichtlinie müssen Reiseveranstalter den gesamten Reisepreis innerhalb von 14 Tagen erstatten, wenn eine Reise aufgrund von unvermeidbaren außergewöhnlichen Umständen nicht stattfinden kann.

Der Reiseveranstalter hat bereits vor Antritt der Reisen Arbeit erbracht: Beratung, Angebotserstellung, Buchungen von Reiseleistungen (Flüge, Hotels, Ausflüge, Transfers). Darüber hinaus treten insbesondere kleine und mittelständische Spezialreiseveranstalter für ihre Kunden durch Vorauszahlungen von Flügen, Hotels, etc. in finanzielle Vorleistung.

Weder die erbrachte Dienstleistung, noch geleistete Vorauszahlungen darf der Veranstalter seinen Kunden im Fall eines pandemiebedingten Stornos in Rechnung stellen.

Seit dem 18.03. erfolgt die Rückabwicklung bereits gebuchter Reisen. Erneut erbringen Reiseveranstalter für die Stornierung der Leistungen Arbeit, für die sie nicht bezahlt werden. Sie erhalten keine oder verzögerte Rückerstattungen der Fluggesellschaften. Bereits ins Ausland gezahlte Gelder werden i.d.R. nicht rückerstattet, die Veranstalter erhalten selber nur Gutschriften. Bereits jetzt sind viele Spezialreiseveranstalter auf Grund der Pauschalreiserichtlinie zur Geschäftsaufgabe gezwungen worden.

Für den Verbraucher hat dies zur Folge, dass die Angebotsvielfalt der Reiseveranstalter in der EU verschwindet. Kleine und mittelständische Veranstalter, die individuelle Reisen zusammenstellen, können nicht überleben. Konzerne werden staatlich gestützt und werden in Zukunft Markt und Preise diktieren.

Wir fordern, dass die Kunden im Fall eines Stornos auf Grund von höherer Gewalt einen Anteil der Stornogebühren übernehmen.

Zum Nachlesen: Hier ist der Link zur EU-Petition

Verbraucherschützer sehen dies naturgemäß anders. Perspektivisch gilt es in der Reisebranche neue Bezahlstrukturen aufzubauen, um betroffene Reisebüros und kleine Veranstalter nicht in Existenznot zu treiben.

Brand im Flüchtlingslager Moria / Lesbos

Ein Großbrand hat in der Nacht das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos weitgehend zerstört. Griechische Medien berichten, dass offensichtlich keine Toten oder Verletzten zu beklagen seien. Die Brandursache ist noch ungeklärt. Es gibt Brandstiftungsvorwürfe sowohl gegenüber Bewohnern als auch Einheimischen von Lesbos. Viele Lagerbewohner seien in die umliegenden Hügel geflüchtet, einige auch in Richtung Inselhauptstadt Mytilini. Polizeikräfte haben das Erreichen der Stadt aber verhindert. Hier ist, in einigen Meldungen, auch von Tränengaseinsatz die Rede. Moria stand, wegen auftretender Corona-Infektionen seit gut einer Woche unter Quarantäne. Tausende Menschen sind jetzt obdachlos, die humanitäre Situation ist fatal.

Lufthansa vor noch härterem Sparkurs?

Ursprünglich wollte man die Flugkapazitäten bis zum Ende des Jahres auf 60 Prozent der ursprünglichen Zahl der Flüge wieder hochfahren. Reisebeschränkungen und Reisewarnungen haben jetzt dazu geführt, dass der LH-Vorstand diese Planung über Bord werfen muss. Man rechnet mit maximal 40% des ursprünglichen Flugangebots.

Lufthansa CEO Carsten Spohr – Foto: Oliver Roesler / Lufthansa

Der LH-Vorstand hat gestern getagt und offensichtlich einen verschärften Sparplan entwickelt. Nach Information des Handelsblatts soll die Maschinenflotte noch stärker verkleinert werden. Bisher war eine Reduktion von etwa einhundert Maschinen auf 670 Flugzeuge geplant. Dies würde einen größeren Personalabbau bedeuten, als bisher geplant. Lufthansa sagte, dass man trotzdem beim gegenwärtig geplanten Stellenabbau von 22.000 Stellen (durch Teilzeitstellen bedeutet das 26.000 Arbeitsplätze) bleiben wolle. Ob es dabei bleibt darf, trotz Absprachen mit Gewerkschaften bezweifelt werden.

Weitere Flottenreduzierung?

Easyjet reduziert Flugangebot

War der Billigflieger durch die erste Corona-Phase noch heil durchgekommen, werden die Probleme jetzt größer. Den Grund für das schleppende Geschäft sieht die Airline in den Reisewarnungen, hauptsächlich der britischen Regierung. Durch immer neue Quarantäne- und Einreiseregeln sinke das Bedürfnis der Menschen in Urlaub zu fliegen. Easyjet will ab Ende September sein Flugangebot wieder reduzieren. Nach der Entscheidung der britischen Regierung zur 14-tägigen Quarantänepflicht für Heimkehrer aus Griechenland am Montag, haben jetzt die Niederlande eine Reisewarnung für alle griechischen Inseln herausgegeben.

Foto: Easyjet

 

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