DRR News 16.10.20 – Politik-Chaos / Ernste Situation / Risikogebiete / We love Travel!

Stürmische Zeiten im Tourismus

Politisches Durcheinander und die Folgen

Da gab es vor zwei Tagen eine nicht enden wollende Konferenz im Kanzleramt mit Warnungen von Virologen, mit Statements der Ministerpräsident*innen der Bundesländer, mit kleinsten gemeinsamen Vielfachen und mit der Verschiebung wichtiger Entscheidungen, weil man sich nicht einigen konnte. Unmittelbar danach gab es gestern zwei Gerichtsurteile, die das verschobene Beherbergungsverbot in Niedersachsen und Baden-Württemberg kippte. Die Bundessländer Saarland und Sachsen nahmen es freiwillig zurück. Bayern hat das Beherbergungsverbot heute Mittag beendet. Es wird zum Ende des Freitags auslaufen. Konstatieren muss man leider, dass die Unübersichtlichkeit der Maßnahmen noch schwieriger geworden ist.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warnte gestern auch vor der Überlastung der Labore, angesichts der Testpflicht für geplante Inlandsurlaube durch das Beherbergungsverbot. Gleichzeitig sei, so Wieler, die Mobilität einer der Treiber des Pandemiegeschehens. Er bemängelte in diesem Zusammenhang eine klare Ansage für ganz Deutschland.

Vier Fragen bleiben offen:

  • Wird dadurch die Reiselust für Inlandsreisen wieder gestärkt?
  • Ist eine Inlands-Reiseaktivität in einer Zeit der explodierenden Infektionszahlen eine gute oder schlechte Maßnahme in Sachen Gesundheitsschutz?
  • Ist es nach dem Durcheinander den politischen Entscheidungen möglich, Maßnahmen dauerhaft aufrecht zu erhalten und was wird aus der Wirtschaftlichkeit von Beherbergungsbetrieben?
  • Führen Ignoranz und Sorglosigkeit von Menschen mitten in die Krise, gleich ob wegen oder trotz der weitgehenden Auflösung eines Beherbergungsverbots?

Minikommentar:

Die Antworten wird jeder, der ehrlich ist, verweigern, denn diese Fragen sind nicht wirklich zu beantworten. Leider ist es so, dass gleich ob Reisen, Urlaube, Veranstaltungen, private Feiern, Partys in kleinem Rahmen möglich wären, wenn sich alle Teilnehmer verantwortungsbewusst verhielten. Die Realität belehrt uns leider mit dem Gegenteil. Diese Ignoranz wird zudem von Gerichtsentscheidungen begleitet, die unverständlich erscheinen, wie die heute Mittag vom Berliner Verwaltungsgericht gekippte Sperrstunde. Die Entscheidung mag nachvollziehbar sein. Sie sendet aber ein falsches Signal an die Ignoranten dieser Welt. Der Teufelskreis perfektioniert sich.

Politischer Streit von Berlin wirkt aufs ganze Land

Ernste Situation

Spätestens seit der Vorlage der gestrigen Infektionszahlen, die die höchsten in Deutschland registrierten waren (nicht seit April, sondern insgesamt) und der nochmaligen Steigerung der heutigen Zahlen auf 7.334, sollte klar sein, dass die Situation wieder ernst ist. Wurde Angela Merkel vor zwei Wochen noch von vielen belächelt, als sie vor der Gefahr von 19.000 Tagesinfektionen zu Weihnachten warnte, so steht, angesichts des exponentiellen Wachstums, eher die Frage im Raum, ob diese Zahl nicht schon viel früher erreicht wird.

Gestern ist die Zahl der Risikogebiete innerhalb Europas weiter gewachsen. Wir sind durchgehend umringt von Risikogebieten in Gänze oder auf bestimmte Regionen bezogen. Lediglich Norwegen liegt aktuell im grünen Bereich. Die neuen Risikogebieten sind laut Robert-Koch-Institut (Stand: 15.10., 17.00 Uhr):

Finnland: die Region Österbotten gilt als Risikogebiet.

Frankreich: es gilt nun gesamt Kontinentalfrankreich sowie auch das franz. Überseegebiet Martinique als Risikogebiet.

Irland: es gelten nun auch die Regionen Mid-West, South-West, Mid-East, West und Midlands als Risikogebiete.

Italien: die Regionen Campania und Ligurien gelten als Risikogebiete.

Kroatien: es gelten nun auch die Gespanschaften Grad (Stadt) Zagreb und Međimurska als Risikogebiete.

Malta: das gesamte Land Malta gilt als Risikogebiet.

Niederlande: es gilt nun das gesamte Land Niederlande (inkl. autonome Länder) als Risikogebiet.

Polen: die Regionen Kujawsko-pomorskie, Małopolskie, Podlaski, Pomorskie und Świętokrzyskie gelten als Risikogebiete.

Portugal: es gilt nun auch die Region Norte als Risikogebiet.

Schweden: die Provinzen Jämtland, Örebro, Stockholm und Uppsala gelten als Risikogebiete.

Schweiz: es gelten nun auch die Kantone Fribourg, Jura, Neuchâtel, Nidwalden, Schwyz, Uri, Zürich und Zug als Risikogebiete.

Slowakei: es gilt nun das gesamte Land Slowakei als Risikogebiet.

Slowenien: es gelten nun auch die Regionen Jugovzhodna Slovenija, Pomurska und Podravska als Risikogebiete.

Ungarn: es gilt nun auch die Region/Komitat Veszprém als Risikogebiet.

Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland: England: es gelten nun auch die Regionen East Midlands und West Midlands als Risikogebiete.

Angesichts dieser Zahlen ist Verharmlosung fehl am Platz.

Auf der „Haben-Seite“ stehen wenige Reiseziele, vor denen nicht mehr gewarnt wird, die theoretisch wieder bereist werden dürften. Dazu zählen: Namibia sowie (seit über einer Woche) die Gemeinden im Kleinwalsertal (Vorarlberg) und Jungholz (Tirol) angesichts ihrer isolierten Lage vom österreichischen Staatsgebiet.

TUI bietet Malediven wieder an

Marek Andryszak – Foto: TUI Group

Ab 27. Oktober gehören die Malediven wieder zum Reiseangebot der TUI. Deutschland-Chef Marek Andryszak preist die Malediven als Zielgebiet an, das viel Privatsphäre und Möglichkeiten zum Abstand biete. Das Interesse sei da, deshalb nehme man das Ziel, gemeinsam mit Lufthansa, ab Ende Oktober wieder ins Programm auf. In Sachen Sicherheit bezieht er sich auf die guten Erfahrungen, die man mit den Reiseangeboten auf die Kanarischen Inseln gemacht habe.

Die Einreise auf die Inselgruppe unterliegt strengen Vorschriften, wofür Reisende allerdings Verständnis haben sollten. Bei der Einreise muss ein negativer Covid-19-Test in englischer Sprache vorgelegt werden. Der Abstrich darf nicht länger als 72 Stunden vor Abflug zurückliegen. Allen Reisenden droht nach Rückkehr die möglicherweise ab 8. November geltende Quarantänepflicht. Nach der Definition des Auswärtigen Amts gelten die Malediven seit 17. Juli und nach wie vor als Risikogebiet und sind mit einer Reisewarnung belegt. Dies bedeutet zar kein Eiseverbot, mit den daraus erwachsenden Maßnahmen müssen Reisende aber leben.

Gesundheitsminister fordert weitere Maßnahmen für Reisende

Jens Spahn wird von fvw in Sachen weitere Planungen zitiert.

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland reisen will, kann demnach verpflichtet werden, gegenüber dem Robert-Koch-Institut (RKI) Angaben zur Person sowie zu Aufenthaltsorten zehn Tage vor und zehn Tage nach der Einreise zu machen. Zu diesem Zweck könnte eine digitale Einreiseanmeldung dienen…

Diese ist bereits in Planung und soll in einer ersten Version am 8. November gestartet werden. Das Gesetz sieht weiterhin Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung vor. Diese ist zurzeit noch als Ausgleich für Verdienstausfall während einer Quarantäne gedacht. Diese Entschädigung soll künftig entfallen, wenn eine vermeidbare Reise in ein Risikogebiet die Ursache ist.

Virtuelle „We love Travel!“ in Berlin eröffnet

Von einer kleinen Reisemesse wurde die Veranstaltung, organisiert vom Berlin Travel Festival, ITB und VIR, wieder ins Virtuelle verschoben. ITB-Chef David Ruetz betonte in seiner Eröffnungsansprache, dass er weiterhin aufs Reisen hoffe, aber man müsse damit leben, dass fast nichts mehr planbar sei und Reisebuchungen deshalb immer kurzfristiger erfolgten. Trotzdem schaue er mit Hoffnung auf das nächste Frühjahr.

Er sagte aber auch, dass zum Beispiel die ITB an einer doppelten Schnittstelle von Gefahren angesiedelt sei. Betroffen sei die Reiseindustrie, genauso wie der Veranstaltungsbereich. Die ITB-China zeige erste erfolgreiche Bemühungen im Hinblick auf eine erfolgreiche Messe mit anwesenden Besuchern. Für die ITB 2021 in Berlin gehöre dies aber noch „in den Bereich der Glaskugel“. Das Spektrum reiche von einer Präsenzveranstaltung unter der Voraussetzung, dass es Impfungen gebeben habe, bis zur rein virtuellen Veranstaltung. Eine seriöse Planung müsse alle Varianten einkalkulieren.

ITB-Chef David Ruetz – Foto: Messe-Berlin

Michael Buller, vom Verband der Internet Reiseindustrie, verwies auf die großen Probleme der Branche. Gleichwohl hoffe auch er auf eine Verbesserung. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und der Hygienekonzepte, die von der Reiseindustrie entwickelt worden seien, müsse man realistisch planen. Die große Gefahr liege in den wirtschaftlichen Problemen der Branche, die seit März quasi kein Geld mehr verdiene. Zukunftsmodelle seien aber möglich, die Entwicklungen im Kreuzfahrtbereich belegten das.

Hauptargument für eine Wiedergeburt des Tourismus liege aber in der Disziplin der Reisenden.

WE LOVE TRAVEL! Online-Auftakt-Pressekonferenz mit Dr. Martin Buck, Senior VP Travel & Logistics Messe Berlin; David Ruetz, Head of ITB Berlin; Bernd Neff, Founder Berlin Travel Festival; (v.l.n.r) – Foto: Messe-Berlin

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