DRR News 28.08.20 – Regeln / Reaktionen / Falsche Zahlen? / Strandsperre

Neue Corona-Regeln und DRV-Stellungnahmen

Das Ergebnis hatte sich in den Planungen des Bundesgesundheitsministeriums bereits abgezeichnet. Mitte September wird das Angebot der kostenfreien Tests nach Einreise auch Nicht-Risikogebieten abgeschafft. Nur Bayern will eine Ausnahme machen und weiter kostenfrei testen.

Tests unmittelbar nach Einreise aus einem Risikogebiet gehören ab Anfang Oktober wieder der Vergangenheit an. Stattdessen ist dann eine verpflichtende Quarantäne von 5 Tagen angesetzt. Erst danach kann ein eventuell kostenpflichtiger Test gemacht werden und nur, wenn dieser negativ ist, darf die Quarantäne beendet werden. Die sich abzeichnende Überlastung der Labore hat zu dieser Entscheidung geführt.

Gleichzeitig bleibt die Reisewarnung für ca. 160 Länder außerhalb der EU aufrecht. Die Reisewarnungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft sorgen für zusätzliche Einschränkungen. Diese Warnungen sing gestern noch einmal symbolisch verschärft worden durch die Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie sagte:

„Wir haben heute festgelegt, und das ist neu, dass wir dazu aufrufen, dass, wo immer das möglich ist, auf Reisen in ausgewiesene Risikogebiete zu verzichten ist“

Dirk Inger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV), kommentierte am gestrigen Nachmittag die Entscheidungen. Die neuen Regeln hinterließen bei Reisenden, wie Reisevermittlern tiefe Ratlosigkeit, die von einer wirtschaftlichen Existenzbedrohung der Tourismuswirtschaft begleitet werde.

„Der Schlingerkurs der Bundesregierung bei Reisen ist schädlich. Er verunsichert Reisende und schadet der Reisewirtschaft. (…) Es wird politisch mit Begriffen hantiert, die verunsichern und kaum zu unterscheiden sind: Reiseverbot, Reisewarnung, Risikogebiet, jetzt sogar noch ein Verzichtsappell nicht zu reisen. Wir brauchen stattdessen klare Regeln und eine klar erkennbare Strategie

Zahlen aus der Reiseindustrie

Am Vormittag, vor der entscheidenden Sitzung des Kanzleramts, hatte der DRV Zahlen zur wirtschaftlichen Situation der Reisebranche vorgelegt. Nach einer DRV Umfrage unter 650 Reiseveranstaltern und Reisebüros zeichnet sich eine düstere Perspektive ab. DRV-Präsident Norbert Fiebig fasste die Ergebnisse zusammen:

„Viele Unternehmen sind in ihrer Existenz bedroht und müssen kämpfen, um die Krise zu überstehen.

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands – Foto: DRV

Das sagt die DRV-Umfrage:

70 Prozent der Reisebüros beziffern den derzeitigen Umsatz auf weniger als 25 Prozent des Vorjahresumsatzes. Knapp die Hälfe der Reisebüros gibt an, bereits Mitarbeiter entlassen zu haben bzw. dies voraussichtlich tun zu müssen. Zwei Drittel aller Befragten bezeichnen ihre Situation als existenzbedrohend. Fast 80 Prozent der Reisebüros haben für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt und gehen davon aus, dass sie dies auch im kommenden Jahr tun müssen. 92 Prozent haben in irgendeiner Form staatliche Hilfe in Anspruch genommen und zum Beispiel Soforthilfen bekommen. 85 Prozent der Reisebüros haben Überbrückungshilfe beantragt. Davon haben aber knapp 70 Prozent bisher noch kein Geld gesehen.

Gut die Hälfte der Reiseveranstalter bezeichnet ihre Situation als „existenzbedrohend“. Knapp zwei Drittel beziffern ihren momentanen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr auf unter 25 Prozent. 85 Prozent haben Kurzarbeit beantragt und davon gehen wiederum 86 Prozent davon aus, dass sich dies auch im kommenden Jahr nicht ändern wird. 76 Prozent der deutschen Reiseveranstalter haben Überbrückungshilfen beantragt. Der Großteil der zugesagten Mittel ist bisher noch nicht angekommen. 70 Prozent der beantragten Gelder wurden noch nicht ausgezahlt.

Um diese Lage zu verbessern ist sich die Reisebranche einig. Wichtig seien, so Norbert Fiebig:

„…verlässliche Rahmenbedingungen, innerhalb derer sie ihr Geschäft wieder aufnehmen können. Widersprüchliche Signale seitens der Politik, etwa was die Bedeutung von Reisewarnungen betrifft, sind nicht hilfreich. Wir brauchen verlässliche Kommunikation und, wo möglich, differenzierte Reisehinweise statt pauschaler Reisewarnungen“

Falsch gerechnet? – Reiseveranstalter geht in die Offensive

Timo Kohlenberg, Geschäftsführer der Reiseveranstalter „America Unlimited“ und „Feinreisen“ kämpft schon seit Monaten für die Branche. Gestern hat er einen Videokommentar veröffentlicht, das sich mit der Erhebung der Infektionszahlen und der Auswirkungen auf die Reiseindustrie beschäftigt. Er sagt: Die Zahl 40% beruht auf falschen Berechnungsvoraussetzungen

Lufthansa befürchtet Buchungsrückgänge

Begründet hat dies Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister im Spiegel-Interview. Die Einstellung der Tests an Flughäfen verunsichere potentielle Flugkunden, so Hohmeister:

„Der aktuelle Plan bringt nicht mehr Sicherheit, sondern zusätzliche Unsicherheit. Das ist für mich völlig unverständlich. In den Test-Centern werden übrigens nicht nur Reisende getestet, etwa jeder Dritte kommt aus der Umgebung an die Flughäfen, um sich testen zu lassen. Die Preise bewegen sich zwischen 35 und 60 Euro, sind also überschaubar, so etwas macht man ja auch nicht jeden Tag. Diese etablierte Testinfrastruktur zu gefährden, kann ich nicht nachvollziehen. (…) Wenn wir die Tests abschaffen und jeden direkt in Quarantäne schicken, droht uns ein zweiter Lockdown, und das, obwohl wir uns große Mühe gegeben haben, diese Testzentren innerhalb kürzester Zeit aufzubauen.

Das komplette Spiegel-Interview finden Sie hier!

Statusmeldungen des Tages

FEHM, die Hoteliersgemeinschaft Mallorcas teilt mit, dass von den 321 Hotels, die auf der Insel in den letzten Wochen geöffnet waren, vermutlich 144 in unmittelbarer Zukunft wieder schließen werden. Der Grund: Mangelnde Auslastung. Man hoffe trotzdem noch auf eine Beruhigung und teilweise Wiedereröffnungen im September.

Die mallorquinische Regionalregierung hat weitere Corona-Maßnahmen angekündigt. So werden ab heute alle Strandabschnitte und Parks mit Beginn der Dunkelheit und über Nacht gesperrt. Damit sollen illegale Partys verhindert werden. In der Gastronomie will man die Zahl der Gäste pro Lokal weiter reduzieren.

Nach der Erklärung zum Risikogebiet hat das Auswärtige Amt gestern Reisewarnungen für die Karibikinseln Aruba, St. Maarten inklusive des französischen Inselteils, Guadeloupe sowie für Französisch-Guyana herausgegeben.

Österreich hat die Möglichkeit zu regelmäßigen Corona-Tests ausgeweitet. Galt dieses Angebot bisher nur für Hotelmitarbeiter, so können sich jetzt auch Angestellte von Campingplätzen, Jugendherbergen und in Gastronomie einmal pro Woche kostenfrei testen lassen.

 

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