DRR News – Air Berlin Insolvenz – Chronik der laufenden Ereignisse

Foto: www.fotografie-wiese.de / Air Berlin

Update 27.10.2017

siehe neuer Artikel in den DRR-News mit einer weiteren Fortschreibung dieser Chronik und Geschichte. Hier geht’s weiter!

Update 24.10.2017

Die geplante Transfergesellschaft für große Teile der Air Berlin Mitarbeiter, die keine Chance auf Übernahme von LH/EW etc. haben ist gescheitert. Die Menschen stehen im „Regen“. Das Scheitern ist begründet in der Weigerung der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern entsprechende Gelder zur Verfügung zu stellen. Das Land Berlin war zu einer Investition bereit.

Gleichzeitig gibt Lufthansa bekannt, dass auch der neue Berliner Flughafen (BER) nicht als Drehkreuz infrage kommt. BER sei zu klein, so die Lufthansa. Dies ist ein weiterer Faktor, der AB-Mitarbeitern eine Übernahme von LH perspektivisch schwieriger macht.

Auch im politischen Alltag wird sich das bevorstehende „Grounding“ von Air Berlin bemerkbar machen. Ab nächster Woche fällt der für Bundesbeamte wichtige Flugtransfern zwischen Berlin und Bonn unter den Tisch. Der „Berlin-Shuttle“ steht nicht mehr zur Verfügung. Ersatz? – Erst einmal keiner. Stattdessen setzt man auf die Erhöhung von Videokonferenzen. – Jenseits der Air Berlin – Problematik wäre das auch vorher schon eine hervorragende Idee gewesen, die sicher Kosten gespart hätte.

Update 12.10.2017

11:00 Uhr

Der Deal mit Lufthansa steht offensichtlich. Wenn Alles regulär läuft werden die Verträge zwischen LH und AB um die Mittagszeit unterschrieben. Damit gingen einige Mittelstreckenmaschinen plus die ohnehin schon im Wet-Leasing für Eurowings fliegenden Flottenteile an den Konzern. Ferner soll das Paket alle Turboprops der LGW und die komplette Flotte von Niki umfassen. In einigen Stunden werden wir mehr wissen. Nichts desto trotz steht auch noch die kartellrechtliche Prüfung aus.

Für den Fall der LGW Übernahme könnte neues Ungemach auf die ebenfalls insolvente Air-Berlin-Technik zukommen. Lufthansa will die Kurzstreckenflugzeuge offensichtlich nicht bei der AB-Technik warten lassen. Das berichtet das Luftfahrtportal „airliners.de“. Dies wirkt wohl etwas seltsam, da LH offensichtlich garnicht die Kapazitäten hat die DASH-400 Flugzeuge warten zu lassen, da im Konzern lediglich noch „Austrian“ mit ddiesem Flugzeugpark unterwegs ist. Es sind also schon wieder neue Fragen offen.

Der Deal-Abschluss mit Easyjet verzögert sich offensichtlich. Es ist inzwischen von einer Verschiebung um eine Woche die Rede. – Auch wird gemunkelt, dass bei Reduzierung der Verkäufe an Easyjet, der deutsche Ferienflieger Condor wieder ins Geschäft kommen könnte.

Update 11.10.2017

Wie inzwischen bekannt wurde, werden mit dem Einstellen des Air Berlin-Flugbetriebs am 28. Oktober weitere 10.000 Tickets im Mittelstreckenbereich ihre Gültigkeit verlieren. Alle wurden vor der Insolvenzanmeldung ausgestellt und fallen deshalb in die Insolvenzmasse. Die Chance für die Ticketinhaber eine Erstattung zu erhalten dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein.

Die Verkaufsverhandlungen mit Lufthansa und Easyjet sind nach wie vor nicht abgeschlossen. Die Zeit bis Morgen, dem geplanten Vertragsschluss wird knapp. Die Lage ist aktuell etwas undurchsichtig. Easyjet will jetzt offensichtlich weniger Flugzeuge kaufen und damit den Preis reduzieren. Letztlich geht es ja für den Billigflieger aus Großbritannien mehr um die „dranhängenden“ Flugslots, denn Maschinen stehen, insbesondere nach dem Grounding der britischen „Monarch“ reichlich zur Verfügung. Fachleute meinen allerdings, dass das eigentliche Interesse von Easyjet den Slots und weniger der „Hardware“ Maschinen gilt.

Falls der Deal platzt, stünde auch die Neuverhandlung dieser Flugrechte (Slots) an. Dabei droht dann nicht nur ein höherer Preis für Easyjet wie Lufthansa. Viel tragischer könnte es sein, dass damit der Billig-Marktführer Ryanair wieder zum Zug kommen könnte. Weder LH noch Easyjet wollen das.

Zusätzlich würde ein neues tragisches Kapitel für Air Berlin aufploppen, das ja im Fall von gescheiterten Verkaufsverhandlungen in noch mehr Bedrängnis geraten würde.

Update 10.10.2017

Das Air Berlin-Management hat inzwischen bestätigt, dass spätestens am 28. Oktober, eventuell schon vorher,  der Betrieb unter eigener Flugnummer eingestellt wird. Lediglich das Streckenangebot, das Air Berlin im Wetlease für Lufthansa-Airlines durchführt, sowie für die nicht insolventen Töchter Niki und LGW läuft vorerst weiter.

Von einer Kündigung sollen etwa 8.000 Mitarbeiter, hauptsächlich im Verwaltungsbereich, betroffen sein. Hier will man durch Jobmessen neue Perspektiven schaffen.

Update 09.10.2017

Laut Air Berlin-Betriebsrat droht 1.400 Mitarbeitern in der Verwaltung und beim Bodenpersonal die Kündigung zum 31. Oktober. Betriebsmitarbeiter, die für Niki und die Turboprops der unter AB-Logo fliegenden „Luftverkehrsgesellschaft Walther“ arbeiten, werden wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt gekündigt. Hier ist von Februar 2018 die Rede.

Die Einstellung des AB-Flugbetriebs zum 28. Oktober steht wohl fest. Über diesen Termin hinaus ist kein eigenwirtschaftlicher Betrieb mehr möglich.

Der Verkaufsprozess gerät inzwischen ins Stocken. Der Zeitdruck ist groß, denn die Verhandlungen müssen bis Donnerstag unter Dach und Fach sein. Wenn die Exklusiv-Verhandlungen scheitern, würde das Bieterkarussell von vorn gestartet und alle ursprünglichen Angebote wären wiederum Rennen.

Das Problem liegt in den Verhandlungen mit Easyjet. Dort will man offensichtlich jetzt weniger bezahlen, als im eingereichten Angebot angeboten.

Air Berlin-Tickets der Air Berlin für Flüge nach dem 28. Oktober verfallen. Sollten Buchung und Kauf nach dem 15. August stattgefunden haben, besteht die geringe Chance auf eine Rückzahlung aus dem Insolvenz-Treuhandkonto. Für Reiseveranstalter bringt der Betriebsstopp Ende Oktober nun Klarheit darüber, für wie viele Passagiere sie einen alternativen Transport organisieren müssen.

Das ursprünglich von Air Berlin geflogene Streckenangebot bleibt weitgehend erhalten. Ab November werden zahlreiche Flüge von den „Käufern“ (LH / EW und Easyjet ) angeboten. Dies gilt auch, wenn der Verkauf bis dahin noch nicht abgeschlossen ist.

Update 29.09.2017

Wir haben darüber berichtet, dass Air Berlin seine Langstreckenverbindungen zum 15. Oktober endgültig einstellt. Wer vor dem 15. August 2017 (dem Tag der Insolvenzanmeldung) einen individuellen Langstreckenflug bei Air Berlin gebucht hat und kein Angebot für einen Ersatzflug erhält, geht leer aus und verliert den bezahlten Kaufpreis. Betroffenen Kunden können zwar nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ihre Ansprüche geltend zu machen. Allerdings stehen Privatkunden in der Gläubigerschlange ganz weit hinten. Die Erfolgsaussichten sind dementsprechend gering.

Anders ist die Situation bei gebuchten Pauschalreisen, deren Lufttransportteil mit Air Berlin geplant war. Hier ist der Veranstalter für die Transportleistung in der Pflicht. Verbraucher können einen Ersatzflug einfordern und bekommen diesen, in der Regel, meist automatisch.

Wie das Branchenmagazin „fvw“ berichtet, hat die Lufthansa-Tochter Eurowings die ersten Piloten aus den Reihen der insolventen Air Berlin eingestellt. Eine konkrete Zahl ist nicht bekannt.

Update 28.09.2017

Bei den AB-Langstreckenmaschinen vom Typ Airbus A330, die an den Leasinggeber Aercap zurückgegangen waren, hat sich jetzt Malaysia Airlines bedient. Die Fluggesellschaft übernimmt sechs dieser Maschinen, die noch vor Kurzem bei Air Berlin geflogen sind. Damit will man den Maschinenpark rentabler machen. Im Gegenzug gehen 6 Maschinen vom Typ Boeing 737 an die Leasingfirmen zurück.

Update 27.09.2017

Lufthansa gibt die Aufstockung ihres Fernflugangebots ab Berlin und Düsseldorf bekannt. Neben den schon veröffentlichten Verbindungen der Eurowings in Richtung Karibik (ex DUS) bietet Lufthansa im Winterflugplan eine Verbindung von Berlin-Tegel nach New York (JFK) an. Der Flug wird an 5 Tagen pro Woche (Mo-Do & Sa) angeboten. Dafür stationiert LH seit Jahren erstmals wieder einen Langstreckenjet vom Typ Airbus A330 in Tegel.  Montag, Mittwoch und Freitag wird es zudem eine Verbindung von Düsseldorf nach Miami geben.

Dies gilt allerdings nur für den Winterflugplan. Ab Sommer 2018 werden die beiden Lufthansa Langstrecken aus Berlin und Düsseldorf an Eurowings übertragen, sodass dann auch aus Tegel Eurowings Langstrecken starten sollen.

Update 26.09.2017

Der Aufsichtsrat der Lufthansa hat dem „Air Berlin-Deal“ zugestimmt. Es ist von 1 Milliarde Euro an Investitionen die Rede.  Dabei geht es hauptsächlich für die Übernahme der anvisierten 81 Flugzeuge: Zirka 30 Airbus der A320-Familie und 20 Dash 8 Q400 sollen zu Eurowings gehen. 5 Maschinen sind für die LH-Tochter Austrian vorgesehen. Darüberhinaus sind dann jaauch noch die 20 AB-Maschinen, die bereits seit Monaten für die LH-Gruppe im Wet-Lease fliegen. Die Gelder werden zum großen Teil nicht an Air Berlin, sondern an Leasinggeber fließen, da fast der gesamte AB-Maschinenpark geleast ist.

Vermutlich erhält Easyjet 30 Mittelstreckenflugzeuge. Nach dieser Aufteilung bliebe dann für die Condor nur der „traurige Rest“ von 2 Maschinen des Typs A 320.

Air Berlin stellt spätestens zum 15.10. alle Langstreckenverbindungen ein.

Update 25.09.2017

Der Interessenspoker der Bieter wird etwas konkreter. Lufthansa will wohl tatsächlich die komplette „NIKI„-Flotte übernehmen. Weiterhin beinhaltet das Gebot ein Interesse der Air-Berlin Turboprops der LGW (Luftverkehrsgesellschaft Walther) sowie weitere 13 ausgewählte Mittelstrecken-Maschinen.

Easyjet möchte gerne 30 Mittelstreckenflugzeuge übernehmen, mit denen man vom Standort Berlin aus fliegen möchte. Gedacht ist dabei wohl hauptsächlich an Inlandsverbindungen. Im Raum steht dabei wohl auch ein potentieller Konflikt zwischen LH und Easyjet am Flughafen in Düsseldorf. Hier gibt es Streit um begehrte Inland-Slots. Easyjet will wohl von DUS aus auch München und Hamburg anfliegen, was bei Lufthansa keinerlei Begeisterung auslöst.

Falls darüber hinaus noch Maschinen zur Disposition stehen sollten, wolle man mit der Condor verhandeln.

Die Verkaufsverhandlungen könnten sich noch bis zum 12. Oktober hinziehen, war heute aus Air Berlin-Kreisen zu hören. Die kartellrechtlichen Prüfungen der EU werden danach vermutlich noch einmal rund vier Wochen dauern. Dies wiederum bedeutet, dass die künftigen Besitzer der Flugzeuge schon zeitnah in eine finanzielle Verpflichtung kommen könnten. Angeblich hat Lufthansa dafür schon 100 Millionen Euro zurückgestellt.

Noch ist Nichts abgewickelt: AB Maschine in DUS

Update 22.09.2017

Die Entscheidungen sollen zwar erst am Montag fallen und dann hoffentlich auch bekanntgegeben werden. Trotzdem sickert schon durch, dass Lufthansa und Easyjet offensichtlich die Nase vorn haben werden. Die „Wirtschaftswoche“ meldet, Air Berlin wolle mit Lufthansa exklusiv über den Verkauf des Ferienfliegers „NIKI“ verhandeln. Jeweils kleinere Verhandlungspakete wolle man mit Easyjet und eventuell auch mit der Condor (über restliche Flugzeuge) verhandeln.

Die Verhandlungen über das Frachtgeschäft und die Air Berlin-Technik würden noch etwas längere Zeit in Anspruch nehmen. Hier ist wohl unter anderem die Berliner „Zeitfracht“ noch im Rennen.

Hans-Rudolf Wöhrl, der mit seiner Ivenstorengruppe für die komplette Airline geboten hatte, zeigte sich in ersten Reaktionen entsetzt über die Vorgehensweise. Sie belege, dass man zu keinem Zeitpunkt an die Erhaltung von Air Berlin gedacht habe, sondern die Zerschlagung und Filetierung der Gesellschaft wohl von vornherein festgestanden habe. Die im Vorfeld stattgefundenen Gespräche zwischen Bundesregierung, AB und LH seien dafür ein zusätzliches Indiz. Sowohl er, als auch der bietende Unternehmer Utz Claasen erwägen eine Klage.

Die Verkaufsverhandlungen stehen unter Zeitdruck, denn der Kredit der Bundesregierung reicht, nach Aussagen des Generalbevollmächtigten Frank Kebekus vermutlich nur bis Ende Oktober. Bis dahin müssen nicht nur Entscheidung getroffen werden, sondern es müsste auch Geld fließen. Ob dies realistisch ist, wird sich weisen. Wenn Lufthansa tatsächlich zum Zuge kommen sollte – aktuell bezweifelt das kaum noch jemand – dann steht vor einem Kaufvertrag auch noch die kartellrechtliche Prüfung der Europäischen Union an. Alleine dieses Verfahren wird mit mindestens 25 Tagen zu Buche schlagen.

 

Update 21.09.2017

Ist es mehr als gemunkel oder halboffiziell bestätigt? Offensichtlich haben Lufthansa und Air Berlin bereits reichlich vor der Insolvenzmeldung miteinander verhandelt und künftige Weichen gestellt.

Lufthansas CEO Carsten Spohr lässt verlauten, LH habe kein Interesse an der Langstreckenflotte von Air Berlin.

Die eingereichte Insolvenzklage gegen „NIKI“ eines österreichischen Reiseveranstalters wurde gerichtlich abgewiesen.

Update 20.09.2017

Spannendes aus Österreich. Dort hat ein Reiseveranstalter die Einleitung eines Insolvenzverfahrens gegen die Air Berlin-Tochtergesellschaft „NIKI“ gestellt. Der Veranstalter wartet auf Zahlungen von „NIKI“. Die Airlinesteht dort mit rund 116 Tausend Euro in der Kreide. Die Zwischenbilanz der Airline weist aktuell eine Forderung gegenüber von Air Berlin in Höhe von 69 Millionen Euro aus. Sie stammt aus Ticketverkäufen. Wegen der Insolvenz von Air Berlin ist davon auszugehen, dass diese Summe zu großen Teilen verloren ist. Für den Flugbetrieb besteht vorerst keine Gefahr. Bis ein Richter über den Antrag auf Insolvenzverfahren und Überschuldung entscheidet, können noch Wochen vergehen.

Update 19.09.2017

Inzwischen hat auch Eurowings Strecken Richtung Karibik und Mexiko angekündigt. Kuba wird ebenfalls von Eurowings angeflogen werden.

Condor prescht vor in Sachen Fernstreckenangebot ab Düsseldorf. Die heutige Presseinformation besagt:

Ab dem 1. November wird Condor für den Winter 2017/18 Karibik Strecken ab Düsseldorf übernehmen. Mit einem Airbus A330-200 startet der Ferienflieger zu den Zielen Punta Cana und La Romana in der Dominikanischen Republik, Cancun in Mexiko, Montego Bay auf Jamaika sowie zum Inselstaat Barbados und sichert damit den Karibikurlaubern ab Düsseldorf ihre Reise und erweitert sein Streckennetz. Die Presseinformation zitiert Ralf Teckentrup, Vorsitzender der Condor-Geschäftsführung:

„Wir freuen uns, den deutschen Reiseveranstaltern und unseren Passagieren unsere zusätzlichen Flüge ab Düsseldorf anbieten zu können und so den lange geplanten Urlaub der Pauschalreisenden zu sichern. Wir haben alles daran gesetzt, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, um den Reiseverkehr aufrecht zu erhalten, und dazu mit vielen Reiseveranstaltern, Fremdenverkehrsämtern und den betroffenen Flughäfen gesprochen. Wir kamen schnell zu dem Entschluss, dass diese kurzfristige Maßnahme ein sinnvoller und notwendiger Schritt ist, um Fluggästen ihren Karibikurlaub zu sichern.“

Update 18.09.2017

Inzwischen ist von einem hohen Millionenschaden bei deutschen Touristikunternehmen die Rede, verursacht durch die AB-Insolvenz. Es sind nicht nur Flüge gebucht, sondern auch bezahlt worden. Absehbar ist aber, dass genau diese Flüge nicht stattfinden werden. Der Schaden vergrößert sich für die Reiseanbieter durch ihre Verpflichtung ihren Kunden entsprechenden Ersatztransport anzubieten und diesen natürlich auch zu bezahlen.

Übers Wochenende gab es  Meldungen von Air Berlin-MitarbeiterInnen, die am Flughafen in Düsseldorf freiwillig die Betreuung von „stehengebliebenen“ Kunden übernommen haben und damit auch ihre Arbeits- und Flugbereitschaft unterstreichen. Es sei mitnichten so, wie von der AB-Geschäftsleitung mitgeteilt, sollen Piloten und Flugbegleiter gesagt haben. Es wäre problemlos möglich gewesen, den Flugbetrieb in der letzten Woche aufrecht zu erhalten, wenn man es denn gewollt hätte. Als Beispiel wird auch ein in der letzten Woche geplanter Flug nach Fort Myers (RSW) genannt. Die Flugabsage sei unmittelbar vor dem Boarding der Maschine erfolgt, das Personal also auch an Bord gewesen. Betroffene Kunden berichten auf Facebook, dass sie davon überrascht worden seien und keine Auskünfte über die Absage erhalten hätten. Von Seiten der Airline sei inzwischen die Absage des Flugs mit „operativen Gründen“ kommentiert worden.

AB am Airport Düsseldorf am 15.09.17

Update 15.09.2017

Die Bieterfrist ist jetzt abgeschlossen. Fest steht das Interesse von Lufthansa / Eurowings, sowie von Niki Lauda und Condor / Thomas Cook. Auch ein Angebot von Easyjet liegt offenbar beweisbar vor. Weiterhin sind die Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl, sowie Utz Claasen im Bieterkarussel vertreten. Weiterhin im Rennen ist Zeitfracht, ein Berliner Logistikunternehmen. – Jetzt werden die Angebote verglichen und bearbeitet. Eine Entscheidung zum 22. September scheint inzwischen weitgehend ausgeschlossen.

Update 14.09.2017

Wie befürchtet und angedeutet kam es auch am Mittwoch zu zahlreichen Flugausfällen. Über 30 Air Berlin-Flüge und 13 Starts des Air Berlin-Wet-Leasings für Eurowings wurden abgesagt.

Air Berlin hat inzwischen für heute eine weitgehende Rückkehr zum Normalbetrieb angekündigt, was auch Realität geworden ist.

Weiterhin nebulös erscheinen die Krankmeldungen. Aus gut informierten Kreisen wurde inzwischen bekannt, dass es sich bei den Langstreckenpiloten um eine Warnaktion gehandelt haben könnte. Viele der Air Berlin – Langsrteckenpiloten haben noch gut dotierte Verträge aus Zeiten der LTU. Man munkelt, AB wolle versuchen, diese Piloten los zu werden, durch Streichung des Langstreckenangebots. Erleichtert wird dies durch die Rückforderung von A 330 Maschinen durch den Leasinggeber „AerCap“.

Niki Lauda ist auch wieder da. Er hat sich mit Condor / Thomas Cook zusammengetan, um ein Angebot vorzulegen. Angeblich will er 38 Nittelstreckenmaschinen kaufen (A320 / A321) und ausschließlich Ferienflüge durchführen. Welche Rolle die Condor dabei spielt, ist noch nicht spezifiziert. Werden es DE-Flieger oder bleibts bei NIKI von Niki? Vermutlich ist Letzteres geplant, mit einer 51:49 Prozent-Mehrheit von Lauda.

Die vermutliche Lachnummer des Tages kommt aus China. Der Investor Jonathan Pang will angeblich 1 Milliarde Euro für Air Berlin auf den Tisch legen. Bekannt wurde Pang durch die „Flughafenruine“ Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Dort sollen schon seit Jahren Langstreckenmaschinen aus Fernost und Asien landen und die Passagiere sollen in einem ebenfalls nicht existierenden Luxus-Einkaufszentrum shoppen gehen. Leider existiert nicht mehr als eine Startbahn und ein paar Kleingebäude. Falls die Zukunft von Air Berlin ähnlich aussieht, hätte sich der chinesische Bieter bereits disqualifiziert.

Der Gläubigerausschuss tagt zum nächsten Mal am 21. September. War man bisher davon ausgegangen, dass dann eine Entscheidung fällt, so wird sich das wohl auf jeden Fall bis nach den Bundestagswahlen verschieben. Politisches Kalkül wird natürlich nicht unterstellt.

Update 12.09.2017

Flugausfälle prägen heute das Bild. Piloten haben sich in hoher Zahl krank gemeldet, betätigt die Airline am Vormittag. Wer zu dieser Form des Arbeitskampfes aufgerufen hat, ist nicht klar.  Die Vereinigung Cockpit bestreitet jede Form der Teilnahme oder Organisation.Rund 100 Flüge können deshalb heute nicht durchgeführt werden. Das beschert Air Berlin einen weiteren zusätzlichen Verlust von rund 5 Millionen Euro.

Betroffen ist auch „Eurowings“. Dort fliegen seit einiger Zeit ja Air Berlin-Maschinen, inkl. Personal, im Wet-Leasing.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Krankmeldungen als nachvollziehbar. Arbeitsplätze hätten in der bisherigen Verhandlungssituation keine Rolle gespielt.

Der Insolvenzverwalter Frank Kebekus spricht von einer Gefährsung des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung. Wenn sich an der Situation nichts ändere, drohe eine vollständige Liquidation.

Droht ein „Grounding“ von Air Berlin? – Für Morgen, 13. 09. droht wegen Krankmeldungen ein ähnliches Chaos.

Update 11.09.2017

Hans-Rudolf Wöhrl lässt bekanntgeben, dass er über 500 Millionen Euro investieren würde, um Air Berlin komplett zu übernehmen. Wer als weiterer Bieter hinter diesem Angebot steckt, hält er geheim.

Air Berlin streicht weitere Fernstrecken aus dem Programm. Cancun, Curacao, Havanna, Varadero, Punta Cana und Puerto Plata werden ab 25. September nicht mehr angeflogen.  Veranstalter suchen jetzt nach Ersatzcarriern. Individualkunden, die ihren Flug vor der Insolvenzmeldung am 15. August gebucht haben, werden finanziell wohl in die Röhre schauen. Dahinter könnte die angebliche Rückforderung der irischen „Aercap“-Leasing stecken. Sie will zehn bei ihr gemietete A 330 schnellstmöglich zurück haben.

AB in DUS

Update 06.09.2017

Noch ein Bewerber? Das Berliner Unternehmen „Zeitfracht“ hat sich jetzt mit einem neuen Ansatz ins Gespräch gebracht. Das Logistikunternehmen möchte ebenfalls Air Berlin als Ganzes erhalten und errechnet sich großes Potential für eine Frachtfluggesellschaft.

Gestern Abend meldete das Flugportal „airliners.de“ zudem, dass auch ein Insolvenzgefahr für die im Moment gut da stehende und deshalb begehrte NIKI-Airline bestehen könnte. Hinter der drohenden Gefahr steckt wohl offensichtlich ein desaströser Deal von Air Berlin mit TUIfly. Dort wurden 14 Maschinen für Niki gemietet zu offensichtlich katastrophalen Bedingungen. – Immerhin TUI’s Friedrich Joussen hat hier inzwischen schon Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Der Blätterwald rauscht zudem auch unreflektiert. So lautete heute Morgen eine Warnmeldung: „Achtung! Air Berlin Tickets werden ab November um ein Vielfaches teurer! – In einer Zeit, in der man nicht weiß, ob AB im November überhaupt noch existiert, eine ziemlich seltsame Veröffentlichung.

Hans-Rudolf Wöhrl ist offensichtlich als Bieter auf die Bühne zurückgekehrt. Er hat, wie das Manager-Magazin meldet, ein hohes Angebot für Anfang nächster Woche angekündigt.

Das Bieterverfahren endet am 15. September. Der Gläubigerausschuss tagt das nächste Mal am 21. September.

Update 05.09.2017

Germania hat die in der letzten Woche eingereichte Klage gegen die Bundesrepublik wegen der Erteilung des AB-Kredits zurückgezogen. Der Grund liegt in der gestrigen Entscheidung der EU-Kommission. Germania gibt sich offensichtlich mit den dort aufgestellten Bedingungen zufrieden.

Update 04.09.2017

Die Interessentenliste wird wieder länger: Der Unternehmer Utz Claasen ist angeblich aufs Interessentenkarussell gestiegen. Sein Stichwort ebenfalls: Komplettübernahme. Der ehemalige Chef von EnBW bewegt sich branchenfremd, auch wenn er durch markige Artikel in der Wirtschaftspresse die Air Berlin Misere vor einigen Monaten kommentiert hat.

Der sofort angekündigte Millionenkredit der Bundesregierung ist bisher weder komplett unterschrieben, geschweige denn ausbezahlt. Die Verhandlungen zwischen KfW-Bank und Air Berlin laufen ebenfalls noch. Das Wirtschaftsministerium hat zur aktuellen Lage am Wochenende keine Stellung bezogen.

Am gestrigen Sonntag hatte Air Berlin zudem eine Reihe von Flugverbindungen gestrichen. Betroffen waren Kurzstrecken und eine Langstreckenverbindung nach San Francisco.

Noch ein Investor? Macheete, das Büro für Kommunikation, hat heute Morgen eine entsprechende Pressemitteilung veröffentlicht. Danach möchte der Berliner Unternehmer Alexander Skora Air Berlin retten und biete zusammen mit internationalen Investoren für die Fluglinie. Angefügt findet man „Ideen für ein neues Businesskonzept“. Skora möchte die Airline zu seinen Ursprüngen zurückführen:

„Ich glaube ganz stark, dass man mit dem Basisgeschäft, mit dem alles begann, reduziert weiterfliegen kann. Damit meine ich Strecken wie Mallorca und andere ausgewählte Ziele. Für die Langstrecken sehe ich Lufthansa und für weitere Europa-Verbindungen easyJet in der Verantwortung.“

Die EU-Kommission hat den Kredit der Bundesregierung genehmigt. Er sei kein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Allerdings stellt die Kommission diverse Bedingungen auf: Der Kredit darf, je nach Finanzbedarf jeweils nur wöchentlich und in Teilen gezahlt werden. Air Berlin muss den Geldbedarf jeweils nachweisen. Geld darf auch erst fließen, wenn die aktuell überwiesenen Summen aufgebraucht sind. Letztlich muss die Bundesregierung Sorge dafür tragen, dass der Kredit vollständig zurückgezahlt wird. Bundesregierung und Air Berlin-Management zeigen sich in ersten Stellungnahmen mit diesen Regelungen offensichtlich zufrieden.

Ein ereignisreicher Tag: Gegen Abend wird bekannt, dass Air Berlin sämtliche Langstreckenverbindungen von und nach Berlin schrittweise und spätestens zum 25. September streichen wird. Aber auch Düsseldorf bleibt nicht ungeschoren. Die Verbindungen nach Boston und Orlando fallen Anfang Oktober weg. Immerhin bleiben dann noch 11 Langstreckenverbindungen von AB ab DUS.

AB-Maschine in Terceira / Azoren. Foto: Ingo Busch, www.reise-wahnsinn.de

Update 01.09.2017

Condor / Thomas Cook bleibt angeblich am Ball. Bei der Frage: „Am Stück oder in Scheiben?“ munkelt man, Condor bereite ein Angebot vor, dass auf Komplettübernahme zielt. Die Branche fragt sich aber auch, woher das Geld beim finanziell belasteten TC-Konzern kommen soll. Nach Verlusten hatte man ja, gerade in diesem Jahr, der Condor ein umfangreiches Sparpaket verordnet.

Update 31.08.2017

Ryanair ist, nach eigener Bekundung, raus aus dem Rennen um den Verkauf von Air Berlin. Man will nicht bieten, verkündet CEO Michael O’Leary, kritisiert aber weiter die Abwicklung und hofft auf ein Einschreiten der Kartellbehörden.

Die Berliner Boulevardzeitung „BZ“ berichtet von Gesprächen zwischen Air Berlin, dem Insolvenzverwalter und Vertretern von Condor/Thomas Cook. Dabei soll auch hier das Thema „Gesamtübernahme“ auf der Agenda gestanden haben.  Das will natürlich noch nichts heißen. Wenn sich aber, nach „BZ“-Recherche, das Top-Airliner-Team von TC/Condor (Ralf Teckentrup und Christoph Debus) nach Berlin aufgemacht haben soll, könnte man ein ernsthaftes Interesse unterstellen. Im Gegensatz zum „Paradiesvogel“ O’Leary, ist Ralf Teckentrup ein viel zu nüchterner, seriöser Geschäftsmann, um eines PR-Gags zuliebe nach Berlin zu reisen.

Hans-Rudolf Wöhrl und seine Beteiligungsgruppe haben sich ebenfalls aus dem Bieterwettbewerb um Air Berlin verabschiedet. Offizieller Grund ist, laut Wöhrl, eine Vertraulichkeitserklärung, die er hätte abgeben müssen. Die absolute Vertraulichkeit sei, so Wöhrl, bei seinem Geschäftsmuster mit anderen Finanziers nicht einhaltbar. Durchgesickert war inzwischen, dass der „Airlinehändler“  auch ganz andere Geschäftskonstruktionen im Kopf entwickelt hatte. Mit der Übernahme von Air Berlin hätte er quasi eine „Wetlease-Airline“ entwickelt. Klartext: Die Gesellschaft hätte ihre Maschinen ausschließlich an andere Airlines weiter vermietet. Dabei hätte auch die Lufthansa eine Rolle spielen müssen. LH wollte aber wohl nicht mit Wöhrl verhandeln. Die ursprünglichen Pläne von einer Rückkehr zum alten gewinnbringenden Geschäftsmodell, gehörte wohl schon vorher der Vergangenheit an.

Michael O’Leary, CEO von Ryanair, erklärte indes in einem Interview mit dem Portal „airliners.de“, dass er, trotz der Nichtbeteiligung am Kaufwettbewerb, an möglicherweise freiwerdenden „Air Berlin-Slots“ Interesse hat. Die könnten ihm dann „zufliegen“, wenn Air Berlin das Geld ausgeht, die Flotte gegrounded würde und damit die Slots (Flug- / Streckenrechte) an die jeweiligen Flughäfen zurück gingen. Sollte diesgeschehen, hätte Ryanair gute Chancen auf Erwerb solcher Lande- und Streckenrechte. Bei der Neuvergabe von Slots sollen nämlich, zur Erhöhung des Wettbewerbs, vorzugsweise Interessenten den Zuschlag bekommen, die an den jeweiligen Flughäfen neu sind. Dies würde den Iren in die Hände spielen.

Update 30.08.2017

Niki Lauda hat gestern seine Gespräche in Berlin geführt. Hans-Rudolph Wöhrl hat seinen Termin heute bei Air Berlin.

Ryanair hat für heute eine Pressekonferenz angekündigt.

Gegen Ryanair, als möglichen Käufer, entwickelt sich politischer Protest. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hält die Airline für ein „arbeitnehmerfeindliches Unternehmen“.

Fernflüge von Air Berlin ab Berlin stehen angeblich kurz vor dem Aus.

Es gibt Gerüchte, Lufthansa habe  starkes Interesse an den Fernrouten (USA) von Air Berlin ab TXL. Weiterhin munkelt man, dass diese Strecken wohl von LH selber übernommen würden, da ein Betrieb durch Eurowings angeblich das gute Verhältnis mit United Airlines stören könne.

Update 29.08.2017

Die Fluggesellschaft Germania klagt per Eilantrag gegen den 150-Millionen-Euro-Kredit für Air Berlin.

Das Wirtschaftsministerium teilt mit, dass der Germania-Antrag die Auszahlung der Mittel nicht verzögern wird.

Der Geschäftsbetrieb des Air-Berlin Bonusprogramms soll trotz Insolvenz aufrecht erhalten werden, so der Insolvenzverwalter. Wie dies konkret aussehen wird, ist nicht bekannt. Offensichtlich versucht man Möglichkeiten zu finden, erworbene Meilen trotz der geschäftlichen Schieflage einzulösen.

Update 28.08.2017

Niki Lauda steht, nach einem Interview mit einer österreichischen Tageszeitung in der letzten Woche, jetzt auch auf der Liste der möglichen Kaufinteressenten. Klar dürfte sein, dass er allenfalls an NIKI interessiert ist. Darauf spekulieren aber auch die Lufthansa sowie Condor/Thomas Cook. Lauda wird Morgen ein erstes Gespräch führen und wohl Akteneinsicht bekommen. Hans Rudolf Wöhrl steht dann wohl am Mittwoch als nächster Interessent in Berlin auf der Matte. Michael O’Leary hat das Kaufinteresse von Ryanair noch einmal wiederholt. Die geforderte Akteneinsicht hat FR offensichtlich noch nicht bekommen. Beim nächsten Interssenten Easyjet scheint inzwischen klar zu sein, dass man dort Interesse an Flugzeugen und in erster Linie an Flug-Slots am Flughafen Düsseldorf hat.

In der Zwischenzeit hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer verkündet, er wünsche sich beim Air Berlin Deal ein Geschäft mit der Lufthansa, um dden deutschen Airline-Markt zu stärken. Ihm widersprechen Fachleute in reichlicher Zahl. Selbst die Bundesregierung rudert in Teilen zurück und antwortete Seehofer, dass eine solche Entscheidung nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich läge. Das klang vor Wochenfrist aber noch anders.

Übers Wochenende ist also fast Nichts passiert. Man darf gespannt sein auf die weiteren Entwicklungen in dieser Woche.

Foto: Andreas Jackert / Air Berlin

Update 25.08.2017

Im Lauf des Nachmittags wird bekannt, dass die Betreiberfirma des Air Berlin Bonusprogramms „Top Meilen – Air Berlin“ ebenfalls Insolvenz angemeldet hat.

Update 24.08.2017

Keine Entscheidungen im Gläubigerrat, der Gestern zum ersten Mal getagt hat. Durch weitere Interessenbekundungen (Ryanair und Condor) ist die Ausgangssituation schwieriger geworden. Condor bietet jetzt mit um Maschinen der Air Berlin. Hauptinteresse dürfte in Maschinen vom Typ A 320 liegen, aber auch die Langstreckenflotte bestehend aus A 330 dürfte von Interesse sein. Lufthansa hat dem Vernehmen nach ein konkretes Kaufangebot vorgelegt. Dem Vernehmen nach bezieht es sich wohl tatsächlich ebenfalls auf den Maschinenpark und die Slots von NIKI. Die Presseinfo von LH am gestrigen Abend ließ aber keinerlei Details heraus. Man könnte auch sagen, sie ist ziemlich nichtssagend und verbunden mit dem Verweis auf Diskretion über das was im Gläubigerrat besprochen wurde.

Zitat Lufthansa Presse

Die Lufthansa Group hat ihr Interesse am Erwerb von Teilen der airberlin group mit einem Gesamtkonzept konkretisiert. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Konzern mitgeteilt, in Verhandlungen zum Erwerb von Teilen der airberlin Gruppe zu stehen.

In dem heute vorgestellten „Termsheet “ wurde das Interesse an einer Übernahme von Teilen der Air Berlin Gruppe bekräftigt. Über die Details der Absichtserklärung wurde mit dem Insolvenzverwalter Stillschweigen vereinbart.

Die Diskussion, ob Lufthansa eigentlich im Gläubigerrat sitzen dürfe, reißt inzwischen nicht mehr ab.

Update 23.08.2017

Inzwischen gibt es einen weiteren Interessenten für eine Komplettübernahme von Air Berlin. Ryanair CEO Michael O’Leary hat dafür „den Hut in den Ring geworfen“. Allerdings beklagt er sich über nicht offenliegende Geschäftszahlen. Von Seiten der Bundesregierung hat man kund getan, dass man grundsätzlich nicht an einen Komplettverkauf denke. Damit bekommt O’Leary dieselbe Antwort wie Hans-Rudolf Wöhrl, der sich heute über Ungereimtheiten bei der Verkaufsabwicklung in der Öffentlichkeit (Interview im Tagesspiegel) äußert.

In der Tat, so vermutet auch der Luftfahrt-Rechtsexperte Ronald Schmid, deute Vieles darauf hin, dass Lufthansa hier eindeutig bevorzugt werde. Er kritisierte grundsätzlich die massive Einmischung der Bundesregierung in die Verkaufsverhandlungen.

Eventuell wird es noch heute Entscheidungen über den Verkauf von NIKI geben. Gerüchte ergaben, dass die Deutsche Lufthansa hier den Zuschlag bekommen könnte. LH hat ein starkes Interesse am Kauf der nicht-insolventen NIKI und den Streckenrechten der Airline zu Urlaubsdestinationen. Bei einem Kauf käme dies der LH-Budget-Airline Eurowings zugute.

Parallel kommt Angst auf, dass der derzeitige Flugbetrieb von Air Berlin früher als erwartet zusammenbrechen könnte. Dies hätte Auswirkungen auf die AB-eigenen Slots (Start- und Landerechte) an diversen deutschen Flughäfen. Diese Slots sind aber ein Hauptpunkt der Begierde, sowohl von Lufthansa, als auch von Easyjet, die offensichtlich noch im Rennen um den Kauf von Air Berlin Anteilen sind. Easyjet ist insbesondere an Slots am Flughafen Düsseldorf interessiert. Air Berlin versucht in der Zwischenzeit mit absoluten Niedrigpreisen Buchungen zu akquirieren. Dies gelingt aber offensichtlich nicht im erwünschten Ausmaß. Insbesondere Flüge die ab Oktober (noch) im Angebot sind, finden keine Kundschaft.

Update 21.08.2017

Inzwischen ist klar, Air Berlin soll so schnell wie möglich verkauft werden. Dieser Ausverkauf wird wohl nicht „am Stück“, sondern „scheibchenweise“ erfolgen. Hauptinteressenten, an Teilen der Airline, sind wohl Lufthansa/Eurowings und Easyjet. Aber auch die deutschen Ferienflieger TUIfly/TUI und Condor/Thomas Cook haben Interesse angemeldet. Darüber hinaus ist der Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl, mit weiteren Finanzinvestoren im Rücken, angetreten, um die komplette Air Berlin zu erwerben. Er sagt, nur der Erhalt der Fluggesellschaft, garantiere den Erhalt einer gesunden Konkurrenz auf dem deutschen Flugmarkt.

Michael O’Leary, CEO von Ryanair hat inzwischen kartellrechtliche Klage angedroht. Er sieht hauptsächlich Ungereimtheiten beim bevorstehenden Verkauf aufgrund der staatlichen Unterstützung für Air Berlin.

Unklar ist auch das Schicksal des Ferienfliegers NIKI, der ja zur Air Berlin gehört. Die Gesellschaft hat aktuell keine Insolvenzprobleme, wurde vom ehemaligen Air Berlin – Aktionär Etihad zwar theoretisch aus der Air Berlin-Gesellschaft per Vorkasse heraus gekauft. Allerdings hat die Abwicklung dieses Geschäfts noch nicht stattgefunden. Auch hier bleiben viele Fragen offen. Die österreichische Regierung hat immerhin mitgeteilt, dass man im Fall einer finanziellen Schieflage, der eigentlich rentabel fliegenden NIKI, finanzielle Schützenhilfe leisten wolle. Ob das den Erhalt bedeuten kann bleibt dahingestellt. NIKI ist nämlich auch ein Hauptobjekt der Begierde von Lufthansa / Eurowings. Die Interessen von Condor und TUIfly dürften in eine ähnliche Richtung gehen.

Seit dem vergangenen Wochenende verhandelt Air Berlin – Boss Thomas Winkelmann nun mit den unterschiedlichen Kaufinteressenten. Entscheidungen gibt es noch keine. Allerdings soll er daran interessiert sein, den Verkauf bis Ende September abzuwickeln.

Unklar für Air Berlin Kunden ist aktuell auch der Umgang mit dem Bonusmeilenprogramm der Air Berlin. Seit 19. August können Kunden weder Meilen erwerben noch einlösen. Die eigenständige Firma „Top Bonus – Air Berlin“ sitzt in London und gehört zu 70 Prozent zu Etihad. Die wiederum hatten ja mit dem Zudrehen des Geldhahns in der vergangenen Woche für die Insolvenz gesorgt.

Foto: Air Berlin

15.08.2017, 13:00 Uhr

Auf Berufung von eigenen Angaben melden Fachmedien und Nachrichtenagenturen, Air Berlin habe einen Insolvenzantrag gestellt. Der Grund soll unter anderem darin begründet liegen, dass der Großaktionär Etihad weitere Subventionen und Zahlungen abgelehnt hat. – Welche Auswirkungen dies auf den laufenden Flugbetrieb hat, wird sich sicher bald ergeben. Zunächst teilt die Airline mit, dass durch finanzielle Hilfen des Bundes, der Deutschen Lufthansa und nicht genannter weiterer Partner, der Flugbetrieb bei Air Berlin und NIKI planmäßig weiterginge.

Bei der Unterstützung der Bundesregierung ist, so Air Berlin, von einem langfristigeren Brückenkredit die Rede. Dieser soll die Fortsetzung des Flugbetriebs auch über einen längeren Zeitraum absichern. Details dazu sind noch nicht bekannt.

Update 15.08.2017, 13 Uhr 11

Die Lufthansa gibt in einer Pressemeldung bekannt:

Nachdem airberlin heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt hat, mit dem Ziel, die bereits eingeleitete Restrukturierung fortzuführen, unterstützt Lufthansa gemeinsam mit der Bundesregierung die Restrukturierungsbemühungen der Fluggesellschaft.

Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die von airberlin geleasten Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und Austrian Airlines fliegen, wie bisher weiterbetrieben werden können.

Lufthansa befindet sich mit airberlin bereits in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der airberlin Gruppe und bietet damit auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal. Lufthansa  beabsichtigt, diese Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen.

Update 15.08.17, 18 Uhr 55

Die Reaktionen aus unterschiedlichen Kreisen sind vielfältig. Hier sind die Wichtigsten.

Ilja Schulz, Präsident Vereinigung Cockpit-Präsident:

Die Hauptursachen sind falsche strategische Weichenstellungen und Managemententscheidungen, die bereits viele Jahre zurückliegen. Da kann man schon mal die Frage stellen, wer davon profitiert hat, wenn zum Beispiel Leasinggeber an überteuerten Verträgen mit Air Berlin viel Geld verdienen, während das Unternehmen riesige Verluste angehäuft hat“. (…) „Etihad als Großinvestor hat seit Jahren Fehlentscheidungen getroffen, die nun darin gipfeln, keinen geregelten Übergang auf neue Investoren mehr zuzulassen. Etihad lässt Air Berlin damit fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben.

Christine Behle, Bundesvorstandsmitglied von verdi:

Das ist ein harter Schlag für die Beschäftigten von Air Berlin. Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten. Wir erwarten von Air Berlin, dass vorrangig die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden und das Unternehmen mit Hochdruck daran arbeitet, tragfähige und gute Konzepte zu entwickeln, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.

Nicoley Baublies, Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL):

Den Mitarbeitern muss eine klare Zukunftsperspektive aufgezeigt werden, das Schweigen oder die simplen Durchhalteparolen der Geschäftsführung müssen jetzt der Vergangenheit angehören.

Engelbert Lütke Daldrup, Flughafenchef Berlin-Brandenburg:

Wir haben ein großes Interesse daran, dass der Flugbetrieb so stabil wie möglich fortgesetzt und zügig eine langfristige Lösung erreicht wird.

Robin Kiely, Pressesprecher Ryanair:

Der Insolvenzantrag ist ganz eindeutig mit dem Ziel arrangiert worden, dass Lufthansa Air Berlin übernehmen kann. (…) Deutsche Reisende sowie Deutschland-Besucher werden höhere Ticketpreise erdulden und für dieses Lufthansa-Monopol bezahlen müssen.

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  1. DRR NEWS – Bye-Bye Air Berlin | Deutsches Reiseradio (German Travelradio)

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