DRR108 Wanderherbst im Chiemgau

Er kommt näher. Unaufhaltsam. Den Herbst meine ich und wir suchen und finden diesmal die schönen Seiten. Die dritte Jahreszeit ist beliebt bei Menschen, die sich auf die Socken und die Stiefel machen, um sich zu bewegen. Zudem geht es um ein Angebot, das mehr als verlockend ist. Denn: Geführte Wanderungen sind garantiert, finden in unserem Zielgebiet auch bei geringer Teilnehmerzahl statt und sind zudem auch noch kostenfrei. Wo, was und wie kann man‘s machen? – Wir sagen es.

Wolken, Frühnebel, frische Luft: Herbst in den Bergen

Premiere des Chiemgauer Wanderherbsts

Jetzt wo die Hitze langsam aber sicher nachlässt, kann man sich wieder etwas besser bewegen. Also war ich in den Bergen oder besser am Rand der Berge: Im wundervollen Chiemgau.

Ein Ziel, das fast jedem Fitnessgrad gerecht wird. Berge in der Nähe, den Chiemsee im Blick und vor allem mit einem Bewegungsangebot für Alle. In Sachen Wandern hat man sich im Chiemgau auch richtig was einfallen lassen. Man muss nicht allein losstiefeln und unorientiert mit der Wanderkarte durch die Gegend laufen. Der Wanderherbst bietet geführte Touren unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade. Alle Wanderungen werden garantiert durchgeführt (außer das Wetter spielt total verrückt). Man muss sich nicht anmelden, sondern kann einfach am Treffpunkt erscheinen. Clou der Aktion ist die Tatsache, dass alle  Wandertouren kostenfrei angeboten werden. Claudia Kreier von Chiemgau-Tourismus erklärt im Podcast die Details.

Mehr als ein Bett für die Nacht

Meine Unterkunft, liegt auf halber Höhe im Bergsteigerdorf Schleching. Ein idealer Ausgangspunkt für Aktivität, gleich ob Spaziergang, Wanderung oder auch die schon angesprochene alpine Wanderung. Im Dorf stehen eher die Idylle und der Blick auf die Berge im Vordergrund. Der Name der Unterkunft macht der Gegend alle Ehre. Das „Alpenhotel Dahoam“ findet man im Ortsteil Ettenhausen am Talende.

Neu, gemütlich und schick: „Alpenhotel Dahoam“ in Schleching-Ettenhausen

Außen sieht es aus, wie es sich fürs bayerische Gasthaus gehört. Holzbalkone, Blumen, ein schöner kleiner Biergarten und vor allem wundervolle gemütliche Zimmer. Wiedereröffnet wurde das Haus erst Mitte Juli, nachdem es vom Ehepaar Riess liebevoll umgebaut worden war. „Dahoam“ trifft für alle Hessen zusätzlich weil der Thomas Riess einem in wundervoller südhessischer Dialektfärbung empfängt. Seine Frau und er hatten sich verliebt in die Region, danach in ein eigenes Haus und schließlich in das alte Wirtshaus, das jetzt wieder im frischen Glanz erstrahlt. Ankommen – Einziehen – Wohlfühlen! – Jutta Ries, erfolgreiche Architektin, hat ihr Bestes bei der Renovierung gegeben. Liebevolle Details machen den wohnlichen Unterschied zum traditionellen Gasthof, so wie er einmal war und aus Altersgründen zum Verkauf stand.

Wandern auf dem Schmugglerweg

Dunkle Geschichten – Dunkler Wald

Rum, Käse, lebende Schweine und noch viel mehr wurde zwischen Österreich und Deutschland geschmuggelt. Es kam darauf an, von Zöllnern möglichst unentdeckt das Ziel zu erreichen. Gerade in den Jahren zwischen 1918 und 1933, sowie nach dem Zweiten Weltkrieg, war der Schmuggel von begehrten Gütern ein einträgliches Zubrot vieler Bauern in der Gegend. Die österreichische Grenze ist nah und die Wege waren damals nicht so gut erschlossen. Heute findet man einen gut ausgebauten Wanderweg zwischen Schleching und dem österreichischen Kössen. Der ist ideal als Einstiegswanderung für Alle, die es gerne gemütlich angehen und trotzdem ein paar Höhenmeter zurücklegen wollen. Josefine Lechner ist eine erfahrene Wanderführerin und bietet mit ihren „HeimatEntdeckerTouren“ die Schmugglertour auch im Rahmen des Chiemgauer Wanderherbsts an.

Mit Josefine Lechner unterwegs…
auf dem Schmugglerweg…
…bis zur Marienkapelle und dem Gasthof am Klobenstein.

Wer mit ihr unterwegs ist, spürt nicht nur Ortskenntnis und Sachverstand, sondern im positivsten Sinn auch reflektierte Heimatliebe zu Landschaft wie Menschen. Auf der Strecke warten kleine Anstiege. Almen wechseln ab mit dunklem Wald. Der Blick auf die Tiroler Ache tut sich auf und natürlich erzählt Josefine (im Podcast!) auch die berühmte Sage vom Klobenstein. Den Weg haben wir an diesem Vormittag nur zur Hälfte absolviert. Unsere Mittagsrast am Gasthaus Klobenstein war für uns der Endpunkt. Ich hätte den Schmugglerweg bequem auch zu Ende gehen können und wäre glücklich gewesen nach getaner Bewegung. Journalisten machen ja Alles immer in konzentrierter Form. Am Nachmittag ist folglich noch eine zweite Tour vorgesehen.

Die Tiroler Ache kurz vor dem Durchbruch an der Entenlochklamm

Die „bewegte“ Geschichte der Holzknechte

Die Chiemgauer Holzknechte sind Thema der Nachmittagswanderung. Die inhaltliche Vorbereitung startet deshalb folgerichtig im „Holzknechtmuseum“ von Ruhpolding. Es ist ein informatives Freilandmuseum über die Geschichte der Holzwirtschaft und damit auch eine Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung des Chiemgaus. Die Region zwischen Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Traunstein und Rosenheim war und ist bekannt für Salzsole und Salzgewinnung. Für die Salinenstädte Reichenhall, Traunstein und Rosenheim wurden in der Geschichte riesige Mengen an Holz gebraucht: Zur Versiedung der Sole und damit der Herstellung des „weißen Golds“ dieser Zeit, dem Salz. Dafür wurden Massen von Holz benötigt und die schafften die Holzknechte in mühsamer Arbeit aus den Wäldern. Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid erzählt im Podcast die spannende Geschichte der Holzknechte, ihrer schweren Arbeit und der geringen sozialen Absicherung. Die Holzknechte erledigten das in Selbsthilfe und gründeten vermutlich eine der ersten Sozialkassen der Welt für die Mitarbeiter ihres Berufsstands.

„Holzknecht-Spezialisten“: Dr. Ingeborg Schmid und Stefan Birmoser

Die anschließende „Holzknecht-Wanderung“ (ebenfalls im Programm des Wanderherbsts) hat dann Stefan Birmoser mit mir gemacht. Auf dem Weg zu den Röthelmoosalmen, genau zur Langerbauer-Alm, erzählt Stefan von seinen Jugenderinnerungen an das schwere Geschäft der Holzknechte, vom Herausholen der Baumstämme aus dem Wald, vom Triften des Holzes durch Bergbäche bis in die Ebene nach Traunstein. Wer mit ihm bergauf geht, kann sich, bei lauem Wetter, kaum vorstellen, wie gefährlich und unwirtlich dieser Beruf damals war. Damals, berichtet Stefan Birmoser im Podcast, sei übrigens ein dehnbarer Begriff. Die schweren Bedingungen seien bis in die 1960er Jahre Alltag gewesen. Unterwegs schwärmt er von einem Weissbier.

Die Alm mit dem eigenen Weissbier

Wir bekommen es nach der Ankunft von Sennerin Corinna, trotz Ruhetag auf der Alm. Nur die Hoffnung auf eine Brotzeit löste sich, mangels Brot, in Nichts auf. Stattdessen gibt es von Sennerin Corinna ein Schnapserl und eine Lektion in Sennerei, wie sie auf touristischen Almen heute stattfindet.

Langerbaueralm

Kräuterwandern mit Geli

Wandern ist gesund. Das hab ich immerhin in den Tagen im Chiemgau festgestellt. Ich bin ja noch weiter gewandert. Zum Beispiel mit der Geli Egger und vielen kompletten Familien. Sinn der Sache: Kräuter finden und was draus machen. Treffpunkt für den Kräuterspaziergang ist schon eher in der Ebene beim Landhaus Tanner am Waginger Mühlberg.

Der Blick vom Mühlberg auf den Waginger See

Ein idealer Platz zum Kräuter sammeln. Munter gehen wir die Sammelstrecke an und ich staune darüber, wie groß die Kenntnis der Kräuterkunde bei den vielen Kids verbreitet ist, die mit ihren Eltern an der Tour teilnehmen. Ich hätte im Wettstreit mit den Kindern klaglos versagt.

Kräuterwanderung mit Geli Egger

Es geht ums Kräutersammeln für eine selber herzustellende Kräuterbutter. „Man braucht nicht viel, aber das Richtige“, sagt Geli und zeigt uns natürlich auch, was unbedingt in die Sammelkörbe gehört und was auf keinen Fall. Nach der Rückkehr stellen die Kinder die Butter natürlich selber her. Das ist einfach: Schlagsahne in ein Glas, kräftig schütteln und bald ist sie fertig, die Butter. Jetzt müssen nur noch die geschnittenen Kräuter hineingeknetet werden und fertig ist der Gaumenschmaus.

Die richtigen Kräuter sammeln…
…Sahne zu Butter schütteln…
…und Kräuter mit der Butter zum köstlichen Endprodukt verkneten.

Die Touren mit Geli finden wöchentlich statt, immer am Mittwoch. Selbstverständlich kann man mit ihr auch Termine vereinbaren. Diese Tour ist kostenpflichtig. Dafür gibt es aber auch im „Landhaus Tanner“ anschließend einen Gaumenschmaus mit einer köstlichen Kräutersuppe und der selbsthergestellten Kräuterbutter. Informationen gibt es in allen Tourist-Infos der Region.

Die Geschichte geht noch weiter…

…im nächsten Podcast, der in wenigen Tagen online sein wird. Die Kräuter sind der ideale Einstieg ins Thema gesunder Genuss. Von Genüssen und Menschen, die damit zu tun haben, berichtet der nächste Podcast. Da erfahren Sie, warum der Chiemgau ideal ist, um Cranberries und Aroniabeeren anzubauen. Wir kochen zusammen mit der Erfinderin der „Chiemgauer Genuss-Kiste“ und wir erfahren von Bayerns jüngster Wirtin, dass es gar nicht so einfach ist, mit Original Bayerischer Küche Gäste anzulocken. Regelmäßiges Reinklicken auf der Website lohnt sich!

Information:

Unterkunft:

www.alpenhotel-dahoam.de

Wanderherbst:

www.chiemsee-chiemgau.info

Holzknechtmuseum:

www.holzknechtmuseum.com

Kräuterwanderung:

Information zu den Kräuterwanderungen bei Geli Egger per Telefon: 0160-94707393 sowie in den Tourist-Infos im Chiemgau.

HeimatEntdeckerTouren mit Josefine Lechner:

www.heimat-entdecker-touren.de

 

 

 

Hinweis:

Die Recherche zu diesem Beitrag wurde unterstützt von Chiemgau Tourismus e.V. Dies hat keinen Einfluss auf eine unabhängige Berichterstattung.

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