DRR61 Der „Mao“ von Wörishofen – Kneipp-Spurensuche

Wasser…

Die Ausgabe Nummer 61 mit Hintergrundinfos zu sehr gesundem Kuren mit kaltem und warmem Wasser. Am Anfang aber stand die Ordnungslehre, denn nur Körper mit einer geordneten Seele können geheilt werden, sagte einst Pfarrer Sebastian Kneipp in seiner Wahlheimat dem Kurbad Wörishofen. Wir waren in Bad Wörishofen auf einer ganz besonderen Spurensuche.

Kneippsche Spuren zum Anhören:

Kneipp gestern und heute

Wassertherapie
Wassertherapie

Da spricht der Pfarrer Kneipp im späteren 19. Jahrhundert schon von Nervosität als der Krankheit unserer Zeit. Und liefert simple einfache Methoden zur Genesung von Geist und Körper. Zusammen mit seinem strengen katholischen Glauben, mag das auf den ersten Blick nicht so recht in die heutige Zeit passen. Geht das nur mit Wasser, wie man das gerne unterstellt? Braucht man die Zurückgezogenheit eines Hotels mit klösterlicher Stimmung, wenngleich der Standard in den letzten Jahren gewachsen ist?

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, man gewöhnt sich dran und man lernt damit umzugehen. Positiv wird aber jeder Gast die besondere Herzlichkeit spüren, mit der man den Gästen entgegenkommt. Wenn man näher hinschaut und nachfragt wird man im Übrigen auch feststellen, dass Pfarrer Sebastian Kneipp ein Mann war, der mitten im Leben stand und auch offen warfür den Genuss. So offen, dass es Kneipp heute sicher nicht ganz einfach hätte, würde er zu einer Kur kommen. Dort würde ihm sofort das Heilfasten verordnet, genauso wie Akupunkturnadeln gegen die Zigarrensucht. So gesehen hat sich schon etwas verändert.

Die fünf Elemente

Bad Wörishofen: Kurpark im Herbst
Bad Wörishofen: Kurpark im Herbst

Gesund leben mit der Natur“ basiert heute wie zum Ende des 19. Jahrhunderts auf den fünf Elementen „Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter & Innere Ordnung“. Wenn eben jene innere Ordnung angeschoben ist, bleiben die Anwendungen und die haben mit dem Element zu tun auf das die Kneippsche Lehre gerne reduziert wird. Bei 120 verschiedenen Wasser-Behandlungen verwundert es nicht, dass gleich ob in Kneippianum, Sebastianeum oder Kurpark die Tretbecken allgegenwärtig sind. Im 163.000 Quadratmeter großen Kurpark befinden sich gleich mehrere Anlagen. Ganz traditionell angelegt oder auch im Rahmen des Barfussparks mitten in einem kleinen Fluss.

Kneippsche Initiativen

Viele entstanden eher unfreiwillig. Kneipp behandelte die vielen Hilfesuchenden im Kloster, das gefiel den Schwestern nicht. Er behandelte sie zu unterschiedlichen Tarifen. Arme bekamen die Therapie sogar kostenfrei. Das wiederum führte zu wütenden Protesten von Ärzten und Apothekern. Also baute Sebastian Kneipp ein Kurhaus und ergänzte es um weitere Gebäude. Das Geld dafür erwirtschaftete er aus den Sprechstunden, seinen Büchern und einem genialen Selbstmarketing für die damalige Zeit. Schon zu Lebzeiten verkaufte Kneipp, seine Namensrechte an einen Apotheker. Das brachte ihm ordentliche Lizenzen ein. Wer sich also darüber beschwert, die Kneippschen Produkte, die heute in den Supermärkten und Großdrogerien stehen, hätten nichts mit dem frommen Pfarrer zu tun irrt. Beschweren müsste er sich bei Kneipp höchstpersönlich.

Sozialer Sprengstoff

Kneipp erklärte, alle Menschen seien gleich. In seiner rabiaten Therapie ließ er deshalb den Erzherzog Josef von Österreich-Ungarn Holz hacken. Die Arbeit konnte er sich mit einem Metzger teilen. Das wurde in Zeiten des anerkannten Standesdünkel nicht geschätzt und brachte ihm keine Freunde.

Der Mao von Bad Wörishofen

bad-woerishofen-tretbecken im flussEin faszinierender Mensch war dieser Pfarrer Sebastian Kneipp. Bad Wörishofen hat ihm viel zu verdanken. Aus einem Bauerndorf wurde ein prominenter Kurort, der heute jedes Jahr über 700 Tausend Übernachtungen zählt. – Zugegeben, das Image der Kneippschen Kuren sorgt dafür, dass über 80 Prozent der Gäste das 70. Lebensjahr überschritten haben und Rollatoren tagsüber das Stadtbild prägen. Doch man bemüht sich inzwischen mit neuen Angeboten und einer großen Therme auch Jüngere in die Stadt zu holen. Alt hin – Alt her, Kneipp ist die prägende Persönlichkeit der Stadt geblieben. So prägend, dass eine Schweizer Zeitung einst witzelte, Wörishofen sei wie China, überall stünde ein „Mao“ herum. Kein Wunder, sagen die Wörishofener heute. Kneipp hat aus einem kleinen unbedeutenden Bauerndorf ein weltweit bekanntes Kurbad gemacht.

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Fotos:

Rüdiger Edelmann, ttb-media TON-TEXT-BILD & Kneipp-Original Bad Wörishofen

 

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