Reiseradio-Kommentar: Kipppunkte und der Tourismusgipfel
Rüdiger Edelmann – Foto: Holger Leue
„Vieles ändert sich derzeit strukturell“ – Das ist die nicht besonders neue Erkenntnis von Sören Hartmann, dem Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft. In früheren Jahren hat man beim Berliner Tourismusgipfel auch diskutiert, aber sich traditionell auch ganz heftig selbst gefeiert. Diese Zeiten sind wohl vorbei, denn dem Tourismus stehen, genauso wie beim Klimaschutz, in der nächsten Zeit die „Kipppunkte“ ins Haus, sagt Hartmann.
Mit diesen Kipppunkten ist das so eine Sache. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass bei ihrem Erreichen, die Folgen nicht mehr einfach umdrehbar oder rückholbar sind. Beim Klima stehen diese Punkte genauso vor der Tür wie beim Tourismus. Genaugenommen ist einer der Tourismus- Kipppunkte der Klimawandel. Viel näher und existentieller sind aber weniger Bevölkerung, schwächelnde Wirtschaft und Sozialsysteme, steigende Kosten und geopolitischen Krisen, die ja bekanntlich die gesamte Wirtschafts- und Weltordnung bedrohen.
Wird sich dann der Reiseweltmeister Deutschland von diesem Titel verabschieden müssen und was bedeutet das für die Reiseindustrie?
Gegensteuern, aber wie?
Gegensteuern heißt die Devise. Offen bleiben zumindest in Teilen, was sich verändern muss und vor allem wann. Zu spät ist fatal, weil irreversibel. Zu früh ist im Geschäftsleben der Versuch so lange es geht mit dem alten Prinzip noch Kasse zu machen, weil es noch geht oder weil es die Kundschaft nicht anders möchte. Mitunter sucht sich diese Kundschaft aber auch neue Angebote. Das Zauberwort Digitalisierung und neue, andere Vertriebswege kann dem Traditionsgeschäft natürlich Probleme bereiten. Das Tourismusgipfel-Thema: „Nur Mut!“ war also angebracht.
Störend sind für viele Touristikmanager auch die Themen Overtourism und Klimawandel. Kann man sie, zugunsten des Geschäfts, einfach verniedlichen?
Ja, Tourismus hat auch Wohlstand geschaffen, gleich ob an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern, in der Türkei oder Griechenland. In Entwicklungsländern sorgen die Einnahmen auch für bessere Lebensbedingungen und Sozialsysteme. Trotzdem darf man nichts beschönigen. Denn, siehe oben, wenn der Punkt erst mal gekippt ist, lässt er sich nicht mehr aufrichten.
Ich jedenfalls denke, dass unsere „konservative Wirtschaftspolitik“ dauerhaft nicht zur Rettung beitragen wird. Weder im Tourismus, noch sonst irgendwo und -wie.
Luftverkehrssteuer und günstigere Tickets
Heute ist die geplante Absenkung der Luftfahrtsteuer im Bundestag. Die Politik muss entscheiden, ob man mit einer Absenkung wieder mehr Flugbetrieb erreichen kann. Dies ungeachtet des Statements, dass mehr Flugbetrieb ökologisch nicht sinnvoll sei.
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Die Luftfahrtmanager sehen dies verständlicherweise ganz anders. Sie fordern letztlich die komplette Abschaffung, um wirtschaftliche Rentabilität und eine Steigerung zu erreichen. Die Absenkung sei gut, aber nur der „berühmte Tropfen auf heißen Steinen“. Die Steuer habe zudem zu einer Reduzierung des Flugbetriebs insbesondere im Inlandsverkehr und im Angebot von Billigfliegern geführt.
Alter Beschluss – neue Probleme
Foto: Fraport AG
In der Realität wird eine Absenkung, dem Bund eine Minderung der Steuereinnahmen von rund 350 Millionen Euro pro Jahr bescheren. Geld, das bei Einführung durch eine schwarz-gelbe Koalition im Jahr 2011, eigentlich dafür gedacht war, in klimafreundlichen Luftverkehr zu investieren. Ergebnis: Dort wo eh kaum etwas passiert ist (Entwicklung von klimaneutralem Kerosin SAF) wird jetzt noch weniger geschehen. Klimaforscher weisen nicht umsonst darauf hin, dass die Luftfahrt bisher ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Ob die Senkung der Luftfahrtsteuer perspektivisch zu günstigeren Flugtickets führt, bleibt abzuwarten. Derzeit kämpft die Branche mit hohen Kerosinpreisen aufgrund des Irankriegs und der Sperrung der Straße von Hormus. So droht die Gefahr, dass sich die Steuer reduziert und gleichzeitig ein Treibstoffzuschlag die Vergünstigung zunichtemacht.
Pollenzeit und Reisezeit
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Derzeit ist wieder Hochkonjunktur. Pollenallergiker leiden extrem unter Beschwerden und gäben vermutlich ziemlich viel dafür nicht unter Schnupfen und Augenjucken bis hin zu asthmatischen Luftbeschwerden zu leiden.
Ganz ernsthafter Vorschlag: Warum nicht verreisen. Allerdings muss man sich hier ziemlich schlau machen in Sachen Ziel und natürlich sollte man wissen, gegen welche Pollen man allergisch ist.
Grafik: Fit-Reisen
Genau das hat Fit-Reisen, Spezialist für Gesundheits- und Wellnessreisen, erstmals datenbasiert herausgearbeitet. 486 Urlaubsorte in 245 europäischen Regionen wurden auf ihre Gräserpollen-Belastung von Mai bis August 2025 analysiert, basierend auf Modelldaten des „Copernicus Atmosphere Monitoring Service“ (CAMS). Der Fokus liegt auf Gräserpollen: Sie haben mit Abstand die längste Flugsaison und treffen damit genau die Allergiker:innengruppe, für die ein Sommerurlaub sonst oft zum Kompromiss wird.
Dass sich die Belastung für AllergikerInnen in den vergangenen Jahren deutlich verschärft hat, bestätigen auch Expert:innen. Globale Erwärmung und Luftverschmutzung verlängerten die Pollensaison und erhöhten die Allergenität.
Auf der Fit-Reisen-Website sind sowohl alle Platzierungen abrufbar, als auch die monatlichen Belastungswerte für jeden einzelnen Ort von Mai bis August. So lässt sich das gewünschte Reiseziel direkt im Hinblick auf die Pollenbelastung vergleichen.
Wohin fahren?
Der hohe Norden, dominiert das Ranking. Tórshavn auf den Färöern ist mit 0,1 grains/m³ der pollenärmste Urlaubsort in ganz Europa, gefolgt von Tromsø in Norwegen und Ostisland (Island) auf dem dritten Platz.
Gleichzeitig zeigt die Analyse aber auch: Pollenarme Reiseziele müssen nicht kalt oder abgelegen sein. Mit Malta, Gozo, Madeira oder Zypern schaffen es auch sonnige Mittelmeer- und Atlantikdestinationen in die Top-Platzierungen.
Das portugiesische Alentejo ist die einzige Region Europas, die im Saisondurchschnitt den Bereich hoher Pollenbelastung erreicht. Überraschend stark vertreten im Negativfeld ist auch die Schweiz.
Fluss-Film-Festival
Vom 10. bis 13. September 2026 findet in Bad Tölz erneut das Tölzer Fluss-Film-Festival statt. Das Festival bringt internationale Reise-, Natur- und Outdoorfilme an die Isar und verbindet Filmkultur mit Wassersport, Naturerlebnis und regionaler Flusstradition, eingebettet in die Atmosphäre der Stadt an der Isar.
Foto: Stadt Bad Tölz
Es wartet ein vielseitiges Programm aus Filmvorführungen, Community-Events und der traditionellen Isarregatta des Deutschen Touring-Kajak-Clubs (DTKC). Die Freunde Historischer Faltboote e.V., der Isarfalter sowie der Bayerische Kanu Verband sind weitere Partner der Veranstaltung.
Internationale Filmkultur und historische Faltboote am Wasser
Das Festival präsentiert internationale Produktionen, die das Publikum an spektakuläre Schauplätze weltweit entführen: von wilden Stromschnellen über abgelegene Flusslandschaften bis hin zu eindrucksvollen Expeditionen und stillen Naturmomenten. Dabei versteht sich das Festival nicht nur als klassische Filmveranstaltung, sondern als ganzheitliches Erlebnisformat, bei dem die Umgebung selbst Teil der Inszenierung wird.
Auch die Freunde Historischer Faltboote e.V., die mit ihren Faltboot Camps den Ursprung des Festivals darstellen, werden mit der Präsentation einiger historischer Boote wieder Teil der Veranstaltung sein.
Canada ist wieder geöffnet. Reiseradio-Talk mit Herbert Bopp, ARD-Korrespondent i.R. über sein Land, die Covid-Zeit und besuchenswerte Schönheiten. […]
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