D-RR News 14.04.21 – Infektionsschutzgesetz und Folgen / Realitäten / Reisezuversicht

Öffnung vs. Notbremse

Der Entwurf des überarbeiteten Infektionsschutzgesetzes ist im Bundeskabinett verabschiedet worden. Jetzt folgen Bundestag und Bundesrat.

Das Beschlossene beinhaltet für Reiseaktivitäten indes keine „Good News“. Die „Notbremse“ gilt bei einem Inzidenzwert über 100 und bedeutet, neben den Alltagseinschränkungen und einer nächtlichen Ausgangssperre für die entsprechenden Regionen (z Zt. fast überall) zwischen 21 Uhr und 5 Uhr, dass Tourismus, Gastronomie und Hotels geschlossen bleiben. Es gibt die vorher schon geltenden Ausnahmen für Geschäftsreisen.

Schleswig-Holstein Öffnungen

Trotz der quasi beschlossenen Maßnahmen, wird Schleswig-Holstein an der Durchführung seiner Pilotprojekte für bestimmte Regionen festhalten. Dort hat man Glück, da der Norden mit Inzidenzwerten glänzt, die deutlich unter der „Notbremsenregelung“ von 100 liegen.

Alle Pilotprojekte (wir berichteten am Montag) müssen aber beendet werden, wenn die Hunderter-Marke überschritten werden sollte. Dies geht aber aus den Modellbeschreibungen ohnehin hervor. Diese sehen Hotelschließungen beim Überschreiten der Inzidenzwerte vor. Die Entscheidung liegt bei den zuständigen Gesundheitsämtern in den Regionen.

Ostfriesische Inseln mit Konzeptvorlage

Ostfriesische Inseln mit Öffnungs-Vorstoß – Foto: Bildarchiv Nordseebad Spiekeroog GmbH

Die Touristiker der ostfriesischen Inseln haben bei ihrer Landesregierung in Hannover eine Öffnungs- und Hygienekonzept vorgelegt, dass ihnen die Wiederaufnahme eines Kerngeschäfts ermöglichen soll.

Auf den Inseln will man zunächst ausschließlich Übernachtungsgäste aufnehmen, die sich zudem einer Teststrategie unterziehen müssen. Bei der Anreise wäre demnach ein negativer Antigen-Schnelltest oder PCR-Test vorgeschrieben, um auf die Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge fahren zu dürfen. Nach 48 Stunden Aufenthalt wäre dann eine erneute Testung per Antigen-Schnelltest für die Urlauber vorgeschrieben. Erst danach dürften sich die Urlauber frei bewegen und alle Angebote der Inseln nutzen.

Vorgeschriebene Tests soll es auch für die Einheimischen, insbesondere für alle im Tourismus Beschäftigten geben. Auf Tagesgäste will man zunächst komplett verzichten.

DTV bezieht Stellung

Norbert Kunz, DTV-Geschäftsführer

Der Deutsche Tourismusverband, der schon seit langem eine wirtschaftliche Strategie einfordert, hat heute Morgen erneut Stellung bezogen. Zur geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes erklärt der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Norbert Kunz:

Weder eine Strategie noch ein Plan für den Tourismus sind bisher erkennbar. Völlig unklar bleibt weiterhin, unter welchen Bedingungen der Tourismus unterhalb einer Inzidenz von 100 starten kann. Entgegen allen Ankündigungen wurde bisher nichts von Bund und Ländern vorgelegt. Daran ändert auch die sogenannte Bundesnotbremse nichts, die ein bundesweit einheitliches Vorgehen bei sehr hohen Infektionszahlen zum Ziel hat.

Der Gesetzentwurf sei, aus Sicht des DTV, verfassungsrechtlich problematisch. Der Verband vermisse eine differenzierte Begründung, warum der Inlandstourismus untersagt werde. Nach mehr als einem Jahr Pandemie und fast einem halben Jahr ohne Tourismus müsse detailliert dargelegt werden, warum beispielsweise touristische Übernachtungen im Ausland möglich seien, aber innerhalb von Deutschland in einer Ferienwohnung oder auf einem Campingplatz nicht.

Mallorca ist entspannt

Alcudia / Mallorca – Foto: alltours

Trotz vieler Unkenrufe ist die Infektionslage auf den Balearen und insbesondere auf Mallorca, auch nach den Osterfeiertagen, entspannt geblieben. Die „Sieben-Tage Inzidenz“ lag, nach Angabe der Gesundheitsbehörden, zu Beginn der Woche bei knapp 29. Auch die befürchtete Zahl von positiv getesteten Urlaubern vor der Heimreise hält sich offenbar in Grenzen. Im extra eingerichteten „Corona-Hotel“ seien im Moment knapp 30 Urlauber untergebracht. Die Zahl der tatsächlich positiv getesteten Personen geht daraus nicht hervor, da sich auch die jeweiligen Reisebegleitungen von positiv getesteten Personen der Quarantäne unterziehen müssen.

Italienische Inseln: schnellstmögliche Impfungen?

Auch in Italien sind viele Regionen, insbesondere Inseln, wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängig. Eine Initiative von will jetzt dort das Impfkonzept der Regierung „rechts überholen“ und die Bevölkerung schneller impfen. Das Tourismusmagazin fvw zitiert beispielweise Marino Lembo, den Bürgermeister von Capri. Er sagte gegenüber der italienischen Tageszeitung Corriere de la Serra:

Ich will nur die Touristensaison retten, die für uns das Überleben bedeutet

Auf Capri bedeute dies, lediglich 4.000 Bewohner schnell zu impfen, um das Tourismusgeschäft wieder aufnehmen zu können. Der Widerstand aus touristischen Regionen des Festlands folgte sofort. Dort pocht man auf die Einhaltung der festgelegte Impfpläne, da es keine Privilegien auf Kosten anderer geben dürfe.

Reiselust ungebrochen?

Deutschlandurlaub bevorzugt: Rügen

Jede Umfrage beinhaltet natürlich auch die entsprechende Interpretation. Die jüngste GfK-Umfrage sagt, dass die Mehrheit der Deutschen (54 Prozent), dass man nach der Durchführung der Impfungen wieder unbelastet Urlaub machen könne.

Trotzdem würden sich Reiseansprüche ändern. 31 Prozent der Befragten glauben, dass nachhaltiges Reisen künftig stärker gefragt sei. Diese Zahl ist im Vergleich mit einer Befragung aus dem Herbst inzwischen wieder leicht gesunken.

Sonne und Entspannung nehmen das höchste Ranking (52-54 Prozent) bei der Urlaubsmotivation ein. Favoriten sind demnach auch 2021 deutsche Ziele in Bayern oder an den Nord- und Ostseeküsten von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Als bevorzugtes Transportmittel in den Urlaub nennen mehr als zwei Drittel der Befragten das eigene Auto. Immerhin 13 Prozent wollen, trotz Interesses, in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen auf Reisen verzichten.

Auch Bayern gehört zu den Urlaubsfavoriten 2021

Schlagzeilen zu Reisebedingungen

Nachdem Israel seit dem Wochenende nicht mehr als Risikogebiet eingeordnet ist, lockert jetzt auch die dortige Regierung die Einreisebeschränkungen. Ab dem 23. Mai sollen touristische Aufenthalte wieder möglich sein für alle Personen, die eine Covid 19-Impfung nachweisen können. Trotzdem soll es bei der Einreise eine Testverpflichtung geben.

 

Aufgrund der desolaten Gesundheitssituation und der grassierenden Virussituation P1 in Brasilien hat die französische Regierung alle Flugverbindungen zwischen Frankreich und Brasilien untersagt. Flugverbindungen zwischen Deutschland und Brasilien finden nach wie vor statt. Hier ist aber, neben der Einreiseanmeldung und der Vorlage eines Negativtests auch eine Quarantäne verpflichtend. Brasilien meldet derzeit bis zu 4.000 Corona-Todesopfer pro Tag. Die Gesamtzahl der Toten liegt bereits über 350.000.

Dank deutlich gesunkener Infektionen in Tschechien, hat das Bundesinnenministerium bekanntgegeben, dass man mit Wirkung von heute die Grenzkontrollen beenden will. An der Einstufung als Hochinzidenzgebiet und den daraus erwachsenden Einreisevorschriften ändere sich allerdings noch nichts. Man wolle jetzt, im Rahmen von Schleierfahndungen, nur noch punktuelle Kontrollen durchführen.

Feste Grenzkontrolle von und nach Tschechien wird beendet.

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