D-RR News 16.04.21 – Modellprojekte / Hotelnot / Reisefacts / Öko-Flug / E-Rad

SH-Modellprojekte stocken

Wir berichteten zum Wochenstart von den Modellprojekten zur Wiederöffnung des Tourismus in Schleswig-Holstein. Was da noch hoffnungsfroh klang, gerät zusehends in Startschwierigkeiten über. Steigende Infektionszahlen, auch in SH, sorgen für Verzögerungen. Sollte die sogenannte „Bundesnotbremse“ in Kraft treten, wäre eventuell sogar wieder Stillstand angesagt.

Zum geplanten Starttermin am 19. April wird vermutlich nur die Region „Ostseefjord Schlei“ ihr Öffnungskonzept starten können. Alle anderen Regionen nennen, nach Berichten des NDR, inzwischen spätere Termine. Die innere Lübecker Bucht verschiebt um eine Woche (26. April), Büsum um drei Wochen (10. Mai)

Die Schlei, eines von Schleswig-Holsteins Modellprojekten für Tourismusöffnung

Im Kreis Nordfriesland, inklusive der Vorzeigeinsel Sylt, steht das Projekt wohl ganz auf der Kippe. Hier ist der Hintergrund offensichtlich ein Streit zwischen den kommunalen Behörden der Insel und dem SH-Wirtschaftsministerium. Die fehlende Rechtsgrundlage des Landes mache die Realisierung unmöglich, sagen Tourismusverantwortliche insbesondere auf Sylt. Diese sei völlig klar, kontert Wirtschaftsminister Bernd Buchholz. Voraussetzung für alle Projekte ist eine stabile Sieben-Tages-Inzidenz von weniger als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Angesichts der steigenden Zahlen befürchten die Touristiker, nicht nur auf Sylt, dass die Modellprojekte vor dem Start abgesagt werden könnten. Die notwenigen Investitionen der beteiligten Hotel- und Gastronomiebetriebe seien dann wieder einmal vergeblich gewesen.

„Maritim“ in Extrem-Not

Maritim-Ikone: Der Hotelturm in Travemünde mit Europas höchstem Leuchtfeuer

Die Hotelkette Maritim, mit Zentrale in Bad Salzuflen, steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Der Liquiditätsverlust beträgt, nach einem Bericht des Nachrichtensenders ntv, rund 140 Millionen Euro. Im Jahr 2019 hatte Maritim noch einen Gewinn von 21 Millionen Euro ausgewiesen. Offensichtlich stehen jetzt Hotel-Standorte auf der Kippe. Das Familienunternehmen muss verkaufen. Details wurden noch nicht mitgeteilt.

Von den beantragten Unterstützungsleistungen seien bisher insgesamt nur 2 Millionen Euro angekommen, sagt Inhaberin Monika Gomolla und beklagt die versprochene, aber ausgebliebene staatliche Hilfe:

Dies erweckt den Eindruck, dass der größere Mittelstand in den betroffenen Branchen sich selbst überlassen und so kaputt gemacht wird (…) Die Lage für die Hotellerie ist sehr ernst, so kann es nicht weitergehen.“

Noch schlimmer für das Unternehmen sei der personelle Aderlass. Man habe sich inzwischen von fast 2.000 Mitarbeitern trennen müssen. Darunter sei auch Stammpersonal gewesen, das zum Teil in der Firma ausgebildet worden war und teilweise seit Jahrzehnten in den Häusern arbeitete. 

Zahlen – Daten – Fakten

Nach einem Jahr COVID-19-Pandemie gibt es derzeit nur geringe Öffnungsperspektiven für den Deutschlandtourismus. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) fordert nicht nur beständig verlässliche Perspektiven, sondern hat, wie jedes Jahr, die Zahlen zusammengetragen. Sie sind für 2020 nicht gut. Welche drastischen Auswirkungen die Pandemie auf die Entwicklung des Tourismus und des Reiseverhaltens 2020 hatte, zeigt die jetzt veröffentliche Ausgabe der der DTV-Broschüre „Zahlen-Daten-Fakten 2020. Sie ist HIER! downlowdbar

Malta startet Rabattschlacht

Malta braucht Touristen

Die maltesische Regierung will den Neustart des Tourismus mit Rabatten an Urlauber ankurbeln. Die ersten 35.000 Touristen, die für die Sommersaison einen Urlaub auf Malta buchen, könnten Rabatte von jeweils bis zu 200 Euro erhalten, teilte Tourismusminister Clayton Bartolo mit. Voraussetzung dafür sei ein mindestens dreitägiger Aufenthalt und die direkte Buchung in den Hotels. Pauschalreisen sind von der Aktion ausgeschlossen. Damit will man mehr Gewinn im eigenen Land erzielen. Die Nachlässe sollen nach Hotelkategorie gestaffelt werden und liegen zwischen 100 Euro in Drei-Sterne Hotels und 200 Euro für die Fünf-Sterne Kategorie. Malta plant, bei anhaltender niedriger Inzidenz, den Restart für Juni.

Reisefreiheit für Geimpfte in Dänemark

Dänemark mit Restartprojekt – Foto: Visit Denmark

Die dänische Regierung plant eine Rücknahme der Reiseeinschränkungen für Anfang Mai. Voraussetzung für eine touristische Reise sei dann allerdings ein kompletter Impfschutz der Gäste. Bei vorliegender Impfung sollen dann auch Testpflicht und Quarantäne entfallen.

Bereits ab nächster Woche (21.04.) soll es Ferienhausbesitzern und Dauercampern möglich sein, wieder nach Dänemark zu fahren. Zur Einreise ist die Vorlage eines negativen Corona-Tests erforderlich.

Für alle nicht geimpften Personen soll es bei der Pflichtvorlage eines negativen Corona-Tests bleiben, der dann trotzdem eine zehntägige Quarantäne folgt. Immerhin besteht die Möglichkeit die Selbstisolation nach vier Tagen zu verlassen, wenn ein weiterer durchgeführter Test negativ ist.

Grüner EU-Impfpass im Juni

Die Einigung der Mitgliedsländer liegt seit Mittwoch vor. Die EU-Kommission will damit das sogenannten „grüne Zertifikat“ Ende Juni und damit zum Start der Sommerferien an den Start gebracht haben. Der Impfpass soll Impfungen, Testergebnisse und/oder Informationen zu überstandenen Infektionen dokumentieren und EU-weit anerkannt werden. Die schnelle Einigung kam auch auf Druck von Urlaubsländern wie Griechenland oder Spanien zustande. Vom Impfpass erhofft man sich, gerade dort, eine Belebung des Tourismus von dem die heimische Wirtschaft stark abhängig ist. Den „grünen Pass“ soll es sowohl digital als auch in Papierform geben. Einreisebedingungen und –regeln werden aber auch künftig von den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten festgelegt werden.

LH Express-Rail soll stärker Fahrt aufnehmen

LH-Expressrail: ICE Bahnhof am Frankfurter Airport – Foto: Deutsche Bahn

Der Bundesverband der deutschen Luftfahrt (BDL) und die Deutsche Bahn haben gestern eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, die mehr Inlandsreisende auf die Schiene bringen will und auch Anreisen zu internationalen Flugverbindungen zu deutschen Airports per Bahn ermöglichen soll. Das soll künftig gerade bei der Anreise zu internationalen Drehkreuzen wie Frankfurt, München oder Düsseldorf realisiert werden.

So ließen sich langfristig rund 20 Prozent der Inlandsflüge einsparen und die Kunden könnten ihre Reise per Bahn machen. Auch Zubringerflüge zu internationalen Verbindungen könnten dann entfallen. Dafür soll das Angebot „Lufthansa Express Rail“ um weitere Strecken wachsen.

Die Airports in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln/Bonn und Leipzig/Halle sind bereits heute mit dem Fernverkehrsnetz der Bahn verbunden. Allerdings gibt es auch auch Problemfälle wie die schlechte Bahnanbindung von Airports wie München. Die derzeit schlechte Anbindung des Stuttgarter Flughafens soll Ende des Jahres 2025 der Vergangenheit angehören.

Eco Friendly Skies

Eco Skies Plane – Foto: United Airlines

Die amerikanische Fluggesellschaft United Airlines will ihr Engagement für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Luftverkehr konsequent fortsetzen und hat die sogenannte „Eco-Skies Alliance“ ins Leben gerufen. Hierbei haben sich United und mehr als ein Dutzend global tätiger Konzerne dazu verpflichtet, stärker als bisher auf nachhaltige Flugkraftstoffe zu setzen. Erste Maßnahme in diesem Jahr:  Rund 3,4 Millionen Gallonen nachhaltige Kraftstoffe sollen gekauft werden. Damit könnten 220 Millionen Flugmeilen Beförderungsleistung realisiert und etwa 31.000 Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden werden. Zu den Beteiligten gehört auch der deutsche Siemens-Konzern.

Ergänzend zur „Eco-Skies Alliance“ bietet United ab sofort auch einzelnen Passagieren die Möglichkeit, zusätzliches umweltfreundlicheres Kerosin zu erwerben oder Initiativen finanziell zu unterstützen, die zur Verringerung von CO2 beitragen.

Aus Sicht der Airline ist das tatkräftige Mitwirken der Politik unerlässlich, um die Auswirkungen des Fliegens auf die Umwelt weiter zu begrenzen. In den USA vermittelt die Fluggesellschaft daher Einzelpersonen auf Wunsch den direkten Kontakt zu ihren gewählten politischen Vertretern, um diese dazu zu bewegen, sich für einen nachhaltigen Luftverkehr und entsprechende Lösungen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes einzusetzen. Es ist weltweit das erste Mal, dass eine Fluggesellschaft eine derartige Initiative ins Leben ruft. Man sei fest davon überzeugt, dass die Luftfahrtindustrie mehr mutige Entscheidungen treffen müsse, wenn sie der Klimakrise effizient begegnen wolle. United will zu 100 Prozent grün zu werden und spätestens ab dem Jahr 2050 komplett auf Treibhausgasemissionen zu verzichten.

Elektrorad Info-Center in MV

E-Bike-Tourismus unterstützen – Foto: Mike Scharfscheer / Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

Mit dem ersten Elektrorad-Informations-Center des Urlaubslandes Mecklenburg-Vorpommern, bereiten sich dortigen Touristiker auf die wachsende Nachfrage nach Elektrorad-Routen vor. Es befindet sich in der Touristinformation auf der Burg Wesenberg in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte.

Im Elektrorad-Informations-Center bekommen Interessierte per E-Mail, Post oder Telefon Tipps zu den touristischen Höhepunkten entlang der Strecken sowie zur Nutzung des digitalen Portals oudooractive.com, auf dem die Wege ausgewiesen sind. Darüber hinaus werden Fragen zu Verleihstationen in der Region, zum technischen Support sowie zu Anlaufstellen fürs Aufladen der Akkus gegeben. Abseits der touristischen Zentren stehen Interessierten ab sofort die ersten 17 digital ausgewiesenen Routen in der Mecklenburgischen Seenplatte zur Verfügung. Die Touren zwischen Malchow in der Mecklenburgischen Schweiz bis Feldberg in der Feldberger Seenlandschaft tragen vielversprechende Namen wie „Mehr Wasser geht nicht“, „Von Burg zu Burg“ oder „Mit dem E-Bike von Mirow durch den Müritz-Nationalpark“.

Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nutzte 2020 jeder dritte Tagesausflügler ein Elektrorad. Auch bei den die Radreisenden (mind. drei Übernachtungen) stieg die Nutzung des Elektrorads von 18 Prozent im Jahr 2017 auf 32 Prozent im letzten Jahr an.

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