D-RR News 15.03.21 – Malle & Schwarzwald / (Ent)Spannung / DRV & Politik / ITB-Bilanz

Ende der zusätzlichen Stornofreiheit bei Alltours? Hier: Mallorca - Foto: alltours

Dritte Welle vs. Mallorca

Rüdiger Edelmann

So dicht liegen Freud und Leid immer noch beieinander. Jubeln Reiseveranstalter und Airlines über die Öffnung der Balearen, so schauen deutsche Urlaubsregionen und Hotels eher verzweifelt in die Zukunft. Der potentielle Osterurlaub im eigenen Land scheint angesichts einer dritten Corona-Welle wieder in weite Ferne zu rücken. Da nutzt es nix, wenn der Tourismusbeauftragte Thomas Bareiß (CDU) im Deutschlandfunk die Öffnung von Hotels über Ostern fordert.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) verlangt endlich Taten. Geschäftsführerin Ingrid Hartges sagte, man erwarte eine Gleichbehandlung mit anderen Branchen sowie praxistaugliche und widerspruchsfreie Regelungen. Die Bund-Länder-Konferenz müsse einen konkreten Fahrplan für die Öffnung von Hotels und Restaurants liefern. Außerdem forderte sie mehr Tempo beim Impfen und Testen.

Damit schließt sich dann der Kreis wieder zur „organisatorischen Notstandsverwaltung“, die auf der Stelle tritt. Die zusätzlichen Nachrichten über weitere Lieferungsreduktionen bei Impfstoffen und die immer noch vor sich hin dümpelnde „Task Force: Tests“ (Go, Andi Go!) machen da wenig Hoffnung. Es bleibt schwierig, auch wenn Hygienekonzepte sicher funktionieren. Letztlich hängt die Entwicklung des Infektionsgeschehens am richtigen oder auch falschen Verhalten der anreisenden touristischen Gäste. Gegen unkontrollierte Menschenmassen ist kein „Hygienekraut“ gewachsen. Dies gilt selbstredend überall, von Mallorca bis zum Schwarzwald.  Zudem wachsen die deutschen Inzidenzzahlen wieder kräftig. Hierzulande muss endlich etwas passieren. Ich stelle mir lieber nicht vor, dass uns spanische Gesundheitsbehörden vor Ostern zum Krisengebiet erklären und aussperren.

Man kann ja zu den Auftritten des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach stehen wie man will. Er kommt in seinen Statements wenig hoffnungsvoll und mitunter auch trotzig rüber. Aber: In den letzten Monaten lag er (leider) fast immer richtig.  

Reisemöglichkeiten

Foto: Fraport

Die Entscheidung, die Baleareninseln nicht mehr als Risikogebiet einzustufen, kam am Freitagmittag.

Die Touristiker, die sich digital auf der ITB tummelten, hätten sich diese Botschaft sicher ein paar Tage vorher gewünscht. Trotzdem sorgte die Botschaft für einen Buchungsboom übers Wochenende, selbstredend alles im Bereich der eingeschränkten Möglichkeiten. Weitere Veränderungen in den Reiserestriktionen sorgten zusätzlich für gute Stimmung.

Hotelgruppen holen ihre Häuser aus dem Winterschlaf. Airlines, wie Lufthansa, Condor, TUIfly, Sundair und Eurowings, verkünden teilweise eine Verdoppelung des Flugangebots zu Ostern an. Eurowings packt spontan 300 Zusatzflüge nach Mallorca ins Programm.

Im Buchungssog von „Malle“ kommen weitere Flugziele hinzu. Condor verstärkt auch das Angebot in Richtung Kanaren und hat jetzt auch Ferienflüge aus der Schweiz im buchbaren Programm.

Als Urlauber sollte man nicht vergessen, dass bei der Einreise in Spanien nach wie ein negativer PCR-Test vorgelegt werden muss. Test- und Quarantänepflicht bei der Rückkehr entfallen jetzt aber.

Hoffnung auf Freiheiten – Foto: Turismo de Tenerife

DRV: Schlechtes Zeugnis für die Politik 

Eine Blitz-Umfrage des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rund um das Thema Restart führt zu schlechten Noten für die Politik. Kritisiert werden insbesondere der zu langsame Impffortschritt, Quarantäne für Reiserückkehrer sowie nicht enden wollende Appelle der Politik, auf das Reisen zu verzichten.

Rund 600 Mitgliedsunternehmen – Reisebüros, Reiseveranstalter und touristische Dienstleister – haben an der Umfrage Ende Februar teilgenommen.

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands – Foto: DRV

DRV-Präsident Norbert Fiebig interpretierte die Ergebnisse der Befragung:

Die Ergebnisse unserer Blitz-Umfrage zeigen, dass im Mittelpunkt der politischen Überlegungen jetzt Strategien stehen müssen, die internationale Mobilität schrittweise wieder zu ermöglichen. Dazu zählt die Beschleunigung des Impfens ebenso wie eine schlüssige Teststrategie. Die Politik muss mit ihren Appellen, auf das Reisen zu verzichten, aufhören. Das ist nicht nur für die Reisewirtschaft wichtig – das ist essentiell für den Wirtschaftsstandort Deutschland. (…) Die eingefahrenen Umsatzausfälle der vielen Reisebüros und Reiseveranstalter lassen sich schon jetzt nicht mehr ausgleichen. Daher ist klar, dass weitere Unterstützungshilfen der Bundesregierung über den Juni 2021 hinaus, kommen müssen. Wir verlieren sonst diese bisher noch sehr gut funktionierende, mittelständisch geprägte Infrastruktur der Reisewirtschaft – das darf nicht passieren!

Aktuelle Veränderungen in Sachen Reisewarnungen

Spanien – DRR-Archivfoto

Die iberische Halbinsel meldet Entspannung und damit eine wachsende Zahl von Reisemöglichkeiten.

Nicht mehr als Risikogebiet eingestuft sind:

  • Die Baleareninseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera
  • Die Festlandsregionen Extremadura, Kastilien-La Mancha, Murcia, Rioja und Valencia
  • Die portugiesischen Regionen Alentejo, Centro und Norte
  • Die Azoren
  • Portugal gilt nicht mehr als Virusvarianten-Gebiet, allerdings wurden nach Rücknahme dieser Warnung die Region Algarve, der Großraum Lissabon und die autonome Region Madeira als Risikogebiete eingestuft.
Algarve bleibt Risikogebiet

Weitere gute Nachrichten gibt es für folgende Länder und Regionen, die seit gestern ebenfalls nicht mehr als Risikogebiet eingestuft sind:

  • Die Bahamas
  • Die Region Nordjylland in Dänemark

Zusätzlichen Schub verspricht sich auch Kroatien. Dort wurde die Reisewarnung für die Gespanschaften

  • Bjelovar-Bilogora
  • Istrien
  • Krapina-Zagorje
  • Požega-Slawonien

bereits vor einer Woche am 7. März aufgehoben.

Leider gibt es auch negative Veränderungen. Neu wurden als Risikogebiet eingestuft:

  • Die französische Karibikinsel Guadeloupe
  • Die finnische Provinz Åland

Neue Hochinzidenzgebiete sind seit gestern:

  • Tansania
  • Die Republik Moldau

Türkei verlangt Einreiseanmeldung

Türkei mit neuer Einreiseregelung – Foto: TUI AG

Die Türkei fordert seit heute von allen ausländischen Einreisenden eine digitale Einreiseanmeldung. Touristen und alle anderen Reisenden müssen bis 72 Stunden vor der Einreise ein ONLINE-Formular des türkischen Gesundheitsministeriums ausfüllen. Dieses Formular muss bei der Einreise und zusätzlich beim Hotel Check-In vorgelegt werden. Auf der Basis der abgefragten Daten wird ein persönlicher HES-Code erstellt. Er dient künftig als Grundlage zur Nachverfolgung und für die Kontaktaufnahme, falls der Besucher während seines Aufenthaltes mit einer an COVID-19 erkrankten Person in Kontakt gekommen ist. Die Regelung gilt nicht für türkische Staatsbürger. Das Formular wird auch in deutscher Sprache angeboten. Es ist HIER! abrufbar.

ITB Now zieht Bilanz

Foto: Messe-Berlin

Das Fazit zur digitalen Event-Woche wird von der Messeleitung positiv eingestuft. Vom 8. bis 12. März versuchte man sich, nach einigen nachvollziehbaren technischen Schwierigkeiten zu Beginn, an einer komplett digitalen Messe mit weltweiter Beteiligung. Die Betonung der Messe Berlin, dass insbesondere das Networking besonders erfolgreich gewesen sei, zeigt das inhaltliche Problem der Veranstaltung. Viele Inhalte und Projekte waren geprägt von den schwierigen Faktoren einer gelähmten Branche. Wer ehrlich war, konnte nur Planungen veröffentlichen, aber keine Auskünfte über deren Realisierung machen. Die Teilnehmerzahl lag bei knapp 66 Tausend, davon etwa zwei Drittel aus dem Ausland.

After Show – Chance

(c) Messe-Berlin

Der Vorteil einer digitalen Veranstaltung ist die umfangreiche Dokumentation aller Diskussionen und Vorträge, die auf der Plattform noch bis Ende Mai zur Verfügung stehen. Da auch der Veranstalter rechnen muss, gibt es dafür allerdings Beschränkungen in Form eines weiteren „After-Event-Tickets“. Dies kostet Interessenten weitere 29 Euro und ermöglicht den Aufruf aller Videos-on-Demand einschließlich Pressemitteilungen und Ausstellerpräsentationen, sowie die Planung von Meetings, den Zugang zu den digitalen Brand Cards und dem Pressebereich.

Zudem will die Messe die wichtigsten Aussagen in einer „ITB Berlin Travel & Tourism Declaration“ zeitnah zusammenfassen und der Öffentlichkeit präsentieren.

Die ITB Berlin 2022 soll vom 9. bis 13. März in Berlin stattfinden.

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