D-RR News 15.12.20 – Tourismuspreis / DRV-Bilanz / TUI-HV / Reiseeinschränkungen

Deutscher Tourismuspreis

Innovative Idee sind schon seit Jahren Grundvoraussetzung für eine Auszeichnung. Die Ausschreibung des Deutschen Tourismuspreises 2020 stand zwangsläufig unter dem Stichwort „Neustart“. Nie gab so viele Einreichungen. Die Sieger stehen seit gestern Nachmittag fest.

Der erste Preis ging an „Strandkorb Open Air“ aus Mönchengladbach. Es war die Innovation in Richtung Open-Air-Konzert. Das Konzept basiert auf 450 Strandkörben, die im Innenraum auf neun Bereiche, die sogenannten „Inseln“, verteilt sind. Jede Insel, sei es Sylt, Rügen oder Mallorca, verfügt über eine eigene Parkplatzbucht, einen separierten Eingang mit Ticketscannern und einen eigenen Toilettenbereich. Ein Einbahnstraßen-System verhindert, dass sich die Wege der Besucher kreuzen. Jeder Strandkorb ist mit Desinfektionsmittel ausgestattet und wird nach jeder Veranstaltung komplett gereinigt. Snacks und Getränke werden online gebucht und vor Ankunft in einer Kühlbox am Strandkorb bereitgestellt. Abseits des Strandkorbs gilt eine Maskenpflicht. Das Konzept ermöglichte es rund 55.000 Besuchern von Juli bis Oktober ihre Lieblingskünstler auf der Bühne erleben.

Strand im Herbst: Lübecker Bucht

Preis 2 erhielt die „Strandampel“, ein Projekt zur Besucherlenkung an Nord- und Ostsee im letzten Sommer. Genutzt wurde es von den Tourismusverbänden in der Lübecker Bucht und in St. Peter-Ording. Das Entzerren von Besucherströmen hatte in den Küstendestinationen eine neue Dynamik erhalten. Während der Gästeansturm an der Ostsee vor allem an den Stränden mit den Abstandsregeln in Einklang zu bringen war, standen in St. Peter-Ording Fußgängerzone, Strandzugänge und Parkplätze im Fokus. Um Gäste und Behörden in Echtzeit über die jeweilige Auslastung zu informieren, wurden an ausgewählten Hotspots Daten mit Kamera-, Laser- und WLAN-Impulsmessung aufgezeichnet, ausgewertet und digital ausgespielt. Die jeweilige Ampelfarbe zeigte dem Nutzer auf Bildschirmen oder mobilen Endgeräten an, ob ein Strandzugang noch möglich war oder zeigte weniger frequentierte Orte zu finden. Die Jury lobte die gute Technologie, die Kommunikation und eine rasche massentaugliche Umsetzung.

Preis Nummer drei bekam ein Projekt, das noch realisiert werden muss, nach Jurymeinung aber zukunftsweisend ist. Die Auszeichnung erhielt der duale Studiengang der Internationalen Hochschule IUBH für ein Projekt, das erfolgreich versuchte Wissenschaft und Wirtschaft in Sachen Tourismus zusammenzubringen. Beteiligt sind 13 Professoren und rund 200 Studenten und etwa 60 Menschen aus der Tourismuspraxis. Die vorgelegten Projekte beschreiben die Studierenden im Blog www.umdenken-im-tourismus.de, in dem unter anderem Video- und Audiobeiträge sowie Fotos eingebettet sind. Die Ideen sollen zum Nachahmen anregen, aber auch hilfreiche Hinweise geben, warum etwas nicht funktioniert hat. Aus diesem Grund wird auch über diejenigen Projekte berichtet, die bisher nicht realisiert werden konnten. Für den Blog-Start konzipierten die Studierenden eigens eine hybride Veranstaltung als interaktive Diskussionsrunde. Die Ergebnisse werden zudem über Facebook, Spotify oder YouTube verbreitet.

Tourismuspreis für Krisenmanagement in MV – Hier Usedom (Archivbild)

Letztlich wurde der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern für sein erfolgreiches und nachhaltiges Krisenmanagement im Corona-Jahr mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Im Zuge der Krisenbewältigung wurde eine landesinterne „Taskforce Tourismus“ eingerichtet, in der Vertreter der Landesregierung, des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern sowie des DEHOGA regelmäßig über ein einheitliches Vorgehen beraten. Der Austausch mit der Branche wurde sichergestellt durch die Plattform www.tourismus.mv, eine regelmäßige „touristische Telefonkonferenz“, Branchenumfragen sowie eine zentrale Info-Hotline für verunsicherte Tourismusmitarbeiter und Gäste. Für verschiedene touristische Bereiche wurden Schutzstandards und Hygienenotfallpläne ausgearbeitet und von der Landesregierung mit den Corona-Verordnungen verknüpft. Seit Ende Mai wirbt zudem die Akzeptanz-Kampagne „Mecklenburg-Vorpommern. Wir sind Urlaubsland“ für ein nachhaltig gutes Tourismusklima.

DRV zieht Jahresbilanz

Ein noch nie dagewesener Umsatzrückgang ist für das Ende Oktober beendete Touristikjahr 2019/20 zu verzeichnen. Zwischen 1. November 2019 und 31. Oktober 2020 sank der Umsatz für Reiseveranstalterreisen, die bei stationären Reisebüros und auf Online-Reiseplattformen gebucht wurden, um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In den Sommermonaten, der üblicherweise als Hochsaison geltenden Haupturlaubszeit der Deutschen, gingen die Umsätze sogar um 81 Prozent zurück. Die Rettung dabei war ein guter Start, mit den ersten Lockdowns stürzten die Umsätze allerdings ins Bodenlose. Eine zwischenzeitliche Erholung in den Sommermonaten konnten dies nicht ausgleichen. Griechenland als Topziel beendete das touristische Geschäftsjahr trotz eines Booms mit einem Umsatzrückgang von 55 Prozent. Spanien weist einen Einbruch von 69 Prozent aus. Die Türkei schließt mit – 77 Prozent ab. Der Fernreisefavorit USA landete bei einem Minus von 82 Prozent.

Die Krise setzt sich fort. Für die Reisezeit bis April nächsten Jahres liegt der Umsatzrückgang bei über 70 Prozent. Für 2021 rechnet die Reisebranche mit einem Umsatz der etwa der guten Hälfte des Jahresumsatzes von 2019 entspricht.

TUI Hauptversammlung

Foto: TUI Group

Diese Zusammenkunft der Aktionäre steht unter dem Krisenstern, sinkenden Umsatzzahlen und der staatlichen Kredite für den weltgrößten Reisekonzern. Eine Kapitalerhöhung muss es jetzt richten. Sie ist eine der Voraussetzung für die Kreditgewährung. Einem der Hauptaktionäre, dem russischen Investor Alexej Mordaschow könnte das entgegenkommen. Er will 130 Millionen beisteuern. Sein Anteil an der TUI würde sich damit auf rund 30 Prozent erhöhen.

Neue Einreisebedingungen in Griechenland

Neben einem negativem PCR-Test, der bei der Einreise vorgewiesen werden muss, ist nach der Ankunft ein Schnelltest verpflichtend. Außerdem müssen sich Besucher in eine dreitägige Quarantäne begeben. Diese Regelung gilt zunächst vom 18. Dezember bis zum 7. Januar.

Niederlande im Lockdown

Lockdown in den Niederlanden

Auch unser Nachbarland hat sich jetzt zu harten Maßnahmen entschlossen. Der Lockdown in den Niederlanden begann heute und soll bis mindestens 19. Januar andauern. Erstmals werden damit im Land auch Geschäfte, Kinos, Lokale, Museen, Fitnessstudios, Friseure und Schwimmbäder geschlossen. Die Kontaktbeschränkung lautet: Pro Tag nur noch Kontakt zu maximal zwei Personen. Ausnahmen gelten lediglich, wie bei uns, für Supermärkte, Apotheken und Geschäfte für den systemrelevanten Bedarf.

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