D-RR167 – In Deutschland um die Welt

Verreisen, das ist, wie wir alle wissen, zurzeit ein Kapitel für sich. In Zeiten wo Mallorca geht, aber Chiemsee und Nordseeküste nicht, sehnt man sich schon fast nach den Zeiten des letzten Sommers zurück, als das Reisen im eigenen Land zur Neuentdeckung für viele Urlauber wurde. Nun ist es zwar schön, an der Ostsee im Strandkorb zu sitzen und von Florida oder Südafrika zu träumen. Zielführend in Sachen Reise ist es sicher nicht, oder doch? Wie schön wäre es , wenn mann oder frau wenigstens einen Hauch der Ferne spüren könnte und das ohne vermeintlich sichere Gefilde zu verlassen. Wer sagt: „Vergiss es, dem werden wir in diesem Podcast widersprechen. Es geht mehr als man denkt und das direkt vor der Haustür.

Weltreise in Deutschland – Wie soll das denn gehen?

Die Antwort darauf gibt uns Autorin Franziska Consolati, nicht nur in ihrem neuen Buch, sondern auch in diesem Reiseradiotalk.

Franziska hatte dieses Buchprojekt im letzten Sommer in Angriff genommen und sie sagt, dass es ein Gefühl war, wie Alice im Wunderland zu sein: „Allerdings ohne die wohlfrisierten Haare, definitiv ohne das Kleid und die polierten Schuhe“, dies müsse man aufs Wunderland beziehen. Vorher geübte Fernreisende habe sie ein Gefühl in sich wahrgenommen, dass es nicht auf die Entfernung ankomme, wenn es um das Gefühl einer Reise gehe. Der Untertitel des Buchs sagt folgerichtig, es gehe um Abenteuer aus allen Kontinenten, für die wir nicht in die Ferne reisen müssen.

Über den Dingen stehen, auch wenn es nur eine Nebeldecke überm Chiemsee ist

Weltreise daheim

Diese zahlreichen Abenteuer sind umfänglich beschrieben, mit Gefühlen unterlegt und mit Reise-Fakten untermauert. Da ist zum Beispiel von Nepal die Rede und seinem Pendant in Wiesent bei Regensburg, von Iglus im Allgäu, dem Parthenon von Donaustauf, von norwegischen Stabkirchen mitten im Harz oder dem Kaltwasser-Geysir in Andernach als Island-Pendant. Die Ziele sind jedoch weit mehr als nur Ersatz. Es geht ums „Reisen an sich“. Es geht um Einstellung, Neugierde, um die Philosophie des Reisens. Das sagt schon der Kernsatz vor Beginn der 215 Seiten Deutschland-Weltreise.

„It’s not what you look at that matters. It’s what you see“

  (Henry David Thoreau)

Letztlich ist das Buch kein „Corona-Pandemie-Ersatz-Reiseführer“. Das betont Franziska auch und sagt im Podcast, dass dieses neue Gefühl, trotz vieler Fernreise-Jahre bereits in ihr gesteckt habe. Bei den aufwändigen Recherchen zum Buch sei es dann an die Oberfläche getreten.

Nachdenken übers Reisen

So kommen wir im Podcast auch ganz schnell auf den gedanklichen Unterbau des Reisens. Die Corona-Pandemie mag den Tourismus weltweit weitestgehend lahmgelegt haben. Das wiederum zwingt zur Besinnung und zum positiven Ansatz übers Reisen nachzudenken und die eigenen Bedürfnisse und Gefühle in den Vordergrund zu stellen. Darüber haben wir genauso gesprochen, wie über den sicher falschen Ansatz, die Welt künftig für unbereisbar zu erklären und sich in der Heimat zu vergraben.

Es kann kein „entweder – oder“ geben, sondern im besten Sinne nur ein  „sowohl – als auch“. Wer Podcast hört und Buch liest, kann über die Zukunft des Tourismus sinnieren, über eigene Gefühlserfahrungen philosophieren und trotzdem die nächste Reise angehen, wenn es wieder möglich ist: Gleich ob per Weltreise oder per Weltreise daheim.


Das Buch

In Deutschland um die Welt

von Franziska Consolati

Conbook-Verlag, Neuss

€ 24,95

ISBN 978-3-954889-387-0

 

 


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