D-RR News 23.04.21: Insolvenzversicherung / Modellprojekte / Tirol / Portugal / Balearen

Reisebranche und Insolvenzabsicherung

Wir berichteten am Mittwoch über die bevorstehende Sitzung des Bundestags-Rechtsausschusses zur Insolvenzabsicherung der Reiseveranstalter. Diese Sitzung hat gestern stattgefunden. Im Nachklapp betonen die Branchenvertreter des Deutsche Reiseverbands (DRV), die Allianz selbständiger Reiseunternehmen (asr), der Internationale Bustouristik Verband (RDA) und der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) dass die geplante Neuausrichtung der Insolvenzabsicherung durch ein Fondsmodell grundsätzlich okay sei. Allerdings bestehe in einigen Punkten noch Nachbesserungsbedarf. Dabei geht es auch um die finanzielle Belastung, die auf die Veranstalter zukommen könnten. DRV-Hauptgeschäftsführer Dirk Inger sagte:

Die Reisewirtschaft liegt seit über einem Jahr Corona-bedingt am Boden. Reisen konnten und können so gut wie nicht verkauft werden, die wirtschaftlichen Einbußen sind immens. Die Markterholung wird länger dauern, da die Pandemie weiter zu umfassenden Reisebeschränkungen führt. Deshalb ist Augenmaß gefragt, welche Mehrbelastungen für die Unternehmen der Reisewirtschaft tragfähig sind. Reisen müssen bezahlbar bleiben, ansonsten verlieren wir die Vielfalt der Urlaubswelt.

Dirk Inger, DRV-Hauptgeschäftsführer – Foto: Wyrwa/DRV

Der DRV fordert deshalb die Implementierung einer Hochlaufphase von sieben statt fünf Jahren mit einem Bürgschaftsprogramm des Bundes. Aufgrund der Pandemie sei aktuell nicht absehbar ist, deshalb müsse vorübergehend ein Bürgschaftsprogramm den neuen Fonds unterstützen. Gleichzeitig besteht die Forderung auf Senkung des Entgelts pro Reise auf 0,6 Prozent. Auch so könnte das vorgesehene Kapital der Versicherung von 900 Millionen Euro innerhalb von sieben Jahren erwirtschaftet werden. Weiterhin diene dieses Kapital ausschließlich der Absicherung der Reisenden. Deshalb sei es sachgerecht, den Reisesicherungsfonds nicht zu besteuern. Gleichzeitig müsse es die Chance kleine und mittlere Reiseveranstalter (Umsatz bis 10 Millionen Euro pro Jahr) geben, zwischen dem Absicherungsfond oder einer bisher üblichen Versicherung zu wählen.

Schleswig-Holsteins Modellprojekte

Weiter warten auf Restart. Neustadt/Holstein (Lübecker Bucht)

Die Bemühungen des Nordens stehen unter einem schlechten Stern. Jetzt hat auch die „Innere Lübecker Bucht“ den Öffnungstermin 26. April wieder gestrichen. Ein neuer Termin, so die Tourismusinfos sei nicht bekannt, da sich die Inzidenzwerte der 100er Marke näherten. Diese Regelung ist nicht Folge des neuen bundeseinheitlichen Infektionsschutzgesetzes, sondern galt auch vorher schon. Auch vorher hatten die Gesundheitsämter das Recht, die Modellprojekte beim Überschreiten der 100er Grenze oder einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems abzubrechen.

Tirol verlängert

Wegen wachsender Infektionszahlen verlängert das österreichische Bundesland Tirol die „Ausreiseregelung“. Eigentlich wäre die Verpflichtung zur Vorlage eines negativen Corona-Tests Morgen ausgelaufen. Die Landesregierung hat sie jetzt bis zum 5. Mai verlängert.

Trotzdem will die Bundesregierung in Wien heute über mögliche Öffnungen in der Alpenrepublik beraten.

Portugal zögert

Noch ist ein erneuter Restart für den Tourismus in Portugal nicht sicher. Zunächst hat jetzt die Regierung die Einreisesperre für touristische Einreisen bis zum 30. April verlängert.

Madeira, Porto Santo und die Azoren sind von dieser Regelung ausgenommen. Das Auswärtige Amt warnt allerdings wegen steigende Infektionszahlen vor touristischen Reisen dorthin, sowie an die Algarve.

Balearen lockern

Foto: Finca Predio Son Serra / Mallorca

Die Regionalregierung der Balearen hat weitere Lockerungen beschlossen, die ab Morgen gelten sollen. Die weiter existierende Sperrstunde beginnt dann erst um 23 Uhr.

Restaurants können nicht nur bis 17 Uhr öffnen, sondern dürfen Gäste jetzt von Montag bis Donnerstag zusätzlich zwischen 20 Uhr und 22 Uhr 30 bewirten. Es bleibt bei der ausschließlichen Öffnung der Außengastronomie. Die Plätze dort dürfen jetzt aber wieder voll ausgelastet werden. Weiterhin gilt die Regel, dass sich im Freien maximal sechs Personen treffen dürfen.

Um zu ausgiebiges Feiern zu unterbinden müssen Bars, Cafés und Restaurants aber zwischen 17 Uhr und 20 Uhr schließen. Deshalb bleibt es auch bei der Schließung um 17 Uhr an den Wochenenden.

Die Öffnung von Geschäften wurde um eine Stunde auf 21 Uhr verlängert.

Kreuzfahrtstreichungen

Kreuzfahrt-Krise (Symbolbild) – Foto: Cunard Cruises

Die italienische Reederei Costa Crociere hat, aufgrund der unsicheren Planungssituation, alle Nordeuropareisen für den Sommer 2021 gestrichen. Betroffen davon sind auch die geplanten Abfahrten ab Bremerhaven gen Norden.

Stattdessen konzentriert man sich auf Mittelmeerreisen. Dort sollen insgesamt vier Schiffe zum Einsatz kommen, je zwei für den östlichen und zwei für den westlichen Mittelmeerraum. Neu ist auch die Planung, die Aufenthalte in den angefahrenen Häfen zu verlängern und den Gästen damit ein entspannteres und vielfältigeres Ausflugsprogramm zu bieten.

Florida und Alaska klagen

Port Everglades: In dauerhafter Konkurrenz mit „Port Miami“
Kreuzfahrthafen Port Everglades / Ft. Lauderdale – D-RR Archivbild

Die von der sogenannten „No Sail Order“ der amerikanischen Gesundheitsbehörde wirtschaftlich besonders betroffenen Bundesstaaten Florida und Alaska wollen diese Anordnung gerichtlich aufheben lassen.

Alaskas Governor, Mike Dunleavy fordert die Chance auf Tourismus und wirtschaftliche Erholung. Die Kreuzfahrtindustrie sei für die Wirtschaft Alaskas überlebenswichtig. Er bezifferte, nach Informationen der Tageszeitung „USA today“ den wirtschaftlichen Schaden für 2020 auf drei Milliarden Dollar.

Gebeco und Futouris: Aktive Hilfe in Namibia

Trotz der anhaltenden Krisensituation und den damit einhergehenden Sparmaßnahmen, halten Gebeco-Reisen und Futouris an ihrem Hilfs-Projekt im Norden Namibias fest. Das Ziel des langfristig angelegten Projekts ist es, 15 Familien einer Khwe-Gemeinde dabei zu unterstützen, ihre kulturelle Identität zu wahren und Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.

Im Fokus des Projekts steht der Aufbau eines „Cultural Villages“ als zentrales Schulungs- und Besucherzentrum, mit dem die Khwe ihr einzigartiges Wissen erhalten und gleichzeitig ein stabiles Einkommen generieren können. Corona und das Ausbleiben von Touristen behindern jedoch die Fertigstellung des fast fertiggestellten „Lebenden Museums“.

Nachdem Gebeco zuletzt Hilfsgüter geliefert hatte, um das unmittelbare Überleben der Gemeinde zu sichern, legten die Khwe-Familien inzwischen Beete zur Selbst-Versorgung an und umzäunten diese. Denn speziell Elefanten plündern immer wieder Äcker, zerstören Anlagen und Gebäude und verunreinigen Wasserquellen. In Workshops hatte Futouris die Dorfbewohner mit der „Friedlichen-Wildtier-Abwehr“ vertraut gemacht.

Hilfe für ein Khwe-Dorf in Namibia – Foto: Living-Culture-Foundation-Namibia

Projekt Wasserleitung

Alle am Projekt Beteiligten haben zusätzlich ein Wasserleitungsprojekt in Angriff genommen. Bisher muss Wasser für den täglichen Bedarf mit Eimern vom ein Kilometer entfernten Fluss geholt werden. „Da sich die Erde im Dorf sehr gut für den Ackerbau eignet, fehlen nur noch eine Wasserleitung, eine Solarpumpe und ein Tank, um eine nachhaltige Lebensmittelversorgung sicherzustellen“, betont Tatjana Peters, Projektkoordinatorin von Futouris. Gebeco-Reisen hat dafür, gemeinsam mit Futouris, einen Spendenaufruf gestartet, um die nötigen Maßnahmen umsetzen zu können. „Die ersten Spenden sind eingegangen und die ersten Vorbereitungen für die Errichtung der Wasserleitung haben begonnen“, berichtet Antje Rahn von ATC Namibia, die als lokaler Projektpartner die Arbeiten vor Ort koordiniert.

Michael Knapp, CCO von Gebeco versichert:

Dies ist eine harte Zeit für uns alle, aber gerade jetzt müssen wir den Menschen in unseren Reiseländern beistehen, damit wir nach Corona wieder gemeinsam auf Reisen kulturelle Vielfalt erleben dürfen. Unsere Reisewelt lebt vom kulturellen Austausch, von Vielfalt und dem Entdecken anderer Lebensweisen. Daher engagieren wir uns auch weiterhin für unsere weltweiten Hilfs-Projekte und unterstützen unsere Gastgeber.

Weitere Infos und Spendenmöglichkeiten gibt es HIER! zum Nachlesen

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