DRR Corona-News 27.03.20 – Kurzarbeit, Existenzangst und Streit um Gutscheine

Inland

Gutscheinstreit

Es gibt immer noch keine verbindliche Entscheidung in Sachen Gutschein oder Rückzahlung bei gebuchten Pauschalreisen oder Reisepaketen. Jenseits der Diskussion mit der EU wird genau die Gutschein-Regelung inzwischen bereits von Belgien, Italien und den Niederlanden praktiziert. Die große Unbekannte der Gutscheine ist die ungeklärte Absicherung dieser Gutschriften im Falle einer Veranstalterinsolvenz. 130.000 Touristiker haben sich der Aktion des Deutschen Reiseverbands (DRV) angeschlossen und fordern die Einführung der Gutschein-Regelung.

Kurzarbeit

Immer mehr Wirtschaftsbereiche gehen in Kurzarbeit. Die Reisebranche sei dabei überproportional vertreten, erklärte heute DRV-Präsident Norbert Fiebig. Er kritisierte dabei auch, dass versprochene Hilfsleistungen bei 90 Prozent der Antragsteller bisher ausgeblieben sind. – Den Kleinen in der Branche nutzt es wenig, wenn die Milliardenzahlung an die TUI quasi eingetütet ist. Kleine und mittlere Veranstalter sind stärker und schneller von der Insolvenz bedroht. Heute Nachmittag hat jetzt auch DER-Touristik Kurzarbeit angekündigt.

Foto: TUI

TUI hat Probleme mit der Insolvenzversicherung. Bis 28. April braucht der Reisekonzern einen neuen Kundengeld-Versicherer, sonst muss er sein Geschäft einstellen. Dies sei kein Problem und werde zeitnah erledigt, hieß es aus Hannover, nachdem das Handelsblatt über die Schwierigkeiten berichtet hatte.

Ausland

Spanien verlängert das großflächige Ausgangsverbot zunächst bis zum 11. April. Restaurants und Hotels bleiben ebenfalls bis mindestens zu diesem Datum geschlossen.

Thailand hat gestern, im Zuge der Corona-Krise, seine Grenzen für Ausländer geschlossen.

Luftverkehr

Lufthansa und Eurowings führen neue Abstandsregeln bei Flügen ein. Das, was bisher auf Kurz- und Mittelstrecken den Business-Class Passagieren vorbehalten war, gilt in der gesamten Kabine: Der Mittelplatz bei Dreierreihen bleibt frei. Damit will man für etwas mehr Abstand sorgen, auch wenn die Abstandsregel von 1 Meter 50 in der Luft natürlich illusorisch ist. Bemerkung der Redaktion: Dieses großzügig wirkende Angebot wurde hauptsächlich durch die geringe Auslastung der verbliebenen Flüge möglich. – Auf Langstrecken gilt dieser Luxus nicht.

Die Übernahme des Ferienfliegers Condor durch die polnische PGL-Gruppe schien unter Dach und Fach. Der Spiegel meldet heute, dass PGL, die Muttergesellschaft der polnischen LOT, jetzt neue Bedingungen stellt, die den endgültigen Abschluss in letzte Minute gefährden könnten. (siehe auch hier) Wie kritisch die Situation ist, lässt sich auch daraus ableiten, dass weder PGL, noch Condor und auch das Wirtschaftsministerium nicht bereit sind, einen Kommentar dazu abzugeben.

Im Bereich der Luftfahrt gibt es eine Leitlinie der EU-Kommission, die das generelle Ausstellen von Gutscheinen für annullierte Flüge nicht gestattet.  Diese Regelung besagt, dass Fluggesellschaften Kunden auch im Zuge der aktuellen Krise die Kosten erstatten oder sie anderweitig befördern müssen. Die Wahl zwischen Umbuchung und Erstattung habe der Fluggast.

Kreuzfahrt

Die Gäste der Artania, das immer noch vor der australischen Westküste liegt, dürfen nach Hause fliegen. Die Genehmigung der Behörden liegt vor. Der Heimflug ist für Sonntag geplant.

Bus und Bahn

Eine Umfrage des BDO unter seinen Mitgliedern ergab, dass etwa ein Drittel aller Busunternehmer noch ein Finanzpolster für etwa drei bis vier Wochen hat. Eine komplette Transportbranche, auch jenseits des Tourismus, ist hier existenziell bedroht.

Die Deutsche Bahn geht für 2020 nicht nur von weniger Fahrgästen, sondern auch von erheblich weniger Einnahmen und geringerem Gewinn aus. Das sagte heute DB-Vorstandsvorsitzender Richard Lutz.

Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn AG – Foto: Oliver Lang / Deutsche Bahn

 

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