DRR Corona-News 28.04.20 – Verlustrechnungen & Neustarthoffnungen

Umsatz schlecht: Reisebüros nach wie vor unter Druck

Doch „Nationaler Alleingang“ bei Reisegutscheinen?

Das vermeintliche Aus für Reisegutscheine statt Rückzahlung ist noch nicht vom Tisch. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, erklärte, notfalls einen nationalen Alleingang anschieben zu wollen. Er erklärte in einer Pressekonferenz, dass er sich mit seinen europäischen Kollegen zwar abstimmen wolle. Notfalls müsse dann aber eine nationale Lösung in Angriff genommen werden. Gleich welche Lösung geschaffen werde, müsse sie für den Verbraucher Rechtssicherheit garantieren.

Auch für einen europäischen Neustart des Tourismus bedürfe es einer Abstimmung mit einheitlichen Regeln.

Cash oder Gutschein – Die Diskussion geht weiter

Incomingtourismus – Deutschland

Petra Hedorfer, Chefin der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) stellte in einer Präsentation fest, dass von Mai bis August, durch das Fehlen ausländischer Touristen, etwa 28 Millionen Übernachtungen nicht stattfinden werden. Große gestrichene Kulturevents, wie die Bayreuther Festspiele und die Passionsspiele in Oberammergau oder das ausfallende Oktoberfest, dürften die Situation zusätzlich verschärfen.

Petra Hedorfer

Neustartplanungen in Inland

Getragen von der Hoffnung, dass in diesem Sommer zumindest Inlandsurlaub möglich sein könnte, gibt es die ersten Überlegungen für eine Realisierung. Die ersten Überlegungen laufen darauf hinaus, dass zuerst der Urlaub in Ferienhäusern und –wohnungen ermöglicht werden könnte. Das sieht zum Beispiel ein erstes Konzept des Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern vor. Die Konzepte für die Wiederöffnung von Hotels seien in der Planung, aber es müssten auch hier einheitliche Regelungen geschaffen werden.

Kunden müssen sich darauf einstellen, dass sie besondere Hygieneauflagen bei Hotelaufenthalten berücksichtigen müssen. Auch der Abschied vom geliebten Frühstücksbüffet ist vorprogrammiert. Stattdessen wird es vermutlich einen persönlichen Service am Tisch geben. Für Strandaufenthalte müssen Abstandsregeln entwickelt werden. Gleichzeitig bedeutet dies, dass eine bisher sommerübliche Strandfülle undenkbar sei.

Strandurlaub auf Abstand? – Heringsdorf/Usedom

Der Deutsche Tourismusverband geht offensichtlich zurückhaltend vor. DTV-Präsident Reinhold Meyer erklärte gestern, dass eine Rückkehr zur Normalität noch lange dauern werde. Zum Beispiel werde Tagestourismus, seiner Einschätzung nach, frühestens im Spätsommer wieder möglich sein. In Sachen Strandurlaub appelliert Meyer auch an die Vernunft von potentiellen Gästen und Gastgebern. Meyer sagte in einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND):

„Wenn man überzieht, gefährdet das den Tourismus in ganz Deutschland. Neue Schließungen wird die Branche nicht durchhalten.“  

Meyer beziffert den Schaden für den Deutschlandtourismus in den Monaten März und April auf 24 Milliarden Euro.

Waginger See

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte gestern in einer Videoschalte des CSU-Parteivorstands, er hoffe auf eine „langsame Wiederöffnung“ in der bayerischen Gastronomie ab Ende Mai. Selbstverständlich sei diese Planung von der Entwicklung der Corona-Infektionen abhängig.

Neustartplanungen im Ausland

Die Kanarischen Inseln sehen sich in Sachen Neustart in einer Ausnahmeposition, die durch die geografische Lage bedingt sei. Allerdings gehen die Touristiker auch dort davon aus, dass eine eventuelle Öffnung im Laufe des Sommers vermutlich nur spanische und kanarische Gäste akzeptiert werden könnten. Auch richte sich die Öffnung nach regionalen Situationen. Inseln mit sehr wenigen Covid-19-Infektionen werden vermutlich zuerst das Geschäft wiederaufnehmen dürfen. Hierro und Gomera stünden demnach in der Pole-Position. Die Initiative ist nachvollziehbar, hängt doch das Bruttoinlandsprodukt der Kanaren zu rund 40% vom Tourismus ab.

Hoffnung auf Neustarts auf den Kanaren und in Griechenland: Hier Kato Zakros, Kreta

Der griechische Tourismusminister Harry Theoharis hofft auf einen Neustart des Tourismus im Juli. Allerdings hänge dies natürlich von den aktuell noch bestehenden Reisebeschränkungen ab.

Luftfahrt

Nach dem Flughafen in Frankfurt schließt jetzt auch der Airport in München ein komplettes Terminal. Wegen der Reisebeschränkungen und der folgenden drastischen Reduzierung des Flugangebots wird die Passagierabfertigung im Terminal 1 ab Morgen bis auf Weiteres eingestellt. Sämtliche Abflüge und Ankünfte werden ab diesem Zeitpunkt über das Terminal 2 abgewickelt.

Aufgrund der geringeren Nachfrage baut SAS insgesamt 5.000 Stellen in Schweden, Norwegen und Dänemark ab.

SAS reduziert Personal

Aus den gleichen Gründen wird auch die polnische Ryanair-Tochtergesellschaft Buzz die Zahl ihrer Piloten reduzieren. Die zahlenmäßige Dimension ist noch nicht bekannt.

Das Management von Norwegian hat Zukunftsplanungen bekanntgegeben. Erst im März 2021 rechnet man wieder mit zunehmendem Betrieb. Bis dahin soll es einen stark reduzierten Flugplan mit Kurzstreckenverbindungen geben. Die Perspektive lautet: Deutlich kleinere Flotte und Konzentration auf Skandinavien. Erst 2022 rechnet man wieder mit so etwas wie Normalbetrieb.

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