DRR News 21.09.20 – Söder warnt / EU plant / LH strukturiert / Ryanair spart / In eigener Sache

Corona-Entwicklungen bedenklich – auch im Inland

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat heute Vormittag vor einer weiteren Verschärfung der Infektionslage gewarnt. Er äußerte sich zusammen mit dem Münchner Oberbürgermeister Reiter zu den steigenden Infektionen, insbesondere in der Landeshauptstadt. Als Risiko sieht er weniger, die sogenannte „Wirtshaus-Wiesn“ als die Zusammenkünfte zu privaten Feiern im öffentlichen Raum. Man wolle morgen im bayerischen Kabinett über mögliche Einschränkungen entscheiden. Dazu gehörten auch das Alkoholverbot und eine Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen, wenn der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden könne. In den Medien gab es am Wochenende wieder zahlreiche Fotos von eng zusammenstehenden Menschen, ohne Maske; beispielsweise auf dem Münchner Viktualienmarkt. Hotspots in Bayern sind, neben München, zurzeit auch Würzburg und Kulmbach.

Bedenken äußerte Söder auch in Sachen Fußball und forderte Bayern-Fans auf, noch einmal über die, beschränkt mögliche, Anreise zum „Super-Cup-Spiel“ in Budapest nachzudenken. Die Stadt gilt derzeit als Risikogebiet. Man müsse ein „Fußball-Ischgl“ als Superspreader-Event unbedingt vermeiden. In diesem Zusammenhang dachte Söder auch über eine Änderung der Quarantäneregelungen nach. Bisher gelten diese nicht für Reisende, deren Aufenthalt im Risikogebiet 48 Stunden nicht überschritten hat. Eine Testpflicht besteht.

Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn hat am Wochenende, in einem Gespräch mit der Rheinischen Post seine Bedenken zu Reisen in Risikogebiete noch einmal bekräftigt. Die Infektionszahlen in unsren unmittelbaren Nachbarländern lägen teilweise achtmal so hoch wie im Inland. Er sei sich bewusst, dass dies insbesondere der Reiseindustrie schade, die zusätzliche Infektionsgefahr durch Reiseheimkehrer müsse aber unbedingt vermieden werden.

EU-Kommission arbeitet an gemeinsamen Regeln

Der Traum von gemeinsamen Regeln

In Sachen Flickenteppich bei Reisewarnungen will man vorankommen. Eine gemeinsame europäische Datenbank zum Infektionsgeschehen soll dafür der erste Schritt sein. Ob dies zielführend und vor allem schnell realisierbar ist, sei dahingestellt. Immerhin soll es jetzt vor der Einführung von reiseeinschränkenden Maßnahmen innerhalb Europas eine Vorwarnzeit von mindestens 24 Stunden geben.

Gemeinsame Regelungen und Entscheidungen sind aber offensichtlich weiterhin in großer Ferne.

Hoffnung für Ägypten?

Die Regierung in Kairo hofft auf das Fallen der deutschen Reisewarnung nach dem 1. Oktober. Parallel hat man damit begonnen, die Wiederaufnahme von Nil-Flusskreuzfahrten vorzubereiten. Damit soll auch ein politisches Signal gesetzt werden.

Argentinien verlängert Ausgangssperre

Die seit einem halben Jahr gültige Ausgangssperre in Argentinien ist jetzt nochmal bis zum 11. Oktober verlängert worden. Das, was in den Anfangsmonaten gut geklappt hat, sei jetzt durch Disziplinlosigkeit in der Bevölkerung gefährdet, heißt es in der Regierungsentscheidung. Die Beschränkungen gelten für den Großraum von Buenos Aires und weitere Infektionsherde im Land.

Ende der Quarantänepflicht für Sardinien

Die vor fast zwei Wochen verhängte Quarantänepflicht bei der Ankunft auf der Insel ist von einem Gericht in Cagliari gestoppt worden. Die italienische Regierung hatte dagegen geklagt und recht bekommen. Weitere Einschränkungen, wie beispielsweise die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, bleiben erhalten. Das Urteil ist noch nicht endgültig.

Luftfahrt

Flottenspekulation bei Austrian

Wie das Internetportal Aerotelegraph Ende der letzten Woche berichtet, könnten die Sparmaßnahmen innerhalb der Lufthansagroup dazu führe, dass der kleinere Partner Austrian relativ schnell neue Flugzeuge bekommt. Beschlossen war ja schon die Ausmusterung der bis zu 25 Jahre alten Boeing 767. Jetzt schließt man auch den Typ 777-200 in Sachen Stilllegung nicht mehr aus.

Aus für die 777-200?

Ersatz könnten moderne Flugzeugmuster des Typs Boeing 787 (Dreamliner) werden. 20 Bestellungen wurden von Konzernmutter LH bereits vor der Krise getätigt. Wohin die Maschinen, unterschiedlicher Größe, gehen, ist aber noch nicht festgelegt. Damit könnte Austrian vergleichsweise schnell über neues sparsames Fluggerät mit der idealen Passagierkapazität verfügen.

Aus für 747-400 und A380?

Endgültig eingemottet? – A380 Foto: Lufthansa

Das „Aufräumen“ im Konzern geht weiter. In dieser Woche erwartet man die Entscheidung, was mit den Langstreckenmaschinen A380 und Boeing 747-400 werden soll. Beiden Großflugzeugtypen droht derzeit die Ausmusterung. LH will sie vermutlich mit kleineren Maschinen vom Typ A350 ersetzen.

Hoffnung der Zukunft? – A350  Foto: Lufthansa

Lufthansa „Ocean“

Was sich jetzt schon in den Ankündigungen für den Flugplan abzeichnet, soll auch konzerntechnisch in eine eigene Firma gegossen werden. Ähnlich wie vor Jahren bei der Konstruktion „Jump“ will LH ab nächstem Jahr eine eigene interne Gesellschaft dafür gründen, die Urlaubsflüge durchführt. 15 neue Flugziele wurden bereits angekündigt.

Das Projekt heißt „Ocean“ und soll mit drei Maschinen starten. Gedacht ist an die Langstreckenmaschinen der liquidierten Sun Express-Deutschland, die mit A330 Fernverbindungen für Eurowings durchführte.

Das Echo des fliegenden Personal spricht nicht für Begeisterung. Soll doch für die zunächst geplanten 300 Stellen für Piloten und Flugbegleiter ein völlig anderes Tarifsystem in der Bezahlung gelten. LH bietet diese vermeintlich neuen Jobs, den Mitarbeitern, die bisher für Germanwings und Sun Express-Deutschland geflogen sind. Diese beiden Gesellschaften werden vom Markt verschwinden. Unter dem Dach der Marke Lufthansa, würden dann die ehemaligen Mitarbeiter neu, aber zu schlechteren Tarifbedingungen eingestellt.

Für Kunden wird nicht klar sein, ob sie in einer Maschine von „Ocean“ sitzen. Alle Urlaubsflüge sollen unter dem Logo von Lufthansa durchgeführt werden.

Ryanair muss weitersparen

Gürtel enger als gedacht – Foto: Ryanair

Der irische Billigflieger kommt nicht so ungeschoren durch die derzeitige Airline-Krise, wie CEO Michael O’Leary noch vor Monaten verkündete. Die Gesellschaft wird die Zahl ihrer Flüge im Oktober noch weiter reduzieren. Die Kürzung wird wohl bei etwa 20 Prozent liegen.

Über die Gründe ist Ryanair ausnahmsweise einig mit den großen europäischen Netz-Carriern. Die ständig wechselnden Reisebedingungen und –Einschränkungen innerhalb der EU, seien Gift für das Fluggeschäft. Insbesondere die sich ständig ändernden Quarantäneregeln seien Gift für den Verkauf von Flugtickets. Ein Großteil der Kundschaft, würde im Moment nicht reisen, da am Ziel eine entsprechende Isolation von bis zu zwei Wochen warte.

In eigener Sache

Wie vielleicht bekannt, ist das Deutsche Reiseradio eine „One Man Show“.  Ab morgen bin ich unterwegs für Recherchen und ein paar Tage Ruhe an der Ostsee. Deshalb wird es die nächsten Reiseradio-News erst am 5. Oktober wieder geben.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Das aber hängt vom Grad der Aktualität und Relevanz ab. Selbsteredend berichtet das DRR bei außergewöhnlichen oder bahnbrechenden Neuigkeiten aus der Welt des Reisens.

Ich bitte um Verständnis. Bitte bleibt dem Reiseradio gewogen!

Heute wird auch noch ein neuer Podcast folgen und dann ist erst einmal Pause.

Im Übrigen bin ich dankbar für jede Form der Weiterempfehlung. Zugriffszahlen sind schließlich die Währung des Erfolgs, wenn schon sonst kaum etwas zu verdienen ist.

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