DRR129 – UNESCO-Welterbe „Montanregion Erzgebirge“ – Ein Besuch in Freiberg

„Hurra, wir sind Welterbe“, klang es am 6. Juli aus dem Erzgebirge. Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří konnte sich in die Welterbeliste der UNESCO einreihen. Lange hatte man gehofft, viel dafür investiert. Die Freude ist berechtigt.


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UNESCO Welterbe „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“

Welche Geschichte steckt hinter dem UNESCO-Titel? Der Bergbau, der über Jahrhunderte die Wirtschaft der Region prägte. Die ersten Silberfunde liegen ca. 850 Jahre zurück, sorgten für Zuwanderung und zwischenzeitlichen Wohlstand. Das hielt natürlich nicht ewig. Allerdings: Viele Dinge, die das Erzgebirge heute auch berühmt machen, vom Schnitzen bis zum Klöppeln, gäbe es nicht, wenn ehemalige Bergarbeiterfamilien nicht gezwungenermaßen nach neuen Erwerbsquellen Aussicht gehalten hätten. – Heute kann man zurecht stolz auf diese Auszeichnung sein, für die sich sinnvollerweise zwei Regionen in Deutschland und Tschechien zusammengeschlossen haben.

Besucher- und Forschungsbergwerk „Freie Zeche“ in Freiberg

850 Jahre Entdeckung der ersten Silbervorkommen, 800 Jahre Bergbau. Das ist eine der großen Geschichten des Erzgebirges. Stammhörer und -leser erinnern sich. Ich war kürzlich im Erzgebirge und natürlich war der, im Mai noch ausstehende, Welterbetitel ein wichtiges Thema. Darüber reden wir heute beim Besuch der Silberstadt Freiberg und natürlich fahren wir auch in eine Zeche ein.

Besucher- und Forschungsbergwerk „Freie Zeche“ in Freiberg

Hängebank: Gleich fahren wir ein in die „Reiche Zeche“

Bergwerke und Untertagebau findet man an sehr vielen Stellen des Erzgebirges. Vor allem in der Silberstadt Freiberg am Fuße des Erzgebirges hat der Bergbau seine Spuren hinterlassen. Wir waren im Untertagebau der „Reichen Zeche“ in Freiberg. Ein Besuch dauert etwa zwei Stunden. Diese Zeit muss man sich nehmen, wenn man in der Silberstadt, wie sich Freiberg nennt, zu Besuch ist. Die „Reiche Zeche“ ist heute Forschungs- und Lehrbergwerk der „TU Bergakademie“.

Reiseradioreporter im „Bergbau-Outfit“

„Reportereinsatz“ unter Tage. Im Podcast berichten wir von Bergbaugeschichte, den technischen und menschlichen Herausforderungen, dem Thema Sicherheit und natürlich auch von der Suchleidenschaft. Es ist auch von „Blenden“, „Silberlocken“ und Berggeistern die Rede. Auf einer Fläche von 5 auf 6 Kilometer erstreckt sich der Untertagebau, der seit 50 Jahren nicht mehr kommerziell genutzt wird. Heute geht es um die Erhaltung eines Industriedenkmals, die Forschung und auch um den Tourismus. – Ein ganz besonderes Erlebnis, das man nicht verpassen sollte. Gibt einem eine solche Einfahrt in den Berg doch einen Eindruck von der Anstrengung und der potentiellen Gefahr mit der Bergleute immer leben mussten und müssen.

Rechercheort 1. Sohle
Mit „Guide“ Lasse Eggersheim unter Tage
2 Stunden dauert die Tour bevor es vom Füllort wieder nach oben geht

Die „Silberstadt“ Freiberg

Freiberg: Schlossplatz

Freiberg ist heute Kreisstadt des Landkreises Mittelsachsen, hat ca. 42.000 Einwohner und bietet neben „Bergbau-Universität“ und Bergbau-Geschichte auch jede Menge Kultur und Attraktionen. Der Schlossplatz (mit Schloss versteht sich) ist ein guter Ausgangspunkt. Hier befindet sich auch die „Tourist-Info“.  – Wir laufen durch die Altstadtgassen zum Obermarkt mit dem frisch renovierten Rathaus. Besonderer Blicktipp: Die Glocken im Rathausturm aus Meißner Porzellan.

Freiberg: Obermarkt mit Rathaus

Beeindruckend auch das Älteste Stadttheater der Welt: Tolle Fassade, renovierter Innenraum mit 315 Sitzplätzen, zwei Galerien inklusive. Privat erbaut, privat umgestaltet und seit 1791 im Besitz der Stadt Freiberg.

Ältestes Stadttheater der Welt: Im Freiberger Besitz seit 1791

Der Spielbetrieb liegt heute in den Händen des Mittelsächsischen Theaters. Das Repertoire reicht von Oper über Musical und Schauspiel bis zu Konzerten. Rund 600 Aufführungen pro Jahr warten auf Besucher.

Dom und Silbermann

Der Freiberger Dom, bekanntestes Baudenkmal der Stadt, heute Heimat der Ev.-Lutherischen Domgemeinde. Die spätgotische Hallenkirche glänzt nicht nur durch ihre Helligkeit, sondern vor allem wegen der vielen Kunstschätze, allen voran das „Goldene Tor“, das noch älter als das Bauwerk selber ist. Es stammt aus der abgebrannten romanischen Kirche, die an dieserStelle stand.

Die Freiberger Domkirche
Große Kunst: Die „Goldene Pforte“

Im Podcast berichten wir über die Kirche, ihre Kunstschätze und ganz besonders über die Orgel und ihren Baumeister Gottfried Silbermann. Domkantor Albrecht Koch erzählt im Reiseradio-Interview, warum er so glücklich darüber ist, gerade Domkantor in Freiberg zu sein. Er erzählt vom genialen Orgelbauer Gottfried Silbermann, dem „Stradivari“ oder auch dem „Ferrari“ des Orgelbaus. Vier seiner Orgelbauten finden sich heute noch in Freiberg, davon zwei im Dom.

Die „Große“ Silbermannorgel

Dessen Genialität habe man es auch zu verdanken, dass die „Silbermann Tage“ alle zwei Jahre dafür sorgten, dass die „Creme de la Creme“ der Organisten nach Freiberg komme. Koch ist künstlerischer Leiter des alle zwei Jahre stattfindenden Musikfestivals. Es biete inzwischen eine ganz eigene Programmgestaltung, die weit über Orgelkonzerte hinausgehe, sagt Koch und erzählt auch vom Programm des diesjährigen Festivals. Die Karten seien begehrt. Noch gibt es welche, auch für große Konzerte der Silbermann-Tage 2019 vom 4. bis 15. September.

Der Freiberger Dom ist einer von zahlreichen Spielorten der „Silbermann-Tage“

Bergbautradition in Freiberg

Die Stadt sei eng mit dem Bergbau und seiner Geschichte verknüpft, erzählt Carolin Zimmermann vom Freiberger Stadt-Marketing im Podcast. Zweimal im Jahr finde auch noch immer eine Bergparade statt: Zum „Bergstadtfest“ im Juni und zum „Freiberger Christmarkt“ am Samstag vor dem 2. Advent. Besonders stolz ist sie auf die Tatsache, dass der bergmännische „Christmarkt“ inzwischen zur Top 10 der deutschen Weihnachtsmärkte gehört. Dieses Jahr findet er vom 26. November bis 22. Dezember statt und sorgt mit für die touristische Hauptsaison im Erzgebirge.

Innenhof des Freiberger Schlosses mit dem Eingang zur „Terra Mineralia“

In Sachen Bergbau, Mineralien und Edelsteine gibt es in Freiberg noch eine wichtige Adresse. Die „Terra Mineralia“ ist eine Top-Sammlung von Mineralien und edlen Steinen aus Privatbesitz. Natürlich haben wir uns dort auch umgehört und Spannendes erfahren. Allerdings: Die Ausstellung muss man sehen nicht hören. Rund 3.500 Mineralien, Edelsteine und Meteoriten warten dort; auch ich konnte mich der Faszination nicht verwehren.

Terra Mineralia: Faszinierende Ansichten
Terra Mineralia mit „Katzengold“ und „Silberlocken“ (höre Podcast)

Freiberg, Sachsen und das Image

Freiberg ist schön, Freiberg hat sich rausgeputzt, Freiberg macht was her, Freiberg ist Hochschulstadt mit immerhin 4000 Studierenden und einer Ausbildungstradition von über 250 Jahren. Freiberg ist einen Besuch wert, nach dem verliehenen UNESCO-Welterbetitel erst recht. Die wirtschaftliche Lage ist inzwischen recht gut. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,8 Prozent, der Anteil von anerkannten Flüchtlingen und Asylbeantragenden bei 3 Prozent (1.300 von 42.000 im Jahr 2018). Der Stimmenanteil der AfD bei den Stadtratswahlen im Juni erreichte 21,7 Prozent; damit ist sie größte Fraktion im Stadtparlament. – Kommentar: keiner!

Trotzdem sage ich mit Überzeugung über meinen Tag in der Silberstadt Freiberg: Es gibt viel zu sehen, zu erleben und zu hören. Die Altstadt ist wunderschön. Freiberg gehört auf die „Bucketlist“ der Deutschlandreisen, am besten gleich für mehrere Tage.

Attraktive Altstadt

Information & Links:

Erzgebirge Tourismus

Freiberg Tourismus

Silberbergwerk „Reiche Zeche“

„Terra Mineralia“ – Freiberg

Silbermann-Tage (Musik-Festival)

Hinweis:

Die Recherche zu diesem Reiseradio-Podcast wurde unterstützt von Erzgebirge-Tourismus. Diese Unterstützung hat keinen Einfluss auf eine unabhängige Berichterstattung.

 

 

 

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