DRR136 – „Vorweihnacht im Arzgebirg“

Ja, ich war im Erzgebirge, ja ich war an allen Plätzen, von denen heute die Rede sein wird, ja ich habe alle Töne vor Ort aufgenommen. Nein, ich war nicht in der Vorweihnachtszeit dort. Deshalb kann es auch keine Bild- und Szeneriebeschreibungen über Weihnachtsmärkte und romantische Stimmung geben. Trotzdem hören wir uns um zum Thema Hochsaison im Erzgebirge. Und diese Hochsaison beginnt spätestens nach Totensonntag. Im Advent und der Vorweihnacht ist die Region von jeher gefragt.

Hilfsmittel „Schnee im Mai“

Stimmung passte: Schnee im Mai

Was das Thema Weihnachten betrifft, hatte ich, trotz des ersten Maiwochenendes, Glück im Unglück, denn an dem Tag, an dem fast alle Aufnahmen entstanden, brach ein Tief übers Erzgebirge herein. Im Tal hat es wie aus Eimern geregnet, weiter oben kamen dicke Schneeflocken vom Himmel.Schnee im Mai braucht eigentlich niemand. Mir hat es sehr geholfen, mich in die Stimmungslage zu versetzen.

Erster befahrbarer Weihnachtsmarkt Deutschlands

Im Mai hat Anke Eichler noch geträumt. Wie schön wäre esdoch, wenn man mit der Weisseritztalbahn alle Bahnhöfe auf der Strecke zu einem befahrbaren Weihnachtsmarkt zusammenführte. Sie träumte auch von viel Schnee, als sie mir von einem ehrgeizigen Plan berichtete, der am ersten Adventswochenende nun tatsächlich stattfindet.

Die Dampflok der Weißeritztalbahn am Bahnhof in Kipsdorf

Knoten ins Taschentuch:

Samstag 30.11.19 von 12 bis 20 Uhr und Sonntag 1.12.19 von 10 bis 20 Uhr.

Die Bahn startet in Freital-Heinsberg. Das gesamte Weißeritztal verwandelt sich in eine große Advents- und Weihnachtslandschaft, riesige Pyramiden inklusive. An der Endstation in Kipsdorf dreht sich zudem Alles um den Wintersport im Erzgebirge.

Handwerkskunst mal modern – Köhler machts möglich

Hier musst Du hin, hatte man mir gesagt, wenn es um die etwas andere erzgebirgische Handwerkskunst geht. „Köhler Kunsthandwerk“ im Goetheweg 4 in Eppendorf. Der Chef Björn Köhler war leider nicht zuhause aber seine Frau Peggy, füllte dieses überraschend aufgetretene Vakuum spielend. Björn sagte sie mir, startete mit eigenen Ideen durch und jetzt machen wir das schon dreißig Jahre lang auf ganz eigene Weise. Es ist eine Erfolgsgeschichte die steinig begonnen hat, erzählt Peggy Köhler im Podcast. – Die Produkte können sich aber sehen lassen und sind inzwischen weltweit bekannt. Eindrücke gefällig?

Typisch Köhler: Fröhliche Weihnachtsmänner mit langem Kinn
Für jede Jahreszeit: Die „Eierköppe“
Handwerkskunst in Kleinerie: Die Schlitten stehen bereit für den Weihnachtsmann

Bei Köhlers ist alles Saisongeschäft. Wer vor Ort einkaufen möchte. Der zur Manufaktur gehörende Laden hat täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet, samstags außerhalb der Hochsaison nur bis 12 Uhr. Schnäppchenjäger, sagt Peggy Köhler noch zum Schluss, würden bei Ihnen nicht fündig. Gute Qualität und gerechte Löhne erforderten einen gewissen Preis. Recht so!

Handwerkskunst aus China?

Ja auch das gibt es, bestätigen mir die Annaberger Gästeführer Sieglinde Mynett und Matthias Enderlein. In den vielen Kunsthandwerksgeschäften der Stadt, mische sich immer wieder einmal Billigware aus Fernost. Sie drängen ihre Gäste dazu, immer auf das Herkunftslogo des Erzgebirges zu achten. Ohnehin erkenne man die geringere Qualität auf den ersten Blick.

Die Beiden haben in der erzgebirgischen Hochsaison viel zu tun. Führungen durch die Stadt und auf den Weihnachtsberg, wie Matthias sagt, seien gefragt. Alles zur Adventsstimmung und zum Annaberger Weihnachtsmarkt gibt es im Podcast.

Abendstimmung: Romantisches Annaberg

Der Annaberger Weihnachtsmarkt findet in diesem Jahr vom 29. November bis 23. Dezember statt. Wenn dann noch Schnee liegt, strahlt die St. Annenkirche, ganz oben auf dem „Weihnachtsberg“ umso prachtvoller auf die Straßen Annabergs und den Marktplatz. Ein Besuch in der prachtvollen Kirche, dem Bergmannsdom wie die Annaberger gern sagen, gehört zum Pflichtprogramm. Sylvia Schelter von der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde hat mich (Podcast) durch das Kleinod geführt.

Auf den „Weihnachtsberg“ zur St. Annen Kirche

Besonders bemerkenswert und wertvoll ist der Bergaltar der Kirche. Das Besondere daran ist die Tatsache, dass seine Rückseite nicht nur schöner, sondern auch wertvoller und ausdrucksstärker ist. Auf Gemälden begegnet man der kompletten Bergbaukultur und -geschichte der Region. Sehenswert!

Bergaltar der St. Annen Kirche

Fester Bestandteil des Besuchsprogramms sollte auch die „Manufaktur der Träume“ sein. Diedortige Sammlung geht, wie die „Terra Mineralia“-Ausstellung in Freiberg, auf die Sammlerin Erika Pohl-Ströher zurück. In Annaberg hat ihre Sammlung an Holzspielzeug und Kunsthandwerk eine dauerhafte Bleibe gefunden. – Ich war von der Ausstellung auch deshalb begeistert, weil ich das Foto von einer Bergparade machen konnte. Natürlich sind die Akteure sehr viel kleiner und aus Holz, aber sie marschieren genauso enthusiastisch wie die großen Bergmänner, auf ihren Paraden während der Adventszeit. (Nicht gesehen, aber hab ich mir sagen lassen.

Bergparade en miniature: Manufaktur der Träume in Annaberg

„Perle des Erzgebirges“ und Weihnachtsmarktromantik

Die Weihnachtsmärkte im Erzgebirge sind legendär, auch wenn sie in dieser Pracht erst seit 25 bis 28 Jahren wieder zelebriert werden. Der Freude tut das keinen Abbruch und dem Tourismus erst recht nicht.

Schwarzenberg ist auch so ein lohnenswertes Ziel, das wir im Podcast ausführlich vorstellen. Dies gilt übrigens zu jeder Jahreszeit. Ich habe die Stadt am nächsten Tag besucht. Der Himmel war wieder blau und der Ausflug mit der Erzgebirgischen Aussichtsbahn endete in Schwarzenberg. Das ist ein imposantes kleines Städtchen, in zwei Teilen. Hier gibt’s oben und unten. Unten entstand als oben auf dem in die Landschaft ragenden Felsen kein Platz mehr war. Das obere Schwarzenberg wird geschmückt von einer prachtvollen Burg, von einer wunderschönen Kirche, einem kleinen runden Marktplatz. Ganz wichtig: Hier ist nichts eben. Es geht immer bergauf oder bergab. Ute Florl vom Tourismusverband hatte mich mit dem Auto am Bahnhof abgeholt und mir damit den Aufstieg erspart. 

Krönt das „obere“ Schwarzenberg: Burg / Schloss mit Museum

Oben auf der Burg zeigte sie mir das interessante Museum „Perla Castrum“, das sich mit der wechselhaften Geschichte von Stadt und Region und natürlich auch sehr ausführlich mit Handwerkskunst beschäftigt. Hier war es immerhin möglich im Mai nicht nur Pyramiden, sondern auch Modelle der „Schibbögen“ anzuschauen.

Alte Handwerkstradition im Museum „Perla Castrum“
Traditioneller Schwibbogen mit der Darstellung von erzgebirgischer Bergbau- und Handwerkstradition

Wir laufen bergab und einem Herrn in imposanter Kleidung direkt in die Arme.

Der Türmer und Nachtwächter von Schwarzenberg

Gerd Schlesinger ist echter Türmer. Er legt großen Wert darauf, kein Gästeführer zu sein, der in eine Rolle schlüpft. Nichtsdestotrotz führte er mich durch das historische Schwarzenberg, berichtete von technischen Errungenschaften der Stadt und von einem Glockenspiel, mit Glocken aus Meißner Porzellan. Im Podcast kann man es hören und die Geschichte einer ganz besonderen Stadt erfahren. Dass die Schwarzenberger vor Jahren übrigens großen Wert darauf legten keine Sachsen zu sein, ist nur eine von vielen Dingen, die er auf Lager hat.

Der Weihnachts-Duft des Erzgebirges

Reden müssen wir auch noch über den Weihnachtsduft des Erzgebirges. Der entstammt dem „Weihrichkarzl“. Wer jetzt ratlos in die Gegend schaut, dem hilft vielleicht das Foto weiter.

Weihrichkarzl: Weihrauch und Kerze?

Man sieht, es hat nichtss mit Kerzen im eigentlichen Sinn zu tun. Räucherhütchen, Räucherkerzen oder auch Räucherstäbchen mag der „Hobby-Hippie“ noch aus den späten 1960er Jahren kennen. Die Tradition des „Weihrichkarzl“ ist viel älter. Jürgen Huss, Inhaber der „Weichrichkarzl-Schauwerkstatt in Sehmatal-Neudorf hat mir im Podcast genau erklärt, was es mit Entstehung, Herstellung und Duftauswahl auf sich hat. – Als ich in Neudorf zu Gast war, fielen gerade dicke Schneeflocken vom Himmel (nochmal: Wir reden über Mai) – Hof und Schauwerkstatt waren voll, es war gut geheizt und an den Fenstern der Werkstatt schwebten die Schneeflöckchen vorbei. Eine besondere Atmosphäre, die man nicht verpassen darf, wenn man Weihnachten im Erzgebirge, im wahrsten Sinn des Wortes, inhalieren möchte.

…und jetzt kräftig kneten und formen: Weihrichkarzlherstellung ist Handarbeit
Das Werkzeug stand bereit. Die Stimmung war fast wie im Advent.

Die Herstellung macht übrigens Spaß, auch wenn man anschließend eine Weile braucht, um die schwarzen Finger wieder sauber zu kriegen.

Es gäbe sicher noch viel mehr zu erzählen über die unterschiedlichsten Orte des Erzgebirges, weitere traditionelle Kunsthandwerksbetriebe, Weihnachtsmärkte und Bergparaden, die es zum Beispiel auch in Freiberg gibt. Aber ich war ja nur im Mai dort und habe ganz nebenbei etwas Vorweihnachtsstimmung eingefangen. Dank des erzgebirgischen Schneesturms am 4. Mai 2019 fiel das leicht. Touristiker werden natürlich sagen, das sei kein Ersatz fürs Original. Probiert es aus und sagt’s mir!

Information

Weihnachten erleben im Erzgebirge

Deutschlands erster befahrbarer Weihnachtsmarkt

Köhler – Kunsthandwerk

Weihnachtsmarkt in Annaberg

Manufaktur der Träume

Weihnachtsmarkt in Schwarzenberg

Weihrichkarzl kennenlernen

Schwibbogen am Schwarzenberger Rathaus

Hinweis:

Die Recherche zu diesem Reiseradio-Podcast wurde unterstützt von Erzgebirge-Tourismus. Diese Unterstützung hat keinen Einfluss auf eine unabhängige Berichterstattung.

 

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*