DRR58 Northern Arizona – Route 66, Grand Canyon und mehr

Wild, Wild West?

Tagestemperaturen von 40 Grad und mehr gehören in Arizona, im Südwesten der USA, zur Tagesordnung. Außer man verlässt die Metropolregion um Phoenix, Scottsdale oder auch Tucson und fährt gen Norden. Dort sinken dann die Temperaturen, aber nur, weil das Gelände ansteigt und Höhen von 2000 Metern durchaus normal sind.  Deshalb gilt für die Sommermonate: Arizona  nur im Norden! Da ist es tagsüber mit 30 Grad immer noch warm genug.

Die komplette Reiseradioshow gibt’s hier:

Arizonas Norden

Wer dort hinreist, wird an einer Stadt nicht vorbeikommen, denn sie liegt verkehrsgünstig an der Kreuzung von zwei großen Interstates. Und sie war auch schon in früheren Zeiten so etwas wie ein Verkehrsknotenpunkt. Flagstaff ist der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung, Historic Route 66, Grand Canyon oder auch Lake Powell inklusive.

Amerikas „Mother-Road“ – Route 66

Route66Sie war die erste durchgehende Straßenverbindung zwischen Chicago und Los Angeles. Allerdings darf man sich die „66“ nicht als Autobahn vorstellen. Sie bestand aus aneinander gereihten Betonplatten und ging von Ort zu Ort. Mehr als 200 Meilen pro Tag waren in den Zeiten der Inbetriebnahme nicht drin. Davon profitierten die Städte, insbesondere im Südwesten. Die Leute brauchten Tankstellen, Werkstätten, Läden und natürlich auch Übernachtungen. Die Orte entlang der Route 66 boomten, bis irgendwann die Interstates gebaut wurden und viele Städte in die Krise stürzten. – Ein paar Kilometer historische Route 66 gibt es auch rund um Flagstaff. Innerhalb der Stadt fährt man an vielen sehr alten, traditionellen Motels vorbei.

MuseumClub-FlagstaffEin Magnet an der „66“ von Flagstaff war der „Museum Club“, eine Mischung aus Tanzlokal, Restaurant, Bar und Nightclub. Der Laden hat sich bis heute gehalten und wir haben ihn natürlich besucht. – Insbesondere wenn man weiter nach Westen fährt, in Richtung Williams, findet man noch alte, teilweise ungeteerte Straßenabschnitte mit all der Nostalgie, die man von der 66 erwartet. Holzhäuser, alte runter gekommene Tankstellen und ein paar Diners. Es ist gewissermaßen die Zeitmaschine zurück in die 1920er Jahre.

Route 66 & Museum Club:

 

Back on Tracks – „The Train“ bringt Dich zum Grand Canyon

GrandCanyon RailwaysNoch mehr Nostalgie erwartet uns in Williams. Dort stehen das Depot und der Bahnhof der Grand Canyon Railway. 1901 eingeweiht, brachte sie Besucher und Touristen zum „South Rim“, dem südlichen Rand des Canyons. Zur Einweihung war das Angebot eine Revolution. Bis zum Ende der 1920er Jahre war der Zug das schnellste und sicherste Verkehrsmittel. Als dann Straßen gebaut wurden verlor die Bahn an Bedeutung. Sie hat sich aber gehalten: Als Touristenattraktion, die wir nicht verpassen wollten:

Grand Canyon Railway:

GrandCanyonDer Grand Canyon ist ein „Must See“ im Südwesten. Unendliche Weite, scheinbar unendliche Tiefe nach unten, grenzenlose Naturgewalt. Man kann das auf ganz unterschiedliche Weise wirken lassen, Ausflüge in den Canyon machen, an der Kante entlangwandern, oder einfach nur hinsetzen und schauen. Es lässt sich auch kaum nachvollziehen, dass das vermeintlich kleine Flüsschen da unten, der Colorado, im Lauf der Jahrtausende eine solche Schneise durch die Felsen gegraben haben soll. Der Canyon ist etwa 450 km lang, zwischen 6 und 30 km breit und bis zu 1800 m tief. Auf der gesamten Länge gibt es nicht eine Nord-Süd-Verbindung. Im Westen ist das Wasser des Colorado durch den Hoover Damm aufgestaut und die Staumauer bietet einen Straßenübergang.  Im Osten gibt es einen Übergang über die „Glen Canyon“-Staumauer bei Page.

Water Shortage – „Voll war gestern“ am Lake Powell

LakePowellDer Glen Canyon Damm staut den Colorado im nächsten Canyon und so entstand Amerikas zweitgrößtes Trikwasserreservoir. Der Lake Powell ist unwirklich groß. Er hat eine Gesamtküstenlänge von über 3000 Kilometern und bedeckt, in vollem Zustand eine Fläche von 653 Quadratkilometern mit etwas über 33 Millionen Kubikmetern Wasser. Am Damm beträgt die Wassertiefe 171 Meter. Diese Daten sind schon fast Geschichte, denn der See war zum letzten Mal im Jahr 2001 wirklich voll. 2012 war der Wasserstand auf nur noch 60 Prozent gefallen. Die Einzigen, die das freut sind vermutlich Touristen, die am Ufer inzwischen sehr breite Strände vorfinden. Am südwestlichen Ende des Lake Powell findet man ein großes Tourismuszentrum, mit Hotel, Restaurants, Marinas für Yachten und Hausboote, sowie zahlreiche Campingplätze. Dort sind die Temperaturen im Sommer mit 40 Grad und praller Sonne übrigens schon wieder gewöhnungsbedürftig.

Lake Powell:

Northern Arizona – Indianerland

"Vortex-Site" bei Sedona
„Vortex-Site“ bei Sedona

Die tatsächliche Erschließung haben weit vorher ganz andere Menschen geleistet. Und das mit einer hochstehenden Kultur und Zivilisation. Die wurde den Indianern immer abgesprochen. Wer das Museum of Northern Arizona in Flagstaff besucht, lernt viel dazu. Eine jahrtausendealte Kultur gilt es zu entdecken. Felsenbilder, die sogenannten „Petroglypths“ sind teilweise bis zu 7000 Jahre alt.

Wer mehr über indianische Kultur wissen möchte muss unbedingt nach Sedona, etwa 50 Kilometer südlich von Flagstaff gelegen. Dort sind wir mit einer früheren Ausgabe des Deutschen Reiseradios gewesen. Hier gibt’s mehr zu Sedona und dem Verde Valley.

PetroglypthAuch wenn das viele Amis nicht wahrhaben wollen, große Teile der indianischen Kultur sind mit der Besiedlung des Westens schlicht platt gemacht worden. Im Bestreben um Ausdehnung wurde weder auf Menschen noch auf Geschichte und Kultur Rücksicht genommen. Das Schicksal der Indianer wurde immer öfter mit der Umsiedlung in Reservate besiegelt. Die lagen selbstredend an den Orten, an denen sich kein weißer Siedler niederlassen wollte. Und so entzog man den eigentlichen Besitzern des Landes ihren Lebensraum. Ein gutes Beispiel für ein Reservat in menschenverachtender Umgebung ist das der Navajo auf dem Weg von Flagstaff nach Page am Lake Powell. Auf etwa 200 Kilometern gibt es nur einen Rastplatz auf der Strecke. Man fährt durch karge Wüsten- und Felslandschaft und wer bisher immer per Telefon erreichbar war, muss zur Kenntnis nehmen, dass im Reservat die Mobilfunkverbindung zusammenbricht. Das ändert sich erst kurz vor Page an der Glen Canyon Staumauer wieder. Gleichberechtigung ist noch immer ein Fremdwort. Die verbliebenen Indianerstämme wären ohne den Tourismus wirtschaftlich ruiniert. Denn normale Einnahmequellen in natürlicher Umgebung sind hier ein Fremdwort. Mit einem künftigen Präsidenten mit Perücke und nationalistischer Gesinnung würde das übrigens nicht besser – Mal vornehm ausgedrückt.

Es ist schon ein besonderes Land. Die Landschaft und auch die Entfernungen sind eine echte Herausforderung. Schade, dass  die USA so schändlich mit Menschen und auch mit den natürlichen Ressourcen umgehen.

discoveramericaAZ-TOURISMInformation:

 

 

 

Fotos:

Rüdiger Edelmann, ttb-media TON-TEXT-BILD / Grand Canyon Railway / Flagstaff CVB

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