DRR90 „God Jul“ – Vor-Weihnacht in Göteborg und Westschweden

So kurz vor Weihnachten nochmal verreisen? Ja, das ist toll. Die bewusste Entscheidung ging weg von „Christmas-Shopping in New York“ und auch von „Beachlife unterm Christbaum“. Etwas Authentisches war gefragt und so erschien der Trip nach Schweden, genau nach Westschweden, Göteborg und auf eine ganz besondere Insel ideal. Natürlich höre ich schon das Vorurteil: „Nach Schweden, im Winter, da ist es doch durchgehend dunkel.“ – Erstens ist das falsch, denn ich bin ja nach Süd- bzw. Westschweden gefahren und zweitens zahlt längere Dunkelheit auf die positive Weihnachtsstimmung ein.

Sonne in Göteborg: Das „Liseberg“-Riesenrad spiegelt sich in der Fassade des Hotels „Gothia Towers“

Göteborg – Sonne und Schnee

So begrüßte mich die zweitgrößte schwedische Stadt beim Anflug auf den Flughafen Landvetter. Es war ein Traum. Der Schnee funkelte in der Sonne und es war bei weitem nicht so kalt wie gedacht. Die Lektion kam dann erst am nächsten Tag: Einmal fällt im westlichen Schweden nicht so viel und so schnell Schnee, da der Golfstromeinfluss für höhere Temperaturen sorgt. Zum Anderen kann es auch gerne mal regnen und der Dauerregen am nächsten Tag sorgte dafür, dass die weiße Pracht bald „verflossen“ war. Der Weihnachtsstimmung tat das aber nur bedingt Abbruch. Zur angeblichen Dunkelheit: Das, was beschworen wird, mag auf Mittel- und Nordschweden zutreffen. In südlichen Landesteilen gilt das nur bedingt und ist mit unseren Verhältnissen zu vergleichen. Natürlich muss man damit leben, dass es auch in Göteborg erst gegen morgens halb zehn richtig hell wird und gegen 16 Uhr wieder dunkel ist. Dem Stadterlebnis tut das keinen Abbruch. Wichtig: Wer die Stadt kostengünstiger erleben will, sollte sich eine „Göteborg-Card“ besorgen. Die gibt es wahlweise für 24, 48 oder auch 72 Stunden. Sie eröffnet den freien Eintritt zu vielen Attraktionen und die kostenlose Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Früh dunkel: 16 Uhr in Göteborg

Die Geschichte zum Trip…

…gibt es, wie immer im Podcast. Hier könnt Ihr hautnah erleben, was es alles zu entdecken gibt; persönliche Anmerkungen Empfindungen und Erfahrungen sind inklusive. Die Facts stehen hier auf der Seite.

Westschwedisches Jul-Feeling

Göteborgs  TOP 5 der Vorweihnachtszeit

Platz 5: Der Botanische Garten

Dort könnte man zwar auch Weihnachtsbäume besichtigen, die eigentlichen Sensationen gibt es aber in den Gewächshäusern. – Die Orchideensammlung ist umwerfend, die Zahl der Sukkulenten zahlreich und großartig. Natürlich wird, wegen des Winters, die Pflanzenpracht von großen Tageslichtlampen bestrahlt. – In der Vorweihnachtszeit gibt es zudem immer eine Sonderausstellung. Die aktuelle Schau beschäftigt sich mit Weihnachtsgetränken aus aller Welt mit besonderer Betonung auf schwedische Jul-Getränke wie den „Glögg“, den alkoholfreien und sehr beliebten „Julmust“ und natürlich „Julöl“, das Weihnachtsbier.

Die Geheimnisse des „Julmust“ – Weihnachtsausstellung im Botanischen Garten

Für Selbstbrauer empfiehlt sich das Abfotografieren des Bierrezepts zum Selberbrauen. Die Schweden brauen und brennen gerne selber, da der Alkoholverkauf staatlich reguliert ist. Alles, was mehr als 2 Prozent Alkohol besitzt, lässt sich nur in den offiziellen Alkoholläden (Systembolaget) einkaufen.

Julöl selbst gemacht

Der Eintritt in den Botanischen Garten ist frei. Der Besuch der Gewächshäuser kostet. Mit der Göteborg-Card ist aber auch hier freier Eintritt. Der „Garten“ ist täglich von 9 Uhr bis Sonnenuntergang geöffnet und einfach erreichbar mit der Straßenbahnlinie 8. Adresse:  Carl Skottsbergs Gata 22A, SE-413 19 Göteborg. Internet: www.botaniska.se 

Platz 4: Fika in Haga

Haga ist einer der ältesten Stadtteile von Göteborg. Er zeichnet sich durch weitflächige Fußgängerzonen aus. Sie machen es einfach durch die kopfsteingepflasterten Straßen zu laufen und viele kleine und schöne Geschäfte mit Handwerk, Kunsthandwerk, Restaurants und Cafés zu erkunden. Souvenirs der originellen Art (wie zum Beispiel handgemachte schwedische Clogs) lassen sich hier prima einkaufen. – Für eine Fika sind die dort die Cafés zuständig. „Der Schwede ansich“ macht zweimal täglich Fika. Der Begriff bezeichnet eine Kaffeepause und zum Kaffee gibt es natürlich eine süße Kleinigkeit. In Haga kommt man aber ins Zweifeln, wenn es um „Kleinigkeiten“ geht. Das traditionelle Fika-Gebäck „Kaneelbullar“, also Zimtschnecken, nimmt gerne schon mal riesige Ausmaße an.

Gerne mal etwas größer: Kaneelbullar

Tip: Cafe Kringlan, Haga Nygata 13, Internet: www.goteborgslokaler.se/haga/ . Sehr gemütlich, mit wohlschmeckendem Kaffee, sagenhaften Süßspeisen und auch anderen kleinen Speisen plus Salatbüffet.

Anheimelnd: Café Kringlan im Stadtviertel Haga

Die Kaffeekultur ist in Schweden ohnehin stark ausgeprägt. Wer mittags während des Stadtbummels Rast machen möchte ist bei der Göteborger „Kaffeegruppe“ Da Matteo gut aufgehoben. Wundervolle Salate, Sandwiches und Pizza bereichern das kulinarische Angebot. Der Kaffee ist selbstgeröstet und wird im Direkthandel eingekauft. Da Matteo gibt es mehrfach in der Innenstadt. Internet: www.damatteo.se

Platz 3: Julbord muss sein

Weihnachten und Adventszeit ohne Julbord geht nicht. Das „Smörgasbord der Weihnachtszeit“ bietet unzählige schwedische Gerichte zum Testen. So ein Weihnachtsbüffet ist nicht ganz billig, aber es erfüllt alle kulinarischen Wünsche und macht dadurch ziemlich glücklich. Mein besonderer Tipp ist das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant „Sjömagasinet“ im Hafenviertel. Inhaber und Küchenchef Ulf Wagner ist echter Schwede mit deutschen und österreichischen Wurzeln. Über 150 unterschiedliche Gerichte finden sich auf dem Büffet des Lokals und manche Innovation, wie zum Beispiel die Kalbssülze oder die Zubereitung des Rotkohls, verdankt Ulf den Rezeptbüchern von Mama und Oma.

Julbord muss sein

In der Vorweihnachtszeit bietet das „Sjömagasinet“ täglich drei Gelegenheiten, am sagenhaften Büffet zu schlemmen.  Eine Reservierung ist allerdings unabdingbar. „Sjömagasinet“, Klippans Kulturreservat, Internet: www.sjomagasinet.se

Sternekoch Ulf Wagner

Wer nach Ulf Wagner fragt, kann mit etwas Glück auch höchstpersönlich ein paar Tipps bekommen, in deutscher Sprache versteht sich. – Insbesondere das Dessertbüffet bietet große Verlockungen. In der Vorweihnachtszeit muss man unbedingt vom Milchreis kosten. Er spielt, insbesondere bei Kindern und in Familien am Weihnachtsabend eine große Rolle. – Im Podcast gibt es die ganze Geschichte.

Platz 2: Liseberg, das Julparadies

Schwedens größter Freizeitpark befindet sich im Stadtgebiet und bietet im Sommer alle Angebote eines Ferien- und Freizeitparks mit Fahrgeschäften und Allem, was gemeinhin in so einem Park Spaß macht. In der Vorweihnachtszeit verwandelt sich „Liseberg“ in ein Weihnachtsparadies. Unter dem größten Weihnachtsbaum von Göteborg findet sich dann die hellste Stelle der Stadt ist mit rund 5 Millionen Lichtern. So bekommt man zwangsläufig in Weihnachtsstimmung.

Liseberg zaubert Weihnachtsstimmung

Verstärkt wird das Lichtermeer durch 1.300 Weihnachtsbäume und 3 Tonnen künstlichen Schnee. Den brauchte ich beim Besuch nicht, denn es hatte ja geschneit. Natürlich gibt es einen traditionellen Weihnachtsmarkt mit schwedischen Delikatessen wie Wildschweinschinken oder Glögg. Es warten jede Menge Kunsthandwerk zum Kaufen, ein Mittelaltermarkt, die Werkstatt des Weihnachtsmanns, dem „Jultomte“. Jeden Abend um 19 Uhr gibt es zudem ein Eisballett als Show, inspiriert von Tschaikowskis „Nussknacker“. Den Jultomte besuchen am liebsten die Kinder, denn sie können ihren Wunschzettel bei ihm abgeben. Und er kümmert sich dann darum, hoffentlich!

Zu Besuch beim „Jultomte“

Liseberg ist täglich ab 15 Uhr geöffnet. Der Park ist mit der Straßenbahn gut erreichbar. Aussteigen muss man an der Haltestelle Korsvägen. – Internet: www.liseberg.se.

Platz 1: Besuch bei Lucia

Am 13. Dezember ist Luciatag in Schweden. Ursprünglich war es ein unreligiöses Lichterfest. Heutezutage feiert man Lucia heute ganz in der christlichen Tradition. Jeder hat vermutlich schon mal Fotos von jungen Schwedinnen gesehen, die einen Kerzenkranz auf dem Kopf tragen. Das sind die Lucias, die Licht und Wärme bringen am dunkelsten Tag des Jahres. Die Winter-Sonnenwende lag nämlich – vor der Einführung unseres Kalenders – auf dem 13. Dezember. Am Luciatag gibt es Einzüge von vielen Lucias in Schulen, Kindergärten und auch Firmen. Und natürlich gibt es die berühmten Luciakonzerte. – Da muss man dabei sein, wenn es einen in der Vorweihnachtszeit nach Schweden verschlägt.

Meet Lucia: Das Luciaconserten in der Domkyrkan zählt zu den beliebtesten in Schweden.

Luciakonzerte sind beliebt und begehrt. Wer einen Besuch zu Lucia plant sollte sich spätestens im Oktober um Karten für eines der Konzerte kümmern. Am 10., 11. und 13. Dezember werden vier Lucia-Konzerte in derGroßen Domkirche in Göteborg geboten. Der Eintritt kostet für Erwachsene je nach Ticketkategorie zwischen 100 und 170 SEK (ca. 10-18 Euro). Tickets können im Vorfeld online über ticketmaster.se gebucht werden.

Der Extratipp: Weihnachtliche Stimmung auf Väderöarna

Vederörarna, die Wetterinseln, liegen vor der Küste Westschwedens. Es sind 365 Stück, die wenigsten würden aber einen Spaziergang von mehr als 5 Minuten zulassen. Auf einem der größeren Granitfelsen war früher eine Lotsenstation. Vor 12 Jahren ging die Insel in den Besitz der Familie Hansson über. Pia Hansson baute mit ihrem Mann ein Gästehaus mit Restaurant und Hafen auf. Heute gibt es hier fast schon Luxus, denn die Insel besitzt ihre unabhängige Stromversorgung, eine eigene Kläranlage, eine Salzwasseraufbereitung und neben dem Värdshus eine Sauna, mit holzgefeuertem Hottub. Natürlich kann man dort übernachten.

Ankunft auf Väderöarna

Es ist der Ausflug in die Vorweihnachts- oder auch Weihnachtsstimmung auf dem Land. Wobei Land hier eigentlich nur auf die besondere Ruhe und Stille zutrifft, denn die Wetterinseln erreicht man nur mit dem inseleigenen Katamaran. Das Boot startet in Hamburgsund und braucht etwa 35 bis 40 Minuten bis zur Ankunft auf der ehemaligen Lotseninsel. – Auf die Frage, was uns erwartet, sagt mir Pia, es werde ein wundervolles Erlebnis. Weihnachtsgefühl sei überall, auch im Restaurant. Zu erfahren gäbe es das Felsengefühl, Felsen, die einfach so im Wasser liegen. Und dann wünscht sie uns noch die Gabe einfach mal zu atmen: Einatmen – Ausatmen – und sich daran erfreuen. Die Zeit stoppe, in dem Moment in dem man den Fuß auf die Insel setze. Die Ruhe sei spürbar. Es sei so schön hier zu dieser Jahreszeit. Das läge im Unterschied von kalt und warm. Draußen sei es kalt. Im Hottub und in der Sauna sei es heiß, im Restaurant gemütlich warm und draußen an den Klippen wieder kalt und windig. Es sei einfach eine großartiger Mix an Naturerfahrung. Das Gasthaus ist ganzjährig geöffnet, sagt Pia, als ich sie danach frage, ob denn auch Weihnachten hier verbringen könne. Während der Feiertage sei das wie in einer großen Familie. Menschen, die sich nicht kannten, führen nach ein paar Tagen heim und seien Freunde. Es sei so freundlich, gemütlich und es gäbe natürlich tolles Essen. Ich zweifle noch und denke an Dunkelheit, Winter und komme zum Schluss: Nix für Menschen mit einer Depression. Pia lacht und sagt, das Gegenteil sei der Fall. Da musst Du keine Rolle spielen. Du kannst Du selber sein. Es sei der ideale Ort wenn Du gestresst bist oder depressiv. Ihre Überzeugung: Du wirst am Ende länger bleiben wollen!

Interview mit Pia und Inselhündin Elsa – Foto: Sabine Klautzsch (Danke!)

Der Koch des Hauses erwartet uns am Anleger. Die Koffer sind schnell auf die Zimmer verteilt und danach wartet Pias Backkurs für „Lussekatter“, die Luciakatzen. Der mit Safran angereicherte Hefeteig ist schon fertig. Wir müssen die Luciakatzen nur noch formen. Lange Teigwurst machen und dann gegenläufig zusammenrollen. Das war’s – sagt Pia. Wir haben da schon eher Probleme.

Backstube auf Väderöarna: Lussekatter formen ist angesagt

Trotzdem die Lussakatter müssen noch etwas gehen, bevor sie in den Ofen dürfen. Wir heizen uns auch auf. In der Sauna. Abkühlung, verschärfte Geschmacksache. Theoretisch ist das Wikingerbad angesagt. Also über eine Leiter mal ins Meer abtauchen. Das wiederum schaff ich nicht. Wenn einem gefühlt schon die Füße abfrieren, geht man da nicht weiter rein. Die Luft kühlt ebenfalls. Zwei Stunden später dann, wartet der Test des eigenen Backwerks.

Lussekatter sind fertig

Vederöarna ist ein Ruhepol. Man hört nichts außer Wasserrauschen, Windpfeifen, Wassergluckern und Stille. Über einem der Himmel, unter einem etwa 10.000 Quadratmeter Granitfelsen. Die Welt ist weit weg. Hier Weihnachten verbringen? Mag sein, dass das gut ist. Letztlich muss ich mir keine Gedanken darüber machen, denn Pia erzählt, dass die Wetterinseln zu Weihnachten bereits bis 2024 ausgebucht seien. Vermutlich muss man aber einfach mit den richtigen Menschen zusammen sein, dann ist alles gut. – Genau wie auch sonst im Leben. Zu anderen Zeiten freuen sich Pia und ihr Team natürlich jederzeit auf Gäste. Der Kontakt: Väderöarnas Värdshus & Konferens, Väeröarna, Internet: www.vaderoarna.com . Am nächsten Morgen geht es per Boot zurück in die Welt. Irgendwie erscheint sie friedlicher. Vielleicht liegt das aber generell an der Landschaft, den Menschen, an Westschweden, an Schweden. Ich war gerne dort.

God jul och ett got nytt ar

Schöne Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr. Die Weihnachts-Reisesaison dürfte ziemlich vorbei sein, was all diese Eindrücke betrifft. Aber wie wäre es, wenn Ihr Euch jetzt von den Eindrücken berauschen lasst, den Podcast hört, die Infos lest und Euch dann vornehmt im nächsten Jahr kurz vor Weihnachten einfach mal nach Schweden zu fahren. Ihr werdet es nicht bereuen.

Information

www.goteborg.com

www.westsweden.com

www.visitsweden.de

Hinweis:

Die Recherche zu diesem Reiseradiobeitrag wurde unterstützt von Visit Sweden, go:teborg&co und Tourismus Westsweden. Diese Unterstützung hat keinen Einfluss auf eine unabhängige Berichterstattung zum Thema!

 

 

 

 

 

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