D-RR News 05.11.20 – Verbot sichern? / Bilanz / FR-Wahlkommentar / Blue Cruises

Foto: Raphael-Hotels

Beherbergungsverbote sicherer verankern?

Reihenweise hatten Gerichte die von Bundesländern ausgesprochenen Beherbergungsverbote kassiert. Damit dies nicht mehr vorkommt, plant die Bundesregierung nach Informationen des „Spiegel“ dafür eine gesetzliche Grundlage zu schaffen. Für Beschränkung von Übernachtungsangeboten solle das Infektionsschutzgesetz angepasst werden. Der Gesetzesentwurf sieht zwar vor, dass die Bundesländer die Möglichkeit haben, berufliche Übernachtungen auszunehmen. Künftig müssen sie das aber nicht mehr, wie es im Text weiter heißt:

„Reisebeschränkungen erfassen nicht nur solche Reisen, die der Erholung oder Freizeitgestaltung dienen, sondern können sich auf alle Reisebewegungen auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland beziehen.“

Inlandstourismus nicht überall glänzend

Zentraler Punkt der Grimmheimat ist die Stadt Kassel

Es war absehbar. Der Boom der Besucher in Richtung Nord- und Ostsee im letzten Sommer hat den touristischen Anbietern in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachen sicher geholfen. Bayern und das Voralpenland meldeten punktuell sogar Rekordzahlen. Für andere Regionen in Deutschland gilt diese freundliche Tendenz allerdings nicht. Auch Regionen, die touristisch gut aufgestellt sind, kommen um die Erkenntnis nicht herum, dass die räumliche Lage im Land eine große Rolle spielt. Die gut aufgestellte Tourismusregion „Grimmheimat Nordhessen“ zum Beispiel wartet jetzt mit Zahlen für den Hochsaisonmonat August auf. Im Newsletter für Tourismuspartner heißt es:

Die Region liegt deutlich über den Werten des Landes Hessen insgesamt, wenngleich die Zahlen nach wie vor die drastischen Herausforderungen der aktuellen Krise widerspiegeln, in der sich die Tourismusbranche befindet.
Waren im Juli 2020 noch ein Minus von 46,5% bei den Ankünften und -39,3% bei den Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen, zeigen sich die Jahreswerte per August deutlich besser. Ein Minus von 43% bei den Ankünften und -35,9% bei den Übernachtungen in Betrieben ab zehn Betten belegen den leichten Anstieg der Tourismuszahlen.  

Die schon oft betonte Herausforderung der besseren Umverteilung von Inlandsgästen bleibt also eine große Herausforderung.

Gute Nachrichten für Gastronomiebetriebe in der Krise?

Außer-Haus-Verkauf von Speisen und Getränken nicht mit den staatlichen Hilfen verrechnen, die sie wegen des November-Shutdowns bekommen. Das sieht, laut Nachrichtenagentur Reuters, eine Vereinbarung von Bundesfinanz- und Wirtschaftsministerium vor. Vorher war schon vereinbart worden, dass Betriebe bis zu 75 Prozent ihres November-Umsatzes im Vorjahr als Erstattung erhalten sollen. Noch ist nicht offiziell klar, ob dies Realität wird. Es wäre aber ein zusätzlicher Hoffnungsschimmer.

Bayerische Jugendherbergen mit Existenzängsten

Foto: DJH

Der erneute „Übernachtungs-Lockdown“ sei durch die geringe Regelauslastung von Jugendherbergen im November zwar überlebbar. Sorge macht aber offensichtlich der Blick auf die Buchungslage für das Jahr 2021. Winfried Nesensohn, Vorstand im Deutschen Jugendherbergswerk, Landesverband Bayern erklärte dazu:

„Uns drohen eine erneute Stornowelle und das weitreichende Ausbleiben von Neubuchungen.“

Der durch die Corona-Pandemie entstandene wirtschaftliche Schaden für die Jugendherbergen in Bayern sei bereits immens. Die erneute Schließung der Häuser verschlechtere die Situation dramatisch. Der Verband fordert eine unverzügliche Zulassung von Klassenfahrten, sobald die Pandemie eingedämmt worden sei. Dieser Appell gehe an das Bayerische Kultusministerium.

Blaue TUI-Cruises ab Deutschland untersagt

Nicht mehr ab Kiel: Mein Schiff 1 Foto: TUI Cruises

Abgesagt wäre ein zu schmeichelnder Begriff. De facto handelt es sich um ein Verbot. Bereits gestern hatte das Bundesland Schleswig-Holstein Abfahrten der „Mein Schiff 1“ ab Kiel untersagt.

Ein Ausweichen auf andere Abfahrthäfen sei nicht möglich, steht auf der TUI Cruises-Website. Auch von anderen deutschen Häfen sei kein Kreuzfahrtbetrieb möglich.

Vor diesem Hintergrund müssen wir schweren Herzens alle für dieses Jahr geplanten Blauen Reisen der „Mein Schiff 1“ absagen.

An den „Blue Cruises“ in Richtung Kanarische Inseln will TUI allerdings festhalten.

Bußgelder an Airlines wegen verschleppter Rückerstattung

Bußgelder wegen verzögerter Erstattungen

Das Luftfahrtbundesamt hat Abmahnungen mit Bußgeldbescheiden verschickt. Da es sich rechtlich um Ordnungswidrigkeiten handele, gibt das Amt keinerlei Auskunft über die finanzielle Höhe. Insgesamt 21 Airlines seien davon betroffen. Per Gesetz hätten die Rückerstattungen für abgesagte Flüge innerhalb von 7 Tagen erfolgen müssen. Die Rückzahlungen wurden, je nach Airline, teilweise um mehrere Monate verzögert.

Lufthansa-Group – Quartalszahlen

Lufthansa: Nach wie vor eher trübe Aussichten

Die weltweite Corona-Pandemie hat die Ergebnisentwicklung der Lufthansa Group auch im dritten Quartal erheblich belastet. Die Verluste gegen­über dem zweiten Quartal konnten nach Angaben des Konzerns aber durch erhebli­che Kosteneinsparungen und einer Auswei­tung des Flugplans in den Sommermonaten etwas verringert werden. Das bereinigte Ergebnis (Adjusted EBIT) betrug minus 1,3 Milliarden Euro (Vorjahr: plus 1,3 Milliarden Euro). Das Konzernergebnis betrug minus 2 Milliarden Euro (Vorjahr: plus 1,2 Milliarden Euro). Die operativen Aufwendungen konnten im dritten Quartal um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert werden.

Der Blick in Zukunft zeichnet ein eher verhaltenes Bild. Bei der Lufthansa-Group werde in den Wintermonaten die Nachfrage nach Flugreisen aufgrund des globalen Infektionsgeschehens und der damit verbundenen Reisebeschrän­kungen voraussichtlich niedrig bleiben. Die Airlines müssten ihre ursprüngliche Planung anpassen und würden in den Monaten Okto­ber bis De­zember nur ca. maximal 25 Prozent der Vorjahreskapazität anbieten.

Ryanair (FR) mit US-Wahlkommentierungen

Wahlkrimi und Auswüchse: Präsidentschaftswahlen in den USA

Wer nur wenig fliegen kann, macht auf andere Art und Weise auf sich aufmerksam. Um schräge Ideen war der irische Billigflieger noch nie verlegen. Jetzt hat man per Social-Media die Präsidentenwahlen in den USA kommentiert. Da waren Jokes dabei, wie der Kommentar, dass der amerikanische Rapper Kanye West, der als unabhängiger Kandidat antrat und bisher 60.000 der 135 Millionen gezählten Stimmen bekam, ein Typ sei, der als Präsident jedes Mal klatschen würde, wenn er mit der „Air Force One“ irgendwo gelandet sei.

Gestern gab es aber auch ein klares politisches Statement. Wie die Tageszeitung „USA TODAY“ berichtet, kommentierte Ryanair auf Twitter, die Sieg-Erklärung von Präsident Trump mit der Aufforderung, die Auszählung der Stimmen jetzt zu stoppen, mit dem Tweet:  …sich jetzt schon zum Sieger zu erklären sei so, als wenn man vor der Landung aus dem Flugzeug aussteige. Wir empfehlen das nicht zu tun.

Trump declaring victory this early is like disembarking before the plane has landed we don’t recommend (Ryanair Tweet)

Corona-Maßnahmen

Die Tagesinfektionszahl in Deutschland wird vom Robert-Koch-Institut mit 19.990 angegeben.

Europäische Nachbarländer verschärfen ihre Maßnahmen. Ab dem kommenden Samstag (7.11.) dürfen in Polen nur noch Geschäfte für die Grundversorgung geöffnet sein. Das sind Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Drogerien. Auch in Polen gilt dann ein Beherbergungsverbot für touristische Reisen.

Italien hat gestern eine Ausgangssperre erlassen. Sie gilt ab 22 Uhr abends. Menschen sollen ihre Wohnung nur noch für absolut zwingende Dinge verlassen (Arbeit, Arzt, etc.) – Das geplante Verbot für Kreuzfahrten zu oder von italienischen Häfen aus wurde nicht realisiert.

Auch die Behörden in Griechenland planen inzwischen neue Lockdown-Maßnahmen, die bisher nur für einzelne Städte und Regionen galt. Geplant ist, nach Berichten griechischer Medien, ein landesweiter Lockdown für den Zeitraum von etwa vier Wochen. Die Entscheidung ist noch nicht verabschiedet. Gesundheitsminister Vasilis Kikilia sagte aber, dies müsse schnell umgesetzt werden.

Griechenland verschärft Corona-Regelungen wieder

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