D-RR News 15.02.21 – Osterurlaub / TUI-Hoffnung / Polnischer Partytaumel

Osterurlaub, na und? – Politischer Streit gestartet

Das Wetteifern der Politik bewegt sich zwischen Warnung und verhaltenem Optimismus. Letztlich hört man aber auch Wahlkampfstrategien durch. Die Auflistung der höchst unterschiedlichen Äußerungen wird länger. Je nach Einstellung waren die Äußerungen aber erwartbar.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat Urlaub in Deutschland über Ostern in einem Gespräch mit „Bild am Sonntag“ quasi ausgeschlossen:

Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen. Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben. (…) Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben.“

Lockerungen müssten vorsichtig und Schritt für Schritt erfolgen. Er sei sicher, dass Gaststätten und Hotels in Sachsen auch über Ostern geschlossen sein müssten. Kleinste Veränderungen im Verhalten der Bevölkerung, beispielsweise eine höhere Mobilität und mehr Kontakte, führten sofort zu höheren Infektionszahlen.

Ostern in Berlin? (Symbolbild)

Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller zeigt sich da optimistischer. Er sagte in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ zu den Interviewäußerungen seines Kollegen:

Das teile ich so pauschal nicht. Und ich glaube, es ist auch verfrüht, das so festzulegen.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will einen Osterurlaub noch nicht abschreiben, schließlich hätte sich die Ministerpräsidentenkonferenz darauf geeinigt eine Öffnungsstrategie für Hotels und Gastronomie zu erarbeiten. Es sei kontraproduktiv dies jetzt schon wieder infrage zu stellen. Gegenüber der „Welt“ sagte er:

Unser Ziel muss es sein, ein anderes Ostern erleben zu können als im vergangenen Jahr.

Der als Warner bekannte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wiederum stimmt eher Sachsen Ministerpräsident Kretschmer zu. In einem Gespräch mit der „Welt“ betonte er, dass er schon froh wäre, wenn wir bis Ostern eine dritte Welle verhinderten. Die Auswirkungen der Virus-Mutationen seien noch nicht absehbar.

Branchenreaktionen

Die Reaktionen der Betroffenen ließ nicht lange auf sich warten. Ein Sprecher des Hotel- und Gaststättenverband Nordrhein-Westfalen erklärte heute Morgen in der „WAZ“:

Das Philosophieren über ausfallende Osterferien oder erst im Sommer geöffnete Biergärten sind das Gegenteil von einem Gesamtplan. Viele in der Branche empfinden das als schallende Ohrfeige.

Auch der Verband der Eigentümer von Ferienwohnungen und Ferienhäusern hat die Äußerungen des sächsischen Ministerpräsidenten kritisiert. Man solle bitte abwarten, wie sich die Infektionszahlen entwickelten. Wenn das Ziel einer Inzidenzmarke von unter 35 bis Ostern erreicht werde, spräche schließlich nichts gegen eine Öffnung. Dies jetzt schon auszuschließen, überschreite die Grenzen, in der sich Politik bewegen müsse, wenn sie verantwortungsvoll sein wolle.

Leere Hotels auch über Ostern? (Symbolbild)

TUI Optimismus

TUI rechnet in den kommenden Wochen mit einer nachhaltigen Erholung des Geschäfts. Der Trend in Sachen Sommerurlaub sei absehbar. Mit Kreta, Rhodos und Kos sicherten sich gleich drei griechische Inseln einen Platz in den Top 5 der beliebtesten Reiseziele beim größten deutschen Veranstalter. Kreta löst dabei sogar Mallorca an der Spitzenposition ab.

Aber auch deutsche Ziele seien gefragt. Bayern und die deutsche Ostseeküste könnten bei Anhalten des Buchungstrends im kommenden Sommer mit mehr Reisenden rechnen. In der Hauptsaison drohten hier schon bald ausgebuchte Unterkünfte. Auch das Interesse an Österreich, den oberitalienischen Seen und der Adria, die bevorzugt mit dem eigenen PKW angesteuert werden, steige aktuell deutlich.

Im Gegensatz dazu sei die Nachfrage nach Fernreisen aktuell noch verhalten. 

Kreta Nummer 1 bei den TUI-Buchungen

Reisewelt wieder kleiner: Corona-Einstufungsänderungen

Nach der gestoppten Einreise ohne negativen Corona-Test aus Tirol und Tschechien, gibt es auch für Fernreisen weitere Einschränkungen.

Seit gestern stehen folgende Urlaubsgebiete neu oder wieder auf der RKI-Liste für Hochinzidenzgebiete: Die Seychellen mit einer Inzidenzzahl von über 200 Infektionen pro hunderttausend Einwohner in 7 Tagen, die Karibikinseln St. Lucia und St. Vincent & Grenadines. Bei Einreise aus Hochinzidenzgebieten nach Deutschland muss vor der Abreise ein PCR-Test durchgeführt werden. Nach der Ankunft besteht die Verpflichtung zu einer Quarantäne von 10 Tagen.

Als neue Risikogebiete wurden Mittelfinnland und die Region Österbotten aufgenommen. Eine Einreise nach Finnland ist aktuell aber ohnehin nicht möglich. Außerdem neu auf der Liste ist die Region Westgriechenland.

Namibia wurde von Hochinzidenzgebiet auf Risikogebiet zurückgestuft. Die dänische Region Midtjylland und die griechischen Regionen Westmakedonien und Thessalien wurden von der Risikoliste ganz gestrichen.

Polens Skigebietsöffnung endet im Partytaumel

Wintersport (Symbolbild)

Was befürchtet worden war, hat sich als traurige Tatsache herausgestellt. Polen hatte am letzten Wochenende „probeweise“ den Wintersportbetrieb in seinen Skigebieten wieder zugelassen. Trotz geschlossener Kneipen und Restaurants endete das Testwochenende in ungezügelter Feierlaune. Alleine im bekannten Skiort Zakopane hatte die Polizei 137 Einsätze wegen Verstößen gegen Corona-Beschränkungen und Auseinandersetzungen und Alkoholeinfluss. Es gab sieben Festnahmen. Ob der auf 14 Tage geplante Test, zumindest für die Skiorte abgebrochen wird, steht noch nicht fest.

Condor – LH-Streit verschärft sich

Klagen gehen weiter: Condor…  (Foto: Condor / Jan Kornas)

Angesichts der Aufkündigung der Lufthansa, was den Vertrag zur Durchführung von Zubringerflügen für Condor-Fernstrecken betrifft, klagt Condor jetzt auch beim Gerichtshof der EU-Kommission in Luxemburg.

Der Ferienflieger wirft LH vor, seine Marktstellung zu missbrauchen und dies trotz erhaltener Staatshilfe mit Genehmigung der EU-Kommission. Die Klage gegen die EU richtet sich gegen fehlende Auflagen bei der Genehmigung der Staatshilfen für LH. Dies müsse nachgeholt werden, um den Wettbewerb nicht zu verzerren.

Die Auseinandersetzung eskaliert ganz offensichtlich. Lufthansa kommentiert die Klage in Luxemburg nicht mit der Begründung, dass Condor ja die EU verklage und nicht LH.

…gegen Lufthansa (Foto: Lufthansa)

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