DRR News 07.10.20 – Quarantäne & Einschränkung / Inselkonferenz / Schutzschirm / Musicals

Foto: Lufthansa

Quarantäne bleibt

Das deutsche Corona-Kabinett hat noch einmal über die Dauer von Quarantänemaßnahmen bei Wiedereinreise aus Risikogebieten diskutiert. Die Pflichtquarantäne soll auf zehn Tage verkürzt werden. Generell will man aber von der angestrebten Regelung der verpflichtenden Isolierung nach Reiserückkehr nicht abweichen. Branchenverbände von Tourismus und Luftfahrt hatten eine Abschaffung der Pflicht-Quarantäne und eine Einführung von flächendeckenden Schnelltests gefordert.

Die vom Deutschen Reiseverband gestartete Social-Media-Aktion „Coronatest statt Stubenarrest“ scheint sich nicht durchgesetzt zu haben. Eine endgültige Entscheidung soll Mitte Oktober fallen. Dann laufen die bisherigen Regelungen aus.

Corona-Maßnahmen in Berlin und Frankfurt

Berlin ist in Teilen Risikogebiet. Frankfurt steht mit seiner Infektionszahl von 47,1 (Dienstag) kurz vor der Eingruppierung als Risikoregion. Entsprechend hart sind die angekündigten Maßnahmen.

Berlin

Berlin führt am Samstag (zum ersten Mal in seiner Geschichte?) eine Sperrstunde ein. Geschäfte wie „Spätis“, Restaurants und Bars müssen von 23 Uhr bis 6 Uhr schließen. Nur Notdienst-Apotheken und Tankstellen dürfen geöffnet bleiben. Für die „Tanke“ gilt ein Alkohol-Verkaufsverbot.

Gleichzeitig gelten erhebliche Kontakteinschränkungen. Feiern im Freien soll nicht mehr stattfinden. Maximal 5 Personen aus zwei Haushalten dürfen auf offener Straße Kontakt haben. Die Teilnehmerzahl für private Feiern wurden von 25 auf 10 Personen reduziert.

Frankfurt, das noch kurz vor der „Corona-Schallgrenze“ steht, hat ab Freitag noch weitgehendere Maßnahmen angekündigt. Oberbürgermeister Peter Feldmann sagte, er wisse, dass man sich damit nicht beliebt mache, aber es müsse sein.

Frankfurt am Main

Auch die Rhein-Main Metropole bekommt eine Sperrstunde für Restaurants, Cafés und Bars. Sie beginnt bereits um 22 Uhr. Große Einkaufsstraßen und Einkaufszentren dürfen nur noch mit Mund-Nasen-Schutz betreten werden.

Heute soll festgelegt werden auf welchen Plätzen und Parks der Stadt ein ganztägiges Alkoholverbot gilt. Feiern in der Öffentlichkeit werden auf eine Teilnehmerzahl von maximal 25 Personen, private Feierlichkeiten auf 10 Personen beschränkt. Kinos, Theater und Konzerte sind unter der Einhaltung der bereits geltenden Hygienemaßnahmen weder von der Sperrstunde noch von der Einschränkung der Teilnehmerzahlen betroffen.

Zu Beginn der nächsten Woche soll die Entscheidung über eine Maskenpflicht in weiterführenden Schulen folgen.

Die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt aufrecht. Die zahlreicher gewordenen Kinnschutz-Visiere aus Plastik sollen künftig nicht mehr als ausreichende Schutzmaßnahme akzeptiert werden.

Zweite Deutsche Inselkonferenz

Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel kommen im Ostseebad Binz auf der Insel Rügen am 11. und 12. November 2020 Vertreter aller deutschen Nord- und Ostseeinseln zur zweiten Deutschen Inselkonferenz zusammen. Das teilte gestern der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern mit.

Binz auf Rügen

Zentrales Thema und Programmpunkt soll die Unterzeichnung des „Green New Island Deals“ sein. Dieser setzt sich mit den Herausforderungen der deutschen Inseln als schützenswerte Natur- und Kulturlandschaften auseinander, bei gleichzeitigem Bedürfnis eine attraktive Urlaubs-Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Die Themen Klimawandel und Natur, nachhaltige Energieversorgung, Verkehr und Müllvermeidung spielen dabei eine wichtige Rolle. Es sollen klare Ziele vereinbart werden, die man durch eine stärkere Vernetzung mit weiteren Inseln in Europa dann nicht nur national, sondern auch auf EU-Ebene durchsetzen will.

Condor, der Schutzschirm und die Lufthansa

Deutschlands Ferienflieger befindet sich wirtschaftlich seit der Thomas Cook Pleite im Herbst 2019 unter einem Schutzschirmverfahren und hat dafür einen staatlichen Kredit von 550 Millionen Euro erhalten. Anfang des Jahres hatte man mit der polnischen PGL-Gruppe einen neuen Investor gefunden und wollte bis Ende April die Kredite auslösen. Dann kam Corona, der Deal mit den Eigentümern der polnischen LOT platzte. Condor gelang es aber das Schutzschirmverfahren zu verlängern. Für den 22. Oktober ist jetzt eine Gläubigerversammlung einberufen. Dort soll entschieden werden, ob man dieses Insolvenzverfahren wieder verlassen kann. Die Chancen dafür stehen gut, denn die Airline ist dank der vor Corona angelaufenen Sparmaßnahmen bisher gut durch die Krise gekommen und arbeitete in den letzten Monaten immerhin mit einem Angebot, das 30 Prozent der Vorjahreskapazitäten umfasste. Liquiditätsengpässe seien ein Fremdwort, betont Condor-Chef Ralf Teckentrup. Der zum Finanzierungpaket gehörende KfW-Kredit laufe noch mehrere Jahre und verschaffe Rückendeckung.

Condor: Raus aus dem Schutzschirmverfahren?

Aktuell ist wohl auch die angekündigte Kündigung der Zubringerflüge durch Lufthansa vom Tisch. In den Angeboten der ersten Fernstrecken ab Frankfurt und Düsseldorf befinden sich auch Zubringerflüge durch Lufthansa. Ob dies absehbar so bleibt, hängt auch von der Entwicklung des LH-Tourismusprojekts „Ocean“ ab, das 2021 starten und die Präsenz der Lufthansa auf typischen Urlaubsstrecken erhöhen soll. Lufthansa selber kämpft zurzeit mit erheblichen Auslastungsproblemen. LH-CEO Carsten Spohr wurde gestern mit der Äußerung zitiert, er werde froh sein, wenn LH im Winter eine Auslastung des Flugplans von 20 Prozent schaffe.

Weniger Flüge bei Austrian

Die österreichische LH-Tochter wird ihren Winterflugplan wieder zusammenstreichen. Statt der geplanten 50 Prozent Kapazität wird man wohl nur noch um die 30 Prozent der Flüge anbieten, die im letzten Winter auf dem Flugplan standen. Grund sei schlicht die mangelnde Nachfrage in schwierigen Zeiten.

Foto: Austrian Airlines

Musicals – vorerst Fehlanzeige

Der größte deutsche Anbieter von Musical-Inszenierungen vertagt den Start. Bereits seit März sind die Theater von „Stage Entertainment“ geschlossen, Aufführungen finden nicht statt, Neuinszenierungen liegen auf Eis. Daran wird sich vor 2021 auch nichts ändern, teilte der Unterhaltungskonzern mit. Stage betreibt große Theaterhäuser, die bei deutlich weniger als 1.000 erlaubten Sitzplätzen zurzeit nicht wirtschaftlich rentabel seien, heißt es bei Stage. Man hoffe aber im neuen Jahr auf eine sukzessive Öffnung der Theater in Hamburg, Stuttgart und Berlin.

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