D-RR NEWS 07.07.21 – Neue Aktionen: Unvernunft & Angst begegnen sich

Rüdiger Edelmann

Ich kann es nicht oft genug sagen: Fußballfest hin oder her. Die Bilder von den Tribünen erschrecken mich und ich fürchte, wir werden die Rechnung dafür bekommen. Auch Mallorca, als Sinnbild der deutschen Sommer-Reise-Freiheit erschreckt mich und machen wir uns nix vor. Bei allem Zweckoptimismus sieht die Perspektive nicht gut aus. Brancheninsider hassen und lieben Alltours-Eigentümer Willi Verhuven gleichzeitig. Wenn er zu Beginn der Woche bei Mallorca von einer „Insel am Abgrund“ sprach, dann ist da vermutlich etwas dran; ob wir das hören wollen oder nicht.  

Auch das Hin- und Her in Sachen Virusvariantengebiete erschließt sich nicht so recht. Portugal rein – Portugal raus, Großbritannien rein – Großbritannien wieder raus. Ich warte derzeit nur noch auf die erste Anzeige aus der Serie „Incredible India“. – Kann man, Hello TUI, wenn man ernst genommen werden will, tatsächlich erst Urlauber aus Portugal ausfliegen und am Tag der Aufhebung des Virusvariantengebiets, wieder voll in Marketing und Verkauf einsteigen?  

Ich wünsche mir das, was sich aktuell alle wünschen: Niedrig bleibende Infektionszahlen, weniger Ansteckungen in Urlaubsregionen und ein erfolgreicher Kampf gegen die „Delta“-Variante. Jedoch fürchte ich auch, dass uns eine Reihe von Wünschen einmal mehr nicht gewährt werden wird.  Die Selbstverantwortung im Verhalten muss wieder steigen. Unnötige Risiken, dazu zähle ich z.B. das Stadionpublikum, müssen reduziert werden.

Lockdown Nummer 4 gilt es mit aller Kraft zu verhindern. Und dies gilt selbstredend nicht nur für den Tourismus. Noch ein Winter, wie 20/21 bricht uns nicht nur wirtschaftlich, sondern auch individuell-psychisch das Genick. Es ist noch nicht vorbei, auch wenn wir uns das noch so sehr wünschen.

Verbände sorgen sich

Aus Sorge vor einem Stocken der Impfungen appellieren die Verbände der deutschen Tourismus- und Reisebranche an Bund und Länder, das Impfen deutlich zu beschleunigen.

Dirk Inger, DRV-Hauptgeschäftsführer – Foto: Wyrwa/DRV

In einer gemeinsamen Erklärung betonen Verbandsverantwortliche von Deutscher Tourismusverband, Deutscher Reiseverband, der Allianz selbständiger Reiseunternehmen, Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft, Hotel- und Gaststättenverband, Hotelverband Deutschland und Internationaler Bustouristik Verband, Verband Internet Reisevertrieb:

Impfungen sind das wirksamste Mittel im Kampf gegen Corona. Deutschland ist zwar auf einem guten Weg, aber die Impfungen dürfen jetzt nicht ins Stocken geraten. Noch immer sind nicht ausreichend Menschen doppelt geimpft, um einen Rückfall im Herbst ausschließen zu können. Es darf jetzt keine Impfpause geben. Gerade die Sommerwochen müssen für das Impfen genutzt werden. Bund und Länder sind gefordert, noch viel stärker über die Impfungen aufzuklären, den Zugang zu erleichtern und deutliche Anreize zu setzen. Auch im Urlaub in Deutschland müssen beispielsweise Impfungen unabhängig vom Wohnort möglich sein. Auf jeden Fall aber sind ebenso fragwürdige wie kontraproduktive Signale wie 14-tägige Quarantäneanordnungen selbst für vollständig Geimpfte unbedingt zu unterlassen. Wir erwarten von Bund und Ländern vielmehr, unverzüglich eine gemeinsame Kampagne für das Impfen zu starten. Ein weiterer Lockdown im Herbst muss unbedingt verhindert werden. Die Folgen wären sonst für Tourismusbranche katastrophal.

Norbert Kunz, DTV-Geschäftsführer

Hochinzidenz statt Virusvarianz

Portugal als Virusvariantengebiet. Das war eine Entscheidung, die Deutschland Schimpf und Schande einbrachte, denn die Rückkehr für Urlauber wurde damit erschwert. Nach kurzer Dauer wurde die Entscheidung mit Wirkung von heute zurückgenommen. Es gelten neue Regeln.

Portugal: Rückkehr zum Hochinzidenzgebiet

Seit heute gelten Portugal, Großbritannien, Russland, Indien und Nepal „nur“ als Hochrisikogebiete. Damit entfällt die Quarantänepflicht für Geimpfte komplett. Ungeimpfte Personen müssen in Quarantäne, können sich aber nach 5 Tagen durch ein zweites negatives Ergebnis „freitesten“. Zudem verkürzt sich die Quarantänepflicht ohne zweiten Test von 14 auf 10 Tage.

Weitere Öffnungen in Ungarn

Die Maskenpflicht für Innen- und Außenbereiche wurde aufgehoben. Einheimische wie Touristen dürfen wieder ohne Einschränkungen in kommerziellen Unterkünften übernachten. In der Gastronomie stehen Außen- wie Innenbereiche ohne Einschränkung zur Verfügung. Die für den Tourismus wichtigen Thermalbäder werden geöffnet. Theater- und Konzertveranstaltungen dürfen stattfinden. Kinos sind ebenfalls wieder geöffnet. Generell werden kaum noch Test- oder Impfnachweise verlangt. Kontrolliert wird nicht mehr.

Lediglich Großveranstaltungen ohne feste Sitzplätze, wie Konzerte und Festivals, bleiben geimpften und genesenen Menschen vorbehalten.

Touristische Reisen aus dem Schengen-Raum sind bereits seit 23. Juni ohne Test- und Quarantänepflicht möglich.

Litauen zieht erneut Bremse

LitauensHauptstadt Vilnius

Die Testpflicht bei Einreise aus Deutschland ist wieder vorgeschrieben. Erlaubt sind PCR-Test (maximal 72 Stunden alt) oder Antigen-Test (maximal 48 Stunden alt). Geimpfte und Genesene sind von der Testpflicht ausgenommen. Eine Quarantänepflicht gibt es nicht.

Australien beschränkt Einreise noch stärker

Die ohnehin schon strikten Maßnahmen der australischen Regierung wurden noch einmal verschärft. Offensichtlich zur besseren Kontrolle ist jetzt die Zahl der Einreisegenehmigungen wieder halbiert worden. Pro Woche bekommen nur noch 3.000 Flugreisende eine Genehmigung zum Betreten des Lands. Vermutlich wird dies das Maß der Dinge für den Rest des Jahres sein. Nachdem einige Infektionsfälle in Quarantänehotels oder beim Transfer dorthin nach draußen getragen wurden, hat man sich offensichtlich diese weitere Einschränkung beschlossen.

Die Angst vor der „Delta-Variante“ hat dazu geführt, dass sich inzwischen die Hälfte der Bevölkerung, z.B. im Großraum Sydney, wieder im Lockdown befindet. Australien fährt eine strikte „No-Covid“ Strategie. Bisher gab es nur etwa 900 Corona-Tote im Land.

Für Australien gilt weiterhin ein Einreiseverbot für alle ausländischen Staatsbürger ohne ständige Aufenthaltserlaubnis. Touristische Besuche sind grundsätzlich nicht gestattet, Touristenvisa werden nicht erteilt.

Slowakei: Quarantänepflicht für Ungeimpfte

Die Slowakische Republik war zu Beginn des Jahres stark von der Corona-Pandemie betroffen und sorgt sich jetzt offensichtlich vor einer Rückkehr der angespannten Situation durch die „Delta-Virusvariante“.

Ab Freitag gilt für die Einreise von ungeimpften Personen wieder eine Pflicht zur Quarantäne. Diese kann erst nach 5 Tagen verlassen werden. Voraussetzung dafür ist ein negativer PCR-Test, der von einem slowakischen Labor durchgeführt wurde. Gleichzeitig gilt auch wieder eine Anmeldepflicht über das Internetportal „eHarnika“. Wer per Flugzeug anreist, muss sich zusätzlich auf einer Website des Verkehrsministeriums registrieren.

Tschechien: Einreise wieder mit Testpflicht

Tschechien: Tests wieder obligatorisch

Auch das Nachbarland Tschechien verschärft die Einreise wieder. Voraussetzung ist ab Freitag die Vorlage eines negativen Antigen-Testergebnisses, das nicht älter als 48 Stunden sein darf, oder ein negativer PCR-Test, der nicht länger als 72 Stunden zurückliegt. Dies gilt nicht für Personen mit abgeschlossenem vollständigem Impfschutz.  Es gilt weiterhin die Verpflichtung zur Online-Registrierung.

Tschechien führt zudem eine Quarantänepflicht für Besucher und Reiserückkehrer aus Spanien ein. Für Touristen aus Russland, Südafrika und Tunesien wird die Grenze komplett geschlossen.

Norwegen: Ungeimpft keine Chance

Norwegen: Keine Einreise ohne Impfung

Ungeimpfte Personen bleiben generell ausgesperrt. Eine Einreise nach Norwegen ist nur mit abgeschlossener Impfung möglich. Die Vorlage eines negativen Corona-Tests wird nicht mehr akzeptiert. Norwegen fährt damit einen extrem strikten Kurs in Sachen Pandemiebekämpfung.

Malta schränkt ein

Malta mit geänderter Teststrategie

Kurz nach der groß angekündigten Öffnung für den Tourismus rudert der Inselarchipel wieder zurück. Malta akzeptiert keine negativen Schnelltests nach sogenannten Kreuzimpfungen für die Einreise, Impfungen mit in der EU nicht zugelassenen Vakzinen, wie „Sputnik V“ oder für Touristen mit einem Covid19-Genesungszertifikat. Die Betroffenen müssen sich alternativ maximal 72 Stunden vor Einreise einem PCR-Test unterziehen. Wer ohne diesen Test in Malta ankommt, wird vor Ort kostenpflichtig getestet und muss bis zur Vorlage eines negativen Ergebnisses in Quarantäne.

Spanien hat Angst

Spanien kämpft gegen steigende Infektionszahlen

Ab Freitag gelten neue Regelungen in der spanischen Region Katalonien und insbesondere der Hauptstadt Barcelona. Die Innenbereiche von Nightlife-Spots bleiben dann wieder geschlossen. Damit will man der steigenden Zahl von Neuinfektionen begegnen. Der Inzidenzwert (Neuinfizierte pro 100Tausend Einwohner in 7 Tagen) in Katalonien ist innerhalb von einer Woche von 55 auf über 250 gestiegen.

Auch die Balearen melden wachsende Infektionszahlen. Gestern lag der Inzidenzwert bei 127. Wir erinnern uns an die Bundesnotbremse, die bei einem Wert von 100 gegriffen hat und einen weitgehenden Lockdown verlangte.

Kreuzimpfungen als Reisehindernis?

Was bei uns inzwischen als Wundermittel zur Verstärkung des Infektionsschutzes gilt, wird im Ausland teilweise nicht als komplette Impfung anerkannt. Dazu gehören nicht nur Malta, sondern auch die USA. In Malta ist die Entscheidzuung neu. Die USA praktizieren diese Regelung schon länger.

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