D-RR News 10.11.20 – Storno / Selbsttest / Einreiseregeln / Lockdowns

Kostenfreie Stornierung als Buchungsargument?

Die wirtschaftliche Lage für Reiseveranstalter und Reisebüros wird immer kritischer. Die November-Einschränkungen haben für einen weiteren Rückgang von Reisebuchungen gesorgt. Immer weniger Zielgebiete können noch angeboten werden. Dies führt inzwischen zu Regelungen, die für potentielle Kunden theoretisch gut klingen. Große Anbieter greifen jetzt zur Änderung ihrer Buchungsbedingungen und erleichtern den kostenfreien Rücktritt von einer gebuchten Reise. DER-Touristik ermöglicht den kostenfreien Rücktritt bis zwei Wochen vor Reiseantritt bei Flugreisen. Handelt es sich um Eigenanreise mit dem Auto reduziert sich die Frist sogar auf sieben Tage. Alltours operiert ebenfalls mit einer 14-Tage-Frist. Buchungen für den nächsten Sommer dürfen dort bis zum 15. März 2021 kostenfrei storniert werden. Auch bei Internetbuchungen gibt es solche Regelungen. Holiday-Check gewährt für eigene Reisen eine Rücktrittsfrist von nur sechs Tagen. Für Kunden mag das erfreulich klingen, ob sich die Reisebranche damit einen Gefallen tut, wird von Fachleuten bezweifelt. Die Veranstalter sorgten damit für zusätzlichen Konkurrenzdruck. Eine Rücknahme dieser Regeln dürfte in besseren Zeiten eher schwierig werden.

Fluggesellschaften haben sich der kostenfreien Stornierungsmöglichkeit bisher nicht angeschlossen. Auch aus diesem Blickwinkel spricht für reiselustige Kunden einmal mehr die Pauschalreise.

Selbsttest für Kunden

DER-Touristik hatte damit begonnen. TUI zieht nach und bietet diesen Service insbesondere allen Gästen, die in Richtung Kanarische Inseln starten wollen. Ab dem kommenden Samstag muss ein negativer Corona-Test bei der Einreise auf den Kanaren vorgelegt werden. Mit dem kostenpflichtigen Angebot erleichtern die Veranstalter die Abwicklung. Dazu gehören neben den notwendigen Utensilien auch eine genaue Anleitung und die Angabe, wann genau der Test durchgeführt werden muss, um anerkannt zu werden. Bei Einreise darf das Testergebnis maximal 72 Stunden alt sein.

Foto: Turismo de Tenerife

Damit verbessern die Veranstalter den Service und ermöglichen ihren Kunden den direkten Start in den Urlaub. Empfohlen ist die Durchführung des Tests bereits in Deutschland. Er kann aber direkt am Ankunftsflughafen nachgeholt werden.

Airline Krise und Folgen: „LH-OCEAN“

Die meisten Fluggesellschaften stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Auch große Konzerne kämpfen ums Überleben. Ein mögliches Heilmittel sieht insbesondere Lufthansa in der Verstärkung der Urlaubsrouten. Damit dringt der Netzcarrier verstärkt ins Geschäft mit Urlaubern und Reiseveranstaltern ein. Was als Projekt „Ocean“ schon geraume Zeit die Runde macht, nimmt jetzt Planungsformen an. Lufthansa-CEO Carsten Spohr will „Ocean“ jetzt doch mit einem eigenen Luftbetreiberzeugnis (AOC) starten. Zudem könnte das Tätigkeitsfeld ausgedehnt werden. War bisher ausschließlich von touristischen Fernstrecken die Rede, sind jetzt wohl auch Mittelstrecken in Urlaubsregionen, zum Beispiel rund ums Mittelmeer, in der Diskussion. – Die Gründung eines neuen Unternehmens hätte auch erhebliche Auswirkungen auf die Tarifbedingungen für Mitarbeiter, die dort künftig eingesetzt würden. Konflikte mit den Gewerkschaften wären damit vorprogrammiert.

Was soll aus „Ocean“ werden? – Foto: Lufthansa

Einreise: Seychellen, Barbados, Tunesien & GB

Gestern gehörten die Seychellen noch zu den Hoffnungsträgern des Ferntourismus. Das ist vorbei. Nachdem die Corona-Infektionszahlen in Europa, insbesondere in der Schweiz, Österreich und Deutschland massiv steigen, gilt ab 16. November eine Zwangsquarantäne von sechs Tagen nach der Einreise in Mahe. Vom Flughafen geht es für Touristen zunächst in ein amtlich festgelegtes Quarantänehotel. Bei Einreise muss trotzdem ein negativer Test vorgelegt werden. Er darf maximal 48 Stunden alt sein. Auf der Inselgruppe im Indischen Ozean achtet man sorgfältig auf die Vermeidung von Infektionen, um das örtliche Gesundheitssystem mit vergleichsweise geringen Kapazitäten nicht zu überlasten.

Auch Barbados verschärft die Regeln. Hier muss bei Einreise ein englischsprachiger, negativer Corona-Test vorgelegt werden. Trotzdem müssen Reisende danach in eine Quarantäne, die erst nach Vorlage eines weiteren negativen Testergebnisses verlassen werden darf. Die Quarantäne endet danach sofort. Hinkommen verschärft sich allerdings ohnehin, da Eurowings seine Flugverbindung nach Barbados bis 18. Dezember wieder eingestellt hat.

D-RR-Archivbild

Auch Tunesien hat für einreisende Touristen eine Quarantänepflicht von mindestens sieben Tagen eingeführt. Verlassen darf man die „Isolierung“ danach erst, nach Vorlage eines negativen Corona-Tests.

Großbritannien hat die Ausnahmeregel „sicherer Korridor“ für Reisende aus Deutschland beendet. Ab sofort gilt bei Einreise auf die Britische Insel eine verpflichtende Quarantäne von 14 Tagen.

Portugal mit Ausgangssperre

Auf dem portugiesischen Festland gilt seit Beginn der Woche eine Notstandsregelung, die u.a. eine Ausgangssperre zwischen 23 Uhr und 5 Uhr beinhaltet. Sie gilt in rund 70 Prozent des Landes und betrifft auch die Metropolen Lissabon und Porto. Restaurants dürfen und strengen Auflagen öffnen. Veranstaltungen im Freien, wie Wochenmärkte sind verboten. – Die Regelungen gelten nicht für Madeira und die Azoren.

Ungarn im Lockdown

Es war ein Eilentschluss, der seit heute 0 Uhr gilt. Aufgrund stark steigender Infektionszahlen hatte man sich gestern dazu entschlossen.

Der ungarische Lockdown umfasst eine Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr. Gaststätten sind geschlossen. Hotels dürfen nur noch Geschäftsreisen beherbergen. Schulen steigen auf Online-Unterricht um. Theater, Museen, Fitness-Studios und Freizeiteinrichtungen dürfen nicht mehr öffnen, lediglich Freibäder dürfen geöffnet bleiben (z.B. Kurbetrieb in Budapest). Sportveranstaltungen sind nur ohne Publikum erlaubt.

Im privaten Bereich gelten ebenfalls strengere Regeln: Für private Treffen und Veranstaltungen gilt eine Höchstteilnehmerzahl von 10. Hochzeiten werden auf Teilnehmer aus dem engen Familienkreis beschränkt. An Trauerfeiern dürfen maximal 50 Menschen teilnehmen.

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