D-RR News 11.11.20 – Deutschland-Tourismus / Liquidität / Finanzhilfen / Innovationen

Bedrohliche Szenerien in der Reisewirtschaft

Heute ist ein Tag der Hintergrundinformationen. Der softe Lockdown führt zwar nach Umfragen zu erhöhter Reiselust in der Bevölkerung. Auswirkungen in Sachen Buchungen hat dies allerdings zurzeit kaum. Eine Branche zittert weiter. Die wirtschaftlichen Probleme wachsen in allen Bereichen.

Deutschland-Tourismus: Ernste Zahlen

Deutschland-Tourismus: Die Zahlen sind durchwachsen

41,2 Millionen Übernachtungen in- und ausländischer Gäste zeigt die Auflistung des Statistischen Bundesamts für den September. Das ist eine Reduktion von 13,7 Prozent im Vergleich zu den Zahlen von 2019.

Dabei sanken die Zahlen der Inlandstouristen vergleichsweise gering um knapp 5 Prozent. Der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Reisebeschränkungen geschuldet ist die Touristenzahl aus dem Ausland um knapp 58 Prozent zurückgegangen.

Bezogen auf den Zeitraum zwischen Januar und September sieht die Bilanz noch bedenklicher aus. Hier gibt es bei den Übernachtungen aus dem Inland ein Minus von 29 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Touristen sank um fast 60 Prozent.

Die regionalen Unterschiede sind, trotz der Hoffnungen auf einen Inlands“boom“ im Sommer, erheblich. Kamen Tourismusregionen an Nord- und Ostsee, sowie im Voralpenland einigermaßen glimpflich davon, sind die Einbrüche in den anderen Regionen sehr viel größer.

Nochmal Staatshilfe für TUI?

Muss Fritz Joussen erneut auf Kredittour beim Staat gehen? – Foto: TUI

Wie das Fachmagazin „fvw“ heute berichtet, verhandele die TUI erneut über eine staatliche Finanzspritze. Nach fvw-Angaben befinden sich diese Gespräche im absoluten Anfangsstadium. Von Entscheidungen sei man noch weit entfernt. Die bisher gezahlten Darlehen im Frühjahr und im September belaufen sich insgesamt auf 3 Milliarden Euro.

Lufthansa besorgt sich Liquidität

LH braucht nicht nur Passagiere, sondern auch mehr Liquidität

LH hat erfolgreich eine nicht nachrangige und unbesi­cherte Wandelanleihe mit einem Gesamtvolumen von 600 Millionen Euro gestartet. Die Anleihe mit einer Stückelung von 100.000 Euro wird mit 2,0 Prozent pro Jahr verzinst. Die Anleihe stößt offensichtlich auf ein weites Interesse.

Damit will Lufthansa die Liquidität steigern. Zum 30. September verfügte der Konzern über liquide Mittel in Höhe von 10,1 Milliarden Euro (ein­schließlich nicht abgerufe­ner Mittel aus den Stabilisierungspaketen in Deutsch­land, der Schweiz, Österreich und Belgien). Der Konzern teilte mit:

Sofern die Anleihen nicht zuvor umgewandelt wurden, werden die Anleihen am 17. Novem­ber 2025 zu ihrem Nennwert zurückgezahlt. Investoren haben zudem die Möglich­keit, die An­leihe in neue und/oder bestehende Namensaktien der Lufthansa AG zu wandeln. Der anfängliche Wandlungspreis wurde auf 12,96 Euro festgelegt, was einer Wand­lungsprämie von 40,0 Prozent über dem Referenzaktienkurs von 9,2545 Euro entspricht.

Das Unternehmen hat sich zudem verpflichtet, innerhalb eines Zeitraums von 90 Kalen­dertagen nach der Abwicklung des Angebots keine Aktien oder aktiengebundenen Wertpapiere anzubieten und vorbehaltlich üblicher Ausnahmen keine Transaktio­nen mit ähnlichen wirtschaftlichen Auswirkungen zu tätigen.

„Norwegian“ vor dem Aus?

Weiterhin in Not: Billigflieger Norwegian – Foto: Norwegian

Die norwegische Regierung hat die Luftfahrtbranche während der andauernden Corona-Pandemie mit Staatshilfen von bis zu 14 Milliarden Norwegische Kronen (umgerechnet etwa 1,3 Milliarden Euro) unterstützt. Auch weiterhin bleiben Maßnahmen zur Unterstützung der Branche bestehen. Die stark unter der Pandemie leidende Fluglinie Norwegian Air, hatte den Staat darüber hinaus um weitere Unterstützung in Milliardenhöhe gebeten. Das lehnte die Regierung in Oslo jetzt ab. Handels- und Industrieministerin Iselin Nybø sagte, die milliardenschwere Unterstützung der Fluggesellschaft stelle in der gegenwärtigen globalen Krise der Luftfahrt keine vernünftige Verwendung von Gemeinschaftsmitteln dar.

Die Low-Cost Airline muss deshalb ihren Betrieb weiter reduzieren. 1.600 Mitarbeiter sollen beurlaubt werden. Norwegian führt derzeit nur noch Inlandsflüge durch. Die aktive Flotte soll auf nur noch sechs Maschinen reduziert werden.

Flugtourismusaufwind für Usedom

Sommerziel für Luxemburger und Randgebiete: Heringsdorf auf Usedom

Luxair, die Staatsairline von Luxemburg, will den Usedomer Flughafen Heringsdorf im nächsten Jahr ins Programm nehmen. Die Airline teilte mit, man wolle von Mai bis September zweimal pro Woche, jeweils am Dienstag und Samstag, auf die Ostseeinsel fliegen. Die Preise starten in der Nebensaison bei 129 Euro pro Strecke. Über das geplante Fluggerät finden sich auf der Website von Luxair noch keine Informationen.

Hotels: Engpässe und Innovationen

Die wirtschaftliche Situation im Hotelbereich wird zusehends kritischer. Im Heimatland Schweiz hat die Hotelgruppe „Swissotel“ ihr Haus in Zürich geschlossen. Jetzt hat der Pächter des „Swissotel Le Plaza“ in Basel Insolvenz angemeldet. Hier soll der Betrieb unter Aufsicht eines Insolvenzverwalters zunächst weitergehen.

Leonardo-Hotels“ bereitet sich jetzt erneut und einmal mehr auf ein „hoffentliches New Normal“ vor. Dabei konzentriert man sich auf die Bedürfnisse von Geschäftsreisenden und Tagungen. Durch Raumanpassungen, Flexibilität bei Buchungen und Stornierungen sowie der Etablierung eines extern zertifizierten Sicherheits- und Hygienekonzeptes will man sich auf die geänderten Anforderungen der Business-Kunden einstellen. Neue Pausenkonzepte bei Konferenzen und Tagungen, digitale Helfer sowie virtuelle und hybride Veranstaltungsformate sollen die Hotels attraktiver machen. Man sei überzeugt, dass persönliche Meetings mit Sicherheit wieder Zukunft haben. – Zu den Maßnahmen gehören u.a. umweltfreundliche Kaffeepausen-Bags. Als Ersatz für die Kaffeepause am Buffet und um den nötigen Abstand zu wahren, bekommt jeder Veranstaltungsteilnehmer an seinem Platz sein persönliches Kaffeepausen-Bag. Dieses wird je nach Tageszeit und Kundenwunsch varianten-, energie- und vitaminreich gefüllt.

Geschäftsreisende zurückerobern – Foto: Leonardo-Hotels

 

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