D-RR169 Acoustic Dreams: Hansekönigin Lübeck

Jetzt, im Mai 2021, beginnt sich alles wieder etwas zu normalisieren. Gerade im Norden, in Schleswig-Holstein, an Nord- und Ostsee und ab nächste Woche hoffentlich auch in einer Stadt, die historisch als Hansekönigin, mitunter als Hanseperle, bekannt wurde.

Es ist Zeit für weitere Acoustic Dreams, Hörträume aus einer Stadt, die ich im letzten September besucht habe und die mich begeistert, auch jetzt noch nach  fast acht Monaten Abstand.

Lübecker Markt mit historischem Rathaus – Blick von der St. Petrikirche

Für einen Tag zu wenig

Ich bin ehrlich, bei mir war es nicht ein Tag, sondern es wurden zweieinhalb und im Nachhinein hätten es gerne auch drei bis vier Tage sein können, um sich Lübeck als Gesamtkunstwerk zu erschließen. Aber wer kann schon behaupten, er kenne eine Stadt, nachdem er sie zum ersten Mal wirklich besucht hat. Die Lübecker Beinamen und Attribute sind zahlreich: Stadt der sieben Türme, Altstadtinsel, Marzipan-Metropole der Welt, Zentrum von Schifffahrt, Tor zu Skandinavien. Allem wird Lübeck gerecht. Aber man muss konstatieren, dass es all dies ohne die Hanse und die große Handels- und Seefahrtgeschichte nicht gegeben hätte. Angenehm in Lübeck: Wer auf historischen Pfaden wandelt, daran kommt man auch nicht vorbei, der kann sein Auto getrost stehen lassen. Wer von außerhalb anreist, parkt das Gefährt am besten in einem Parkhaus am Altstadtrand.

Tipp: Hinter der Tourist-Information gibt es eine, für Großstadtverhältnisse erschwingliche, Möglichkeit im Parkhaus Holstentor in der Possehlstraße. Von dort aus ist man im Nu in der Altstadt und kann sich vorher auch noch Material über die Stadt in der Tourist-Info abholen. Dort gibt’s auch ein kleines Kaffee, für alle, die vorm Start noch dringend einen Kaffee oder Tee brauchen.   

Bootstouren rund um die Altstadtinsel starten gegenüber der Alten Salzspeicher

Die Details…

Warten natürlich im Podcast auf Euch. Wichtig vorm Start: Wissen, was mann und frau will.

  • Schlau machen? Infos zur Stadt (inkl. Beratung) gibt es bei Lübeck-Tourismus, Holstentorplatz 1
  • Überblick von Oben? St. Petrikirche mit Treppe oder Aufzug in den Turm.
St. Petrikirche
  • Treiben lassen? Da wären Bootstouren oder die Miete des eigenen Mini-Elektroboots im Angebot.
  • Bummeln? Treibenlassen ist besser. Dabei mit offenen Augen nach Architektur Ausschau halten, von Kaufmannshäusern bis zu Wohngängen und Stiftungshöfen.
  • Museen? Gibt es reichlich. Pflichtstation ist das Europäische Hansemuseum.
  • Kultur? Da wartet Einiges, von den Häusern, die den drei „Lübecker“ Nobelpreisträgern gewidmet sind, über die Kirchen der Stadt bis hin zum historischen Rathaus am Markt.
  • Leckereien? Gibt’s bei Niederegger (Marzipan) und von Melle (Rotspon).
  • Essen gehen? Frühstück oder Kaffee und Kuchen im Café Niederegger, Mittagslunch im Bistro des Europäischen Hansemuseums, Fischbrötchen und me(e)hr am Kiosk oder im Laden von „Fangfrisch“ (Kreuzung Willy-Brandt-Allee/ An der Untertrave). Abendessen in der Schiffergesellschaft oder im Schabbelhaus, wenn es historisches Ambiente sein soll. All diese Tipps sind verbunden mit der Hoffnung, dass alle gastronomischen Angebote auch nach der Krise noch komplett vorhanden sein werden.
  • Ein Ausflug nach Travemünde (ja, gehört auch zu Lübeck) – Das ist aber eine eigene Geschichte und deshalb gibt es auch schon einen zusätzlichen Travemünde-Podcast des Reiseradios.
Wahrzeichen Holstentor

Die Örtlichkeiten der Podcast-Tour

Für eine Bootstour war meine Zeit leider zu knapp. Geplant hatte ich sie am Vortag meiner Recherchetour. Da regnete es aber aus Kübeln und ich habe darauf verzichtet. Die meisten Boote starten gegenüber der Alten Salzspeicher, An der Obertrave.

Besucht habe ich, wegen des Fotoblicks auf die Altstadt, den Malerwinkel an der Trave, unweit des Parkhauses am Holstentor.

Blick vom Malerwinkel auf die Wäsche an der Obertrave
Malerwinkel: Blick auf die Obertrave

Große Handels- und Seefahrtgeschichte

Wie schon erwähnt, das Europäische Hansemuseum ist ein absolutes Muss, wenn man in die Geschichte der Hanse eintauchen möchte. Darüber hinaus ist es ein spannendes und interaktives Museum.

Der mögliche Beginn der Hanse – Europ. Hansemuseum
Nachbau des Handelskontors in Bergen / Norwegen – Europ. Hansemuseum

Besonderer Wohlgeschmack

Wer L sagt muss auch M sagen: Lübeck und Marzipan sind unmittelbar verbunden. Im Stammhaus von Niederegger in der Breite Straße kann man nicht nur einkaufen, sondern auch Kaffeetrinken (Marzipan-Nusstorte!) und im Marzipan-Salon in der obersten Etage in die Geschichte der edlen Leckerei eintauchen. Dazu gibt es bereits einen „Lecker-Schmecker“-Podcast, der hier zu finden ist.

Der Klassiker: Marzipan-Nusstorte bei Niederegger

Rotspon und die Lübecker Rotweintradition lässt sich am besten im Weinhaus von Melle (Beckergrube 86) erkunden. Wer Kaufabsichten hat, darf auch probieren. Umschauen geht auch und vermittelt den historischen Eindruck eines typischen Lübecker Altstadtkontors.

Rotsponerlebnis: Weinhaus von Melle

Ausgezeichnete Kultur

Die Häuser der drei Nobelpreisträger, die Lübeck „ihr Eigen“ nennt.

Thomas Mann hat Lübeck ein literarisches Denkmal gesetzt, auch wenn in den Buddenbrooks nie explizit von Lübeck die Rede ist. Trotzdem wussten alle Bescheid. Das Buddenbrookhaus (Mengstraße 4) wird derzeit renoviert und neu konzipiert und ist deshalb geschlossen. Von draußen darf man natürlich einen Blick werfen. Teile der Ausstellung sind derzeit im Behnhaus/Drägerhaus (Königstraße 9) zu sehen.

Buddenbrookhaus (zur Zeit in Renovierung)
Ausweichquartier: Buddenbrooks und Manns im Behn-Haus

Das Grass-Haus befindet sich in der Glockengießerstraße 21. Es wurde 2002, noch zu Lebzeiten von Günter Grass eröffnet, der einige Kilometer außerhalb wohnte und dort sein Sekretariat und ein Büro hatte. Der Kulturstiftung, als Träger des Hauses, ließ er gestalterischen und inhaltlichen Freiraum. Erst nach seinem Tod, 2015, bekam das Haus einen höheren Stellenwert auch als Grass-Museum. Es widmet sich sowohl seinem künstlerischen, als auch dem literarischen Schaffen.

Butt im Griff – Grass-Skulptur im Garten des Grass-Hauses
Blechtrommel – Der Nachbau des Danziger Kolonialwarenladens

Neben den beiden Literatur-Nobelpreisträgern gibt es auch ein Haus (Königstraße 21) für den Friedensnobelpreisträger Willy Brandt. Das Willy-Brandt-Haus war eine Idee seines Freundes Günther Grass, gemeinsam mit der Willy-Brandt- Stiftung in Berlin. Die Höfe der beiden Häuser grenzen direkt aneinander. So kann man sich heute in Lübeck einem großen Politiker unseres Landes nähern, seine persönliche und politische Biografie kennenlernen und in Erfahrung bringen, warum Brandt so war wie er war. Brandt wurde in Lübeck geboren und wuchs im Arbeiterviertel St. Lorenz auf. Das sei ein wichtiger Teil politischer Bildung, betont Frauke Kleinwächter, Referentin für Bildung und Vermittlung, denn inzwischen gäbe es schon eine ganze Generation, die Brandt lediglich aus Geschichtsbüchern kenne, wenn überhaupt. Ein lohnenswerter Besuch.

Willy Brandt-Skulptur im Lübecker Willy-Brandt-Haus
Willy-Brandt-Haus, Lübeck

Schifffahrt mit „Tiefgang“

Die Schiffergesellschaft zu Lübeck (Breite Straße 2) lohnt sich nicht nur für einen Restaurantbesuch, sondern hauptsächlich zum Umsehen in einer Umgebung, die aus dem frühen 16. Jahrhundert stammt. Es eignet sich zum Erfühlen und Staunen, wie es im Lübeck der Hansezeit in einem Haus zugegangen sein mag, dass bei den Seeleuten Dreh- und Angelpunkt des geschäftlichen Lebens war. Beim Besuch des Stammtischs der Schifffahrts-Kapitäne habe ich zudem viel über die soziale Arbeit der Vereinigung erfahren, die auf eine Tradition von 620 Jahren zurückschauen kann.

Schiffergesellschaft zu Lübeck
Historisches Ambiente der Schiffergesellschaft

Gänge und Höfe

Dazwischen lagen viele Meter des sich Treibenlassens auf der Lübecker Altstadtinsel, das Bummeln durch alte Straßen mit wundervoller Architektur, die Erkundung der berühmten Wohngänge und Stiftshöfe inklusive eines „Klön Snack“ mit einem Bewohner, der aber nicht ins Mikrofon sprechen wollte. So sind sie auch, die Hanseaten.

Zobelshof
Idylle: Wohngänge und Stiftshöfe in der Lübecker Altstadt

Dank

Danke an Lübeck-Tourismus: Barbara Schwartz für die Einführungs“vorlesung“ in Sachen Lübeck und Doris Schütz für die Vermittlung von Kontakten.

Danke auch an Franziska Evers vom Europäischen Hansemuseum für die tolle Führung und die vielen Hintergründe, sowie an Alexander Matzka (Welterbe-Beauftragter der Stadt Lübeck), Sven Stemmler (Vorstand der Schifffahrtsgesellschaft), Eva Mora (Niederegger), Silke Preust (Weinhaus von Melle), Frauke Kleinewächter (Willy-Brandt-Haus) und Jörg-Philipp Thomsa (Günter-Grass-Haus) für die Zeit.


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Information:

Lübeck-Tourismus   


Hist. Rathaus

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