Reise News 29.09.26 – Pleiten, Wunder, Berlusconi

Foto: Volotea-Airlines

Kerosinpreise & mehr: Airline Insolvenzen

Das Fliegen teurer geworden ist, steht zweifelsfrei fest. Der Preis für Flugkraftstoff ist seit Beginn des Irankriegs um runde 100 Prozent gestiegen. Anfänglich waren die Airlines und ihre Bosse noch sehr entspannt, denn fast jede Fluggesellschaft ist in den letzten Jahren dazu übergegangen, ihren Kerosinpreis durch langfristige Lieferverträge auch langfristig abzusichern. Langsam aber wird die Luft dünn. Die alten Lieferverträge laufen aus und günstiger Treibstoff ist nicht mehr aufzutreiben.

Die ersten Airlines hat es dementsprechend finanziell auch schon kalt erwischt. Die lettische Air Baltic hatte vor Insolvenzschutz nach amerikanischem Recht beantragt und will sich in Eigenregie sanieren.

Foto: Air Baltic

Der Nächste bitte! – Volotea

Jetzt hat es den spanischen Billigflieger „Volotea“ erwischt. Die Gesellschaft hat Ende letzter Woche Insolvenz angemeldet. Auch hier will das Management, die einst hochprofitable Gesellschaft in Eigeninitiative sanieren. Hier hat der Kerosinpreis die Bilanz um runde 150 Millionen Euro gedrückt. Wer, wie Billigfluggesellschaften, knapp kalkuliert, gerät zwangsläufig in extrem rote Zahlen. Trotzdem soll der Flugbetrieb weitergehen, die Flotte aber von 45 auf 30-35 Maschinen verkleinert werden. Am Boden und bei der Verwaltung droht zudem ein Personalabbau. Es ist von 50 Arbeitsplätzen die Rede. Hilfe könnte eventuell von einem Mitgesellschafter kommen. Die griechische Aegean Airlines besitzt einen Anteil von 20% an Volotea.

DTV: München ist super

(Symbolbild) – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD

München hat sich im nationalen Auswahlverfahren um Olympia durchgesetzt und wird Deutschland im weiteren Bewerbungsprozess vertreten. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) begrüßt die deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele.

Norbert Kunz, DTV-Geschäftsführer – Foto: DTV

Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes betont:

Mit der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele sendet Deutschland ein starkes Signal. Wir gratulieren München zu diesem Erfolg und wünschen für den weiteren Bewerbungsprozess viel Erfolg. Zugleich danken wir allen Bewerberregionen für ihr großes Engagement und die intensive Arbeit an ihren Konzepten. Olympische und Paralympische Spiele bieten eine große Chance, Deutschland international in den Fokus zu rücken und als weltoffenes, gastfreundliches und vielfältiges Reiseland zu präsentieren.

Es gibt viel zu tun

Olympische Flagge

Deutschland verfüge über eine leistungsfähige touristische Infrastruktur, vielfältige Reiseziele und große Erfahrung als Gastgeber internationaler Großveranstaltungen. Eine Olympiabewerbung könne weit über die Bewerberregion hinaus Aufmerksamkeit für das Reiseland Deutschland schaffen und neue Reiseanlässe setzen.

Wichtig seien aber Investitionen in moderne Mobilität, Barrierefreiheit, leistungsfähige öffentliche Infrastruktur und eine nachhaltige Besucherlenkung.

Aus Sicht des DTV komme es darauf an, die Bewerbung und mögliche Investitionen langfristig zu denken. Olympische und Paralympische Spiele könnten zudem zeigen, dass Deutschland für Vielfalt, Begegnung und ein herzliches Willkommen stehe.

Reiseradio Kurzkommentar

Gerade Letzteres ist wichtig, weil im Hinblick auf das Bewerbungsjahr 2036, zwangsläufig auch die Olympischen Spiele von Berlin 1936 wieder in den Blickwinkel geraten.  

Ahrtal: Auszeichnung nach schwierigen Zeiten

Foto: Dominik Ketz / Ahrtal-Tourismus

Das Ahrtal ist jetzt die Region mit dem „Travelbook Award 2026“ als „Schönste Weinregion Europas“. Unterstrichen wird in der Begründung die Strahlkraft weit über die Region hinaus.

Das Ahrtal stehe für eine besondere Verbindung von Weinbau und Tourismus. Mit ausgezeichneten Weinen, abwechslungsreicher Natur, mit vielfältigen Genuss- und Urlaubserlebnissen und großer Gastfreundschaft. Andreas Lambeck, Geschäftsführer des Ahrtal-Tourismus freut sich zurecht:

Gerade nach den großen Herausforderungen infolge der Flut 2021 ist der Award ein wichtiges und positives Signal für die gesamte Region.

Der Titel ‚Schönste Weinregion Europas‘ ist für das gesamte Ahrtal eine großartige Bestätigung und zugleich ein starker Impuls für die weitere touristische Entwicklung. Er rückt genau das in den Mittelpunkt, was unsere Region auszeichnet: die Verbindung von Wein und Genuss, beeindruckender Landschaft, herzlicher Gastfreundschaft und besonderen Erlebnissen. Die Auszeichnung ist für uns deshalb Anerkennung und Ansporn zugleich, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen.

Die Travelbook Auszeichnung wird in fünf Kategorien vergeben. Nach der Vorauswahl durch Community, Redaktion und Reiseexperten entschied ein öffentliches Voting über die Gewinner.

Teufelsmauer: Deutschlands Naturwunder des Jahres

Die Teufelsmauer im Harz – Foto: Weddersleben e.V. / Heinz Sielmann Stiftung

Die sagenumwobene Felsformation im Harzvorland ist klarer Sieger. Die Teufelsmauer bei Weddersleben wurde bei der Publikumswahl der Heinz Sielmann Stiftung und des Deutschen Wanderverbands mit Abstand Spitzenreiter. Sie setzte sich gegen acht weitere Nominierte mit 30,5 Prozent der Stimmen durch. Auf den zweiten Platz kamen die Saalfelder Feengrotten in Thüringen (24,5 Prozent), gefolgt vom Brenner Moor in Schleswig-Holstein (10,6 Prozent).

Die markanten Sandsteinfelsen ziehen sich auf mehreren Kilometern durch das nördliche Harzvorland. Die rund 80 Millionen Jahre alten Formationen entstanden durch die Erosion von zuvor angehobenem Gestein. Sie zählen zu den bedeutendsten Geotopen Deutschlands.

Carolin Ruh, Vorständin der Heinz Sielmann Stiftung sagt:

Die Teufelsmauer zeigt, was Naturkräfte über Jahrmillionen formen können. Wind und Wasser schufen hier eine der markantesten Felsformationen Mitteldeutschlands. Als Geotop wird hier Erdgeschichte im wahrsten Sinne begreifbar. Diese Verbindung aus geologischem Erbe und Naturerlebnis macht die Teufelsmauer verdient zum Naturwunder des Jahres.

Die Mauer und die Sage

Der Name der Teufelsmauer geht auf eine Sage zurück, die man sich seit Jahrhunderten im Harzvorland erzählt: Der Teufel soll in einer einzigen Nacht eine Mauer errichtet haben, um sich mit Gott um die Herrschaft über die Erde zu streiten – bis ihn der Schrei eines Hahns aufschreckte und er sein fast fertiges Werk aus Wut wieder einriss. Die Brüder Grimm nahmen die Erzählung in ihre Sagensammlung auf, weitere Fassungen ranken sich bis heute um einzelne Felsnadeln wie den Großvater- und den Großmutterfelsen.

Milano-Malpensa: Silvios Airport

Oft gehört es zum guten Stil eines Airports, dass man ihn nach einem Prominenten und verdienten Bürger seiner Stadt benennt. Münchens Airport trägt den Namen Franz-Josef-Strauß, der Namensgeber des Berliner Airports BER ist Willy Brandt, Friedens-Nobelpreisträger, Bundeskanzler und einst Regierender Bürgermeister des Stadtstaats. Meist geht dies unstrittig über die Bühne, da die Personen über jeden Zweifel dieser Ehre erhaben sind.

Screenshot: 24 ore

Am italienischen Airport Mailand-Malpensa ist dies nicht so. Der Flughafen heißt seit Ende letzter Woche offiziell: Aeroporto Milano-Malpensa Silvio Berlusconi. Silvios Familie ist happy, der Bürgermeister von Milano kam nicht zur Namensfeier.

Die Vorgeschichte

In den Jahren davor hatte er sich immer gegen die Benennung des Flughafens nach Berlusconi ausgesprochen. Das ist nachvollziehbar, denn der ehemalige italienische Regierungschef hatte mehr Aufsehen mit seinen Affären erreicht, als mit politischer Arbeit. Steuerprozesse und Party-Affären machten Schlagzeilen. „Bunga Bunga“ prägte das Bild in der Öffentlichkeit. Von „über jeden Zweifel an der Ehre erhaben“ kann man, auch bei allen Versuchen von Objektivität, nicht reden.

Es war ein langer Namensstreit vorausgegangen. Nach der Entscheidung im Jahr 2024, hatten Mailands Stadtverwaltung und mehrere Gemeinden der Umgebung gegen die Benennung geklagt. Sie scheiterten beim zuständigen Verwaltungsgericht. Jetzt heißt Italiens zweigrößter Airport auch offiziell: „Aeroporto Milano-Malpensa Silvio Berlusconi“.

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