D-RR News 09.12.20 – DRV-Jahrestagung / Bahnverbindungen / Flugverkehr

Morgenlicht am Strand von Lauderdale-by-the-Sea
DRV: Hoffnung auf 2021
Rüdiger Edelmann

Der Verband der Reisebranche in Deutschland hatte zur digitalen Jahrestagung geladen und bis zu 1.000 „Ferngäste“ waren zwischenzeitlich auf dem virtuellen Parkett unterwegs. Ganz großer Gewinner der Tagung war zweifelsfrei die Technik. Es klappte wirklich fast alles, das Timing im Ablauf war sensationell pünktlich und es gab keinerlei Ausfälle, kurzfristige Absagen bei den eingeladenen Referenten, Rednern und Diskussionsteilnehmern. Tagungstechnisch ist die Reisebranche nach Dauerübungen seit März in der digitalen Welt angekommen. Waren da Inhalte? Ja, der Touristiker jammert nicht unmotiviert und pauschal. Das Jahrestreffen bot Beispiele aus der Branche in Sachen Überleben, gab Einblicke in die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen in Drittweltländer, die angesichts fehlenden Tourismus zusammenbrechen. Und selbstredend war auch Politik anwesend.

Über den Tourismusbeauftragten der Bunderegierung muss man kein Wort verlieren. Das mit dem Disqualifizieren hat er selbsttätig prima hingekriegt. Erstaunlich eigentlich, denn er sollte doch auch Wirtschaftsminister Altmaier gebrieft haben, der sich in seiner Ansprache wesentlich besser und informierter präsentierte. Konkretes gab’s auch hier nicht. Das hatte vermutlich auch keiner erwartet. Einem Tourismusgipfel stimmte er auf Nachfrage zu: „Wenn alles überstanden ist“. Na, vielen Dank!

Immerhin bot die anschließende Politikdiskussion manch Aufklärung und Anregung. Da waren aber keine wirklichen Entscheider dabei, wenngleich Talks mit Bosbach und Kubicki immer hohen Unterhaltungswert haben. Da besteht lediglich die Hoffnung, sie als „Influencer“ in der politischen Diskussion hinter den Kulissen gebrauchen zu können.  

Bilanz und Erkenntnisse:

  • Die Forderungen gegenüber der Politik wurden noch einmal öffentlich angemeldet.
  • Die Politik hat keinen wirklichen Plan für den Neustart eines wichtigen Wirtschaftszweigs. Dem Bundeswirtschaftsminister liegt der Tourismus aber trotzdem am Herzen.
  • Der DRV, der zwischenzeitlich auch in die Kritik geraten war, nicht genug zu bewegen, hat wieder Punkte bei seinen Mitgliedern gesammelt und einen guten Job gemacht.
  • Klar bleibt, dass nichts klar ist.

Randbemerkung: Mir hat ein Politiker gefehlt in der Runde. Einer, der im Verlauf der Krise am ehesten verstanden hat, was Sache ist im Tourismus: Markus Tressel, MdB und Tourismuspolitischer Sprecher von Bündnis90 / Die Grünen. Die Gründe dafür kenne ich nicht, es wäre aber schlimm, wenn die Entscheidung darauf beruhte, dass der Verband mehr auf gelb als auf grün steht.

Die Reiseradio-News des Tages:

DRV-Jahrestagung: Die Schlagzeilen

Die Botschaften und Tatsachen bleiben auch nach der Tagung. Die Forderungen der Branche gehen klar in die wirtschaftliche Richtung.

Die Gesamtbranche verzeichnete einen Umsatzrückgang von 36 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf ca. 7,2 Milliarden Euro im Jahr 2020. Das ist ein wirtschaftlicher Einbruch von 80 Prozent. Die Kurzarbeitsquote in touristischen Unternehmen liegt ebenfalls bei 80 Prozent.

Für einen Neustart braucht es verlässliche Rahmenbedingungen als Vertrauensmaßnahme. DRV-Präsident Norbert Fiebig betonte die Wichtigkeit einer verlässlichen Teststrategie für Reisen, denn die ständig wechselnden Reisevorgaben und die Quarantäneregeln seien der „Sargnagel der Branche und des Buchungsniedergangs“ gewesen.

Beim Überbrückungsgeld III müsse nachgearbeitet werden, da größere Betriebe in finanzieller Relation durchs Raster fallen.

Der Knackpunkt der Branche ist und bleibt die finanzielle Liquidität, die gesichert werden muss. Aktuell liegt die Rate einer drohenden Insolvenz bei „nur“ 3 bis 4 Prozent. Dies kann sich, je nach wirtschaftlicher Entwicklung und Hilfen schnell zum Schlechteren verändern.

Die Reisebranche hofft auf eine Erholung im Jahr 2021, auf 60 Prozent des Umsatzes von 2019, auf die beginnenden Impfungen, die flächendeckende Anerkennung und Verwendung von Antigen-Schnelltests und auf die nach wie vor unterstützenden Hilfsmaßnahmen von staatlicher Seite, auch wenn man weg will von Hilfen und Krediten. Denn, so DRV-Präsident Fiebig, Keiner in der Reisewirtschaft wolle länger als unbedingt nötig am Tropf des Staates hängen.

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands – Foto: DRV

Bahnverbindungsstopp

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet stoppen die Schweizer Bundesbahnen ab morgen den Zugverkehr zwischen der Schweiz und Italien. Italienische Behörden hatten verlangt, dass die Zugbegleiter die erforderlichen Corona-Schutzmaßnahmen und die damit verbundenen Covid-19 Überprüfungen durchführten. Dafür sei nicht genügend Personal vorhanden, was zur Unterbrechung des Zugverkehrs führt. Betroffen sind zahlreiche Regionalzüge, aber auch internationale Fernverbindungen, wie zum Beispiel der Zug zwischen Frankfurt und Mailand. Der ohnehin schon reduzierte Bahnverkehr ruhe zunächst auf unbestimmte Zeit, so eine Sprecherin der Schweizer Bundesbahnen. Nach dem Fahrplanwechsel der Schweizer Bahnen am 13. Dezember führen Schweizer Züge auch nicht mehr nach Deutschland, sondern nur noch bis Basel.

Covid-19-Checks: Internationale Verbindungen geraten ins Stocken

Die Deutsche Bahn hat angekündigt mit zusätzlichem Personal der Bundespolizei verstärkte Maskenkontrollen, insbesondere auf deutschen Fernverbindungen, durchzuführen. 5.000 Beamte der Bundespolizei seien dafür zusätzlich im Einsatz.

Wenig Flugverkehr über die Feiertage

Trotz gegenteiliger Meldungen einiger Fluggesellschaften in Sachen Zweckoptimismus zieht die Internationale Luftfahrtorganisation IATA eine durchwachsene Bilanz in Sachen Flugreisen über die Weihnachtsfeiertage. Die Ticketverkäufe für Flüge zwischen dem 15. Dezember und dem 10. Januar lägen bis zu 80 Prozent unter den Buchungen des Vorjahrs.

Foto: Fraport AG

Den Umsatzverlust der europäischen Fluggesellschaften berechnet der Airline-Verband für das Jahr 2020 auf etwas über 22 Milliarden Euro. Die IATA geht davon aus, dass sich der Luftverkehr frühestens in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 zu erholen beginnt.

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