
Podcast: Play in new window | Download (Duration: 1:10:00 — 64.1MB)
Kostenlos abonnieren: Spotify | Amazon Music | RSS
Ein entspanntes Abenteuer: Es ist die Fahrt mit einem 152 Jahre alten Schiff von Stockholm nach Göteborg. Einmal quer durch den Göta-Kanal von Meer zu Meer.
Die Reise
Davon hatte ich seit Jahren geträumt. Im vergangenen Sommer wurde dieser Traum wahr. Es war ein herrlich nostalgisch, entspannender Trip auf der MS Juno von Ost nach West. Knapp 300 Kilometer durch Schweden in drei Tagen und sieben Stunden. Drei Übernachtungen auf dem Schiff und Vollpension inklusive.

Die Geschichte muss man hören, deshalb halte ich mich mit Texten diesmal her zurück. Was Ihr bekommt sind reichlich Informationen über die Reise selber, das historische Schiff, dessen Technik, die Technik des historischen Göta-Kanals, die Landschaft, die Entspannung und – kann ich nach der Selbsterfahrung bestätigen – die Ausräumung einiger luxusgewöhnte Bedenken in Sachen Platz, Kabine, sowie Gemeinschaftsduschen und Toiletten.
Die Juno
Sie ist ein ganz besonderes Schiff und das älteste in Betrieb befindliche Schiff auf dem man auch übernachten kann. Schon beim ersten Anblick wurde ich von Nostalgie eingeholt. Viel Weiß und viel bräunliches Holz stechen ins Auge.

Es ist ein wenig wie beim Einschiffen zu einer Kreuzfahrt vor 150 Jahren. Die Sonne scheint am Morgen des 08. August vom schwedischen Himmel. Johann, der erste Offizier an Bord und Maria, Gästebetreuerin mit phantastischen Deutschkenntnisse übernehmen die Begrüßung. Albert, offizieller Titel Schiffsjungmann, nimmt mir, wie im 5-Sterne-Hotel den Koffer ab und bittet mich ihm zu folgen.Kabine A16. Brückendeck. Eine schmale Treppe geht nach oben.
Juno – Facts
Juno wurde 1874 für den Betrieb auf dem Göta-Kanal gebaut und in Dienst gestellt, zunächst als Fracht- später als Passagierschiff. Sie war ursprünglich ein Dampfschiff und wurde erst 1956 mit dem jetzigen Dieselantrieb versehen. Der aktuelle Antrieb durch zwei Volvo Penta-Dieselmotoren mit je 300 PS wurde im Jahr 2009 eingebaut. Die 600 PS sorgen für eine Höchstgeschwindigkeit von gut 9-10 Knoten (ca. 18 km/h).

Das Schiff ist 31,45 Meter lang und 6,68 Meter breit. Sie hat einen Tiefgang von knapp 2,80 Metern. Dies ist ein kleines Manko, erklärte mir Kapitänin Annette Hansell, den der Kanal ist meist nur 3 Meter tief, was bei Wassermangel im Sommer zum Problem wird, trotz der Geschwindigkeitsbegrenzung von 5 Knoten (ca. 9km/h) im Kanal. Meist sind wir langsamer betont Annette, bedingt durch Untiefen und Kurven.
Die Juno fährt unter schwedischer Flagge. Ihr Heimathafen ist Göteborg.
Juno – Kabinen
Was gibt es zu erklären bei einer Kabine, die etwa 2,10 Meter lang und 1,30 Meter breit ist? Es gibt 29 Kabinen, verteilt (von oben nach unten) auf Brückendeck (A), Shelter-Deck (B) und Hauptdeck (C). Sie haben einen Außenzugang vom Deck aus (A & B) oder einen Innenzugang (C). Alle Kabinen sind Außenkabinen und haben Fenster (A & B) oder Bullaugen (C).

Tür, Fenster, Lichtschalter, 1-2 Steckdosen, den sogenannten Schrank mit einer „sagenhaften“ Tiefe von rund 15 Zentimetern. Direkt neben dem Kopfkissen gibt es ein Waschbecken, dessen Abdeckung man hochklappen muss. Die Schlaf-Koje (in der Regel Stockbetten) ist etwa 60 Zentimeter breit. Rausfallen kann man nicht, denn da ist ja das Waschbecken.

Für zwei Personen gleichzeitig wird es ziemlich eng. Unter dem Waschbecken befindet sich noch Platz für kleinere Kleidungsgegenstände und die Waschutensilien. Kleine Koffer, besser Reisetasche, sollte man nach dem Bezug vor die Tür stellen. Gepäckstücke werden eingelagert, hier drin ist dafür kein Platz.
Juno – Sanitäreinrichtungen
Bei der Enge der Kabinen ist klar, dass Toiletten oder Duschen nicht in die Kabine passen. Man findet sie auf allen Decks. Insgesamt sind es 7 Toiletten und 5 Duschen. Das klingt wenig. Meine Erfahrung: Wartezeiten an den Toiletten muss man einkalkulieren. Beim Duschen hatte ich keinerlei Wartezeit, allerdings war ich immer abends vorm Schlafengehen unter der Dusche.

Bemerkenswert: Alle Sanitäreinrichtungen werden ständig gepflegt und sorgsam gereinigt. Hygienische Probleme habe ich nicht erlebt.
Juno – Gemeinschaftsräumlichkeiten
Auf dem hinteren Brückendeck befindet sich der Outdoor-Bereich mit reichlich bequemen Sitzmöglichkeiten, sowie Selbst-Service-Bar und Kaffeemaschine. Kaffee ist inklusive, Softdrinks und alkoholische Getränke werden per ausgelegter Liste auf Vertrauensbasis abgerechnet.

Auf dem Shelterdeck befinden sich der Salon und die Bibliothek. Beide Räume werden auch für die Mahlzeiten genutzt. Auf dem vorderen Shelterdeck ist außerdem ein Sitzbereich für Ruhesuchende und Sonnenhungrige.

Zum Hauptdeck geht es eine Treppe abwärts in den „Bauch“ des Schiffs. Hier sind auch die Küche und im vorderen Teil die Schlafräume und der Aufenthaltsraum für die Besatzung untergebracht.
Das kulinarische Angebot
Es gibt drei feste Mahlzeiten pro Tag: Frühstück in Büffetform, ein zweigängiges Mittag- und ein Abendessen mit drei Gängen. Auf meinem Trip zauberte Küchenchef Patrick wirklich Außergewöhnliches.



Man bedenke, die Küche misst gerade mal sechs Quadratmeter. Die Küche ist schwedisch geprägt, durchgehend lecker und insbesondere Fischfreunde finden ein Paradies. Auf Wunsch und Voranmeldung liefert Patrick auch vegetarische und vegane Angebote.

Nicht fehlen darf natürlich die tägliche „Fika“, die kleine schwedische Pause mit Kaffee und süßem Gebäck. Je nach Programm, gibt’s die Fika auch zweimal pro Tag.
Göta Kanal: Das Programm
Obligatorisch ist das Informations- und Sicherheitsmeeting kurz nach der Abfahrt. Hier bekommt man alle wichtigen Infos zum Schiff, den Einrichtungen und – ganz wichtig – zu allen Fragen in Sachen Sicherheit an Bord, auch in Notfällen.

Es gibt tägliche Ausflüge zu Attraktionen auf und am Weg. Zusätzlich gibt es auch Angebote zu Spaziergängen, zum Beispiel entlang des Kanals während die Juno sich durch mehrere Schleusen arbeitet. Diese Schleusen sind auf der Strecke keine Mangelware und meist bieten mehrere Schleusungen hintereinander genügend Zeit zur Bewegung.

Wichtig bei Attraktionen und Bewegung: Alles richtet sich nach dem Fahrplan. So kann es schon passieren, dass die eigentliche Einfahrt in die erste Kanalschleuse morgens um 1 Uhr 30 passiert, gefolgt von einem längeren Spaziergang während der Juno-Schleusungen um 5 Uhr 15. Das schöne dabei ist, dass man diese Aktivitäten mitmachen kann, aber keinesfalls muss. Die Ausflüge sind zudem immer auch vom Wetter abhängig.

An Bord sind auch zwei Leihfahrräder, die man kostenlos leihen kann, um neben der Juno herzufahren.
Der Brückenbesuch
Auf der Juno gibt es die Regel der „Open Bridge“. Gäste an Bord können jederzeit Kapitänin Annette und Johann, dem ersten Offizier über die Schulter schauen. Wer ins Innere der Steuerungszentrale will, sollte aber vorher fragen. Meistens passt es, manchmal aber auch nicht.

Die Entspannung
Das wird ganz groß geschrieben. Kein Gast an Bord wird zu irgendeiner Aktivität genötigt. Wer möchte kann „einfach nur sitzen“ und in die Sonne schauen. Die Bibliothek bietet Lesestoff in mindestens drei Sprachen. Was es nicht gibt an Bord sind Fernsehen und Radio. Musikhören gerne per Handy und Kopfhörer.
Apropos Mobiltelefon. Die Juno verfügt über bordeigenes und gut funktionierendes WLAN. Die freundliche Bitte, schon beim ersten Meeting lautet aber: Fotografieren mit Handy gerne und immer. Handy lautlos: Bitte, bitte JA! Telefonieren: Wenn es denn sein muss, aber bitte nicht in den öffentlichen Bereichen, gerne an Land oder in der eigenen Kabine.

Rauchen ist an Bord übrigens offiziell verboten. Mit Rücksicht auf Gäste gibt es aber auf dem Shelterdeck am Heck des Boots einen fest installierten Aschenbecher.
Das Wetter
Diese Reise findet in Schweden statt und nicht in Italien oder Spanien. Die Göta-Kanal-Reisen gibt es ohnehin nur von Mai bis September. Der schwedische Sommer kann richtig warm und sonnig sein, aber Regen ist nie ausgeschlossen. Abends kann es, gerade auf dem Wasser schnell mal frisch werden. Darauf sollte man bei der Auswahl der Reise-Kleidung achten.

Zur Route zählt auch die Durchquerung der zwei größten schwedischen Seen. Sowohl Vättern, als auch Vänern haben aufgrund der Größe ihr eigenes Mikroklima. Heftige Winde, kurze Schauer oder auch länger anhaltender Regen sind auch im Sommer nicht ausgeschlossen. Ich weiß aus Erfahrung, warum ich das schreibe. Hört selber im Podcast.
Göta Kanal: Die Reise

Das Jahresprogramm der Göta-Kanal-Reisen für 2027 ist veröffentlicht und buchbar.
Die Reisen sind wundervoll und ihr Geld absolut wert. Schnäppchenpreise für diese Reisen gibt es allerdings nicht. Die gemachte Reise gibt es 2027 ab 2.000 Euro pro Person, inklusive Übernachtung und Vollpension auf dem Hauptdeck. Bei Buchung einer Kabine auf dem höhergelegenen Brückendeck ist man ab 3.000 Euro dabei.
Weitere Infos gibt es in einem Reiseradio-Talk-Podcast mit Gästebetreuerin Maria Kühler.
Die Anreise
Die Reisen mit den Göta-Kanal Schiffen starten fast immer in Göteborg oder Stockholm. Bei kürzeren Trips gibt es weitere Häfen. Touristen aus dem Ausland werden aber in der Regel die vier- oder sechstägige Tour machen. Dabei drängt sich in der Tat die Fluganreise auf.
Von und zu den Flughäfen in Stockholm (Arlanda) und Göteborg (Landvetter) gibt es schnelle An- und Abreisemöglichkeiten.

Zwischen Arlanda und dem Stockholmer Hauptbahnhof fährt der Arlanda-Express in nur 20 Minuten. Tickets sind etwas teurer, aber das lohnt. Für Menschen über 65 gibt es ein Seniorenticket mit erheblichem Nachlass.
Göteborg-Landvetter ist mit Bussen angebunden. Je nach Tageszeit fahren Flixbus oder (fast rund um die Uhr) auch der Flughafenbus (Flygbussarna) zwischen dem Airport und dem Busterminal am Hauptbahnhof. Tickets gibt es ab etwa 10 Euro (99skr)

Selbstverständlich kann man sowohl nach Göteborg (mit Umsteigen) oder auch nach Stockholm (nonstop) mit der Bahn fahren. Bequem sind auch die Nachtzugverbindungen mit SJ oder Snelltåget.

Hinweis
Die Recherche für diesen Podcast wurde unterstützt von
Götakanal Rederiactiebolaget.
Meine Meinung wurde nicht beeinflusst!



Hinterlasse jetzt einen Kommentar